René Gardi (* 1. März 1909 in Bern; † 8. März 2000 ebenda) war ein Schweizer Reiseschriftsteller, Fotograf, Filmer und verurteilter Sexualstraftäter.
Leben und Werk René Gardi studierte Mathematik, Physik und Zoologie an der Universität Bern. Danach war er von 1932 bis 1945 Sekundarlehrer in Brügg bei Biel. Er arbeitete dann als freier Schriftsteller und Vortragsreisender. Vor allem mit seinen Pfadfinderbüchern und Knabenromanen machte er sich zunächst einen Namen als Schriftsteller. Nach 1945 wandte er sich immer mehr dem Reisen und der Reiseschriftstellerei zu. Bevorzugte Reiseziele waren zuerst Skandinavien, dann ab 1948 Afrika und Neuguinea, insbesondere die südliche Sahara und der Norden von Kamerun, also das «afrikanische Hinterland», dessen Einfachheit und Ursprünglichkeit ihn lebenslang faszinierten. Seine Reisen dokumentierte er in verschiedenen Büchern sowie in den beiden Filmen Mandara (1959) und Die letzten Karawanen (1967).
Gardi bekam mehrere Literaturpreise, und ihm wurde 1967 von der Universität Bern der Titel eines Dr. h. c. der Ethnologie verliehen. Allerdings erfuhr sein Werk auch schon früh Kritik; so verweigerte ihm die deutsche Prüfstelle für den Film Mandara – Zauber der schwarzen Wildnis ein Prädikat und damit Steuerfreiheit, weil Gardis Kommentartext, den er im Film zu seinen Bildern vorlas, mangelhaft sei und «nicht nur umgeschrieben, sondern von Grund auf neu konzipiert werden» müsse.Lory Roebuck: René Gardis Afrika-Sehnsucht: «Manchmal wünschte ich, wir Schweizer hätten auch eine Kolonie». In: Neue Zürcher Zeitung. 13. November 2019, abgerufen am 18. November 2019.
Kontroversen 2019 war Gardis Leben und Werk Gegenstand des Dokumentarfilms African Mirror von Mischa Hedinger. Dieser deckte unter anderem auf, dass Gardi 1945 nach einer Selbstanzeige wegen sexueller Übergriffe auf Kinder verurteilt wurde und darauf einen Suizidversuch unternahm. Danach prüfte die Stadt Bern die Umbenennung einer nach ihm benannten neuen Strasse und die Universität Bern den Entzug des Ehrendoktortitels, worauf letztere aber verzichtete, da dies gegenüber Verstorbenen nicht möglich sei. 2020 traf der Gemeinderat der Stadt Bern den Grundsatzentscheid für die Umbenennung der Gardistrasse und entschied sich 2021 zur Ehrung von Bertha Trüssel für den Namen Trüsselstrasse.
Auszeichnungen (Auswahl) 1948: Literaturpreis der Stadt Bern 1963: Schweizer Jugendbuchpreis für das Gesamtwerk
Werke Jugendbücher Schwarzwasser. Eine Pfadfindergeschichte. Sauerländer, Aarau 1943. Gericht im Lager. Eine Bubengeschichte. Sauerländer, Aarau 1944. Hans, der junge Rheinschiffer. Eine Geschichte vom Leben auf dem Strom. Sauerländer, Aarau 1950. Mit der Windrose im Knopfloch. Mit Verkehrsfliegern in alle Welt. Sauerländer, Aarau 1951. Bergvolk der Wüste. SJW, Zürich 1951. Propeller über den Wolken. SJW, Zürich 1953. Fische, die ertrinken. SJW, Zürich 1954. Von Lappen und Rentieren. SJW, Zürich 1955. Das verschwundene Steinbeil. Eine Bubengeschichte. Sauerländer, Aarau 1958. Pfahlbauer von heute. SJW, Zürich 1958. Unter schwarzen Fischern. SJW, Zürich 1961. Krokodiljagd in den Lagunen. SJW, Zürich 1968.
Reisebücher
Filme Mandara. Zauber der schwarzen Wildnis (mit Charles Zbinden), 1959 Dahomey (mit Armin Schlosser), 1961 Die Glasmacher von Bida (mit Ulrich Schweizer), 1963 Nous, les autres (mit Ulrich Schweizer), 1964 Die letzten Karawanen (mit Ulrich Schweizer), 1967
Dokumentarfilm African Mirror. Dokumentarfilm über René Gardi von Mischa Hedinger. Schweiz 2019, 84 Minuten. Uraufführung im Forum der Berlinale 2019,Forum: African Mirror. Internationale Filmfestspiele Berlin 2019. Kinostart in der Schweiz im November 2019.Kaspar Surber: Wenn die Montage zur Demontage wird. In: WOZ. 14. November 2019.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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