mini|Polizeifoto von Charles Taylor in Plymouth County, Massachusetts (1984)

Charles Ghankay Taylor (* 28. Januar 1948 in Arthington bei Monrovia) ist ein liberianischer Politiker. Er war vom 2. August 1997 bis zum 11. August 2003 der 22. Staatspräsident von Liberia.

Taylor war ein bekannter Warlord im liberianischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren und wurde später zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit war durch Rebellion und regionale Konflikte geprägt und endete nach einem erneuten Bürgerkrieg mit seinem Exil. Am 29. März 2006 wurde er beim Verlassen seines Exils in Nigeria im Grenzgebiet zu Kamerun festgenommen und in Sierra Leone inhaftiert. Aus Sicherheitsgründen wurde der Prozess vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone nach Leidschendam-Voorburg bei Den Haag in den Niederlanden verlegt. Dorthin wurde Taylor am 20. Juni 2006 überstellt und musste sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten. Der Prozess wurde am 4. Juni 2007 eröffnet. Am 26. April 2012 erklärten ihn die Richter für schuldig. Taylor ist damit das erste afrikanische Staatsoberhaupt, das von einem internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen wurde.

Am 30. Mai 2012 wurde das Strafmaß auf 50 Jahre festgesetzt. Er verbüßt die Strafe im Vereinigten Königreich.

Im Oktober 2021 reichte Taylor beim Gerichtshof der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) eine Anzeige gegen Liberia wegen „Nichtzahlung seiner Ruhestandsbezüge“ ein.

Leben Sein Vater Nelson Taylor gehörte zu den Ameriko-Liberianern, seine Mutter Zoe war eine Angehörige der Gola.Liberia, Background. Minority Rights Group. Abgerufen am 22. Oktober 2025. Taylor studierte in den USA  – zunächst am Chamberlayne Junior College in Newton (Massachusetts) und von 1972 bis 1977 Wirtschaftswissenschaften am Bentley College in Boston.

Er kehrte nach Liberia zurück und wurde von Präsident Samuel K. Doe zum Leiter der General Services Agency ernannt. Bei einem erneuten Aufenthalt in den USA wurde er 1984 aufgrund des Vorwurfs der Veruntreuung in Massachusetts festgenommen, da Präsident Doe ihn beschuldigt hatte, fast eine Million US-Dollar aus dem Land geschleust zu haben.Haftstrafe 1984: Taylor wurde im März 1985 im Gefängnis von Plymouth (Massachusetts) inhaftiert, von wo er im September 1985 unter mysteriösen Umständen fliehen konnte. Der Aussage des ehemaligen Kampfgefährten und heutigen liberianischen Senators Prince Yormie Johnson zufolge wurde die Flucht von Seiten der US-Regierung arrangiert, um Taylor später bei der Entmachtung Samuel Does einzusetzen. Taylor tauchte nach seiner Flucht für einige Jahre unter, es wird vermutet, dass er nach dem Verlassen der USA über Umwege nach Libyen reiste.US freed Taylor to overthrow Doe, Liberia’s TRC hears – Mail & GuardianThe nine lives of Charles Taylor. In: The Guardian.

Erster Liberianischer Bürgerkrieg Im Dezember 1989 initiierte Taylor von der Elfenbeinküste aus einen bewaffneten Aufstand. Doe wurde schnell besiegt und im folgenden Jahr von einem Verbündeten Taylors, Yormie Johnson, zu Tode gefoltert. Das Ende der Regierung Does führte zur politischen Zersplitterung des Landes, und das große Leid der Bevölkerung setzte sich fort. Mitte der 1990er spalteten sich Johnson und seine Unterstützer von Taylors Gruppe ab, eroberten Monrovia und verhinderten damit Taylors vollständigen Sieg. Der Bürgerkrieg weitete sich nun zu einem ethnischen Konflikt aus, in dem sieben Gruppen versuchten, die Kontrolle über Liberias Rohstoffe (insbesondere Eisenerz, Holz und Kautschuk) zu gewinnen. Über 200.000 Menschen wurden getötet, und mehr als eine Million verloren ihr Zuhause. Auf Druck der internationalen Staatengemeinschaft willigten Taylor und die Anführer der anderen Kriegsparteien in einen Waffenstillstand ein, dem nach einer Übergangsphase eine demokratische Wahl folgte.

Präsidentschaft Charles Taylor gründete die National Patriotic Party und wurde am 2. August 1997 mit einer Mehrheit von 75 % der Stimmen zum 22. Präsidenten Liberias gewählt.Präsidentschaftswahl 1997: Die Wahl wurde von Beobachtern als frei und fair beurteilt, obwohl Taylors Sieg teilweise dem Glauben zugeschrieben wurde, dass er im Falle einer Wahlniederlage den Bürgerkrieg wieder aufleben lassen würde. Somit hätten viele Menschen ihn gewählt, um den Frieden zu bewahren.

Auch als gewählter Präsident setzte Taylor in den 1990er Jahren seine destabilisierende Rolle in Westafrika fort. Er unterstützte die Rebellengruppe Revolutionary United Front (RUF) in Sierra Leone, die mit extremer Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen war, und ist deswegen beschuldigt worden, den Bürgerkrieg in Sierra Leone initiiert und verlängert zu haben.Warlords: Taylor hatte gute Kontakte zu Generälen der RUF – so auch zu General Sam Bockarie, auch bekannt als General Mosquito – der für Taylor einige illegale Operationen in Liberia und Sierra Leone durchführte. Charles Taylor musste um seine politische Zukunft bangen, als Sam Bockarie am 3. März 2003 in Abwesenheit vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone angeklagt wurde. Taylor hatte Bockarie zu diesem Zeitpunkt in (Schutz)haft, er wurde dazu gedrängt, den Kriegsverbrecher auszuliefern. Da er allerdings wusste, dass Bockarie ihn vor Gericht belasten würde, soll er die Auslieferung durch die Ermordung oder den Scheintod Bockaries verhindert haben. Es ist nicht geklärt, ob Bockarie auf Befehl Taylors getötet wurde oder ob dessen Tod nur vorgetäuscht wurde, da seine Leiche den Behörden nie übergeben wurde. Das Verfahren gegen Sam Bockarie wurde jedoch am 8. Dezember 2003 auf Entscheidung des Spezialgerichts für Sierra Leone eingestellt.

Charles Taylor wurde während seiner Präsidentschaft häufig von westlichen Regierungen, Internationalen Nichtregierungsorganisationen und Medien kritisiert. Bereits im März 2001 wurden seine Angriffe auf die Pressefreiheit in Liberia kritisiert und die unverzügliche Freilassung von inhaftierten Journalisten, darunter Joseph Bartuah, gefordert. Ein UN-Bericht warf ihm den illegalen Handel mit Tropenholz und Blutdiamanten vor.

Zweiter Liberianischer Bürgerkrieg Taylors Präsidentschaft spaltete das Land als Folge ethnischer Spannungen erneut. 1999 begann eine Rebellion vom Norden Liberias aus, die von einer Gruppe angeführt wurde, die sich Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD) nannte. Anfang 2003, als LURD die Kontrolle Nordliberias festigen konnte, formte sich in Südliberia eine weitere Rebellenorganisation, das Movement for Democracy in Liberia (MODEL), die durch die Regierung der Elfenbeinküste unterstützt wurde, und konnte ebenfalls beachtliche Erfolge erzielen. Im Sommer 2003 hatte Taylor weniger als ein Drittel des Landes unter Kontrolle.

Im Juni 2003 stellten die Vereinten Nationen einen Haftbefehl auf Grund von Kriegsverbrechen gegen Präsident Taylor aus. Die UN beschuldigte Taylor der Unterstützung der RUF-Rebellen in Sierra Leone, die dort für vielfältige Verbrechen verantwortlich waren.Gescheiterte Inhaftierung: Die Anklage wurde während Taylors offiziellem Besuch in Ghana ausgestellt. Mit der Unterstützung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki und gegen das Drängen des Präsidenten von Sierra Leone, Ahmad Tejan Kabbah, war es der ghanaischen Polizei nicht möglich, Taylor zu verhaften, so dass er anschließend nach Monrovia zurückkehrte. Während seines Aufenthalts in Ghana zu Friedensgesprächen drängten die USA den Vizepräsidenten Moses Blah, die Macht zu ergreifen. Bei seiner Rückkehr entließ Taylor Blah aus seinem Amt, um ihn aber nur wenige Tage später erneut zu berufen. Währenddessen begann die LURD, Monrovia zu belagern und es gab viele blutige Kämpfe, während die Regierungstruppen die Rebellen daran hinderten, die Stadt einzunehmen. Durch die Forderung von US-Präsident George W. Bush, Taylor müsse Liberia bis Juli 2003 verlassen, wurde der Druck auf ihn noch weiter erhöht.

Rücktritt und Exil Taylor bestand darauf, nur zurückzutreten, wenn amerikanische Friedenstruppen in Liberia stationiert würden. Nigeria sandte ebenfalls eine größere Friedenstruppe in das Land und der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo bot Taylor politisches Exil in seinem Land an. Am 6. August wurden weniger als ein Dutzend US-Marines entsandt, um die Friedenstruppen zu unterstützen.

Am 11. August trat Taylor zurück, und Moses Blah übernahm bis zur Bildung einer Übergangsregierung am 14. Oktober sein Amt. Bei der Amtsübergabe waren der ghanaische Präsident John Agyekum Kufuor, der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und der mosambikanische Präsident Joaquim Chissano anwesend. Taylor ging nach Nigeria ins Exil. Die dortige Regierung stellte ihm und seiner Gefolgschaft Unterkünfte in Calabar.

Während die Friedensvereinbarung Taylor ein sicheres Exil in Nigeria garantierte, forderte sie von ihm, nicht zu versuchen, liberianische Politiker zu beeinflussen. Kritiker warfen ihm vor, dass er sich an diesen Teil der Vereinbarung nicht gehalten habe.Inhaftierung: Im November 2003 setzte der US-Senat ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar auf Taylor aus. Am 4. Dezember stellte Interpol einen internationalen Haftbefehl aus. Taylor war ab diesem Zeitpunkt auf der Liste der von Interpol am meisten gesuchten Verbrecher aufgeführt als möglicherweise gefährlich; ihm wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Bruch der Genfer Konventionen zur Last gelegt. Nigeria gab daraufhin bekannt, dass es Taylor nicht ausliefern werde, solange Liberia ihm nicht den Prozess machen wolle.

Verhaftung Am 6. März 2004 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf, der vorsah, sämtliches Vermögen Taylors und das seiner Freunde und Verbündeten einzufrieren. Die Regierung Liberias, unter Führung der im Januar neu gewählten Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, forderte am 18. März 2006 von der nigerianischen Regierung offiziell die Auslieferung Taylors, welche diese am 25. März zusagte. Seit dem 28. März war er flüchtig, wurde aber einen Tag später im Grenzgebiet von Nigeria zu Kamerun von der Polizei gefasst.Verhaftung beim Grenzübertritt: Mit einem Diplomatenpass war es ihm bereits gelungen, die Grenzkontrolle unbehelligt zu passieren, als Zollbeamte mit Verweis auf Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe seinen Geländewagen auf mitgeführte Geflügelprodukte überprüften. Als sie Koffer voller US-Dollar fanden, nahmen sie ihn fest und übergaben ihn den nigerianischen Grenzsoldaten. Er wurde unverzüglich im Spezialgefängnis des Sondergerichtshofs für Sierra Leone inhaftiert. Die Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit umfasst elf Punkte, darunter mehrere Morde, den Einsatz von Kindersoldaten, die Terrorisierung der Zivilbevölkerung sowie sexuelle Gewalt, Verstümmelungen, Plünderungen und Angriffe auf UN-Mitarbeiter.Überstellung: Nach der Verlesung der Anklage, bei der Taylor auf unschuldig plädierte, wünschte der Sondergerichtshof aus Sicherheitsgründen eine Verlegung des Prozesses nach Den Haag. Nachdem die niederländische Regierung ihr Einverständnis gegeben hatte und eine entsprechende Resolution des UN-Sicherheitsrates verabschiedet worden war, wurde Taylor am 20. Juni von Sierra Leone nach Den Haag überstellt und in der dortigen United Nations Detention Unit untergebracht, wo der Sondergerichtshof Räumlichkeiten des Internationalen Strafgerichtshofs nutzen wird.

Bereits im Mai 2005 konnte in Liberia die Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufarbeitung des Bürgerkrieges mit ihrer Tätigkeit beginnen. Im Fokus der Ermittlungen stand auch die Rolle Taylors als Warlord und Präsident.

Prozess und Verurteilung in Den Haag