Die Oberliga Westfalen ist die höchste Spielklasse des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen im Fußball und die fünfthöchste im deutschen Ligensystem.

Von 1978 bis 1994 war sie auf der dritthöchsten Ebene angesiedelt. Mit der Wiedereinführung der Regionalliga war sie nur noch die vierthöchste Spielklasse. Im Jahr 2008 wurde sie wie die Oberliga Nordrhein zu Gunsten der NRW-Liga aufgelöst. Durch die erneute Regionalligareform im Jahre 2012 wurde die Oberliga Westfalen als fünfthöchste Spielklasse wieder eingeführt.

Rekordmeister der Oberliga Westfalen ist Preußen Münster mit fünf Meisterschaften. Amtierender Titelträger ist Westfalia Rhynern.

Geschichte Vorgeschichte Seit 1956 war die zweigleisige Verbandsliga Westfalen die höchste Spielklasse in Westfalen. Die beiden Staffelsieger spielten den Westfalenmeister aus, der sich für die Aufstiegsrunden zur II. Division (bis 1962) bzw. Regionalliga (bis 1965) qualifizierte. Von 1966 bis 1973 nahmen beide westfälischen Staffelsieger an der Regionalliga-Aufstiegsrunde teil. Nachdem im Jahre 1974 die Regionalligen zu Gunsten der 2. Bundesliga aufgelöst wurden, stellte sich schnell heraus, dass die zweigleisige Verbandsliga keinen idealen Unterbau darstellte.

Somit wurden im Jahre 1978 bundesweit die Amateur-Oberligen als dritthöchste Spielklasse eingeführt. Als Vorbild dienten die bereits seit 1974 bestehenden Oberligen Nord und Berlin. Der westfälische Verband legte fest, dass die ersten acht der beiden Verbandsligen der Spielzeit 1977/78 automatisch qualifiziert sind. Die Tabellenneunten und -zehnten ermittelten in Hin- und Rückspiel weitere Teilnehmer. Dazu kamen evtl. Absteiger aus der 2. Bundesliga.

Schließlich qualifizierten sich die folgenden Mannschaften für die Saison 1978/79:

aus der 2. Bundesliga Nord: SC Herford aus der Verbandsliga Westfalen Staffel 1: Ahlener SV, SpVg Beckum, Bünder SV, SpVg Emsdetten 05, FC Gütersloh, TSG Harsewinkel, 1. FC Paderborn, VfB Rheine, TuS Schloß Neuhaus aus der Verbandsliga Westfalen Staffel 2: VfB Altena, SpVgg Erkenschwick, VfL Gevelsberg, SV Holzwickede, SuS Hüsten 09, DJK Hellweg Lütgendortmund, Eintracht Recklinghausen, Sportfreunde Siegen

Die frühen Jahre (1978 bis 1984) Saison Meister 1978/79 SC Herford 1979/80 SpVgg Erkenschwick 1980/81 1. FC Paderborn 1981/82 TuS Schloß Neuhaus 1982/83 Eintracht Hamm-Heessen 1983/84 FC Gütersloh Am 13. August 1978 nahm die Oberliga Westfalen unter dem Namen Amateur-Oberliga Westfalen ihren Spielbetrieb auf. In den ersten beiden Spielzeiten durfte der Meister direkt in die 2. Bundesliga Nord aufsteigen, während die zwei letztplatzierten Mannschaften absteigen mussten. Den ersten Meistertitel sicherte sich der SC Herford mit einem Punkt Vorsprung auf den TuS Schloß Neuhaus. Die Entscheidung fiel erst eine Woche nach dem letzten Spieltag. Das Spiel des SC Herford beim VfB Rheine, welches Rheine mit 3:2 gewann, wurde wegen Zuschauerausschreitungen annulliert und neu angesetzt. Durch das torlose Remis wurde Herford Meister. Bei einer Niederlage wäre Schloß Neuhaus wegen des besseren Torverhältnisses Meister geworden.

Ein Jahr später holte die SpVgg Erkenschwick die Meisterschaft. Im Jahre 1981 wurde die 2. Bundesliga von zwei auf eine Staffel verkleinert. Dadurch setzte der DFB den Aufstieg in die 2. Bundesliga aus. Leidtragender war der 1. FC Paderborn, der als Meister nur an der Deutschen Amateurmeisterschaft teilnehmen durfte und das Halbfinale erreichte. Da aus der 2. Bundesliga vier westfälische Mannschaften absteigen mussten, spielte die Amateur-Oberliga Westfalen in der Saison 1981/82 mit 21 Mannschaften.

Von 1982 bis 1994 durften die Oberligameister nicht mehr direkt aufsteigen, sondern mussten an der Aufstiegsrunde teilnehmen. Der Vizemeister nahm an der Deutschen Amateurmeisterschaft teil. Meister TuS Schloß Neuhaus konnte sich in der Aufstiegsrunde durchsetzen. Die Saison 1982/83 brachte das bislang spannendste Saisonfinale. Punktgleich und mit der gleichen Tordifferenz schlossen Eintracht Hamm-Heessen und Rot-Weiß Lüdenscheid die Saison ab. Die höhere Anzahl der erzielten Tore brachte den Hammern die Meisterschaft.

Skandale in Gütersloh und Hamm (1984 bis 1987) Saison Meister 1984/85 SC Eintracht Hamm 1985/86 ASC Schöppingen 1986/87 SpVgg Erkenschwick Die Spielzeit 1983/84 wurde von den Querelen um den FC Gütersloh überschattet. Mit Unterstützung des Haushaltsgeräteherstellers Miele lockte der Verein Ex-Profis wie Volker Graul und Roland Peitsch in das Heidewaldstadion. Beide verdienten als „Pseudo-Amateure“ statutenwidrige Gehälter, weswegen der Verein von Seiten der Presse als „Schlaraffenland der Fußball-Amateure“ bezeichnet wurde. In erster Instanz wurde die Mannschaft in die Verbandsliga strafversetzt. Diese Entscheidung des Gerichts wurde erst in einen Abzug von 25 Punkten und schließlich in eine Geldstrafe abgeschwächt.Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 193. Trotz der Querelen wurde Gütersloh Meister, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde. Vizemeister Eintracht Hamm-Heessen erreichte das Endspiel um die Amateurmeisterschaft, verlor allerdings mit 1:4 beim Offenburger FV.

Ebenfalls 1984 wurde der SC Eintracht Hamm in den Skandal um die Hammer Bank hineingezogen. Der Vereinsvorsitzende Paul Schulte, der zugleich auch Vorstandsvorsitzender der Bank war, wurde in Untersuchungshaft genommen, nachdem bei der Hammer Bank ein Verlust von zunächst über 300 Mio. DM festgestellt wurde, der sich hinterher auf über 1,1 Milliarden DM bilanzierte. Trotzdem sicherte sich die Mannschaft mit drei Punkten Vorsprung auf den DSC Wanne-Eickel erneut die Meisterschaft. Wie zwei Jahre zuvor scheiterte die Hammer Mannschaft jedoch in der Aufstiegsrunde.Grüne, Karn; S. 208 1985 erreichte der DSC Wanne-Eickel das Endspiel um die Amateurmeisterschaft, musste sich im Endspiel aber den Amateuren von Werder Bremen mit 0:3 geschlagen geben.

Münster gegen Ostwestfalen (1987 bis 1994) Saison Meister 1987/88 Preußen Münster 1988/89 Preußen Münster 1989/90 Arminia Bielefeld 1990/91 SC Verl 1991/92 Preußen Münster 1992/93 Preußen Münster 1993/94 TuS Paderborn-Neuhaus Ab 1987 wurde ein neuer Modus im Abstiegskampf eingeführt. Der Drittletzte der Oberliga spielte mit den Vizemeistern der beiden Verbandsligastaffeln im Ligasystem eine Relegation aus. Gleich im ersten Jahr profitierte der SC Hassel von dem neuen Modus und schaffte den Aufstieg in die Oberliga. Die erfolgreichste Mannschaft in der Geschichte der Oberliga Westfalen stellte Preußen Münster in der Saison 1987/88. Mit 54:6 Punkten wiesen die Münsteraner 17 Punkte Vorsprung auf Vizemeister Westfalia Herne auf. Trotz der Überlegenheit scheiterten die Preußen in der Aufstiegsrunde.

Im Jahre 1988 stieg mit Arminia Bielefeld ein langjähriger Bundesligist in die Oberliga Westfalen ab und sorgte in den folgenden sechs Jahren für hohe Zuschauerzahlen. Mit einer stark verjüngten Mannschaft führten die Arminen lange Zeit die Tabelle an, ehe sie am letzten Spieltag noch von Preußen Münster abgefangen wurden. Während die Arminen beim VfB Rheine mit 2:1 verloren, reichte den Münsteranern ein torloses Unentschieden beim SC Verl. Den Preußen gelang schließlich noch der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Die Bielefelder dominierten die Spielzeit 1989/90 und holten sich die Meisterschaft. Die Arminen gingen als Topfavorit in die Aufstiegsrunde, scheiterten aber am VfB Oldenburg und dem TSV Havelse. Auch in den folgenden Jahren schlossen die Westfalenmeister erfolglos in der Aufstiegsrunde bzw. der Amateurmeisterschaft ab. Das Ende der Saison 1991/92 wurde vom juristischen Hickhack um den freiwilligen Rückzug des ASC Schöppingen überschattet. Die Münsterländer wollten nach der Saison in die Bezirksliga eingegliedert werden. Der Verband wollte den Verein allerdings in die Kreisliga A einstufen, wogegen der ASC erfolgreich protestierte. Schöppingen wurde schließlich in die Bezirksliga eingeteilt und die Oberliga für eine Saison auf 18 Vereine aufgestockt.

Im Jahre 1994 wurde die Regionalliga wieder eingeführt. Aus der Amateur-Oberliga Westfalen sollten sich sechs Mannschaften für die neue Spielklasse qualifizieren. Die Plätze gingen an den Meister TuS Paderborn-Neuhaus, Preußen Münster, Arminia Bielefeld, die SpVgg Erkenschwick, den SC Verl sowie die Amateure der SG Wattenscheid 09. Münster gewann die Deutsche Amateurmeisterschaft durch einen 1:0-Finalsieg bei den Kickers Offenbach.

Krisenjahre in der Viertklassigkeit (1994 bis 2008) Saison Meister 1994/95 FC Gütersloh 1995/96 TuS Ahlen 1996/97 Sportfreunde Siegen 1997/98 Borussia Dortmund Amateure 1998/99 VfL Bochum Amateure 1999/2000 VfB Hüls 2000/01 SC Paderborn 07 2001/02 Borussia Dortmund Amateure 2002/03 FC Schalke 04 Amateure 2003/04 Arminia Bielefeld Amateure 2004/05 SG Wattenscheid 09 2005/06 Borussia Dortmund II 2006/07 SC Verl 2007/08 Preußen Münster Durch die Einführung der Regionalliga wurde aus der Amateur-Oberliga Westfalen die Oberliga Westfalen. Die Abgänge in die Regionalliga wurden durch insgesamt acht Aufsteiger aus der Verbandsliga kompensiert. Die Relegationsrunde zwischen der Ober- und Verbandsliga wurde abgeschafft. Stattdessen trugen die Vizemeister der Verbandsligastaffeln ein Aufstiegsspiel auf neutralem Platz aus. Die Meister der Oberliga stiegen direkt in die Regionalliga auf.

Während in den ersten 16 Jahren der Oberliga Westfalen alle Mannschaften die Saison beenden konnten, kam es ab 1994 zu zahlreichen Rückzügen während der Spielzeit. In der Saison 1994/95 wurde der VfL Gevelsberg ausgeschlossen, nachdem die Mannschaft drei Mal nicht zu den angesetzten Spielen antrat.Grüne, Karn; S. 180 Ein Jahr später zog sich Blau-Weiß Wewer vom laufenden Spielbetrieb zurück. Auf der anderen Seite der Tabelle machte der Aufsteiger TuS Ahlen Furore. Der vom Kosmetikhersteller LR International gesponserte Verein schaffte als erster den Durchmarsch in die Regionalliga.

Gegen Ende der 1990er Jahre folgten weitere Rückzüge. 1997 ließ sich der VfR Sölde trotz sportlicher Qualifikation in die Landesliga zurückstufen. Während der Spielzeit 1999/2000 meldeten sich zunächst Blau Weiß Post Recklinghausen und dann der SV Rotthausen ab. Wegen der Zusammenlegung der Regionalligastaffeln von vier auf zwei durfte der Meister des Jahres 2000 VfB Hüls nicht direkt aufsteigen. Der Club scheiterte in der Relegationsrunde. Der FC Gütersloh sorgte ebenfalls im Jahre 2000 für hitzige Diskussionen. Nachdem der Verein Insolvenz anmelden und in der Saison 1999/2000 aus der laufenden Regionalligaspielzeit abmelden musste, wurde mit dem FC Gütersloh 2000 ein Nachfolgeverein ins Leben gerufen. Dieser fusionierte mit dem insolventen Vorgänger und konnte dadurch in der Oberliga Westfalen starten. Der Vorstand des Vereins nutzte dabei eine Satzungslücke. Die Vorgänge wurden von den anderen Vereinen heftig kritisiert.

Nachdem im Jahre 2001 dem SC Paderborn 07 die sofortige Rückkehr in die Regionalliga gelang, dominierten die Reservemannschaften der Profivereine die erste Hälfte der 2000er Jahre. Zwischen 2002 und 2006 gingen vier von fünf Titeln an diese Mannschaften. Die Amateure des FC Schalke 04 konnten in der Saison 2002/03 als erste Mannschaft über 100 Tore erzielen. Zu einer kuriosen Situation kam es ein Jahr später, als die zweite Mannschaft der SG Wattenscheid 09 aufgrund des Abstiegs der eigenen ersten Mannschaft in die Oberliga absteigen musste.