mini|hochkant=1.5|Luftbild gen Süden: der bewaldete Bergrücken Eiserne Hand, vorgelagert die zu Lörrach gehörende Trabantensiedlung Salzert Die Eiserne Hand ist ein etwa 40 Hektar grosses, knapp 1,7 Kilometer langes und maximal 300 Meter breites Landstück, das nach Deutschland ragt, aber zur Schweiz gehört. Der Gebietszipfel ist ein bewaldeter Bergrücken in der Nordwestschweizer Gemeinde Riehen im Nordosten des Kantons Basel-Stadt. Er bildet einen Teil der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Seit fast 500 Jahren ist dieser durch historische Grenzsteine markierte Grenzverlauf unverändert und damit einer der ältesten Mitteleuropas. Die Grüne Grenze an der Eisernen Hand war in der Vergangenheit Schauplatz vieler Flüchtlings- und Schmuggelvorkommnisse. Eine Besonderheit ist, dass der Durchgangsverkehr zwischen Lörrach und Inzlingen über die Eiserne Hand beziehungsweise den Maienbühl nach dem Schweizerisch-deutschen Abkommen von 1958 ohne Grenzabfertigung zulässig ist.fedlex.admin.ch: Schlussprotokoll im: Schweizerisch-deutsches Abkommen über den Grenz- und Durchgangsverkehr
Beschreibung Lage und Geografie mini|hochkant=1.5|Umgebungskarte der Eisernen Hand Das Gebiet der Eisernen Hand gehört zur Schweizer Gemeinde Riehen und trennt den zu Lörrach gehörenden Stadtteil Stetten von der Gemeinde Inzlingen, die mit der Stadt Lörrach eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft bildet. Rund 300 Meter nördlich der Eisernen Hand befindet sich die Trabantensiedlung Salzert. Die Länge des zugehörigen Grenzabschnitts beträgt 3,46 Kilometer.Stefan Suter: Als ob es keine Grenze gäbe, in: Jahrbuch z’Rieche 1985, ISBN 978-3-85895-853-2. (online)
Naturräumlich gehört die Eiserne Hand zum Dinkelberg. Geologisch aufgebaut ist der Bergrücken praktisch komplett aus Oberem Muschelkalk, bestehend aus Schichtkalkstein und Dolomit. Nur gegen Südwesten in deutlich geringerem Umfang zum hohen Maienbühl hin besteht er aus Mittlerem Muschelkalk, der sich aus Mergel mit Gips sowie Anhydrit und Dolomitbänken zusammensetzt.R. Hüttner: Geologische Karte des Landkreises Lörrach 1:50.000. Stuttgart 1984.
Die Eiserne Hand ist eine längliche, fast komplett bewaldete Hügelformation (Herrenwald) mit einer maximalen Höhe von 480 m ü. M. Sie ist damit etwa 200 Meter höher als das westlich gelegene Wiesental. Im Süden entwässert auf deutscher Seite der Aubach, der als Naturraum mit dem gleichnamigen Naturschutzgebiet Autal unter Naturschutz gestellt wurde.Autal (Naturschutzgebiet), Riehen, Schweiz in gruenguertel.ch; zuletzt aufgerufen am 30. Mai 2019. Südöstlich anschliessend liegt die zur Eisernen Hand ungefähr gleich hoch gelegene Buttenberghalde. Die Eiserne Hand selbst wurde zusammen mit dem Maienbühl und dem Rotengraben als Landschaftsschutzzone der Klasse 2 (L02) von 5 deklariert.Kantone Basel-Stadt und Basel-Land: Landschaftsqualitätsbeiträge in Ergänzung des kantonalen Vernetzungskonzeptes Basel-Landschaft, mit Erweiterung auf die landwirtschaftliche Nutzfläche des Kantons Basel-Stadt. Projektbericht., 17. Dezember 2015, zuletzt abgerufen am 30. Mai 2019 Am südlichen Rand liegt am Maienbühlweg als einzige Wohnstätte ein Gehöft.
Die Bewaldung der Eisernen Hand besteht aus Mischwald, überwiegend Tannen, am äusseren Rand dicht umsäumt von Buchen und Eichen. Die nordöstliche Spitze des Landstücks ebenso wie ein östliches Randstück haben den Status «Vorrang Naturschutz», da sie zu den Ausläufern des Naturschutzgebietes Buttenberghalde gehören. Das restliche Gebiet ist nach dem Waldentwicklungsplan des Kantons Basel-Stadt ohne besonderen Vorrang.Waldentwicklungsplan Basel-Stadt: Waldfunktionenkarte (Stand: 30. September 2019) (PDF), aufgerufen am 21. Dezember 2020
Wegenetz Die Eiserne Hand und ihre Umgebung sind mit einem dichten Wegenetz erschlossen, darunter diverse Wanderwege. Von Stetten führt der asphaltierte Maienbühlweg (auf Schweizer Seite: Maienbühlsträsschen) bergaufwärts direkt in das Schweizer Grenzgebiet zum Maienbühlhof. Dort informiert eine Tafel über die Wege und markanten Punkte der Eisernen Hand. Vom Hof zweigt der Hohlweg in südwestliche Richtung nach Riehen ab. Bei allen übrigen Wegen handelt es sich um Forst- bzw. Waldwege.
mini|Richtungswegweiser der Wanderwege im nördlichen Gebiet der Eisernen Hand Nach Nordosten setzt sich der Maienbühlweg als Waldweg, teilweise exakt der Grenzlinie folgend, nach Norden hin durch den Herrenwald Richtung Salzert fort. Südlich vom Maienbühlhof führt der zum Maienbühlweg parallel verlaufende Wolfenfroweg, zu Beginn noch der Grenzlinie folgend, ebenfalls nordwärts durch das Gebiet. Im mittleren Teil der Eisernen Hand verlässt der Wolfenfroweg den Grenzverlauf und führt mittig durch den Gebietszipfel, bis er in der Mitte den ebenfalls abzweigenden Maienbühlweg trifft. Dieser verläuft wiederum zum Ostrand der Eisernen Hand und führt im letzten Viertel als «In der Eisernen Hand» zu einem beschrankten, aber nicht bewachten Grenzübergang. Im oberen («In der Muelte») und im unteren Viertel («Auf der Burg») der Eisernen Hand verlaufen zwei kürzere Wege quer zur Ausdehnung des Gebietes.
Der mit einer blauen Raute 4,67 Kilometer lange regionale Wanderweg führt einmal komplett um die Eiserne Hand herum und bleibt dabei zwischen 400 und 450 Höhenmetern relativ eben. Er verläuft auf dem Gemeindegebiet von Riehen, Inzlingen und Lörrach.Topographische Landkreiskarte Baden-Württemberg Landkreis Lörrach, 1: 50 000, 2011, ISBN 978-3-89021-720-8.
Grenzsteine mini|hochkant=1.5|Grenzsteine der Eisernen Hand
Entlang der Grenze Riehens befinden sich 76 Grenzsteine. 43 davon markieren den Verlauf der Landesgrenze an der Eisernen Hand. Sie tragen eine eingravierte, im Uhrzeigersinn aufsteigende Nummerierung von 49a bis 74b. Steine, die nachträglich eingefügt wurden, erhielten Zwischennummern mit Kennzeichnungen über Buchstaben.August Heitz: Grenzen und Grenzzeichen der Kantone Baselstadt und Baselland. S. 211–212.
Die Grenzsteine sind ursprünglich aus Sand- und Kalkstein,Badische Zeitung: Gefangen von der Eisernen Hand, Artikel vom 27. September 2016, zuletzt aufgerufen am 26. März 2019 manche der zerstörten Grenzsteine wurden aus Granit neu gesetzt.
Fast alle Grenzsteine tragen zwei zumeist farbig gestaltete Wappen oder Hoheitszeichen, die jeweils zur entsprechenden Landesseite hin ausgerichtet sind, manche anstelle dessen Buchstabenkürzel. An der Oberseite verläuft mittig meist eine in den Stein eingekerbte Vertiefung (Grenzrille), die den Grenzverlauf markiert.Heitz: Grenzen und Grenzzeichen der Kantone Baselstadt und Baselland. S. 33. Einige Steine haben an der Oberseite eine metallene Plakette mit einem Grenzpunkt.
Die historischen Wappen, Hoheitszeichen und Buchstabenkürzel dokumentieren, welche Regentschaften im Laufe der Zeit die Hoheit über die Eiserne Hand bzw. die daran angrenzenden Gebiete ausübten.
Dies waren bzw. sind für das Territorium der Eisernen Hand
das Fürstbistum Basel (Buchstabenkürzel: B): Das Wappen zeigt den fürstbischöflichen Krummstab auf weißem Feld. Der auch als Bischofsstein bezeichnete Grenzstein Nummer 61 stammt aus dem Jahr 1491 und ist damit der älteste auf der Grenzlinie der Eisernen Hand und der zweitälteste auf der 18 Kilometer langen Riehener Landesgrenze. die Stadt Basel (B): Das Wappen zeigt einen in Silber eingefassten schwarzen Baselstab und ist zu finden auf den Grenzsteinen 49a, 50, 51, 52, 54, 55, 58, 59, 62, 63, 65, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73 und 74.
und für die ausserhalb angrenzenden Gebiete
die Herren Reich von Reichenstein (R): Das Wappen zeigt eine schwarze Speerspitze in verschiedenen Abwandlungen auf goldenem Schild, teilweise auch ohne Schild. Die Grenzsteine aus dieser Zeit tragen die Nummern 69, 70, 71, 74 und 64. Beim letztgenannten Grenzstein handelt es sich um den Dreibannstein. das Adelsgeschlecht Bärenfels (BF) die Herren von Schönau (SCH): Das halb goldene und halb schwarze Wappen zeigt drei Ringe im Dreipass in gewechselten Farben. Die Grenzsteine aus dieser Zeit tragen die Nummern 51, 55, 59 und 61. die Markgrafschaft Baden (M) das Großherzogtum Baden (GHB): Es wird das Wappen Badens mit charakteristischem rotem Schrägbalken auf goldenem Grund gezeigt, darüber eine Krone mit Kreuz oder Reichsapfel. Die Grenzsteine aus dieser Zeit tragen die Nummern 49a, 50, 54, 55, 58, 62, 63, 65, 67, 68, 72 und 73 die Republik Baden (RB) das Land Baden-Württemberg (BW): Der Grenzstein Nummer ?? wurde 1954 vom Land Baden-Württemberg gestiftet, zwei Jahre nach seiner Gründung. Er ist damit der jüngste der Grenzsteine.Heitz: Grenzen und Grenzzeichen der Kantone Baselstadt und Baselland. S. 211.
Namensgebung mini|Wegeschild «Eiserne-Hand-Weg» Zum bemerkenswerten Flurnamen «Eiserne Hand» werden in der Literatur mehrere Deutungsmöglichkeiten angegeben, die sich teilweise wissenschaftlich nicht aufrechterhalten lassen.Raith: Gemeindekunde Riehen. S. 45–46. Gesichert ist, dass der Name als allgemeines Herrschaftszeichen gemeint war. Solche Zeichen stellten im Allgemeinen den Handschuh des Landesherrn dar und dienten als Wegweiser – eine solche 14 Kilogramm schwere und 60 Zentimeter lange Bronzehand ist beispielsweise im Neuen Museum Biel zu sehen. Meist waren sie auch auf dem Markt der jeweiligen Stadt aufgesteckt. Ob es sich bei der Obrigkeit in diesem Fall um einen Bischof oder Markgrafen handelt, ist nicht mehr festzustellen.Heitz: Grenzen und Grenzzeichen der Kantone Baselstadt und Baselland. S. 203. Der Name Eiserne Hand ist erstmals im Jahr 1774 belegt und damit ein relativ junger Name. Vermutlich etablierte er sich erst nach Grenzbesetzung durch Soldaten und verdrängte die Bezeichnung Herrenwald.Michael Raith: Der Grenze entlang, in: Jahrbuch z’Rieche 2005, ISBN 978-3-85895-017-8 (online)
Nach dem Gebietszipfel benannt ist der gut einen Kilometer lange, komplett im Herrenwald liegende Eiserne-Hand-Weg, der nördlich vom Waidhof zum Salzert verläuft und auf etwa 35 Metern tangential der Nordspitze des Grenzstücks folgt. Ein weiterer Weg mit dem Namen «In der Eisernen Hand» verzweigt vom Wolfenfroweg und folgt über zwei Kilometer der südlichen Grenzlinie. Er trifft an der oberen Spitze den Eiserne-Hand-Weg.
Geschichte Antike bis zur Frühen Neuzeit Ausgrabungen in den Jahren 1966/67 brachten zutage, dass auf der Eisernen Hand ein römerzeitliches Ökonomiegebäude gestanden hat. Das rechteckige Bauwerk aus Bruchsteinen bestand aus einem nur mit Lehm als Bindemittel errichteten Mauergeviert und wies eine Grundfläche von 12,8 × 11,2 Meter auf. Die Mauern waren rund 70 Zentimeter stark und sind in der Fundamentzone erhalten geblieben. Aus den Untersuchungen hat man geschlossen, dass das Mauerwerk eine ursprüngliche Höhe von 1,5 bis 1,7 Meter hatte. Sein Grundriss hatte eine fast exakte Ost-West-Orientierung. Der Eingang des Hauses war gegen Süden ausgerichtet. Unter den wenigen gemachten Funden sind hauptsächlich Keramikscherben.Guido Helmig: , in: Jahrbuch z’Rieche 2009, aufgerufen am 25. März 2019
Der etwa 18 Kilometer langeLukrezia Seiler: Die «Eiserne Hand». S. 160. Grenzverlauf der Gemeinde Riehen gehört zu den ältesten in Europa. Entlang des alten Zöllnerpfads zeugen Grenzsteine aus fünf Jahrhunderten von der Grenzsituation. Auf der deutschen Seite zeigen die Grenzsteine das gelb-rote Wappen (teilweise mit einer Krone) des Grossherzogtums Baden. Ältere Steine zeigen das schwarz-gelbe Wappen mit drei Ringen des zu Vorderösterreich gehörenden Stetten sowie das der Inzlinger Ortsherren von Reichenstein. Auf Schweizer Seite tragen die Grenzsteine fast ausschliesslich den Baselstab. Der älteste Grenzstein aus dem 15. Jahrhundert erinnert an die Zeit, als Riehen noch nicht zur Stadt Basel gehörte. Mit der 1648 im Westfälischen Frieden bestätigten Unabhängigkeit der Schweiz wurde die Grenze eine Aussengrenze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.Die Straße der Demokratie. S. 172.