mini|hochkant=1.2|Fußballspiel in Berlin, 2021
Der Männer-Fußball in Berlin und den umliegenden, erst später eingemeindeten Orten kam historisch früh im deutschen Sprachraum durch Vereinsgründungen voran. 1885 bildete sich mit dem BFC Frankfurt 1885 der erste Berliner Fußballclub. Es folgte der BFC Germania 1888, heute der älteste noch existierende Fußballverein Deutschlands. Danach gründeten sich Viktoria (1889), Alemannia und Vorwärts (beide 1890) sowie Britannia, Hertha und Union (alle 1892).
Union 92 Berlin gewann als erste Berliner Mannschaft 1905 die deutsche Fußballmeisterschaft im DFB. Der BTuFC Viktoria 1889 kam nach zwei erfolgreichen Jahrzehnten 1908 und 1911 zu Meisterehren. 1930 und 1931 folgten durch Hertha BSC weitere Meistertitel. Danach verlor der Berliner Fußball den Anschluss. Nur die in der DDR geförderten Ost-Berliner Vereine Dynamo und Vorwärts, die zusammen insgesamt 16 Meistertitel in der Oberliga verbuchen konnten, waren erfolgreich.
In der DDR-Oberliga war Berlin zwischen 1949 und 1991 die einzige Stadt, die zeitweise mit drei Vereinen gleichzeitig in der höchsten Spielklasse vertreten war. Außerdem ist Berlin die einzige deutsche Stadt, die bereits mit insgesamt fünf Vereinen in der Bundesliga vertreten war.
Der Berliner Fußball-Verband (BFV) ist die Dachorganisation aller Fußballvereine in Berlin. Der BFV ist der größte Sportverband der Stadt und vertritt rund 380 Vereine mit über 205.000 Mitgliedern im Jahr 2023. Er ist einer der 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). Die gegenwärtig mitgliederstärksten Fußballclubs in der Metropole sind der 1. FC Union Berlin und Hertha BSC.
Berlin war Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 und Endspielort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sowie der Fußball-Europameisterschaft 2024. Das Finale des DFB-Pokals findet seit 1985 alljährlich im Berliner Olympiastadion statt.
Geschichte Gründerzeit und die ersten Jahrzehnte (1880–1945) mini|Fußballspiel auf dem Exerzierplatz zur Einsamen Pappel, 1892 (Illustration)
1885 bildete sich in Tempelhof mit dem BFC Frankfurt 1885 der erste Fußballclub, der zunächst noch nach Rugby-Regeln spielte, aber bald zum Association Football wechselte. Drei Jahre später folgte der BFC Germania 1888, der 1891 die Meisterschaft im damals einzigen deutschen Fußballverband Bund Deutscher Fußballspieler (BDF) erringen konnte. Der Clubs im BDF kamen ausschließlich aus Berlin und der näheren Umgebung.
Der Berliner Thorball- und Fußball-Club Viktoria von 1889 (BTuFC Viktoria 89) gewann zwischen 1893 und 1897 fünfmal in Folge die vom DFuCB organisierte Fußballmeisterschaft. Nach seinem Wechsel in die vom VBB organisierte Berliner Fußballmeisterschaft wurde die Viktoria mit fünf Titeln auch Rekordmeister dieser bis 1911 bestehenden Liga. In den ersten drei Spielzeiten nach dem Übertritt (1898) in die VBB-Liga wurde die Viktoria dreimal in Folge jeweils Vizemeister hinter dem BFC Preussen.
miniatur|Die Mannschaft von Union 92 Berlin war 1905 Berlins erster offizieller Deutscher Meister
Für die Endrunde der ab der Saison 1902/03 unter der Schirmherrschaft des DFB ausgetragenen gesamtdeutschen Fußballmeisterschaft war der Berliner Meister automatisch qualifiziert. Erster Teilnehmer war der Berliner TuFC Britannia 92, der 1903 bereits in der ersten Runde gegen den späteren Meister VfB Leipzig (1:3) verlor. 1904 konnte die Britannia sich für das Finale qualifizieren, in dem sie erneut auf den Titelverteidiger VfB Leipzig getroffen wäre. Aufgrund eines Protestes des in der ersten Runde gegen Britannia unterlegenen Karlsruher FV sagte der DFB das Finale ab, so dass in diesem Jahr kein deutscher Meister ermittelt wurde.
Im folgenden Jahr holte der Berliner Thor- und Fußball-Club Union 1892, der 1927 zusammen mit dem Berliner Fußball-Club Vorwärts 1890 zu Blau-Weiß 90 Berlin fusionierte und im selben Jahr seine einzige Berliner Fußballmeisterschaft gewann, erstmals die gesamtdeutsche Meisterschaft nach Berlin.
mini|links|Die Spieler des BFC Viktoria (1910–1913)
In der Saison 1905/06 gewann der heute bedeutendste Berliner Fußballverein Hertha BSC (damals noch als BFC Hertha 92) seinen ersten Berliner Meistertitel, dessen nächster Titel erst 1915 folgen sollte, als der Erste Weltkrieg bereits im Gange war. In den Endrundenspielen um die deutsche Meisterschaft des Jahres 1906 scheiterte Hertha im Halbfinale am VfB Leipzig, der im weiteren Turnierverlauf seinen zweiten Meistertitel auf nationaler Ebene feiern konnte. Ebenfalls im Halbfinale scheiterte Union 92, der als Titelverteidiger ebenfalls an den Endrundenspielen teilnehmen durfte.
In den Jahren 1907, 1908 und 1909 gewann der bereits genannte BTuFC Viktoria 89 die Berliner Stadtmeisterschaft dreimal in Folge und stieß in den anschließenden Endrundenspielen um die deutsche Fußballmeisterschaft jeweils bis ins Finale vor, das allerdings nur 1908 erfolgreich bestritten wurde.
Nachdem 1910 der BFC Preussen die Stadtmeisterschaft gewann, aber in den Endrundenspielen um die deutsche Fußballmeisterschaft gegen den späteren Meister Karlsruher FV scheiterte, gelang Viktoria nach dem erneuten Gewinn der Berliner Meisterschaft 1911 der zweite deutsche Meistertitel.
Die nächsten Endspielteilnahmen gelangen Berliner Vereinen dann erst wieder 1921 und 1923, als Vorwärts 90 Berlin bzw. Union Oberschöneweide gegen den 1. FC Nürnberg bzw. den Hamburger SV unterlagen.
Einen besonderen Rekord stellte Hertha BSC zwischen 1926 und 1931 auf, als sechsmal in Serie das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft erreicht wurde. Allerdings verlor die Hertha die ersten vier Finalbegegnungen und krönte ihre Leistung nur 1930 und 1931 mit dem Meistertitel. Zugleich markierten diese Erfolge das Ende des erfolgreichen Berliner Fußballs.
Von nun an konnte kein Berliner Verein mehr bis zum Zweiten Weltkrieg, im geteilten Westdeutschland (West-Berlin) oder anschließend im später wiedervereinten Deutschland einen Meistertitel gewinnen. Lediglich im Osten der Stadt kamen die staatlich geförderten Mannschaften von Vorwärts (Armee) und Dynamo (Ministerium für Staatssicherheit) zu sechs bzw. zehn Meistertiteln in der DDR-Oberliga.
Ost-Berliner Vereine in der DDR (1945–1990) mini|Eröffnungsfeier des Walter-Ulbricht-Stadions 1951.
Als die DDR-Oberliga in der Saison 1949/50 erstmals ausgetragen wurde, war kein Berliner Verein in der höchsten Spielklasse vertreten, weil zu diesem Zeitpunkt noch alle Berliner Vereine (aus Ost und West) separat in der Berliner Stadtliga spielten. Erst mit Einführung des Vertragsspielerstatus nach westdeutschem Muster (also die Bezahlung der Spieler und damit eine erste, noch abgeschwächte Form des Profifußballs) in der Stadtliga zogen die DDR-Behörden die Ost-Berliner Mannschaften aus dieser Liga zurück und integrierten sie in ihr Ligasystem. Die neu zusammengestellte Mannschaft der SG Union Oberschöneweide (nahezu die komplette Mannschaft war in den Westen geflüchtet und hatte dort den SC Union 06 Berlin gegründet; Details sind im nächsten Kapitel nachzulesen) wurde zur Saison 1950/51 in die höchste Spielklasse aufgenommen. Zwei Spielzeiten später kam die aus Leipzig transferierte Mannschaft ASG Vorwärts der Kasernierten Volkspolizei hinzu. Doch am Ende derselben Spielzeit stiegen sowohl Vorwärts als auch der mittlerweile als BSG Motor Oberschöneweide firmierende Stadtrivale in die zweite Liga ab, so dass in der Saison 1953/54 erneut kein Berliner Verein in der höchsten Spielklasse vertreten war. Während Vorwärts umgehend sportlich wieder aufstieg, musste die Mannschaft aus Oberschöneweide bis 1966 (als die Mannschaft als 1. FC Union Berlin neu gegründet wurde) auf ihre Rückkehr in die höchste Spielklasse warten. Stattdessen kam während der Saison 1954/55 als zweiter Berliner Verein die aus Dresden delegierte Dynamo-Mannschaft hinzu, die in ihrer neuen Heimat unter dem neuen Namen SC Dynamo Berlin auftrat. Dynamo stieg 1956 ab, aber umgehend wieder auf. 1958 wurde Vorwärts erstmals DDR-Meister und zwei Jahre später belegten zum einzigen Mal in der Geschichte der DDR-Oberliga zwei Berliner Vereine die ersten beiden Plätze in der Abschlusstabelle, als Vorwärts seinen zweiten Titel gewann und Dynamo Zweiter wurde.
mini|links|Die Mannschaft des BFC Dynamo, die 1979 den ersten von insgesamt zehn Meistertiteln gewann.
Nachdem Vorwärts in den nächsten Jahren (1962, 1965 und 1966) weitere drei Meistertitel gewinnen konnte, waren durch den Aufstieg des 1. FC Union (vorher Oberschöneweide) 1966 in der Saison 1966/67 erstmals überhaupt drei Hauptstadtvereine in der höchsten Spielklasse vertreten. Mit dem sechsten Rang gelang Union in jener Spielzeit sogar die beste Platzierung aller Berliner Vereine, während Titelverteidiger Vorwärts den achten Platz belegte und Dynamo auf dem 13. Platz landete und somit abstieg. Nachdem Dynamo der unmittelbare Wiederaufstieg gelungen war, waren in der Saison 1968/69 erneut drei Berliner Vereine in der höchsten Spielklasse vertreten, an deren Ende Vorwärts seinen sechsten (und letzten) Meistertitel feierte und Union wieder in die Zweitklassigkeit abstieg. Nachdem auch Union der unmittelbare Wiederaufstieg gelungen war, spielten in der Saison 1970/71 zum dritten und letzten Mal drei Hauptstadtvereine in der DDR-Oberliga. Diese Epoche endete, als Vorwärts zur Saison 1971/72 nach Frankfurt (Oder) delegiert wurde. Während Union eine Fahrstuhlmannschaft blieb, die mehrfach ab- und aufstieg, entwickelte sich der „Stasi“-Klub Dynamo zum Serienmeister.
West-Berliner Vereine in der BRD (1945–1990) In den ersten Nachkriegsjahren waren Sportvereine in allen vier Sektoren Berlins nicht zugelassen. Eingeführt wurde der Kommunalsport und anfangs spielten im Fußball die besten Berliner Sportgruppen noch gemeinsam in der Berliner Stadtliga, die in ihren ersten beiden Austragungen von West-Berliner Mannschaften (1946 der SG Wilmersdorf und 1947 der SG Charlottenburg) sowie 1948 von der im Osten der Stadt angesiedelten SG Oberschöneweide gewonnen wurde.