Seit dem Ausbruch des Nahostkonfliktes wurden mehrere Konfliktlösungsvorschläge für die Schaffung einer jüdischen und einer arabischen Heimatstätte in der Region Palästina erarbeitet. Die Staatengemeinschaft forderte mehrmals durch die Vereinten Nationen eine „friedliche Lösung der Palästinafrage“ (englisch: „Peaceful settlement of the question of Palestine“),, Generalversammlung der Vereinten Nationen, 22. November 1974 welche durch Beachtung der in Resolution 242 genannten Rahmenbedingungen ermöglicht werden soll. Die zentralen Konfliktfragen in den israelisch-palästinensischen Gesprächen sind Grenzen, israelische Siedlungen, Sicherheit und Flüchtlinge. Sowohl die frühen zionistischen Vertreter vor der Unabhängigkeit Israels als auch mehrere israelische Regierungschefs danach haben seit 1919 mehrere Übereinkünfte mit arabischen Vertretern getroffen und eine Vielzahl von Friedensangeboten vorgelegt, jedoch konnte aus verschiedenen Gründen keines von diesen einen regionalen Frieden etablieren.
Nach dem Überfall vom 7. Oktober 2023, im Juli 2024, verabschiedete die Knesset eine Resolution, in der sie die Gründung eines palästinensischen Staates ablehnte.
Friedensdiplomatie bis zum Sechstagekrieg
Faisal-Weizmann-Abkommen Das Faisal-Weizmann-Abkommen ist eine am 3. Januar 1919 auf der Pariser Friedenskonferenz zwischen Arabern (Delegationsleiter Emir Faisal) und Zionisten (Delegationsleiter Chaim Weizmann) getroffene Übereinkunft über die politische Neuordnung Palästinas. Die Übereinkunft bestimmte die einvernehmliche Festlegung von Staatsgrenzen für das von Faisal angestrebte arabische Königreich und den von Weizmann gemäß der Balfour-Deklaration angestrebten jüdischen Staat. Die Araber stimmten damit der Herauslösung Palästinas aus dem arabischen Königreich und der Existenz eines jüdisch-zionistischen Staates im Falle des Erlangens politischer Unabhängigkeit zu. Da die Levante sowie das Gebiet des heutigen Irak auf der Konferenz von Sanremo zwischen Frankreich (Völkerbundmandat für Syrien und Libanon) und Großbritannien (Britisches Mandat über Palästina, Britisches Mandat Mesopotamien) aufgeteilt wurde, trat die Vereinbarung nie in Kraft. mini|245x245px|Vorschlag für eine Aufteilung durch die Peel Kommission.
Vorschlag der Peel-Kommission Die Peel-Kommission war eine Kommission, welche die Briten während ihrer Mandatsherrschaft in Palästina einrichteten. Sie schlug am 7. Juli 1937 erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor. Von arabischer Seite wurde dieser Vorschlag – mit Ausnahme von König Abdallah von Transjordanien – abgelehnt, der ca. 20 % des Territoriums für den zukünftigen jüdischen Staat vorsah. Noch im September 1937 rief im syrischen Bludan ein panarabischer Kongress zum vereinten Widerstand gegen das »Weltjudentum« und die zionistische Bewegung auf. Während die zionistische Bewegung zunächst aufgrund der geringen territorialen Zugeständnisse geteilter Meinung war, stimmte sie dann aber im Gegensatz zur arabischen Seite zögernd für den Friedensplan. Die britische Regierung ließ den Teilungsplan später fallen, setzte die Woodhead-Kommission ein und veröffentlichte gemäß den Empfehlungen dieser Kommission das MacDonald-Weißbuch.https://unispal.un.org/pdfs/Cmd5479.pdf
UN-Teilungsplan von 1947 (Resolution 181) mini|267x267px|Der UN-Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina. Der UN-Teilungsplan für Palästina wurde am 29. November 1947 von der UN-Generalversammlung als Resolution 181 (II) angenommen. Die Resolution beinhaltete die Beendigung des britischen Mandats und sah vor, Palästina in einen Staat für Juden und einen für Araber aufzuteilen, wobei Jerusalem (einschließlich Bethlehems) als Corpus separatum unter internationale Kontrolle gestellt werden sollte. Die meisten Juden akzeptierten den Plan, zu nennen ist hier vor allem die Jewish Agency, eine Art Vorgängerregierung des Staates Israel. Die arabischen UNO-Mitglieder lehnten den Plan ab. Neben der generellen Ablehnung eines jüdischen Staates geschah dies mit der Begründung, der Plan verletze die Rechte der arabischen Bewohner Palästinas und sei eine Katastrophe.
Das Ende des britischen Völkerbundsmandates für Palästina am 14. Mai 1948, einem Freitag, um Mitternacht, führte zur Versammlung des Jüdischen Nationalrats im Haus des ehemaligen Bürgermeisters Dizengoff in Tel Aviv um 16 Uhr, Erev Schabbat. David Ben Gurion verkündete in der israelischen Unabhängigkeitserklärung „kraft des natürlichen und historischen Rechts des jüdischen Volkes und aufgrund des Beschlusses der UNO-Vollversammlung“ die Errichtung des Staates Israel. Einige Stunden nach der Ausrufung des Staates Israel eröffneten die Armeen Transjordaniens, des Irak, des Libanon, Ägyptens und Syriens einen Krieg gegen Israel (Palästinakrieg, in Israel „Unabhängigkeitskrieg“).
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bezeichnete im Jahr 2011 die Reaktion der arabischen Seite als Fehler.
Levi Eshkols Friedensplan 1965 Seit Israels Unabhängigkeitskrieg trat die arabische Ablehnung des Existenzrechtes Israels oft in den Vordergrund des Konfliktes. Dies geschah sowohl auf politischem Wege in Resolutionen der Arabischen Liga, auf ökonomischen Wege durch eine Ausweitung des Boykotts Israels und auf militärischem Wege durch die Unterstützung von arabischen Freischärlern bei Terrorangriffen auf israelische Zivilgebiete.
Der israelische Premierminister Levi Eschkol setzte sich seit seinem Amtseintritt 1963 für die Ausweitung der israelischen Beziehungen mit den USA und der Sowjetunion ein, vereinbarte mit Bundeskanzler Ludwig Erhard die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland und stellte in einer Rede vor der Knesset einen Friedensplan für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten vor. In einer Rede am 17. Mai 1965 führte er unter anderem folgende Punkte an:
Direkte Verhandlungen, um die Waffenstillstandsabkommen durch Friedensabkommen zu ersetzen Bewegungsfreiheit aller Bürger in Israel und den arabischen Staaten; Transitfreiheit in Flughäfen Zugang zu israelischen Häfen für Jordanien Ausweitung des Tourismus in der Region Weitere wirtschaftliche Kooperationen Freien Zugang zu religiösen Orten Israelische finanzielle Entschädigung für Flüchtlinge
Im Gegenzug müssten die arabischen Staaten Israels Existenzrecht und dessen Souveränität sowie territoriale Integrität innerhalb der Grünen Linie anerkennen und dem Unterlassen jeglicher weiteren Aggression gegen Israel zustimmen. Es gab keine direkte Antwort arabischer Politiker auf dieses Friedensangebot. Jedoch verkündeten am 25. Mai 1965 der ägyptische Präsident Nasser und der irakische Präsident Arif ihre weitere Unterstützung des Beschlusses der Arabischen Liga von 1964, welche den „kollektiven arabischen Kampf für die Befreiung Palästinas“ ankündigte. Da zu diesem Zeitpunkt das Westjordanland von Jordanien annektiert war und der Gazastreifen von Ägypten verwaltet wurde, waren damit nicht diese Gebiete gemeint, sondern Israel sei das zu „befreiende“ Land.
Friedensdiplomatie nach dem Sechstagekrieg Der Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien dauerte vom 5. bis zum 10. Juni 1967 und war der dritte Arabisch-Israelische Krieg. Unmittelbare Auslöser waren die ägyptische Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt, der von Ägyptens Präsident Nasser erzwungene Abzug der UNEF-Truppen vom Sinai und ein ägyptischer Aufmarsch von 1000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an den Grenzen Israels. Der Krieg begann am 5. Juni mit einem Präventivschlag der israelischen Luftstreitkräfte gegen ägyptische Luftwaffenbasen, der einem befürchteten Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte. Im Verlauf des Krieges eroberte Israel die gesamte Sinai-Halbinsel, den zuvor von Ägypten besetzten Gazastreifen sowie das zuvor von Jordanien besetzte Westjordanland und öffnete die Straße von Tiran nach der ägyptischen Blockade wieder.
Israel und Jordanien Das Verhältnis zwischen Israel und Jordanien war bereits vor dem Krieg sehr angespannt. Der Angriff im November 1966 setzte einen Schlusspunkt unter dreijährige Geheimverhandlungen zwischen König Hussein und Israel. Hussein sah seinen Thron in direkter Gefahr, da die Palästinenser und Teile des Militärs begannen, ihm die Gefolgschaft zu verweigern. Israel hatte ihm wenige Tage vor dem Sechstagekrieg versichert, keinen Angriff auf Jordanien zu planen, wenn sich jordanischen Streitkräfte ruhig verhielten. Jedoch eröffnete Jordanien am 6. Juni das Feuer an der Waffenstillstandsgrenze und bombardierte Westjerusalem. Israel ging zum Gegenangriff über.Resolution 228
Eine interne Arbeitsgruppe der israelischen Regierung formulierte vor dem Krieg die Ziele der israelischen Regierung bezüglich Jordanien. Demnach war Israel bestrebt, Hussein an der Macht zu halten, da er die Existenz Israels anerkenne und durch seine Ermutigung an die Palästinenser, sich im Königreich niederzulassen, den israelisch-palästinensischen Konflikt entschärfe. Die Arbeitsgruppe kam aber zu dem Schluss, dass Israel eingreifen müsse, sobald Jordanien fremde arabische Truppen auf seinem Territorium zulasse oder mit anderen Staaten ein gegen Israel gerichtetes Bündnis eingehe.Tom Segev: 1967 – Israels zweite Geburt, München, 2007 S. 188 ff., S. 288 ff.
Israel und Syrien In den 1960er Jahren war die syrisch-israelische Grenze ein Ort andauernder Konflikte. Syrien unterstützte gemeinsam mit der Sowjetunion die palästinensischen Freischärler in ihrem Kampf gegen Israel, welche durch Terroranschläge zwischen 1965 und 1976 132 Israelis ermordeten. Außerdem beschoss Syrien Zivilisten in den israelischen Ortschaften im nordöstlichen Galiläa von seinen Grenzposten auf dem Golan aus. Im Frühjahr 1966 war deutlich geworden, dass Israels Nachbarstaaten ihre anti-israelischen Aktivitäten verstärkten. Innerhalb Israels wurden 1966 Rufe nach einem harten Vorgehen gegen Syrien immer lauter.302x302px|mini|Die orangen Territorien wurden Ägypten und Syrien von Israel im Gegenzug für einen Friedensvertrag angeboten, welchen die Arabische Liga ablehnte.
Israels Friedensangebot an Ägypten und Syrien Am 19. Juni 1967, neun Tage nach Israels Sieg im Sechstagekrieg, beschloss das israelische Kabinett die Vorlage eines Friedensangebots an Syrien und Ägypten. Über amerikanische diplomatische Kanäle bot Israel die Rückgabe der Golanhöhen an Syrien und die Rückgabe des Sinais an Ägypten an unter der Bedingung, dass beide Länder Israels Existenzrecht anerkennen und weitere Angriffe unterlassen würden. Aus veröffentlichten Manuskripten der israelischen Regierung geht hervor, dass viele israelische Politiker einschließlich Menachem Begin selbst für die Rückgabe der Gebiete waren, auch wenn Syrien und Ägypten einen Frieden mit Israel verweigerten, aber dafür einer Entmilitarisierung zustimmen und die Rechte israelischer Schiffe in internationalen Gewässern anerkennen würden.
Beschluss der Arabischen Liga gegen Frieden Die Khartum-Resolution vom 1. September 1967 wurde kurz nach Israels Friedensangebot von der Arabischen Liga verabschiedet. Sie bestimmte die Basis der Außenpolitik dieser Staaten bis zum Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973. Die Resolution enthält in ihrem dritten Absatz Bestimmungen, die als die „drei Neins“ beziehungsweise die „Three No's“ bekannt wurden:
NO peace with Israel – Kein Frieden mit Israel NO recognition of Israel – Keine Anerkennung Israels NO negotiations with Israel – Keine Verhandlungen mit Israel
Nach der Zurückweisung des israelischen Friedensangebots und der kategorischen Ablehnung aller Gespräche und Friedensbemühungen durch die Arabische Liga zog die israelische Regierung das Friedensangebot im Oktober 1967 wieder zurück. Die Arabische Friedensinitiative von 2002 stellt eine bedeutende Abkehr von diesen „drei Neins“ dar.
Frieden mit Ägypten