Wolfertschwenden ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Unterallgäu und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Bad Grönenbach.

Geographie Lage Wolfertschwenden liegt 15 Kilometer südlich von Memmingen in der Region Donau-Iller in Mittelschwaben.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Wolfertschwenden, Dietratried und Niederdorf.

Wolfertschwenden hat 5 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Bossarts (Weiler) Dietratried (Kirchdorf) Klessen (Weiler) Niederdorf (Pfarrdorf) Wolfertschwenden (Pfarrdorf)

Ehwiesmühltal Bei Wolfertschwenden öffnet sich das Illertal zu einem schmalen Seitental mit steilen Hängen, dem sogenannten Ehwiesmühltal. Seit jeher ist das idyllische Tal ein beliebtes Ausflugsziel. Früher waren die vielen Mühlen am Bach ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Heute sind die Grundwasservorkommen wichtig für die Trinkwasserversorgung vieler Gemeinden.

Geologische Orgeln Nordöstlich von Niederdorf an der oberen Hangkante dicht beim Weiler Bossarts befinden sich die sogenannten Geologischen Orgeln. Es handelt sich um auf natürliche Weise entstandene Röhren (Verwitterungsschlote) im Erdreich. Bei starkem Wind schwingt die Luft in diesen Röhren und man vernimmt orgelähnliche Töne.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Grabungsfunde nahe dem Ort Wolfertschwenden belegen eine Siedlungstätigkeit bereits während der Römerzeit. Urkundlich wurde Wolfertschwenden schon um die Mitte des 9. Jahrhunderts erwähnt und Niederdorf im 11. Jahrhundert von Wolfertschwenden aus gegründet. Die Brüder Hawin, Albrecht und Kuonrad, Söhne des Hathos von Wolfertschwenden, stifteten 1093 das Benediktinerkloster Ochsenhausen und übergaben es an das Kloster St. Blasien. Ihre Schwester Hemma von Wolfertschwenden, die Erbtochter des Hathos, war mit einem Freiherren von Sagogn (in Surselva in Rätien) verheiratet, der noch vor der Stiftung von Rot an der Rot (1126) gestorben ist, und wird 1137 mit ihrem Sohn Chůno von Sagogn genannt. Die Jahrzeitstiftungen dieser Familie gingen regelmäßig nach Rot an der Rot.Quelle: Nuber, Studien Das Kloster Ottobeuren war seit 1145 in Wolfertschwenden begütert. Die Burg Wolfertschwenden am heutigen Schloßberg war Sitz ottobeurischer Dienstmannen. Dietratried wurde erstmals urkundlich 1365 erwähnt. Wolfertschwenden gehörte ab 1699 beinahe geschlossen zum Besitz des Reichsstifts Ottobeuren und kam mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 zu Bayern. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.

Verwaltungsgemeinschaft Im April 2007 wurde der Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft Bad Grönenbach im bayerischen Landtag beantragt. Dieser wurde abgelehnt.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 kam es im Rahmen der Gebietsreform in Bayern zum freiwilligen Anschluss der Gemeinden Dietratried und Niederdorf.

Einwohnerentwicklung Bevölkerungsentwicklung Jahr196119701987199119952000200520102015202020242025 Einwohner 108311171440157416531744185518611960203721212102 Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1.483 auf 2.051 um 568 Einwohner bzw. um 38,3 %.

Politik

Gemeinderat Wolfertschwenden: Wähleranteil und Gemeinderäte seit 1978CSUFreie Wähler Gesamt Wahl-beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Gemeinderat % 1978–1984 100,00 12 100 12 80,6 1984–1990 100,00 12 100 12 78,8 1990–1996 100,00 12 100 12 77,0 1996–2002 44,72 5 55,28 7 100 12 70,7 2002–2008 53,06 6 46,94 6 100 12 65,3 2008–2014 52,47 6 47,53 6 100 12 70,6 Prozentanteile gerundet. Quellen: Bayerisches Landesamt für Statistik und DatenverarbeitungGemeinderatswahlen; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 09778218

Bürgermeister Erster Bürgermeister war von 1990 bis 2020 Karl Fleschhut (* 1952) (Parteilose Wählergruppe). Seit 1. Mai 2020 ist Beate Ullrich (* 1966) (CSU/Bürger aktiv) Erste Bürgermeisterin.

Gemeinderat Seit 2020 gehören dem Gemeinderat 14 (statt bisher 12) Gemeinderäte an. Die Sitzverteilung bei der Gemeinderatswahl 2020 ist wie folgt:

CSU/Bürger aktiv: 7 Sitze Parteilose Wählergruppe: 5 Sitze GRÜNE: 2 Sitze, abgerufen am 28. Juli 2020. Die Sitzverteilung bei der Gemeinderatswahl 2014 war wie folgt:, abgerufen am 18. November 2017. CSU/Bürger aktiv: 7 Sitze Parteilose Wählergruppe: 5 Sitze

Steuereinnahmen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2020 10.000.000 Euro, bei einer Steuerkraft von 5.400 Euro pro Einwohner sowie einem Gesamtschuldenstand von 0 Euro.

Im Vergleich dazu die Zahlen aus dem Jahr 2014: Gemeindesteuereinnahmen: 7.200.000 Euro, Steuerkraft pro Einwohner: 3.551 Euro, Gesamtschuldenstand: 235.000 Euro

Wappen

Baudenkmäler mini|St. Vitus in Wolfertschwenden

Katholische Pfarrkirche St. Vitus Ehemaliges Pfarrhaus

Bodendenkmäler

Kunst im öffentlichen Raum alternativtext=Lanzenfeld - Schauplatz Wolfertschwenden|mini|Skulptur: Lanzenfeld - Schauplatz Wolfertschwenden In Wolfertschwenden wurde im Rahmen des Kunstprojekts „Spuren des Bauernkriegs: Eine künstlerische Reise zu topographischen Orten des Bauernkriegs 1525“ des Stadtmuseums Memmingen zur Erinnerung an den Bauernkrieg die skulpturale Installation Lanzenfeld: Schauplatz Wolfertschwenden des Berliner Künstlers Raimund Schucht realisiert. Das Werk wurde am 24. Oktober 2024 eröffnet und befindet sich auf einer Weide unterhalb des Falkens an der Ehwiesmühlstraße. Es besteht aus 75 abstrahierten Lanzen, die in einer Formation aus dem Boden ragen und auf die tumultartige Atmosphäre der Bauernkriege von 1525 Bezug nehmen. Die vertikalen Lanzen symbolisieren die Fußsoldaten (Landsknechte), die horizontalen jene berittenen Truppen, die gegen die aufständischen Bauern vorgingen.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sechs, im produzierenden Gewerbe 844 und im Bereich Handel und Verkehr 46 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 31 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 622. Im verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe gab es keine Betriebe. Im Jahr 1999 bestanden 34 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 788 Hektar, davon waren 196 Ackerfläche und 591 Dauergrünfläche.

Größte Arbeitgeber: pester pac automation Multivac Sepp Haggenmüller Andreae-Noris Zahn AG, Niederlassung Allgäu Weber Food Technology SE & Co. KG Mammut Basecamp

Verkehr Die nächste Autobahnanschlussstelle ist zwei Kilometer entfernt: Die Anschlussstelle Nr. 131 Bad Grönenbach der Bundesautobahn 7. Eisenbahnanschluss mit ÖPNV besteht über den Bahnhof Bad Grönenbach an der Bahnstrecke Neu-Ulm–Kempten in etwa zwei Kilometer Entfernung.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen: eine Kindertagesstätte (inkl. Waldkindergarten) mit 98 Kindergartenplätzen und 30 Kindern in der Kinderkrippe (Stand: 2020) sowie eine Grundschule mit vier Klassen – 91 Kinder (Stand: 2020). Außerdem wurden 2020 23 Kinder im Kinderhort betreut.

Persönlichkeiten Albrecht und Chuonradt Hawin, Brüder von Wolfertschwenden, Söhne des Hatos, Stifter des Benediktinerklosters Ochsenhausen im Jahre 1093. Theodor Henkel (1855–1934), Pionier der Milchwissenschaft. Johann Fleschhut (1956–2024), Bürgermeister von Grönenbach 1987 bis 2002, Landrat im Landkreis Ostallgäu von 2002 bis 2014.

Literatur Karl Schnieringer: Siedlungs- und Hofgeschichte Wolfertschwenden. Ottenbeuren: K. Schnieringer, 1937, 67 Bl. Anna Maria Wrzesinski: Es darf nicht sein – Der Bericht einer Allgäuer Magd über eine lebensgefährliche Liebe – aufgezeichnet von Erdmuthe von Baudissin, Wißner Verlag, Augsburg 2007, 128 Seiten

Weblinks

Gemeinde Wolfertschwenden (PDF-Datei; 1 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Unterallgäu Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Ort am Jakobsweg (Bayerisch-Schwäbischer Jakobusweg)