Die Heilig-Kreuz-Kirche in Szestno ist ein in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Verwendung von Teilen eines früheren Gebäudes errichtetes Bauwerk. Sie war bis in die 1980er Jahre das zentrale Gotteshaus des ostpreußischen evangelischen Kirchspiels Seehesten. Heute ist es die katholische Pfarrkirche der Pfarrei Szestno in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Szestno liegt sechs Kilometer nördlich der Kreisstadt Mrągowo () inmitten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch den Ort verläuft die Woiwodschaftsstraße 591, die von Mrągowo bis nach Michałkowo (Langmichels) unweit der polnisch-russischen Staatsgrenze führt.

Die Kirche steht in der Ortsmitte östlich der Hauptstraße nahe dem Friedhof.

Kirchengebäude In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in Seehesten erstmals ein Gotteshaus errichtetKirche und Gut Seehesten – eine spätgotische, dreischiffige Backsteinkirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 139, Abb. 677–680. Nachdem ein Brand 1618 die Kirche stark beschädigt hatte, wurde sie in den Jahren 1619 bis 1639 unter Verwendung von Teilen der alten Kirche aus Ziegel- und Feldsteinen als verputzter Bau ohne Seitenschiffe wieder aufgebaut. An der Westseite stand ein Turm, im Untergeschoss aus Granit und in den drei Stockwerken darüber aus Backstein. Eine Vorhalle erhielt die Kirche auf der Nordseite. 150px|mini|Der Westturm der Kirche in Szestno

Aus der Zeit der 1630er Jahre stammen Wandmalereien in der Turmvorhalle sowie Malereien der Kassettendecke über dem Kirchenschiff. Bei größeren Renovierungsarbeiten in der Kirche 1937 bis 1939 bzw. 1940 bis 1942 wurden die Gemälde an der Decke zerstört und danach neu gestaltet. Gestühl, Stände und Chöre aus dem 17. Jahrhundert wurden damals aufwändig restauriert. 150px|mini|Der Altar von 1647 Der Altar der Kirche stammt aus dem Jahre 1647 und war eine Stiftung von Fabian von Lehndorff (1593–1650). Im Hauptgeschoss zeigt er Maria mit dem Jesuskind zwischen den Aposteln Petrus und Paulus, im Obergeschoss die Kreuzigung Jesu und als Bekrönung den segnenden Erlöser. In der Predella befand sich eine gemalte Abendmahlsdarstellung. 150px|mini|Die Kanzel Aus der Werkstatt des Altarschnitzers stammt die Kanzel mit Kanzeldeckel und bemalten Treppenwangen. Sie ist in den 1980er Jahren von ihrem Platz an der Südseite im Kirchenschiff in den Altarraum versetzt worden.

Von der Taufkammer von 1642 sind noch Reste erhalten. 150px|mini|Die Orgel auf der Westempore Die Orgel wurde 1805 erbaut, die alten Glocken 1862 umgegossen.

Zur Ausstattung der Kirche gehören zwei Herrenstühle von 1647 und 1649 sowie zwei Totenfahnen aus bemaltem Kupferblech, auf denen jeweils der Verstorbene dargestellt ist: Johann von Sternberg († 1686) und Just Bernhard von Wilmsdorf († 1711). Auf einer Grabplatte des Fabian von Lehndorff († 1650) werden Landsknechte dargestellt, die Helme und Panzer tragen, wie sie im Dreißigjährigen Krieg üblich waren. 150px|mini|Lehndorff-Grabplatte Bis in die 1980er Jahre war die Kirche das evangelische Gotteshaus für das Kirchspiel Seehesten. Heute dient sie der römisch-katholischen Pfarrei Szestno als Pfarrkirche und trägt den Namen „Heilig-Kreuz-Kirche“ ().

Kirchen-/Pfarrgemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Die Gründung der Kirche in Seehesten geht zurück in das Jahr 1401.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 501. Die vorreformatorische Zeit reichte bis 1525. Danach wurde hier die lutherische Lehre eingeführt, wobei schon recht früh hier Geistliche der Reformation Dienst taten.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 126. Der damals auch Sehesten genannten „königliche Flecken“ gehörte lange Jahre zur Inspektion Rastenburg () und bis 1945 zum Kirchenkreis Sensburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Dem Kirchdorf war ein weitflächiges Kirchspiel zugeordnet, in das 1822 die Kirchengemeinde Bosemb (1938 bis 1945 Bussen, polnisch Boże) mit übernommen wurde. Seehesten mit Bosemb zählte 1925 insgesamt 3.300 Gemeindeglieder, deren Betreuung bis 1873 zwei, später nur noch einem Geistlichen oblag.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung beeinträchtigten das Leben der evangelischen Kirchengemeinde Seehesten. Die in der Mehrheit katholischen Neubürger in Szestno übernahmen die Kirche 1989 als ihre Pfarrkirche. Die heute hier lebenden evangelischen Kirchenglieder gehören zur St.-Trinitatis-Kirche Mrągowo in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Seehesten gehörten bis 1945 neben dem Pfarrort zwanzig Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort Name Polnischer Name Name Polnischer Name Berghof Biestrzykowo Marienhof Brodzikowo *Bosemb1938–1945 Bussen Boże Neu Reuschendorf Nowa Ruska Wieś *Bosembwolka1938–1945 Dreißighuben Boża Wólka Paulinenhof Pawłowięta Friedrichsberg Witomin *Pfaffendorf Popowo Salęckie *Grunau Gronowo *Reuschendorf Ruska Wieś Heinrichssorge Gniewkowo *Rudwangen Rydwągi *Kerstinowen1938–1945 Kersten Kiersztanowo Schwarzwald Czerniak Klein Reuschendorf Ruska Wieś Mała Waldhausen Boże Małe Kleinsruh Sobięcin *Weißenburg Wyszembork *Langenbrück Lembruk Wymisly1938–1945 Katzenbuckel Wymysły

Pfarrer Bis 1873 amtierten an der Kirche Seehesten zwei Geistliche gleichzeitig. Danach tat noch ein Pfarrer Dienst:

Stentzel N., 1525–1529 Stephan Paldroff, 1555 Albert Rembowius, 1567/1579 NN., 1575 Jacob Hintzke, 1590–1626 Johann Gottfried Bernhardi, 1635 Michael Boretius, ab 1665 Michael Puritius, 1668 Christoph Cobrowius, ab 1676 Gottfried Fröhlich, 1698–1704 Johann Schröter, 1705–1730 Stephanus Neumann, ab 1712 Christian Wolenski, 1717–1725 Christoph Büschtus, 1725–1764 Christian W. Büttner, 1730–1752 Christoph Pawlick, 1752–1800 Michael Heinrich Cwalina, 1764 Bernhard Flöß, 1765–1770 Johann Christoph Sommer, 1770–1778 Samuel Skups, 1778–1798 Andreas Leopold Pawlik, ab 1797 Michael Spekowius, 1799–1809 Sigismund Krupinski, 1809–1812 Andreas Wlotzka, 1815–1832 Johann Ludwig Glodkowski, 1832–1845 Jacob Schiwek, 1841–1845 Johann Ludwig Glodkowski, ab 1845 Ad. Heinrich Julius Radefeldt, ab 1846 Friedrich Gottowy, 1848–1873Gottowy (1810–1891) war Angehöriger des Corps Masovia. Friedrich Adalbert von Szczepanski, 1865–1883 Ernst Otto Casper, 1884–1901 Robert A. Assmann, 1901–1902 August Rudolf Walter Dziobeck, 1903–1912 Max Myska, 1912–1935 Fritz Saska, 1935–1941 Hermann Paulokat, 1942–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Seehesten sind erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt:Kirchbuchbestände Kreis Sensburg bei GenWiki

Taufen: 1649 bis 1828 Trauungen: 1687 bis 1705 und 1731 bis 1772 Begräbnisse: 1667 bis 1668, 1687 bis 1705 und 1731 bis 1837.

Katholisch Vor 1945 gab es nur wenige Katholiken im Bereich Seehesten. Sie gehörten zur Pfarrgemeinde St. Adalbert in Sensburg (polnisch Mrągowo) im Dekanat Masuren II (Amtssitz: Johannisburg (polnisch Pisz)), nach 1939 zum Dekanat Bischofsburg (Biskupiec) im damaligen Bistum Ermland.

Nach 1945 siedelten sich hier zahlreiche polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Am 1. Juli 1989 wurde Szestno katholischer PfarrortParafia Szestno im Erzbistum Ermland und das vorher evangelische Gotteshaus als „Heilig-Kreuz-Kirche“ neu geweiht. Die Pfarrgemeinde Szestno, zu der auch der Filialort Boże gehört, ist dem Dekanat Mrągowo I im jetzigen Erzbistum Ermland in der polnischen katholischen Kirche zugeordnet.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Heilig-Kreuz-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Mrągowo Kategorie:Erbaut 1639