mini|hochkant|Mitgliedsabzeichen des Vereins Der Ungarische Karpathenverein (UKV, ungarisch Magyarországi Kárpátegylet, MKE, slowakisch Uhorský karpatský spolok; nach 1918 nur Karpathenverein) war ein Gebirgsverein. Er wurde 1873 gegründet. Die Erschließung des Tatra-Gebirges war sein Hauptziel. Seine Mitglieder (überwiegend Deutsche und Ungarn) errichteten Wege, Markierungen und Schutzhütten auf dem Gebiet der Hohen Tatra. 1945 wurde der Verein zwangsaufgelöst und das Vereinseigentum enteignet.

Geschichte Vorgeschichte Als im 19. Jahrhundert in fast allen Ländern Europas die Industrialisierung einsetzte, welche zu einem rapiden Anwachsen der Großstädte führte, erwuchs in den Stadtmenschen der Wunsch nach freier Natur und nach den gesundheitlichen Vorteilen, welche ein Aufenthalt in der Natur bot. Neben dem Wasser waren es vor allem die Berge, die auf die Menschen der damaligen Zeit eine große Anziehungskraft ausübte. Zum Teil war es der Pioniergeist, der die ersten Touristen und Bergsteiger auf bis dahin unbekannte und unerforschte Gipfel trieb.

Und so entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Gebirgsvereine, deren primäres Ziel es war, den Tourismus im Gebirge zu fördern. Diese vor allem aus England ausgehende Bewegung konzentrierte sich in erster Linie auf das höchste und dadurch auch bedeutendste Gebirge Europas, auf die Alpen. Es ist daher verständlich, dass sich die ersten Touristenvereine auf die Alpen konzentrierten. Die ältesten, noch heute existierenden Vereine sind folgende: 1857 Alpine Club London 1862 Österreichischer Alpenverein Wien (später DÖAV, heute ÖAV) 1863 Schweizer Alpenclub und Club Alpino Italiano 1869 Deutscher Alpenverein München (später DÖAV, heute DAV) 1873 Ungarischer Karpathenverein (UKV)

Bemerkenswert ist, dass der Karpathenverein der erste Bergverein war, welcher sich nicht mit den Alpen beschäftigte.

Gründung mini|Seite 1 der Statuten des Vereins aus dem Gründungsjahr 1873 Bereits Ende der 1860er Jahre gab es verschiedene Versuche, vor allem durch den Salzburger Arzt Heinrich Wallmann und den aus Villach stammenden Alpinisten Gustav Jäger (* 1815, † 1875), durch Aufrufe einen Touristenverein in den Karpaten zu gründen. Diese Versuche scheiterten jedoch, da die Resonanz sehr gering blieb. Ein weiterer Aufruf eines Professors des Evangelischen Lyzeums in Kesmark, Julius (Gyula) Zimmermann blieb auch erfolglos.

Erst im Mai 1873 gelang es k. k. Major a. D. Anton Döller, einem begeisterten Alpinisten und großen Freund der Hohen Tatra, ein Organisationskomitee zur Gründung des Karpathenvereins ins Leben zu rufen. Mitglieder dieses Komitees waren: Egyed Berzeviczy Nándor Czerépy Anton Döller Hugo Payer Friedrich Scholz Samuel Weber

Nach einer relativ kurzen Vorbereitungszeit wurde am 10. August 1873 der „Ungarische Karpathen-Verein“ in einer konstituierenden Generalversammlung in Alt-Schmecks gegründet.

Alt-Schmecks wurde durch seinen vorzüglichen Säuerling, welcher in der Vergangenheit den Namen „Schlagendorfer Sauerbrunnen“ trug, bekannt. Dieses ganze Gebiet gehörte im 18. Jh. der Familie der Grafen Csáky. Auf Anraten des evangelischen Pfarrers von Großschlagendorf, welcher einer der besten Kenner der Hohen Tatra in der damaligen Zeit war, ließ Graf Stephan Csáky im Jahre 1793 auf dem Gebiet – welches damals ausschließlich unter den deutschen Namen „Schmecks“ bekannt war – ein Jagdhaus, zwei Häuser und eine Kapelle errichten, die den Anfang dieses vermutlich bekanntesten Hochgebirgskurortes im südlichen Teil der Hohen Tatra bildeten. Im Jahre 1833 vermietete einer seiner Nachfolger, Graf Carl Csáky das ganze Gebiet an den Georgenberger Gastwirt Johann Georg Rainer, welcher der Ansiedlung zur Blüte verhalf.

In der Zeit der Vereinsgründung war daher „Alt-Schmecks“ bereits eine bekannte Größe in der gesamten Hohen Tatra. mini|Das Schlesienhaus wurde 1894 von der Schlesischen Sektion des Karpathenvereins errichtet. Die Gründung des Vereins löste in – für die Berge interessierten – Kreisen des Bürgertums der Zips, aber auch anderorts in Altungarn, eine große Begeisterung aus. Gleich in der Gründungsphase – nachdem die Statuten des Vereins ausgearbeitet waren – traten dem Verein 250 Mitglieder bei, welche sich mit unerhörtem Optimismus und Idealismus an die Arbeit machten. Die Mitgliedsbeiträge betrugen zu Beginn 3 und später 2 Gulden,In Altungarn war bereits 1325 der "Goldgulden" zu 16 Groschen eingeführt worden. 1816 wurde er durch den Gulden (ung. Forint) abgelöst, dessen Einteilung in 60 Kreuzer auf den 1553 eingeführten Thaler zurückgeht. was für die damalige Zeit nicht als billig bezeichnet werden konnte. Der Karpathenverein stand jedermann offen, aber von Anfang an waren die tragenden Nationen des Vereins Ungarn und Austro-Deutsche/Österreicher (und später auch Deutsche aus dem deutschen Nieder- und Oberschlesien sowie aus Österreichisch-Schlesien). Der Anteil der Slowaken war relativ gering, er machte nur 10 bis 15 % der Gesamtmitgliederzahl aus.

Ziele Hauptziele des Ungarischen Karpathenvereins (UKV) waren:

Bau von Schutzhäusern und Berghütten Ausbau und Markierung von Wanderwegen Verwirklichung der Gründung eines Vereinsmuseums Erschließung der Hohen Tatra für den Tourismus

Berghütten In den ersten zehn Jahren wurden zehn Schutzhäuser gebaut. So entstanden auf Initiative des KV u. a. folgende Schutzhäuser bzw. Hütten:

Karfunkelturmhaus Rosa-Schutzhaus am Kämmchen Hunfalvy-Hütte (Felkaer See) Schutzhütte bei den Drei Schlagendorfer Seen Majláth-Hütte am Poppersee Hütte im Mengsdorfer Tal

Wanderwege mini|Einer der ersten vom Karpathenverein herausgegebenen Bergführer über die Hohe Tatra. Das Buch erschien in Zipser Neudorf im Jahre 1888. Bereits vor der Gründung des Karpathenvereins gab es in der Tatra zahlreiche Wege, welche hauptsächlich von den Viehhirten genutzt wurden. Diese Wege waren jedoch meistens in einem sehr schlechten Zustand und entsprachen nicht den Anforderungen des Vereins. Und so begann man mit dem systematischen Ausbau von Wegen für Touristen und Bergwanderer in einigen Tatratälern. Die wichtigsten sind nachfolgend aufgeführt:

Kleines Kohlbachtal (slow. Malá Studená dolina): Bereits 1875 begann man mit dem Ausbau des Weges von der Rainer-Hütte zu den Zipser Fünf Seen (slow. Päť Spišských plies). Zwischen 1875 und 1877 erhielt dieser Weg farbliche Markierungen und es wurden Ruhebänke aufgestellt. Felkaer Tal (slow. Velická dolina): 1888 Ausbau des Weges zum Botzdorfer See. Ebenso Ausbau eines Weges neben dem Felkaer Bach zum Felkaer See. 1892 neuer gesicherter Weg vom Langen See zum Polnischen Kamm, welcher Vorbildcharakter hatte. Mengsdorfer Tal (slow. Mengusovská dolina): Ausbau eines noch aus den 1850er Jahren stammenden Weges, welcher vom Mlynicatal in das Mengsdorfer Tal führt. 1883 wird ein Weg zu den Hinze-Seen ausgebaut. 1886 ein Reitweg auf die Osterwa. 1891 ein Fahrweg am Ufer des Popper Baches zum Popper See. Weißwassertal (slow. Dolina Kežmarskej Bielej vody): 1878 Bau eines Weges zum Grünen See. 1880 Neubau eines Weges zwischen den Grünen und den Weissen See und weitere ähnliche Vorhaben in diesem Bereich

Die größte Herausforderung für den Verein bildete jedoch der Ausbau einer Gürtelstraße (heute als Cesta Slobody, deutsch Freiheitsstraße bekannt), in der Gründerzeit auch „Klothilden-Weg“ genannt. Den Namen bekam der Weg nach Erzherzogin Klothilde von Österreich (* 1846, † 1927), auf einer am 5. August 1888 abgehaltenen Vorstandssitzung des Karpathenvereins. Klothilde war die Gattin von Erzherzogs Joseph, welcher in dieser Zeit Reichspalatinus von Ungarn war. Die Erzherzogin leistete auch einen nennenswerten finanziellen Beitrag zum Ausbau dieses Weges. Da der Tschirmer See von Schmecks nicht direkt zu erreichen war, beschloss man eine Verbindung zwischen den zwei Plätzen herzustellen, so wurde 1877 der „obere Weg“ als Pfad im Wald ausgeschlagen und markiert. Nicht zufrieden mit manchen steilen Stücken wurde 1879 der „untere Weg“ gebaut, der viele Jahre in Betrieb war, und der durchaus im Rahmen der Vereinsziele, die „Bereisung der Hohen Tatra zu erleichtern“ eingeordnet werden konnte. Die günstigeren finanziellen Möglichkeiten, die mit dem Beginn der „Leutschauer Epoche“ (1884–1891) eintraten, verleiteten aber zu dem Entschluss, eine noch bessere Trassierung, die etwa in der Mitte des „oberen“ und des „unteren“ Weges liegen sollte, zu finden und diese Verbindung als 2 m breiten Reitweg zu bauen. 1886 war dieser Weg zur Hälfte fertig, als ein weiterer, in ein noch aufwendigeres Stadium eintretender Entschluss, den im Werden begriffenen Reitweg als 4 m breiten Fahrweg zu vollenden, gefasst wurde. 1887 wurde dieses Stück feierlich eröffnet, nachdem er alle Einnahmen und Reserven des KV verschlungen hatte. Offen blieb der Umbau des bereits vorhandenen 2 m breiten Abschnittes und der 1885 begonnene Ausbau eines Weges von Tatra-Lomnitz nach Höhlenhain (auch dort fehlte eine direkte Verbindung). Die unergiebige Maut und 5000 Gulden Zuschuss von der Regierung konnten das zu „einem bodenlosen Faß“ gewordene Projekt nicht zum Abschluss bringen, so dass der Weg 1891 schließlich in das Straßennetz des Komitates übernommen wurde. Die Angaben über die Kosten gehen weit auseinander. Der KV war der Bahnbrecher für diese der Förderung des Fremdenverkehrs dienende Infrastruktur, die aber eigentlich in den Bereich des öffentlichen Wegebaues fiel. Dadurch musste er auf Jahre hinaus die meisten anderen Projekte zurückstellen. Es werden Summen von bis zu 30 000 Gulden genannt. Diese Zahl dürfte sicherlich etwas zu hoch sein, da nach anderen Darstellungen der Karpathenverein in den ersten 20 Jahren seiner Tätigkeit für den gesamten Wegebau nur 24 000 Gulden aufgewandt hatte. Das sind beträchtliche Summen, wenn man bedenkt, dass in der Ersten Periode für Hüttenbauten nur 5000 Gulden ausgegeben wurden und der gesamte kulturelle Bereich etwa 41 000 Gulden ausmachte. mini|Der Bahnhof Tschirm wurde nach dem Bau der Kaschau-Oderberger Bahn zu einem der Ausgangspunkte in die Hohe Tatra.

Museum des Karpathenvereins Gleich nach der Gründung des Karpathenvereins wurde beschlossen, in absehbarer Zeit ein Museum zu errichten. Der Verein kaufte einen beträchtlichen Teil der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Evangelischen Lyzeums A. B. von Kesmark auf, welche einen ersten Grundstock der Sammlungen bilden sollten. Bereits 1876 wurde ein Aufruf gestartet, welcher zum Spenden von weiteren geeigneten Exponaten aufrief. Dieser Aufruf hatte eine große Resonanz. Die Anzahl der Ausstellungsstücke vermehrte sich dermaßen, dass der ursprünglich vorgesehene Raum zu klein wurde. Außerdem musste man feststellen, dass Kesmark durch den Nichtanschluss an die Kaschau-Oderberger Eisenbahnlinie (1871) ins Hintertreffen geriet und nicht mehr im Mittelpunkt des touristischen Interesses stand. Seinen Rang musste Kesmark an das sich rapide entwickelnde Deutschendorf, welches nun einen Bahnanschluss hatte, abgeben. Es stellte sich daher die Frage, in welchem Ort das neue Museum errichtet werden sollte. Es gab zwei Bewerber: Deutschendorf und Felka.

David Husz als ein angesehener und wohlhabender Bürger von Deutschendorf stellte ein Grundstück kostenlos zur Verfügung, wenn das Museum in Deutschendorf errichtet werden sollte. Außerdem sagte er eine jährliche finanzielle Unterstützung in Höhe von 200 Gulden für das Museum zu. Und so wurde 1881 mehrheitlich beschlossen, das Museum in Deutschendorf zu errichten. Es wurde eine staatliche Lotterie durchgeführt, aus deren Gewinnen der Bau finanziert werden sollte. Und so konnte 1885 mit dem Bau des Museums begonnen werden. Die feierliche Eröffnung und Übergabe erfolgte am 21. August 1886.