Holnstein ist ein Gemeindeteil der Stadt Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und eine Gemarkung.

Geografie

Lage Das Pfarrdorf befindet sich rd. 5,3 km östlich des Hauptortes Berching an der Staatsstraße St2251 und an der Unterbürger Laaber. Hier trennt sich dieser vom heutigen Main-Donau-Kanal. Die drei ehemaligen Gemeindeteile liegen östlich von Pollanten auf einer Hochebene.

Gemarkung Die Gemarkung Holnstein hat eine Fläche von 6,1499 km². Sie ist in 521 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 11.804,2 m² haben.

Nachbargemarkungen Nachbargemarkungen sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Altmannsberg, Staufersbuch, Oening und Winterzhofen.

Quelle

Geschichte

Vorgeschichte und Ersterwähnung Wie die auf dem Högelberg (350–800 m ssö von Holnstein) gelegene Abschnittsbefestigung mit Funden aus der Bronze-, Urnenfelder- und Latenezeit belegen, war die Gegend um Holnstein bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt.

Erstmalige schriftliche Erwähnung erfuhr das Pfarrdorf in der Pontifikale Gundekarianum. Dort steht zu lesen, dass der Eichstätter Bischof Gundekar II. (* 1019; † 1075) im Zeitraum zwischen 1057 und 1075 in „Holenstein“ eine Kirche weihte.

Das Adelsgeschlecht der Holnsteiner In einer Urkunde des Regensburger Klosters St. Paul des Jahres 1097 wird erstmals ein Vertreter des Ministerialengeschlechts der Holnsteiner, "Chůno de Holensteine", aufgeführt. In den Aufzeichnungen des Klosters Reichenbach am Regen der Jahre 1118–1125 wird "Adalpertus de Holensteine" genannt. In der Urkunde vom 1. November 1138 des Eichstätter Bischofs Gebhard II., mit der dem Kloster Plankstetten verschiedene Rechte eingeräumt wurden, werden "Goperthus et filius eius (und sein Sohn) Adelpertus de Holensteine" in der Zeugenliste aufgeführt. Am 18. Juni 1169 stellt Bischof Konrad I. von Eichstätt eine Urkunde aus, die von "Adelbreht von Holensteine" bezeugt wird.

In einer Urkunde Bischof Ottos von Eichstätt vom 9. März 1184 wird bestätigt, dass "Albert von Holensteine" die Vogtei über die Kirche von Weihersdorf innehat. Noch einmal werden die Holnsteiner im Jahre 1202 erwähnt, als Ulrich von Buch ein "dienstmann der edlen Adalbert und Otto von Holnstein" ein kleines Gut an des Kloster Plankstetten übergab. Ein weiteres Mal wird die Familie in einer Urkunde vom 14. Dezember 1260 als "dominus (Herr) Engelbertus de Holnstein et filius eius (und sein Sohn) Hermann" vor den Bürgern der Stadt Nürnberg auf ihren Anteil auf einen Hof zu "Růt" (abgegangener Ort, vermutlich bei Sulzbürg) verzichten.

Ein letztes Mal hören wir von den Holnsteinern in der Person von "Adelheid von Holnstein", die in den Jahren 1292 bis 1298 dem Kloster Seligenporten als Äbtissin vorstand.

Kurz darauf dürfte das Adelsgeschlecht der Holnsteiner dann ausgestorben sein.

Dorf und Herrschaft Holnstein mini|hochkant|Wappen der Familie von Heideck nach dem Scheiblerschen Wappenbuch Bereits davor fielen Burg, Ort und Herrschaft Holnstein auf dem Erbwege dem Ministerialengeschlecht der Heidecker zu, denn bereits im Jahre 1221 werden in einer Urkunde des Klosters Auhausen die Vogteirechte der Heidecker an der Herrschaft Holnstein erwähnt.

In der Urkunde vom 16. Juni 1278 bestätigt Burggraf Friedrich von Nürnberg, dass er das Patronatsrecht über die Kirche in Holnstein als Lehen der Eichstätter Kirche erhalten hat.

Bereits um das Jahr 1300 verkauften die Heidecker das Pflegamt und die Burg Holnstein an die Herzöge Ludwig und Rudolf von Bayern. In einem Bayerischen Urbar des Jahres 1326 wird das "Amt Holnstein" näher beschrieben. Holnstein diente den bayerischen Herzögen in der Folgezeit auch als Pfand. So lösten im Jahre 1365 Konrad Pechtaler und Adam Ittelhofer die Burg Holnstein mit Einwilligung der Bayerischen Herzöge Stefan und Friedrich von Hans Hausner ein.

Im Jahre 1376 lag das Kirchenpatronat Holnsteins bei den Hilpoltsteinern, die dieses im gleichen Jahr gegen das Patronat über Hilpoltsteiner Kirche tauschten. Neuer Inhaber dieser Rechte in Holnstein wurde damit das Kloster Plankstetten.

1411 verkauften die Gundelfinger ihren Anteil an der Burg Holnstein, den sie von den bayerischen Herzögen erhalten hatten, an Ulrich den Muracher. Ab dem Jahre 1465 stand Holnstein unter dem Lehen der böhmischen Krone. Am 7. März 1479 belehnte König Mathias den bayerischen Herzog Otto u. a. auch mit dem Amt Holnstein.

Das "gefreite" Pflegamt Holnstein verfügte über Niedergericht, Steuer- und Kameralwesen, während die Hochgerichtsbarkeit schon seit dem Jahre 1631 beim Schultheißenamt Neumarkt lag. mini|hochkant|Johann T'Serclaes von Tilly Am 30. September 1631 erhielt der Feldherr Johann Graf von Tilly das Schloß und das Pflegamt Holnstein als Mannlehen. Über hundert Jahre lang blieb Holnstein im Besitz der Grafen Tilly bis das Geschlecht im Jahre 1724 mit Ferdinand Lorenz von Tilly im Mannesstamm erlosch. Danach erhielten es die Grafen von Holnstein aus Bayern zu Lehen. Der neue Zehnstadel ("Droikastn") wird im Jahre 1760 errichtet. 1769 ließ Graf Franz Ludwig von Holnstein das alte Pflegschloss abreißen und durch ein neues Barockschloss im ländlichen Stil ersetzen. Mit Vertrag vom 6. Juli 1787 erwarb Max Josef Graf von Holnstein als Allod auch das Landsassengut Pollanten. Einer Aufstellung zur Niedergerichtsbarkeit des Ortes aus dem Zeitraum der Jahre 1770 bis 1811 ist zu entnehmen, dass das Pfarrdorf zu jener Zeit aus 38 Anwesen, dem Schloss, Zehntstadel, einem Gerichtsdienerhaus und einem Hirtenhaus bestand. Im Einzelnen setzte sich der Ort wie folgt zusammen:

4 Stück 1/2-Höfe 8 Stück 1/8-Höfe 26 Stück 1/20-Höfe

Nachstehend die Amtsleute/Richter/Schreiber des Pflegamts Holnstein, soweit bekannt mit Jahresangabe.

Ab Amtmann Ab Amtmann Ab Amtmann Ab Amtmann 1352 Ulrich von Maidbruck Christoph von Zant Junker Christoph von Enb Johann Karl von Bozheim Leonhard Zenkel 1401 Andre Eichenseer Balthasar von Würsperg zu Landzendorf Viktorius Golch von Imola Christoph Förtschl Körgl 1519 Hans Sipl zu Waltersberg 1524 Christoph Reicharter von Pechtal Christoph Pogner Matthias Seeger 1584 Xaver Seeger auf Staufersbuch und Pollanten Thadä Pracher 1620 Christoph von Bischofsheim 1635 Neumaier 1637 Victor Gilg 1638 Franz Xaver Seeger Prankl Frölich Seiler zu Perlach 1743 Wilhelm von Raitenstein auf Bodenstein

Quelle zu 1637 Victor Gilg Seite 199

Gemeinde und Patrimonialgericht Holnstein Mit dem Königlichen Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 entstand die Ruralgemeinde Holnstein, der auch die Ortsteile Butzenberg und Rudersdorf angehörten. EinwohnerentwicklungBerichtsjahrPfarrdorf HolnsteinGemeinde Holnstein1871202265192535942219505155631970477 --1987380 --2026377 -- Nach einer Entschließung vom 9. Oktober 1827 wurde das Patrimonialgericht und der Steuerdistrikt Holnstein vom Landgericht Neumarkt abgetrennt und dem Landgericht Beilngries zugeteilt. Die Grafen von Holnstein veräußerten ihren Besitz im Labertal und traten im Rahmen der Deutschen Revolution am 18. April 1848 ihre Patrimonialgerichtsbarkeit freiwillig an das Königreich Bayern ab.

Im Jahre 1848 kaufte Graf Max von Gravenreuth zu Affing das Schloss und Herrschaft Holnstein. Bereits 1855 verkaufte er Schloss und Nebengebäude an den Güterhändler Simon Meier-Levi aus Regensburg, der den Besitz zerlegte und einzeln verkaufte. Das Schloss ging dabei im Jahre 1862 an den Berchinger Chirurgen Johann Georg Lehr. Es folgten Bürgermeister Jäger aus Beilngries (ab 1871), der Münchner Privatier Max Fellermeier (bis 1874) und zuletzt Hauptmann Strömsdorfer aus Ingolstadt. mini|hochkant|Regens Wagner Holnstein 1880 wurde das Schloss von den Dillinger Franziskanerinnen erworben und zu einer Behindertenanstalt umgebaut. Dabei wurden sie vom Eichstätter Bischof Franz Leopold von Leonrod unterstützt, der am 26. April 1881 die Anstalt eingeweihte. In Folge dieser Ansiedlung wurde auch die Dorfkirche zu klein, so dass im Jahre 1893 das Schiff der Kirche St. Georg um ca. 10 m westwärts verlängert werden musste. 1929 wurde in der Behinderteneinrichtung eine Hauskapelle gebaut.

Gebietsreform Im Rahmen der Bayerischen Gemeindegebietsreform wurde per 1. Januar 1972 die bisherige Gemeinde Altmannsberg mit den Ortsteilen Matzenhof, Ritzermühle, Simbach und Wackersberg der Gemeinde Holnstein zugeordnet. Am 1. Mai 1978 wurde dann die Gemeinde Holnstein mit allen Ortsteilen in Berching eingegliedert.

1983 wurde das Dorf an die Wasserversorgung der Ittelhofener Gruppe angeschlossen. 1993 verließen die Ordensschwestern die Regens-Wagner-Stiftung Holnstein.

Ortsname Gemäß den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften setzt sich der Ortsname aus dem althochdeutschen Bestimmungswort "hol" (hohl, ausgehöhlt, im Dat. Sg. "holen") und dem althochdeutschen Grundwort "stein" (Felsblock, Stein) zusammen, so dass sich die Namensbedeutung "(Siedlung/Burg) am hohlen Stein" ergibt.

Der Ortsname dürfte sich auf die Felsenhöhle in Holnstein beziehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Ehemaliges Pfarrhaus und ehemaliger Zehntstadel Baudenkmäler In der Liste der Baudenkmäler in Berching sind für Pollanten neun Baudenkmäler aufgeführt. Dabei handelt es sich u. a. um die/das/den

Katholische Pfarrkirche St. Georg, eine romanische Saalkirche mit eingezogener runder Apsis. ehemaliges katholisches Pfarrhaus, ein neubarocker, zweigeschossiger Zeltdachbau mit Eckerker ehemalige Gasthaus Regens-Wagner-Str. 6 aus dem Jahre 1588. ehemaliger Zehentstadel, ein dreigeschossiger und traufständiger Krüppelwalmdachbau.

Bodendenkmäler

Auf dem Bäckerberg, rund 70 Höhenmeter oberhalb des Talgrundes, befindet sich der Burgstall der abgegangenen Burg Holnstein. Im Ort selbst wurden im Bereich des ehemaligen Schlosses Funde zu einer mittelalterlichen Burg dokumentiert.

Insgesamt werden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in der Gemarkung Holnstein 7 Bodendenkmäler ausgewiesen. mini|hochkant|Tuffsteinfelsen Holnstein Naturdenkmal/Geotop Unterhalb der Mariahilfanstalt (Zugang über Anwesen Holnstein Nr. 18) befindet sich ein Tuffsteinfelsen mit Höhle. Die Tuffwand in Holnstein ist ca. 150 m lang und bis zu 15 m hoch.

Siehe auch: Liste der Geotope im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz

Vereine Das Pfarrdorf zeichnet sich durch ein äußerst reges Vereinsleben aus. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Holnstein, mit eigenem Feuewehrhaus bei der Grundschule, sind noch weitere sieben Vereine bzw. Vereinigungen im sportlichen, gesellschaftlichen und karitativen Bereich aktiv.

Personen mit Bezug zu Holnstein mini|hochkant|Epitaph des Seligen Reymotus Seliger Reymotus (Reimot, Reimut oder Reimbold), der Legende nach um das Jahr 1200 gräflicher Kastner im Amt Holnstein. In der Kirche St. Georg ist ein gotischer Epitaph mit der Inschrift "Beatus Reymotus" in gotischen Majuskeln. Johann T'Serclaes Graf von Tilly (** Februar 1559 auf Schloss Tilly, Brabant, Spanische Niederlande; † 30. April 1632 in Ingolstadt, Bayern)

Infrastruktur Das Pfarrdorf verfügt über einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Filiale der Raiffeisenbank Neumarkt i.d.OPf. und eine Tankstelle. Überregional bekannt ist die Regens-Wagner-Stiftung Holnstein.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Geographie (Berching) Kategorie:Ort im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)