Die Hermann Wiederhold Lackfabriken waren ein Unternehmen der Lackindustrie. Es wurde 1867 in Düsseldorf-Derendorf gegründet. Um expandieren zu können, zog die Fabrik 1876 nach Hilden um. Das Familienunternehmen besaß Zweigwerke in Nürnberg und Etzen-Gesäß bei Bad König und wurde von fünf Generationen geführt.

In einem Geschäftsbereich wurden traditionelle Anstrichmittel für das Malerhandwerk hergestellt. Für das Autolackierer-Handwerk wurden Lacke der Marke Ducolux in einer großen Bandbreite von Farbtönen angeboten. In einem weiteren Geschäftsbereich waren Oberflächenschutzmittel und Veredlungslacke für Holz und Möbel zusammengefasst. Ferner wurden Lacke für Weiße Ware sowie kratzfeste, wasser- und alkoholbeständige Schichtstoffplacken aus Kunstharz produziert.

Die Hermann Wiederhold Lackfabriken wurden 1975 durch Imperial Chemical Industries (ICI) Lacke gekauft. Diese wurde 2008 von AkzoNobel übernommen.

Gründung in Düsseldorf links|mini|hochkant|Johann Jakob Wiederhold (1817–1890)

Johann Jakob Wiederhold (* 14. Juni 1817 in Niederaula; † 7. April 1890 in Düsseldorf) hatte am 5. Mai 1845 Charlotte, geb. Kämpgen (* 1. Mai 1806 in Heiligenhaus; † 14. September 1885 in Bonn) geheiratet. Sie wohnten zunächst in Elberfeld und zogen 1865 nach Düsseldorf-Pempelfort, zuerst bis 1870 in die Kaiserstraße 4 und später in die Jacobistraße 8.

mini|Eintrag im Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, 1868

Am 27. Mai 1867 gründeten in Düsseldorf der Schneidermeister und Kaufmann Johann Jakob Wiederhold und der Kolorist bzw. Färber Wilhelm Volger aus Münster die Handelsfirma Wiederhold & Volger. Am 28. August beantragte dann dieses Unternehmen die Errichtung einer Firnißsiederei in Derendorf. Die Siederei wurde auf einem gepachteten Grundstück an der Adresse Derendorf 67 (später Schloßstraße 78) errichtet. Der Teilhaber Wilhelm Volger schied noch vor dem Jahr 1870 aus dem Unternehmen, das sich nun J. J. Wiederhold, Firniß-, Farben- und Siegellackfabrik nannte, aus. Die Kunden des jungen Unternehmens waren Maler, an die Johann Jakob Wiederhold seine Anstrichmittel mit enger persönlicher Bindung direkt lieferte.

Da in Derendorf keine Erweiterungsmöglichkeiten bestanden, reichte Johann Jakob Wiederhold am 16. April 1876 in Hilden ein Bau- und Konzessionsgesuch ein, in dem er um die Erlaubnis bat, auf einem ca. 26 Ar großen Grundstück an der Benrather Chaussee (heute Düsseldorfer Straße 100) ein Siedehaus „die Englische Küche“ errichten zu dürfen, die ihm am 17. September 1877 erteilt wurde. Das Unternehmen J. J. Wiederhold siedelte darauf von Düsseldorf nach Hilden um.

Aufbau unter Hermann Wiederhold (dem Älteren) mini|hochkant|Hermann Wiederhold, der Ältere (1852–1905) links|mini|Älteste Ansicht Lacksiederei Wiederhold in Hilden

Bereits im Jahr nach Errichtung der Pechsiederei in Hilden verkaufte der Unternehmensgründer am 1. Mai 1878 den Betrieb an seinen Sohn Hermann Wiederhold (den Älteren) (* 11. Mai 1852 in Elberfeld; † 10. Oktober 1905 in Hilden). Dieser führte den zunächst noch kleinen Betrieb als Hermann Wiederhold Lackfabrik bis zu seinem Tode. Als Rohstoff wurde zunächst holländisches Leinöl eingesetzt.

Ab 1891 erfolgten immer wieder Erweiterungen der Fabrikgebäude und des Fabrikgeländes. Die Erfindung chemischer Lacke führte die ursprüngliche handwerkliche Firnisbereitung hinüber in die Bereiche chemischer Forschung. Bei Wiederhold wurden 1892 die ersten chemischen Laboratorien eingerichtet.

1886 brachte Hermann Wiederhold (der Ältere) den ersten Katalog seiner Erzeugnisse heraus. Mit wachsendem Bedarf an Autolacken gewann ab 1900 die Wiederhold Lackfabrik an Bedeutung und Ansehen. Sie verkaufte jetzt Autolacke über den Großhandel.

Hermann Wiederhold (der Ältere) heiratete am 11. Juli 1889 Amalie geb. Kopp (* 25. Juni 1857 in Bendorf; † 1. März 1923 in Hilden) und erteilte ihr 1903 Prokura. Zusammen hatten sie sechs Kinder:

Hermann (der Jüngere) (* 13. Mai 1881; † 26. Juni 1936), er erhielt 1903 Prokura; Elfriede (* 20. August 1882; † 29. März 1940); Martha (* 24. Februar 1884; † 7. Januar 1951); Walter (der Ältere) (* 16. November 1885; † 15. Juni 1959), wurde 1955 zum Ehrenbürger von Singen (Hohentwiel) sowie 1959 Hilden und Etzen-Gesäß ernannt; Otto (* 4. Oktober 1887; ⚔ 12. September 1915 als Leutnant in „Podherice“ (heute Paberžė) bei Wilna) Konrad (* 1. Mai 1893; † 15. September 1958).

Erweiterung unter Hermann Wiederhold (dem Jüngeren) mini|hochkant|Hermann Wiederhold, der Jüngere (1881–1936)

Nach dem Tod von Hermann Wiederhold (dem Älteren) übernahmen 1905 seine Söhne Hermann (der Jüngere) und Walter (der Ältere) die Geschäftsführung der Hermann Wiederhold Lackfabriken.

Walter hatte an der Technischen Hochschule Darmstadt Lackchemie studiert. Er war 1902 in die Fabrik eingetreten und lernte sie von Grund auf kennen.

Während Hermann Wiederhold sich in der Hauptsache der kaufmännischen Führung des Unternehmens widmete, kümmerte sich Walter um den Betrieb, die technischen Erneuerungen und die Qualitätsangelegenheiten.

Walter Wiederhold schuf bald nach seinem Eintritt in das Unternehmen ein gut ausgerüstetes Lacklaboratorium zur Überwachung der eingehenden und zur Prüfung neuer Rohstoffe. Das Laboratorium diente der Steigerung der Qualität bisher fabrizierter Lacktypen, der Entwicklung neuer Lacksorten und dem Studium neuer Verwendungsmöglichkeiten.

1911 wurde die Hermann Wiederhold Lackfabriken als Kommanditgesellschaft eingetragen mit Hermann und Walter Wiederhold als Komplementäre (persönlich haftende Gesellschafter).

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Walter Wiederhold bereits am 2. August 1914 eingezogen und nahm bis zum Kriegsende in vorderster Front teil. Er wurde erst 1918 als Leutnant und Adjutant des Landwehr-Fußartillerie-Bataillons Nr. 2 aus der Armee entlassen.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Belieferung des Malerhandwerks nicht mehr direkt, sondern auch durch den Großhandel mit gezielter Werbung und Verpackung. Der erhöhte Umsatz machte in Hilden Grundstückserweiterungen und den ständigen Ausbau der Produktion notwendig. Hermann Wiederhold engagierte sich auch im Verband Deutscher Lackfabrikanten und war von 1927 bis 1935 dessen Vorsitzender.

Expansion unter Walter Wiederhold links|mini|hochkant|Walter Wiederhold (1885–1959)

Nach dem Tod von Hermann Wiederhold (dem Jüngeren) 1936 war Walter Wiederhold alleiniger Unternehmensinhaber und Komplementär.

Kommanditistinnen in der Zeit von Walter Wiederhold

Kommanditistinnen wurden 1938 Margarethe Wiederhold, geborene Kirberg (* 14. April 1888; † 24. Juni 1970), Frau von Hermann (dem Jüngeren), und Walters Schwestern Hildegard (* 2. Oktober 1912; † 13. Juli 1974), Gisela (genannt Ilse) (* 3. September 1913; † 3. April 1996) und Erika Wiederhold (* 14. September 1915; † 14. März 1974).

Walter Wiederhold heiratete 1912 Helene, geborene Sahler (* 18. Mai 1887; † 11. November 1958), zusammen hatten sie vier Kinder:

Lotte-Lore (* 23. Juli 1913; † 19. August 1953), Walter (der Jüngere) (* 8. April 1915; ⚔ 1941 als Oberleutnant eines Artillerieregiments an der Ostfront) Marianne (* 20. April 1919; † 9. August 1971), Ellen (* 21. November 1921; † 4. September 1995).

Der Walter (der Jüngere), der einzige Sohn, stand kurz vor dem Abschluss seines Chemiestudiums, als er im Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde. Nachdem er gefallen war, konnte er nicht mehr in das Unternehmen eintreten. Die drei Töchter wurden 1947 Kommanditistinnen.

Die vier Adoptivtöchter von Ellen Wiederhold wurden 1956 Kommanditistinnen.

Erweiterter Kundenkreis, Qualitätsmanagement, Werk Nürnberg, Etzen-Gesäß

Trotz schwieriger Rohstoff-, Finanz- und Lohnfragen und Nöte der Devisenbeschaffung gelang die Umstellung auf heimische Rohstoffe und die technische Weiterentwicklung führte zur Ausarbeitung neuer Qualitäten. Durch Anwendungstechnik und Beratung der Großverbraucher konnten neue Kundenkreise gewonnen werden. Zu den Kunden des Unternehmens gehörten jetzt Baufirmen, Automobilwerke und 1920 erhielt Wiederhold die Zulassung als Lieferant der Deutschen Reichsbahn. Die gute Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnzentralamt München und der Chemischen Versuchsanstalt der Reichsbahn in München reichte bis nach dem Zweiten Weltkrieg, sodass Wiederhold auch danach Lacklieferant der Deutschen Bundesbahn wurde.

Die Nitro-Lackfabrikation wurde 1927 im Werk Hilden aufgenommen.

Wiederhold erwarb als erstes Zweigwerk 1922 die 1861 gegründete Lackfabrik Engelhardt am Standort Nürnberg und brachte sie auf den gleichen technischen Stand wie das Werk in Hilden.

Das Werk in Nürnberg wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben total zerstört. Gegen Ende des Krieges erfolgte 1944 seine Verlegung nach Ranna in der Fränkischen Schweiz. Direkt nach dem Krieg begann 1964 die Rückverlagerung von Ranna nach Nürnberg und der Wiederaufbau.

Zur Produktion von Lacken für die Schwarzblech-Konservendosenindustrie wurde 1943 eine weitere Zweigfabrik in Etzen-Gesäß bei Bad König im Odenwald errichtet.

Walter Wiederhold stattete das Werk mit modernsten Betriebsanlagen aus, erweiterte dessen Kapazität von Jahr zu Jahr und schuf in seinem Laborgebäude eine Forschungsstätte der Lackchemie, die in Europa ihresgleichen suchen durfte. Jede Lacktype wurde auf den in der Praxis üblichen Maschinen geprüft, bevor sie den Weg zum Verbraucher antrat. Diese Qualitätskontrolle führte zwangsläufig zum Qualitätsprodukt. Dies war Voraussetzung, dass das Unternehmen Herman Wiederhold Lackfabriken 1949 die alleinigen Herstellerrechte für Deutschland und die Verfahren der „Duco-Lacke“ und der „Ducolux-Lacke“ erwerben konnte. Diese Autolacke waren in den 1920er Jahren von DuPont entwickelt worden.

Laboraufgaben links|mini|Fabrikantenvilla Wiederhold Hilden Düsseldorfer Straße 102

In den verschiedenen Laboratorien der Anwendungstechnik und Prüfstellen der Qualitätskontrolle waren 1952 über 100 Wissenschaftler und technische Mitarbeiter tätig. Sie analysierten die Rohstoffqualität, die Malfeinheit, den Glanz und die Deckkraft der Lacke und Farben. Am Xeno-Bewitterungsgerät wurde die Lichtechtheit getestet.

Die Versuche mit Druckfarben für Offset- und Buchdruck erfolgten in einer separaten Abteilung.

Auch Lackauftragsverfahren wurden getestet:

Verarbeitung mit Pinsel, Spritzlackieren mit Spritzpistole, Heißspritzen bzw. elektrostatische Spritzen, Auftragung mittels Lackwalzen, Tauchlackierverfahren, Rommeln oder Gießen in Lackierstraßen.

Außerdem wurde das Verhalten beim Wiederabschleifen von Autolacken vor der Reparatur kontrolliert.

Besonders benannte Produktionsanlagen

Anlässlich des Festaktes zum 85. Jubiläum des Unternehmens wurden 1952 in der Festschrift an Anlagen der Hildener Fabrik besonders hervorgehoben:

Für Emaille-Lacke Vermahlung zum Teil in riesigen Kugelmühlen für sehr hohe Kornfeinheit. Zehn einzeln angetriebene Dreiwalzen-Schnelläufer mit regelbarer Geschwindigkeit zur Vermahlung von Lack-Emaillen mit höchstmöglichem Dispergiergrad der Farbkörper. Erzeugung von Öl-, Schwarz- und Kunstharzlacken in hochwertigen Edelstahlkesseln bei direkter oder indirekter Beheizung, wahlweise unter Druck oder Vakuum. Danach Filtration in Spezialzentrifugen und drücken durch ein weitverzweigtes Rohrsystem. Große stationäre Kessel für Firnisse, Standöle, Harzveresterung und Lacke, teilweise mit Dissolver Rührwerk. In fahrbaren, staubdicht abgeschlossenen Mischbehältern mit Rührwerk und Einzelantrieb erfolgt die Einstellung und Abschattung (Kleintönerei) der einzelnen Farbtöne der DUCOLUX Qualitäten. Destillieranlage zur Reinigung und Trennung von Lösungsmitteln. Sprühturm für Harztocknung. Standölanlage für 15 m³ Drei unterirdische Tankanlagen, die insgesamt 1200 m³ fassten. Dreizug-Hochdruck-Dampfkessel (12 t/h). Automatische Dosenabfüllung und Kartonverpackung. Füll- und Prüfstation für Ducolux-Sprühdosen.

Werksansicht mini|Modell der Fabrik Wiederhold