Ich bin Kuba (Originaltitel: Soy Cuba) ist ein sowjetisch-kubanischer Propagandafilm aus dem Jahre 1964, bei dem Michail Kalatosow Regie führte. Der Film zeigt in vier im vorrevolutionären Kuba angesiedelten, inhaltlich eigenständigen Episoden, wie sich aus dem Leiden der Bevölkerung der Widerstand gegen das Regime von Fulgencio Batista formiert. Er wurde weder von der kubanischen noch von der russischen Öffentlichkeit positiv aufgenommen und war fast vollständig vergessen, bis er von Filmschaffenden aus den USA in den 1990er Jahren wiederentdeckt wurde. Die akrobatischen Kamerafahrten und die markante Inszenierung verhalfen dem Film insbesondere im angloamerikanischen Raum zu spätem Ruhm.

Handlung

Der Film besteht aus vier eigenständigen Geschichten über das Leiden der kubanischen Bevölkerung und ihre Reaktion darauf, die von passivem Dulden in der ersten bis zu bewaffnetem Widerstand in der letzten reicht. Zwischen den Episoden stehen poetische Monologe eines weiblichen lyrischen Ichs, das sich selbst als Kuba bezeichnet.

In einer Art Prolog folgt die Kamera zunächst einem hölzernen Kahn auf einer schmalen Wasserstraße durch ein ärmliches Dorf. Das lyrische Ich spricht dazu über die Bewunderung, die Christoph Kolumbus gegenüber Kuba empfunden habe, und das süße Zuckerrohr, das dem Land viele Tränen bereitet habe. Es folgt ein Umschnitt auf das Dach eines Hotels, auf dem gerade ein Rock-’n’-Roll-Trio spielt und ein Schönheitswettbewerb von Bikini tragenden Frauen stattfindet. In einer langen Plansequenz bewegt sich die Kamera sodann an der Seite des Gebäudes nach unten bis zu einer tieferen Ebene, auf der sich viele Touristen an einem Schwimmbecken tummeln. Die Kamera folgt einer brünetten Frau in Badekleidung in das Schwimmbecken und unter die Wasseroberfläche, wo sie sie neben weiteren Badenden beim Schwimmen und Tauchen zeigt.

Nach diesem Vorspann beginnt die erste Geschichte, die sich um die junge Frau Maria dreht. Diese ist gezwungen, als Tänzerin und Prostituierte „Betty“ in einem von Havannas Nachtclubs zu arbeiten, der insbesondere von reichen Amerikanern frequentiert wird. Marias Freund Rene, der als Obstverkäufer arbeitet, weiß nichts von ihrem Beruf. Auf Drängen eines Kunden nimmt Maria diesen mit zu ihrer kleinen Hütte in einem ärmlichen Viertel Havannas. Am nächsten Morgen wirft er ihr ein paar Dollar hin und nimmt ihre wertvollste Habe, eine Halskette mit Kruzifixanhänger, mit. Als er gerade aufbricht, kommt Rene herein und sieht seine beschämte Verlobte. Der Amerikaner verabschiedet sich gefühllos von „Betty“ und lässt den verdutzten Rene einfach stehen. Auf dem Rückweg durch die Slums wird er von hungrigen Kindern umlagert.

Die nächste Geschichte handelt von dem Bauern Pedro, der gerade seine bislang größte Zuckerrohrernte großgezogen hat. Als Pedro gerade mit der Ernte begonnen hat, kommt sein Verpächter zu seinem Bauernhof geritten, um ihm mitzuteilen, dass er Pedros Land an United Fruit verkauft habe, und Pedro und seine Familie unverzüglich gehen müssten. Auf Nachfrage erklärt er, dass Pedro auch die Ernte nicht behalten dürfe, und reitet davon. Pedro gibt seinen Kindern gegenüber vor, dass alles in Ordnung sei. Er händigt ihnen das ganze Geld aus und trägt ihnen auf, sich in der Stadt zu amüsieren. Nachdem sie gegangen sind, setzt Pedro die Ernte und die Wohnhütte der Familie in Brand. Er bricht zusammen und stirbt.

Die dritte Geschichte beschreibt die Unterdrückung rebellischer Studenten an der Universität von Havanna, die von einer Figur namens Enrique angeführt werden. Enrique brennt ein Autokino nieder, das gerade Filmaufnahmen des Diktators Batista zeigt, und rettet Gloria, eine junge Frau, die auf offener Straße von amerikanischen Matrosen bedrängt worden ist. Er widersetzt sich der Parteidisziplin und zieht los, um einen brutalen Polizeichef vom Dach eines Wolkenkratzers aus zu erschießen, aber als er ihn durch das Zielfernrohr im Kreis seiner Familie sieht, kann er nicht abdrücken. Während Enrique weg ist, drucken seine Mitstreiter Flugblätter. Es kommt zu einer Hausdurchsuchung und die Studenten werden verhaftet. Einer der Revolutionäre beginnt, Flugblätter von einem Balkon zu der darunter versammelten Menschenmenge hinabzuwerfen, und wird von einem Polizeibeamten erschossen. Daraufhin führt Enrique eine Protestkundgebung an der Universität an. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein, um die Versammlung aufzulösen. Nachdem die Demonstration einen gewalttätigen Verlauf nimmt, wird Enrique von demselben Polizeichef, auf den er zuvor gezielt hat, erschossen. Sein Körper wird bei einem großen Trauermarsch, an dem auch Gloria teilnimmt, durch die Straßen Havannas getragen.

Der letzte Teil zeigt Mariano, einen typischen Bauern, der die Aufforderung eines Revolutionssoldaten, sich den Rebellen anzuschließen, zurückweist. Der Soldat appelliert an Marianos Wunsch nach einem besseren Leben für seine Kinder, aber Mariano will nur in Frieden leben und besteht darauf, dass der Soldat geht. Unmittelbar danach beginnen jedoch Flugzeuge der Regierung, das Gebiet wahllos zu bombardieren. Marianos Hütte wird zerstört und sein kleiner Sohn getötet. Infolgedessen schließt er sich den Rebellen in den Bergen der Sierra Maestra an und erkämpft sich heldenhaft ein Gewehr von dem Feind. Der Film endet mit einem Triumphmarsch der Guerilla-Armee nach Havanna, um die Revolution auszurufen.

Entstehung Kurz nachdem die Kubanische Revolution 1959 die Diktatur von Fulgencio Batista gestürzt hatte, wandte sich das kubanische Filminstitut (ICAIC) auf der Suche nach Unterstützung im Filmbereich an andere sozialistische Staaten, insbesondere um dem Problem fehlender Fachkräfte zu begegnen.Michael Chanan: Cuban Cinema. University of Minnesota Press, Minneapolis/London 2004, ISBN 978-0-8166-3424-8, S. 166. Das Filmprojekt begann auf dem zweiten Internationalen Filmfestival Moskau 1961, wo Alfredo Guevara, der Direktor des ICAIC, Koproduktionsverträge mit den Mosfilm-Studios abschloss.Alexei Konovalov: Sur le tournage de Soy Cuba. Lettres de Sergueï Ouroussevski à son épouse Bella Friedman (1961–1962) In: 1895. Revue d’Histoire du Cinéma. Nr. 77, 2015, , S. 107 (PDF-Datei). Die Sowjetunion stellte danach die wichtigsten Personen der Filmcrew (u. a. den Regisseur, einen Drehbuchautor, den Kameramann und die Filmeditorin) zur Verfügung. Auch die technische Ausrüstung für die Dreharbeiten brachten die sowjetischen Kooperationspartner selbst mit, und sie ließen sie nach dem Dreh aufgrund einer informellen Vereinbarung in Kuba zurück. Das Budget des Films belief sich auf 600.000 US-Dollar.George Turner: The Astonishing Images of I Am Cuba. In: American Cinematographer. Juli 1995, , S. 77.

Der Prozess der Vorbereitung, des Drehs und des Schnitts des Films erwies sich als langwierig, qualvoll und insbesondere voller Schwierigkeiten zwischen der kubanischen und der russischen Seite im Hinblick auf das ästhetische Verständnis.Damaris Puñales-Alpízar: Soy Cuba, Océano y Lisanka: De lo alégorico a lo cotidiano. Transformaciones en las coproducciones cubano-soviético-rusas In: Revista Iberoamericana Band LXXIX, Nr. 243, April-Juni 2013, , S. 486 (PDF-Datei). Die Leitung des ICAIC beauftragte Enrique Pineda Barnet, die russische Filmcrew mit allen Informationen zu versorgen und sie mit den territorialen und kulturellen Aspekten des Landes vertraut zu machen. Aufgrund dieser Erfahrung machten Urussewski und Kalatosow Pineda Barnet neben Jewtuschenko zum Ko-Drehbuchautor. Urussewskis und Kalatosows Intention bestand darin, einen poetischen Film über den revolutionären Kampf des kubanischen Volkes gegen das Batista-Regime und den Kolonialismus zu machen.Juan Antonio García Borrero: Los cineastas que llegaron del frío. In ders.: Intrusos en el paraíso. Los cineastas extranjeros en el cine cubano de los sesenta, Filmoteca de Andalucía Publicaciones, Granada 2009, ISBN 978-84-96395-63-3, S. 145, 149. Den Prozess der Revolution teilten sie in vier Aspekte auf: 1. Warum die Revolution stattfand, 2. Die Stadt, unter Beteiligung der Studenten und der Arbeiter, 3. Das Land und die Probleme der armen ländlichen Bevölkerung, 4. Das Heldengedicht in den Bergen der Sierra Maestra. Sie fügten einen Prolog, einen Epilog und eine Erzählerin hinzu, obwohl Pineda Barnet diese Elemente als sich wiederholend und didaktisch ablehnte.Enrique Pineda Barnet: Soy Cuba. In Juan Antonio García Borrero: Intrusos en el paraíso. Los cineastas extranjeros en el cine cubano de los sesenta, Filmoteca de Andalucía Publicaciones, Granada 2009, ISBN 978-84-96395-63-3, S. 228. Zur Einstimmung auf die plastische Konzeption des Films zeigte Kalatosow seinen Mitarbeitern Filmaufnahmen, die Sergej Eisenstein in Mexiko angefertigt hatte.Juan Antonio García Borrero: Los cineastas que llegaron del frío. In ders.: Intrusos en el paraíso. Los cineastas extranjeros en el cine cubano de los sesenta, Filmoteca de Andalucía Publicaciones, Granada 2009, ISBN 978-84-96395-63-3, S. 147.