Arietites ist eine Gattung riesiger evoluter Ammoniten. Sie tritt im Unteren Sinemurium weltweit auf.
Taxonomie mini|300px|Arietites bucklandi aus Balingen
Die Gattung Arietites gehört zur Familie der Arietitidae (Unterfamilie Arietitinae) innerhalb der Überfamilie der Psiloceratoidea. Sie enthält folgende Taxa: Arietites ablongaris Arietites alcinoe Arietites anastreptoptychus , jetzt Paracaloceras subsalinarium Arietites bisulcatus Arietites bonnardii Arietites brookei Arietites bucklandi Arietites crossi Arietites gaudryi Arietites geometricus Arietites hettangiensis Arietites isis Arietites longicellus Arietites meigeni, jetzt Leptechioceras meigeni Arietites meridionalis Arietites obesulus Arietites obtusus Arietites pinguis Arietites planaries Arietites quadratus Arietites radiatus Arietites retroversicostatus Arietites rotiformis Arietites scunthorpense Arietites semicostatus Arietites sp. Arietites spiratissimus Arietites subsalinarius , jetzt Paracaloceras subsalinarium Arietites tenellus Arietites turneri Arieties westfalicus , jetzt Coroniceras westfalicum Arietites wichmanni . Anmerkung: Arietites stellt heute nur noch einen rein morphologischen Begriff dar – bar jeder phylogenetischen Zuordnung. Eine Revision der Gattung steht noch aus, ihre Vertreter werden daher als Coroniceras (Arietites) vorerst unter Coroniceras eingeordnet.
Phylogenese Die Überfamilie der Arietitoidea (bzw. Arietitaceae) hatte sich zu Beginn der Oberhettangiums vor 199,7 Millionen Jahren aus der Überfamilie der Psiloceratoidea entwickelt. Aus ihr ging dann zu Beginn des Pliensbachiums vor 189,6 Millionen Jahren die Überfamilie der Hildoceratoidea (mit der Gattung Hildoceras) hervor.
Beschreibung Taxa der Gattung Arietites werden sehr groß, teils riesig. So kann Arietites bucklandi Riesenformen von über 80 Zentimeter Durchmesser entwickeln. Die flachen oder nur wenig ausgebeulten Flanken der Tiere sind transversal grob und relativ weitständig berippt, die geradlinig bis leicht gebogen durchziehenden, recht dicken Rippen verlieren sich jedoch auf der Innenseite der Gehäusewindungen. Die Rippen können auf der Ventralseite kleine Tuberkel tragen. Am abgeflachten oder leicht konvexen Venter verläuft ein nicht allzu hoher, schmaler, abgerundeter Kiel, der von einem longitudinalen Furchenpaar (Sulci) begleitet wird. Die Form des abgerundeten Windungsquerschnitts ist rechteckig bis nahezu quadratisch (mit einem Verhältnis Breite/Höhe von 0,9). Die Lobenlinie ist nur mittelmäßig eingefurcht. Der erste Lobensattel befindet sich auf derselben Höhe wie der Außensattel, kann ihn auch leicht überragen. Der Externlobus ist am tiefsten eingefurcht.
Ammonitenzone Das Taxon Arietites bucklandi bzw. Coroniceras bucklandi bildet die erste Ammonitenzone des Sinemuriums – die Bucklandi-Zone – und definiert den Beginn der Stufe. Sie folgt über der nach Schlotheimia angulata benannten Angulata-Zone des Hettangiums. Über sie legt sich die nach Arnioceras semicostatum benannte Semicostatum-Zone des unteren Sinemuriums.
Die Bucklandi-Zone besteht aus drei Subzonen, der Conybeari-Subzone benannt nach Metophioceras conybeari, der darüberliegenden Rotiforme-Subzone benannt nach Coroniceras rotiforme und der Bucklandi-Subzone benannt nach Arietites bucklandi. Die Conybeari-Subzone wird in drei Biozonen weiter unterteilt – Latisulcatum im Liegenden, darüber Rotarium und Conybeari im Hangenden. Die Latisulcatum-Biozone besteht aus drei Horizonten – Vermiceras quantoxiense, darüber Metophioceras sp. 2 sowie Metophioceras conybearoides.
Arietites solarium (Quenstedt, 1883) gilt ferner im unteren Sinemurium von Süddeutschland als eine charakteristische Ammonitenart. Arietites solarium ist verbreitet im oberen Abschnitt der A. bucklandi-Zone und wurde von Scherzinger et al. (2020) als charakteristisches Taxon eines eigenständigen solarium-Biohorizontes beschrieben. Dieser lässt sich im Arietenkalk von Südwestdeutschland stratigraphisch verfolgen. Für die nomenklatorische Stabilisierung der Art wurde ein Neotypus festgelegt.
Der Faunenwechsel von der Gattung Schlotheimia hin zu den Gattungen Vermiceras und Metophioceras definiert den GSSP des Sinemuriums in Somerset.
Die Rotarium-Biozone wird aus vier Horizonten aufgebaut – Epammonites rotarius im Liegenden, gefolgt von Metophioceras rouvillei, Coroniceras rotator und Vermiceras elegans im Hangenden. Die Conybeari-Biozone besteht nur aus dem Horizont Metophioceras conybeari.
Die Rotiforme-Subzone setzt sich zusammen aus den beiden Biozonen Hyatti im Liegenden und Schloenbachi im Hangenden. Die Hyatti-Biozone gliedert sich in die fünf Horizonte Epammonites silvestrei im Liegenden, gefolgt von Coroniceras cf. defneri, Coroniceras rotiforme, Coroniceras aff. rotiforme und Coroniceras caprotinum im Hangenden. Die Schloenbachi-Biozone besteht nur aus dem Horizont Coroniceras kridion.
Die Bucklandi-Subzone schließlich besitzt die drei Biozonen Coronaries im Liegenden, gefolgt von Isis sowie Bisulcatus im Hangenden. Die Coronaries-Biozone hat nur den Horizont Vermiceras scylla. Die Isis-Biozone besteht aus den drei Horizonten Arietites aff. isis, Arietites isis und Arietites aff. scunthorpense. Die abschließende Bisulcatus-Biozone enthält nur den Horizont Coroniceras multicostatum.
Lebensweise Die Individuen von Arietites waren schnellschwimmende marine Karnivoren, die vorwiegend im tiefen Subtidal und am Schelfabhang lebten.
Arietenschichten und Arietenkalk mini|300px|Arietenpflaster in der Steinlach bei Ofterdingen, Baden-Württemberg
Nach der Gattung Arietites wurden die Arietenschichten in Norddeutschland und der Arietenkalk des Süddeutschen Jura benannt. Sehenswert ist in diesem Zusammenhang das so genannte Schneckenpflaster aus Arietenkalk im Bachbett der Steinlach in Ofterdingen.
Vorkommen Fundstätten von Arietites in Deutschland sind Aldingen, Balingen (Endingen und Engstlatt), Blumberg, Bodelshausen, Kirchheim unter Teck, Ofterdingen, Rheinfelden (Adelhausen), Sankt Georgen, Stuttgart-Degerloch, Trossingen und Vaihingen an der Enz in Baden-Württemberg, Bündheim, Cremlingen und Rottorf am Klei in Niedersachsen, Bielefeld in Nordrhein-Westfalen, Hötensleben in Sachsen-Anhalt sowie die Seeberge bei Gotha in Thüringen.
In Österreich ist Lorüns in Vorarlberg anzuführen, in der Schweiz Frick im Kanton Aargau. In Frankreich erscheint die Gattung Arietites in den Westalpen im Oisans (im Becken von Le Bourg-d’Oisans). In Albanien wurde die Gattung Arietites bei Shkodra aufgefunden und in Griechenland auf Kreta in den Talea Ori.
Außerhalb von Europa erscheint die Gattung Arietites in der Türkei bei Köserelik-Kizik (Provinz Tokat) sowie in Indonesien auf Timor.
Photogalerie
Literatur
Mönnig, E., Franz, M. & Schweigert, G. (2018): Der Jura in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland (STD 2016). Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 169(2): 225–246. Scherzinger, A., Gräbenstein, S. & Schweigert, G. (2020): Arietites solarium (Quenstedt, 1883) – a diagnostic ammonite species in the Lower Jurassic (Early Sinemurian, Bucklandi Zone) of SW Germany. Volumina Jurassica 18(1): 37–46. DOI:10.7306/VJ.18.3. View of Arietites solarium (Quenstedt, 1883) – a diagnostic ammonite species in the Lower Jurassic (Early Sinemurian, Bucklandi Zone) of SW Germany Scherzinger, A., Gräbenstein, S. & Schweigert, G. (2026): Kupferfels, Dreispälter, Schneckenfels und mehr – neue Ansätze zur Gliederung der Arietenkalk-Formation. Vortrag/Beitrag zur Jahrestagung der Deutschen Stratigraphischen Kommission, Subkommission Jura, Braunschweig, 3.–6. Mai 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Ammoniten Kategorie:Ammonoidea Kategorie:Leitfossil