mini|hochkant|Heinrich Handorf (2018) Heinrich Handorf (* 18. April 1925 in Warin; † 27. April 2022 SchwerinTraueranzeigen in der Schweriner Volkszeitung, Nr. 118 vom 21. Mai 2022, S. 12.) war ein deutscher Architekt.

Leben Heinrich Handorf wurde als Sohn eines Tischlermeisters in der mecklenburgischen Kleinstadt Warin geboren. 1943 legte er an der Großen Stadtschule in Wismar sein Abitur ab. Es folgten der Reichsarbeitsdienst und Kriegsdienst bei der Wehrmacht. 1945 absolvierte er ein Tischlerpraktikum bei seinem Vater in der Bau- &. Möbeltischlerei H. Handorf an der Mühlendammstraße in Warin. Von 1946 bis 1949 studierte er an der Bau- und Ingenieurschule Wismar und schloss dieses Studium als Hochbauingenieur der Fachrichtung Architektur ab.

Am 4. August 1950 heiratete er in Warin die Deutsch-Baltin Erna Gebhard (* 28. April 1924 Niederbartau; † 11. Februar 2025 Schwerin), sie gebar 1952 einen Sohn und 1954 eine Tochter. Handorfs erste Tätigkeit war die Mitarbeit in der Landesbauverwaltung Mecklenburg, Außenstelle Stralsund. Prägend war danach die Arbeit im Ministerium für Wirtschaft in der Hauptabteilung Bauwesen in Schwerin in der Zeit von 1949 bis 1950. Danach folgten ab 1951 verschiedene Tätigkeiten im Entwurfs- und Bauleitungsbüro Mecklenburg.

Mit den gesammelten Erfahrungen wurde er 1960 Leitarchitekt im VEB Hochbauprojektierung in Schwerin. 1968 wechselte er zum VEB Wohnungsbaukombinat Schwerin (dort wurde die Leitungsstruktur in einem Großbetrieb gebündelt). 1974 erfolgte nach einer Prüfung im Ministerium für Bauwesen der DDR seine Berufung in den Staatsdienst, in die Staatliche Bauaufsicht (SBA) beim Bezirk Schwerin. Dort arbeitete er bis 1990 als Prüfingenieur für Hochbauten. Unter anderem arbeitete er mit dem Bildhauer August Martin Hoffmann zusammen an Giebel- und Fassadengestaltungen baugebundener Kunst und war in der Zentralen Arbeitsgruppe Wohnungsbau tätig, die die Bauerfahrungen aller Bezirke der DDR zusammenfasste.

Auch der Denkmalpflege Mecklenburgs war er verbunden; der ehemalige Chefkonservator Serafim Polenz war einer seiner Freunde. 1990, am Ende seines Berufslebens, wurde Handorf offiziell der akademische Grad Dipl.-Ing. (FH) zuerkannt, als Gleichstellung zu den Berufskollegen in der BRD.

Seit 1990 fertigte Heinrich Handorf zahlreiche grafische Zyklen alter Kirchenarchitektur, Natur- und Städtebilder Mecklenburgs. Kurse an der Bezirkskulturakademie und der VHS festigten seine Malweise. Aquarelle, Radierungen und Hochdrucke wurden in regionalen Ausstellungen gezeigt. Er war ein Wilhelm-Busch-Rezitator, der die Lebensweisheiten abgewandelt in vielen Artikeln veröffentlichte. 2023 wurde Heinrich Handorfs Wilhelm-Busch-Sammlung mit Erstausgaben und vielen anderen Raritäten als Nachlass dem Verein der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen übergeben.

Die Vorfahren Handorfs schrieben sich bis 1836 Ham(m)dorff, nach 1889 setzte sich bei Maschinenbaumeister Christian Heinrich Friedrich Hanndorf aus Sukow die heutige Schreibweise Handorf durch.

Heinrich Handorf und seine Frau Erna fanden ihre letzte Ruhe unter dem Eichbaum Nr. 443 im Wiligrader Waldfrieden am See.

Bauten und Entwürfe 1950–1951: Kreisberufsschule in Krakow am SeeLandesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Dirk Handorf, Jörg Kirchner: Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe. Christoph Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-001-8, S. 70. 1951–1952: Kulturhaus „Der freie Bauer“ in Brüsewitz (gemeinsam mit Franz Schiemer)Das Gebäude auf den Internetseiten des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, abgerufen am 26. September 2019 1952: Kindergarten und -krippe im sozialistischen Musterdorf MestlinDieter Pocher: Mestlin, das sozialistische Beispieldorf in Mecklenburg. In: Bernfried Lichtnau (Hrsg.): Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum zwischen 1936 und 1980. (Publikation der Beiträge der kunsthistorischen Tagung in Greifswald 2001) Lukas-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-931836-74-6, S. 323–335.Friedemann Schreiter: Musterdorf Mestlin. Vom Klosterdorf zur „Stalinallee der Dörfer“. Christoph Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-948-3, S. 160. 1952–1954: Landesparteischule der SED (seit 1990 Ministerium für Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern) in Schwerin (gemeinsam mit Franz Schiemer) 1953–1955: 24-klassige Karl-Marx-Schule (heute Heinrich-Schütz-Schule) in Rostock, Heinrich-Schütz-Straße 10a 1954–1956: 16-klassige Schule in Neubrandenburg, Demminer Straße 1959–1962: 20-klassige Juri-Gagarin-Schule (heute Goethe-Gymnasium) in Schwerin, WeststadtHans-Jürgen Wüsthoff (Hrsg.): 60 Jahre Weststadt. Ein Schweriner Stadtteil. Produktionsbüro TINUS, Schwerin 2013, ISBN 978-3-9814380-7-9, S. 132.Ein zweiter Bau nach diesem Entwurf entstand in Frankfurt (Oder). 1955–1957: Kino „Film-Palast“ in Malchow (seit 1999 DDR-Museum Malchow) 1957: Sozialgebäude des VEB Seehafen Wismar 1962: erstes zehngeschossiges Wohnhochhaus am Lambrechtsgrund in SchwerinIn das Hochhaus integriert war ein Schornstein des Ölheizkraftwerks für die Sport- und Kongresshalle; eine Abströmplatte auf dem Dach verteilte den Rauch.Ein Haus für einen Schornstein. In: Zukunftswerkstatt Schwerin e. V. (Hrsg.), Werner Stockfisch (Lektorat): Schwerin, meine Stadt. Produktionsbüro TINUS, Schwerin 2012, ISBN 978-3-9814380-3-1, S. 94–97. 1966: Entwurf eines Verwaltungsgebäudes für den Rat des Kreises Lübz

Werkschau

Grafik und Aquarelle

Auszeichnungen 1971: Fritz-Reuter-Kunstpreis des Rates des Bezirkes Schwerin II. Klasse an das Kollektiv H. Lösler, J. Ullrich, Heinrich Handorf, C. Biallas für die Einführung des Gas-Silikatbeton-Wohnungsbaus in Schwerin-Lankow 1972: Schinkelmedaille in Bronze des Bundes der Architekten (BdA)Findbuch BdA des IRS (zum Download als PDF-Dokument im Portal DDR-Planungsgeschichte) 2024: Aufnahme in die Liste von Kulturschaffenden in der DDR 2025: Würdigung in der Rubrik Denkmal des Monats im April 2025 durch die Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern: Dem Architekten Heinrich Handorf zum 100. Geburtstag. Die Werke des Herrn H.

Ausstellungen 1993: Die 25. Stunde, Kleine Galerie, Klinikum SchwerinMalereien in der Klinik. In: Schweriner Volkszeitung vom 22. September 1993 1999: Gemeinschaftsausstellung ARCHI-TECH-NA-Tour (mit seinem Schwiegersohn Jürgen Gerner) im Schweriner Marstall, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport des Landes Mecklenburg-VorpommernImpressionistisch – Malerei. In: Schwerin-Kurier vom 26. Januar 2000 2005: Gemeindezentrum der Bernogemeinde in Schwerin 2021: Schweriner DomBert Schüttpelz: Mehr als 300 Schweriner setzen Dom künstlerisch in Szene. In: Schweriner Volkszeitung vom 14. Mai 2021Matthias Labude: 1171–2021. 850 Jahre Dom zu Schwerin. In: Domgemeindebrief Schwerin vom 1. Juni 2021.

Schriften Plastputzbeschichtungen im Wohnungsbau Schwerin, Lankow. In: Farbe und Raum, Jahrgang 1971, Heft 7. Wandgestaltung mit Strukturelementen. In: Farbe und Raum, Jahrgang 1971, Heft 11. Bericht über Seminar BdA/VBKD. In: Deutsche Architektur, Jahrgang 1972, Heft 2. Farbliche Außengestaltung im Wohngebiet Schwerin-Lankow. In: Farbe und Raum, Jahrgang 1972, Heft 8. Erfahrungen mit Gassilikatbeton. In: Farbe und Raum, Jahrgang 1972, Heft 10. Wohnungsbau Reihe IW 67 P-Gasbeton im Bezirk Schwerin, Wandfläche – Wandbild. In: Deutsche Architektur, Jahrgang 1973, Heft 2. Über die Einführung von künstlerischen Gestaltungen in Wandbildern. In: Farbe und Raum, Jahrgang 1973, Heft 5. sowie verschiedene Aufsätze über Wohnkultur in der Bezirkspresse

Literatur Alexandra Polenz: Handorf, Heinrich. In: Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Dietrich Fürst (Hrsg.): Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Dokumentation eines IRS-Sammlungsbestandes biographischer Daten. (= REGIO doc, Band 3.) Erkner 2000, ISBN 3-934669-00-X, S. 98 f. (zum Download als PDF-Dokument mit ca. 35 MB) Zukunftswerkstatt Schwerin e. V. (Hrsg.), Werner Stockfisch (Lektorat): Schwerin, meine Stadt. Produktionsbüro TINUS, Schwerin 2012, ISBN 978-3-9814380-3-1, S. 323.

Weblinks

Datensatz zu einem Porträtfoto Handorfs auf www.digiporta.net, zuletzt abgerufen am 27. Januar 2026

Einzelnachweise

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