mini|Bundesregierung Klaus II, Josef Taus, stehend, erster von rechts Josef Taus (* 8. Februar 1933 in Wien; † 13. Dezember 2024 ebenda) war ein österreichischer Industrieller, Manager und Politiker (ÖVP).

Leben Josef Taus stammte aus einfachen Verhältnissen, wurde im Krieg katholisch sozialisiert und erarbeitete sich als Werkstudent seine akademische Ausbildung. Während seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien arbeitete Taus als Wirtschaftsredakteur der Wiener Zeitung, engagierte sich im ÖAAB und schrieb Reden für die Finanzminister Eduard Heilingsetzer und Josef Klaus. Nach seinem Studium begann er, sich im Institut für Sozialpolitik und Sozialreform – dem späteren Dr.-Karl-Kummer-Institut – zu engagieren. Dort lernte er seinen Mentor, den Sozialpolitiker und Philosophen Karl Lugmayer, kennen. Taus war ab 1967Begleittext auf der Schallplatte Josef Taus. Mein Programm für Österreich, Dokumentation unserer Zeit bringt die Reihe Österreichische Politiker. lange Jahre Obmann des Instituts.

Taus war in der Bundesregierung Klaus II (1966–1967) Staatssekretär für Verkehr und verstaatlichte Industrie. Der auch beim politischen Gegner SPÖ angesehene Taus war von 1967 bis 1975, also auch unter der Kanzlerschaft von Bruno Kreisky, Aufsichtsratsvorsitzender der ÖIG beziehungsweise ÖIAG. Von 1968 bis 1975 war er Vorstandsvorsitzender der Girozentrale der österreichischen Sparkassen, in der er schon vorher in Spitzenpositionen tätig gewesen war.

Von 1975 bis 1979 war er Bundesparteiobmann der Österreichischen Volkspartei, von 1975 bis 1991 Abgeordneter zum Nationalrat und Wirtschaftsexperte der ÖVP. Am 17. Jänner 1978 übernahm er von Stephan Koren an der Seite des geschäftsführenden Vorsitzenden Alois Mock das Amt des Klubobmanns des ÖVP-Parlamentsklubs,https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XIV/WD/WD_00001/imfname_215529.pdf das er am 7. Juli 1979 vollständig an Mock abgab.https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XV/WD/WD_00001/imfname_214891.pdf Bei den Nationalratswahlen 1975 und 1979 kandidierte er als ÖVP-Bundesparteiobmann mit der Absicht, Bruno Kreisky als Bundeskanzler zu ersetzen.

Taus war danach einige Jahre in Spitzenpositionen der 1969 vom Industriellen Herbert Turnauer gegründeten Constantia Industrieholding AG tätig. Die Sanierung der KTM AG misslang zu Ende der 1980er Jahre, und es kam zu einer konflikthaften Trennung von Turnauer. 1989 verließ Taus gemeinsam mit den Vorstandskollegen Manfred Leeb und Herbert W. Liaunig die Turnauer-Gruppe. Mit der neu gegründeten Management Trust Holding AG (MTH) wollten sie einen österreichischen Privatkonzern aufbauen und angeschlagene Firmen kaufen. Taus zog sich seitdem immer mehr von der Politik zurück. Sein Engagement in osteuropäischen Mobilfunkgesellschaften gemeinsam mit Martin Schlaff seit 2002 (Mobiltel Bulgarien) wurde vor allem 2005 bei staatlichen Sanktionen Serbiens gegen Mobtel international bekannt.

Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindungen K.A.V. Bajuvaria Wien (ab 1951) und K.Ö.H.V. Nordgau Wien (ab 1963) im ÖCV.Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen (Hrsg.): Gesamtverzeichnis des Österreichischen Cartellverbandes 2014, Wien 2014, IV. Teil, S. 601. Ab 1960 war er mit seiner Frau Martha (geb. Loibl) verheiratet. Dieser Ehe entstammt die 1967 geborene Tochter Renate.

Taus starb am 14. Dezember 2024 im Alter von 91 Jahren.Josef Taus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Dezember 2024 (Nachruf), S. 20. Er wurde am Grinzinger Friedhof bestattet.

Auszeichnungen Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich 2003: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 2013: Julius-Raab-MedailleChristoph Leitl verleiht Julius Raab Ehrenmedaille an Josef Taus. APA-Meldung vom 6. Februar 2013, abgerufen am 19. März 2015.

Literatur Jörg Mahlich, Robert Schediwy (Hrsg.): Zeitzeugen und Gestalter österreichischer Wirtschaftspolitik. Lit-Verlag, Wien 2008 (lebensgeschichtliches Interview mit Taus).

Weblinks

Friedrich Weissensteiner: Artikel in der Wiener Zeitung vom 31. Juli 2004.

Einzelnachweise

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