mini|hochkant|Leonie Ossowski (2007) Leonie Ossowski, Pseudonym für Jolanthe von Brandenstein (* 15. August 1925 in Röhrsdorf, Kreis Fraustadt, Grenzmark Posen-WestpreußenDer Kreis Fraustadt kam 1938 zur Provinz Schlesien und 1941 zur Provinz Niederschlesien.; † 4. Februar 2019 in Berlin), war eine deutsche Schriftstellerin.Leonie Ossowski. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2018/2019. Band II: P-Z. Walter de Gruyter, 2018, ISBN 978-3-11-057616-0, S. 684. Sie schrieb auch unter dem Pseudonym Jo Tiedemann.
Leben Jolanthe von Brandenstein wurde 1925 als eine von vier Töchtern des Gutsbesitzers Lothar von Brandenstein (1893–1953) und der Schriftstellerin Ruth von Ostau (1899–1966) geboren. Ihre ältere Schwester war die Schauspielerin Yvonne Merin (1921–2012).
Bei Kriegsende flüchtete Ossowski aus ihrer Heimat im heutigen Polen über Bad Salzungen nach Hessen; später folgte ein Umzug nach Oberschwaben.Roswitha Budeus-Budde: Flucht und Versöhnung. Die Jugendromanautorin Leonie Ossowski wird 90. In: Süddeutsche Zeitung vom 13. August 2015, S. 11. Sie arbeitete in einer Fabrik, in einem Fotolabor und als Sprechstundenhilfe. 1958 zog sie mit ihrer Familie nach Mannheim. In den 1970er Jahren arbeitete sie als Sozialarbeiterin, betreute Jugendliche im Gefängnis und richtete eine Wohngemeinschaft für haftentlassene Jugendliche ein. 1980 zog sie nach Berlin (West). Sie lebte von 1978 bis 1993 mit ihrem dritten Mann zusammen, ließ sich dann scheiden und lebte seitdem allein. Sie hatte sieben Kinder, darunter den Theologen Louis-Ferdinand von Zobeltitz.
Ihre letzte Ruhestätte erhielt sie auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Berliner Chausseestraße.
Pseudonym Anfang der 1950er Jahre begann sie unter dem Pseudonym Leonie Ossowski Kurzgeschichten zu schreiben. Ossowski bedeutet sinngemäß „von Osowa“ bzw. „aus Osowa stammend“; Osowa Sień ist der polnische Name ihres Geburtsortes.
Werk Bei einem Besuch in der DDR bekam sie 1953 von der DEFA den Auftrag für ein Drehbuch. Daraus entstand der von Frank Beyer gedrehte Spielfilm Zwei Mütter,Zwei Mütter auf defa-stiftung.de der am 28. Juni 1957 uraufgeführt wurde. 1958 veröffentlichte sie in der DDR den Roman Stern ohne Himmel. Im Jahr 1968 erschien ihr erster Roman in der Bundesrepublik. Seither veröffentlichte sie neben Erzählungen auch Sachbücher und schrieb Drehbücher und Bühnenstücke.
1980 wurde in ihrem Geburtsort der Film Weichselkirschen nach einem Drehbuch von Ossowski unter Mitwirkung zahlreicher polnischer Schauspieler gedreht.deutsches-filmhaus.de
mini|hochkant=0.5|Grabstätte im Jahr 2026 2005 wurde ihr Roman Die schöne Gegenwart von Christine Kabisch nach einem Drehbuch von Gabriela Zerhau für das Fernsehen unter dem Titel Neue Freunde, neues Glück verfilmt..
2013 brachte Lih Janowitz das filmische Porträt Leonie Ossowski zur Uraufführung.
Ossowski war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.
Alle ihre Romane und Jugendbücher machen auf soziale und gesellschaftspolitische Themen aufmerksam, wobei Vergangenheit und Gegenwart verbunden werden.
Auszeichnungen 1973: Ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis für Treffpunkt 72: Die Kippe – Zur Bewährung ausgesetzt 1977: Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis für Die große Flatter 1978: Buxtehuder Bulle für Stern ohne Himmel 1980: Adolf-Grimme-Preis mit Silber für das Drehbuch zum Film Die große Flatter (zusammen mit Marianne Lüdcke) 1981: Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen für Weichselkirschen 1982: Bundesverdienstkreuz am Bande 1982: Schillerpreis der Stadt Mannheim für ihr Gesamtwerk 1985: Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin mit dem GRIPS-Theater Berlin für das Stück Voll auf der Rolle 2006: Hermann-Kesten-Medaille 2007: Verdient um die polnische Kultur 2014: Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde Esslingen. Abgerufen am 18. August 2018. Benennungen 2021: Die Stadt Mannheim benennt eine Promenade nach Leonie OssowskiAmtsblatt vom 29. April 2021, Stadt Mannheim, Seite 5
Werke Romane und Erzählungen Stern ohne Himmel, 1958 (verfilmt 1980) Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?, Roman, 1968 Mannheimer Erzählungen, 1974 Weichselkirschen, Roman, 1976 (1. Teil der Schlesien-Trilogie) Die große Flatter, Roman, Beltz & Gelberg, 1977 (verfilmt 1979) Blumen für Magritte, Erzählungen, 1978 Liebe ist kein Argument, Roman, 1981 (verfilmt 1984) Wilhelm Meisters Abschied, Roman, 1982 Littel fasst einen Entschluss und andere Erzählungen, 1983 Neben der Zärtlichkeit, Roman, 1984 Wolfsbeeren, Roman, 1987 (2. Teil der Schlesien-Trilogie) Das Zinnparadies, 1988 Weckels Angst, 1991 Holunderzeit, Roman, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1991 (3. Teil der Schlesien-Trilogie) Von Gewalt keine Rede. Zwei Erzählungen, 1992 Die Maklerin, Roman, 1994 Herrn Rudolfs Vermächtnis, Roman, Hoffmann & Campe, Hamburg 1997 als Heyne Taschenbuch, München 1998, ISBN 3-453-13756-6. Das Dienerzimmer, Roman, 1999 Die schöne Gegenwart, Roman, 2001 Espenlaub, Roman, 2003 Der einarmige Engel, Roman, 2004
Drehbücher 1957: Zwei Mütter 1971: Tatort: Auf offener Straße 1979: Weichselkirschen 1979: Die große Flatter 1980: Stern ohne Himmel 1985: Voll auf der Rolle 1991: Von Gewalt keine Rede
Sachbücher Zur Bewährung ausgesetzt. Bericht über Versuche kollektiver Bewährungshilfe. Piper Verlag, München 1972 Der Löwe im Zinnparadies. Eine Wiederbegegnung. Piper Verlag, München 2003 (über ein Wiedersehen mit Niederschlesien und Erinnerungen an Flucht und Vertreibung)
Literatur Rolf Esser: Literatur-Kartei zum Jugendbuch von Leonie Ossowski ‚Die große Flatter‘. ISBN 978-3-347-70942-3 Ekkehart Mittelberg und Herbert Fuchs: Interpretation und Stundenausarbeitungen zu Leonie Ossowski: Die grosse Flatter. Hirschgraben-Verlag, Frankfurt am Main 1984. ISBN 3-454-50101-6. Paweł Zimniak: Die verlorene Zeit im verlorenen Reich. Christine Brückners Familiensaga und Leonie Ossowskis Familienchronik. Wydawnictwo Wyższej Szkoły Pedagogicznej, Zielona Góra 1996. ISBN 83-86832-13-4. Elwira Pachura: Polen – die verlorene Heimat. Zur Heimatproblematik bei Horst Bienek, Leonie Ossowski, Christa Wolf, Christine Brückner. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2002. ISBN 3-89821-205-X. Kerstin Dötsch: Leonie Ossowski. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon, Bd. 12, 3. Aufl. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, S. 398–400. Marcin Wiatr: Leonie Ossowski (Jolanthe von Brandenstein, 1925–2019). In: Joachim Bahlcke (Hrsg.): Schlesische Lebensbilder. Band XIII. Stiftung Kulturwerk Schlesien, Würzburg 2021, ISBN 978-3-929817-11-9, S. 445–456.
Film
14.11.1976, BR, Bücher beim Wort genommen / Film von Vera Botterbusch: Leonie Ossowski, „Weichselkirschen“
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Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Pseudonym Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Träger des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen Kategorie:Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland Jolanthe ⚭Leonie Ossowski Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Frau