Der Torino Football Club, kurz Torino FC oder Torino, im deutschsprachigen Raum bekannt als FC Turin, ist ein 1906 gegründeter italienischer Fußballverein aus der piemontesischen Hauptstadt Turin. Weitere Bezeichnungen sind I Granata („Die Granatroten“) und Il Toro („Der Stier“).
Der Torino FC ist siebenfacher italienischer Meister und fünffacher italienischer Pokalsieger. Heimspielstätte des Vereins ist das Olympiastadion Turin.
Geschichte Die Anfänge mini|Foot Ball Club Torino im Jahr 1907 mini|hochkant|Alfredo Dick, Mitgründer und erster Präsident des Torino FC. Im Jahr 1900 fusionierten der FC Torinese und Internazionale Torino, die neue Mannschaft behielt vorerst den Namen Football Club Torinese. Sechs Jahre später schlossen sich einige frühere Spieler von Juventus Turin unter der Führung des Schweizers Alfredo Dick, der dort als Präsident entmachtet worden war, dem Football Club Torinese an. Gemeinsam gründete man am 3. Dezember 1906 den Foot Ball Club Torino.torinofc.it – La Storia del Torino F.C.
Die erste nationale Meisterschaft wurde wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs aberkannt. Der Meistertitel der Saison 1926/27 wurde Turin nachträglich aberkannt, als herauskam, dass Abwehrspieler Luigi Allemandi vom Lokalrivalen Juventus Turin im Vorfeld eines Derbys bestochen wurde. Spieler und Trainer dieser legendären Anfangszeit des FC Turin war zwischen 1906 und 1924 der spätere Weltmeistertrainer Vittorio Pozzo, der dem Verein bis an sein Lebensende eng verbunden blieb. Er baute in seiner Zeit als Nationaltrainer von 1929 bis 1948 häufig auf die Spieler seines Heimatklubs. In einem Länderspiel stellte er in die Anfangsformation einmal elf Spieler aus Turin – zehn vom FC und einen von Juventus. In der Saison 1927/28 gewann der Klub erstmals den italienischen Meistertitel, den Scudetto. Zur Saison 1936/37 wurde der Vereinsname in Associazione Calcio Torino geändert, da die faschistischen Machthaber keine ausländischen Wörter in Vereinsnamen duldeten.
Il Grande Torino
mini|Die als Grande Torino bekannte Meistermannschaft des Torino F.C. hier 1948, etwa ein Jahr vor der Tragödie von Superga. mini|hochkant|Oper von Ermanno Eandi zum 50. Jahrestag der Tragödie
Seine erfolgreichste Periode erlebte der Verein zwischen 1942 und 1949. Die Mannschaft dieser Zeit, unter Führung des Mannschaftskapitäns Valentino Mazzola, ging als Grande Torino in die Fußballgeschichte ein und gilt bis heute als eine der besten, die jemals in der Serie A spielte. Der AC Turin gewann zwischen 1943 und 1949, unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg, fünf Meistertitel in Folge und stellte damit den von Juventus aufgestellten Rekord der ersten Hälfte der 1930er Jahre ein. Der letzte dieser fünf Titelgewinne zählt dennoch zum traurigsten Kapitel der Vereinsgeschichte. Bereits am fünftletzten Spieltag sicherte man sich durch ein 1:1 beim Hauptverfolger Inter Mailand den Scudetto, den Ausgleich schoss Valentino Mazzola kurz vor Abpfiff. Aufgrund dessen gab es eine Reise nach Portugal, wo ein Freundschaftsspiel gegen Benfica Lissabon stattfand. Auf dem Rückflug am 4. Mai 1949 wurde die Fiat G.212 der Avio Linee Italiane im dichten Nebel wenige Meter unterhalb der Basilika von Superga in den gleichnamigen Hügel über Turin geflogen. Fast alle Spieler der Mannschaft kamen ums Leben, ebenso Funktionäre des Vereins und drei begleitende Journalisten. Von der Mannschaft des Grande Torino überlebte nur Sauro Tomà, der die Reise nach Lissabon wegen einer Verletzung nicht angetreten hatte. Die Saison wurde von der A-Jugend zu Ende gespielt.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mini|Die Meistermannschaft der AC Torino im Jahr 1975 Der Verein erholte sich nicht mehr von diesem Verlust. Nach einem Jahrzehnt der Mittelmäßigkeit stiegen sie 1959 in die Serie B ab, nach einem Jahr aber wieder in die Serie A auf. Von den frühen 1960ern bis in die späten 1980er erzielten die Turiner gute Ergebnisse in der Serie A.
Den einzigen Meistertitel seit der Zeit des Grande Torino gewann der Toro in der Saison 1975/76 mit folgendem Kader (in Klammern sind die Spiele und Tore angegeben): Torhüter: Luciano Castellini (29/-), Romano Cazzaniga (3/-) – Abwehr: Roberto Salvadori (30/-); Roberto Mozzini (29/-); Vittorio Caporale (28/-); Nello Santin (25/-); Fabrizio Gorin (12/1); Giuseppe Pallavicini (4/-); Marino Lombardo (3/-) – Mittelfeld: Patrizio Sala (30/-); Eraldo Pecci (29/2); Claudio Sala (29/1); Renato Zaccarelli (28/4); Roberto Bacchin (1/-) – Sturm: Paolino Pulici (30/21); Francesco Graziani (29/15); Salvatore Garritano (5/1) – Trainer: Luigi Radice.Torino FC: Einsätze Serie A 1975/76 in der Datenbank von weltfussball.de (es werden nur Spieler mit mindestens einem Einsatz genannt)
Zur Saison 1978/79 wurde der Verein in Torino Calcio umbenannt. Seit dem Ende der 1980er wechselte man zwischen der Serie A und Serie B hin und her, ohne weitere Erfolge zu erzielen, abgesehen vom Gewinn der Coppa Italia 1993 und dem Mitropapokal 1991.
Aber auch in ihren schlechtesten Jahren lieferten I Granata legendäre Spiele in den sogenannten Derby della Mole gegen den Lokalrivalen Juventus.
Aktuelle Entwicklungen Dem sportlichen Aufstieg in die Serie A zur Saison 2005/06 nach drei Jahren Zweitklassigkeit folgte schnell die Ernüchterung: Am 25. Juli 2005 entschied das Sportgericht des Fußballverbandes, Torino Calcio, zusammen mit dem FC Messina, keine Serie-A-Lizenz zu erteilen, weil beide Vereine enorme Schulden angehäuft hatten. Während der italienische Gerichtshof für Sportfragen in Rom die Entscheidung im Fall von Messina revidierte, bestätigte er die Lizenzverweigerung für Torino. In Summe hatte der Verein 34 Millionen Euro an Verbindlichkeiten beim Finanzamt. Nachdem eine Bürgschaft vorgelegt wurde, die rund die Hälfte dieser Schulden abdecken sollte, stellte sich heraus, dass diese Dokumente gefälscht waren. Dennoch durfte Turin in der Saison 2005/06 in der Serie B antreten, nachdem sich neue Investoren gefunden hatten. Jedoch stellte sich heraus, dass auch einige Bürgschaftspapiere gefälscht waren und der Torino einen Schuldenberg in Höhe von ca. 80 Millionen Euro hatte. Diese Last führte zu der Insolvenz des Klubs, es gab wenig Aussichten für eine Rettung des Klubs.
In der Saison 2005/06 schaffte der neu gegründete FC Turin dennoch den Erstliga-Aufstieg. Im entscheidenden Relegations-Rückspiel wurde die AC Mantova vor knapp 60.000 Zuschauern im gut gefüllten Stadio delle Alpi mit 3:1 besiegt, nachdem man das Hinspiel in Mantua mit 2:4 verloren hatte. Konnte der Klub in den Spielzeiten 2006/07 und 2007/08 noch knapp den Abstieg entrinnen, musste der Klub am Ende der Saison 2008/09 als Tabellenachtzehnter wieder den Gang in die Serie B antreten. Nach drei Jahren in der Serie B folgte zum Ende der Saison 2011/12 der erneute Aufstieg in die Serie A.
Nach einem 16. Platz in der Saison 2012/13 fand sich Torino in der Serie A gut wieder und schaffte es in der darauffolgenden Saison 2013/14 den siebten Platz zu belegen. Dabei platzierte man sich unter anderem vor dem punktgleichen AC Mailand. Torino war zur Teilnahme an der Qualifikation UEFA Europa League 2014/15 berechtigt und qualifizierte sich auch direkt über je zwei Duelle gegen IF Brommapojkarna (3:0 a; 4:0 h) und RNK Split (0:0 a; 1:0 h). Torino wurde der Gruppe B zugelost, wo gegen den FC Brügge, den FC Kopenhagen und HJK Helsinki angetreten werden musste. Mit elf Punkten erreichte Torino den zweiten Platz hinter Brügge und stieg damit ins Sechzehntelfinale auf. Dort traf man auf Athletic Bilbao, das man knapp schlagen konnte (2:2 h; 2:3 a). Knapp verloren hatte man wiederum im Achtelfinale gegen Zenit St. Petersburg (0:2 a; 1:0 h).
In den darauffolgenden Saisons konnte Torino aber nie vollends überzeugen. Die Liga beendete man meist auf Platz 9, in der Saison 2015/16 reichte es gar nur für Platz 12. Auch in der Coppa Italia war Torino nur selten in der K.O.-Runde präsent. Die beste Leistung brachte der italienische Traditionsklub in der Saison 2017/18, als man das Viertelfinale erreichte. Dort musste man sich aber mit 0:2 dem Stadtrivalen Juventus geschlagen geben.
In der Saison 2018/19 erreichte Torino erneut Platz 7 in der Serie A und durfte damit an der Qualifikation zur UEFA Europa League 2019/20 teilnehmen. Nachdem man sich gegen Debreceni Vasutas (3:0 h; 4:1 a) und Schachzjor Salihorsk (5:0 h; 1:1 a) deutlich durchsetzte, musste man sich den Wolverhampton Wanderers (2:3 h; 1:2 a) geschlagen geben.
In den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 verfiel Torino in eine Schwächephase. Die Leistungen hinkten den Erwartungen deutlich hinterher und man musste um den Klassenerhalt bangen. Unter anderem verlor Torino zum Jahresbeginn 2020 sieben Pflichtspiele in Folge. Darunter sind auch eine 0:7-Heimniederlage gegen Atalanta Bergamo und eine 2:4-Niederlage im Viertelfinale der Coppa Italia gegen den AC Mailand vertreten. Auch nach dem Ansetzen der COVID-19-Pandemie konnte Torino seine Leistungen nur teilweise aufbessern. Am Ende beendete der Klub die Saison auf Platz 16 und mit einer Niederlagenquote von über 50 % (20 der 38 Ligaspiele wurden verloren).
Auch die darauffolgende Spielzeit 2020/21 verlief alles andere als nach Plan. Nur sieben Ligaspiele hatte Torino in dieser Saison gewonnen, sechzehn endeten remis. Nur achtmal spielte der Klub zu Null und gewann hierbei nur vier Spiele. Mit 69 Gegentoren war es außerdem die Saison mit den meisten Gegentoren seit dem letzten Wiederaufstieg in die Serie A. Torino beendete die Saison auf Platz 17 und mit 37 Punkten, was dem niedrigsten Punktestand seit dem Wiederaufstieg in die Serie A entspricht.
Die Leistungen besserten sich erst mit der Saison 2021/22. Seither hält sich Torino konstant auf Rang 10, bleibt in der Coppa Italia aber weitestgehend unauffällig. In ebenjener Saison 2021/22 erreichte Torino zumindest das Viertelfinale, wo man mit 1:2 der AC Fiorentina unterlag.
Spiel- und Trainingsstätten Historische Spielstätten Die erste wirkliche Heimat fand der FC Turin 1926 im Stadio Filadelfia, in dem man bis 1963 spielte. Bis heute hängt das Herz der Tifosi am alten Filadelfia, das die Heimstätte des Grande Torino war. Trotz immer wiederkehrender Pläne, es zu restaurieren und wieder zur Spielstätte des FC Turin zu machen, wurde es mittlerweile abgerissen.
Von 1963 bis 1990 trug der Klub seine Heimspiele im Stadio Comunale mit Platz für ca. 65.000 Fans aus, das man sich mit dem Lokalrivalen Juve teilte. 1990 erfolgte der Umzug ins für die Weltmeisterschaft 1990 neu errichtete, ca. 69.000 Zuschauer fassende, Stadio delle Alpi, das man sich wiederum mit Juventus teilte. Jedoch war das im Norden Turins liegende Stadion wegen der schlechten Sichtbedingungen für Zuschauer bei Anhängern beider Lager äußerst unpopulär.
Stadion mini|Olympiastadion Turin
Ab der Saison 2006/07 trugen beide Turiner Klubs ihre Heimspiele wieder im alten Stadio Comunale aus, das ca. 29.000 Zusehern Platz bietet, anlässlich der Olympischen Winterspiele 2006 komplett modernisiert wurde. Seit der Saison 2011/12 spielt nur noch der FC Turin in diesem Stadion, da Juventus in sein neu gebautes Juventus Stadium umgezogen ist, welches auf dem Grund des Stadio delle Alpi steht. Im April 2016 wurde die Spielstätte in Stadio Olimpico Grande Torino umbenannt, in Erinnerung an die Mannschaft der Grande Torino.
Fanszene mini|Fankurve des Torino FC (2006) Die 1951 gegründete Gruppierung Fedelissimi Granata des FC Turin gilt als der wahrscheinlich wichtigste Vorläufer der italienischen Ultra-Bewegung. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde ebenfalls beim FC Turin mit dem Zusammenschluss der Commandos Fedelissimi die erste Gruppierung ins Leben gerufen, die sich einen vom Guerillakrieg inspirierten Namen gab. Einem Beispiel, dem bald weitere Gruppen in Italien folgten.Torino: Serie A alternative club guide (englisch; Artikel vom 16. April 2015)