Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft e. V. (ehemals Zukunft Gas e. V. und Zukunft Erdgas e. V.) ist eine PR betreibende LobbyorganisationAchim Brunnengräber, Moritz Neujefski, Dieter Plehwe, Climate Obstruction in Germany. Hidden in Plain Sight?, in: Robert J. Brulle et al. (Hrsgs.): Climate Obstruction across Europe. Oxford University Press 2024, 136–161, S. 147. von Unternehmen der Gaswirtschaft. 2013 als Lobbyorganisation der fossilen Erdgasindustrie gegründet, präsentiert sie sich nach zwei Umbenennungen als Vertreter der gesamten deutschen Gasindustrie.

Mitglieder sind sowohl Gasproduzenten als auch Gasverteiler. Kernbestreben der Organisation ist es, Gas als angeblich effizienten, günstigen und klimafreundlichen Brennstoff darzustellen.

Geschichte mini|Logo von Zukunft Erdgas e. V. Im Jahr 2013 wurde Zukunft Erdgas e. V. als Lobbyorganisation gemeinsam von großen Energieunternehmen wie Shell, EnBW, Uniper und Wintershall Dea und Versorgungsunternehmen und Stadtwerken gegründet. mini|Logo von Zukunft Gas e. V. 2015 fusionierte dann Zukunft Erdgas mit erdgas mobil e. V., einer Lobbyinitiative für Erdgas im Mobilitätssektor. Ziel des Zusammenschlusses war es, eine gemeinsame Lobbyorganisation für das Produkt Erdgas zu schaffen.

2021 benannte sich Zukunft Erdgas in „Zukunft Gas“ um und gab als Grund dafür an, die Organisation wolle weg vom reinen Image des fossilen Energieträgers Erdgas und nun hin zu regenerativen Energien wie Biogas oder Wasserstoff. Jörg Staude von Klimareporter ordnete diesen Namenswechsel in den Kontext weiterer Umbenennung von fossilen Energieverbänden ein, die sich damit ein grünes Image geben wollten. So sei es „so gar nicht mehr en vogue“, in der Öffentlichkeit mit fossilem Erdgas zu werben; zudem verwies er darauf, dass sich unter den Mitgliedern von Zukunft Gas überhaupt keine Biogasverbände befänden und es auch grünen Wasserstoff „bisher nur in apothekenüblichen Mengen“ gebe.Große grüne Umbenennung. In: Klimareporter, 30. November 2022. Abgerufen am 13. Mai 2022. Auch Lobbycontrol deutete die Umbenennung des Verbandes Ende 2020 als Greenwashing.

2025 benannte sich der Verband erneut um in Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. Mit dieser Umbenennung verbindet die Organisation eigenen Angaben zufolge das Ziel, Erdgas als Energieträger der Gegenwart zu positionieren, und ein zukünftiges Energiesystem mit einem möglichst großen Anteil an Wasserstoff und anderen „neuen Gasen“ zu verknüpfen.

Organisation Mitglieder sind vor allem Öl- und Gasunternehmen und Stadtwerke.Susanne Götze, Annika Joeres: Die Milliardenlobby. Wer uns von Öl und Gas abhängig macht. München 2025, S. 48f. Vertreten wird die gesamte Wertschöpfungskette von der Gasgewinnung bis zur Verteilung. Zu den Mitgliedsunternehmen zählen Energieunternehmen wie Uniper, Wingas und Mainova, Erdgasproduzenten bzw. -importeure wie Shell, Wintershall Dea oder VNG AG sowie Fernleitungsnetzbetreiber wie Open Grid Europe.Willmes verlässt Vorstand von Zukunft Erdgas. Energate-Messenger 2014. Abgerufen am 27. März 2018. Die Aktivitäten der Lobbyorganisation werden von Unternehmen der Heizgeräteindustrie unterstützt.Über uns. Zukunft Erdgas e. V. 2018. Abgerufen am 27. März 2018. Nach einer Recherche des Recherchezentrums Correctiv von Anfang 2023 sind oder waren bis zu 70 kommunale Stadtwerke Mitglied der Lobbyorganisation, was einer Co-Finanzierung in Höhe mehrerer Millionen Euro entspricht. Zu der Finanzierung bei trug ebenfalls der russische Staatskonzern Gazprom.

Vorstand ist seit Gründung der Organisation Timm Kehler. Seit 2020 ist er ebenfalls Präsident von NGVA, einem Lobbyverband der Europäischen Erdgasindustrie.Feindbild Wärmepumpe. In: Kontext: Wochenzeitung, 19. April 2023, abgerufen am 21. April 2023. Von 2009 bis 2015 war Kehler Geschäftsführer der Erdgas Mobil GmbH.

Zum Verband gehört auch eine gleichnamige Gesellschaft Zukunft Gas GmbH (ehemals Zukunft Erdgas Projekt GmbH).

Ziele und Positionen Ziel der Lobbyorganisation war es nach der Gründung zunächst, das Image des Energieträgers Erdgas in der öffentlichen Debatte zu pflegen und so Vertriebsaktivitäten der Mitgliedsunternehmen zu befördern.Zukunft ERDGAS – starke Stimme für einen modernen Energieträger. Verlag bizz energy Mediengesellschaft. 2013, abgerufen am 27. März 2018. Die lobbykritische Plattform Lobbypedia sah als eines der Hauptanliegen der Organisation fossiles Erdgas als wichtige „Brückentechnologie“ in der Energiewende zu inszenieren, um dieses Produkt möglichst lange weiter verkaufen zu können.

Das zentrale Narrativ ist es, Gas als angeblich effizienten, günstigen und klimafreundlichen Brennstoff darzustellen. Kritiker machen dem Verein den Vorwurf, die Nutzung von fossilen Gasen und der zugehörigen Netzinfrastruktur unnötig verlängern zu wollen, oder physikalisch ineffiziente und teure Lösungen basierend auf Wasserstoff anstelle von effizienten strombasierten Lösungen zu fördern.

Verkehr Im Verkehrsbereich wurde Erdgas als gemäß den Aussagen des Vereins lange Zeit als emissionsarme Alternative zum Diesel beworben.Gasautos – sauber, aber kaum gefragt. In: Stuttgarter Zeitung. 18. August 2017, abgerufen am 27. März 2018.

Erhalt und Umrüstung von Gasinfrastruktur Die Organisation möchte die existierende Gasinfrastruktur und damit die Geschäftsmodelle ihrer Mitglieder erhalten und setzt sich dafür ein, das Netz ebenfalls für Gase wie Wasserstoff und Biogas zu nutzen.

Nach Angaben von Correctiv soll der Verein laut einer ehemaligen Leiterin des Hannoveraner kommunalen Energieversorgers Enercity versucht haben, seine Mitglieder von Investitionen in alternative Energieträger und Infrastruktur abzuhalten.

Wärmeproduktion 2021 veröffentlichte Zukunft Gas eine Studie, welcher zufolge 2050 noch fast 60 Prozent der Haushalte mit Gas heizen würden. Ein Gasmix bestehend aus 80 Prozent Biomethan und 20 Prozent blauem Wasserstoff sei anzustreben. 2022 setzte sich die Organisation dafür ein, Heizungen in Zukunft mit „sauberem“ Wasserstoff zu betreiben.

2025 forderte der Verband die Abschaffung der verpflichtenden Beratung für Haushalte, die eine neue Gasheizung einbauen möchten. Es gebe „bereits ausreichende Informationsangebote“.Rettungsplan für Gasnetze: Verbraucher sollen grüne Gase zahlen. In: T-Online.de, 20. November 2025. Abgerufen am 21. November 2025. Diese war eingeführt worden, um Kunden über die Preissteigerungen fossiler Energien wie Erdgas aufzuklären, was wiederum negative Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Heizung hat.Einbau einer neuen Gasheizung: Dieses neue Dokument ist Pflicht. In: T-Online.de, 31. Oktober 2025. Abgerufen am 21. November 2025.

Energieproduktion Die Verpflichtung beim Betrieb neuer Gaskraftwerke Wasserstoff beizumischen, nannte der Geschäftsführer von Zukunft Gas 2022 hingegen ein „Killerkriterium“, da diese Regelung Investoren abschrecken würde.

Netzwerk in die Politik Die Lobbyorganisation vergibt jedes zweite Jahr einen „Innovationspreis“ unter der Schirmherrschaft von Ministern und Abgeordneten. Im Jahr 2020 war dies der Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Seine Rede gipfelte in der Aussage „Gas ist sexy!“. Die Organisation hat einen Beirat, der sich nach eigenen Angaben zweimal jährlich treffe. Zeitweise gehörte der ehemalige CDU-Politiker Friedbert Pflüger dem Beirat an. Anschließend wurde er Aufsichtsratsvorsitzender von Zukunft Gas. Bis zu seiner Wahl als Staatssekretär gehörte auch der CDU-Politiker Thomas Bareiß dem Beirat an. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur (DENA), gehört aktuell dem Beirat an (Stand 2023). Klaus Bonhoff, ein ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, sitzt laut Zukunft Gas seit 2019 im Beirat.

Kampagnen Hydrogen Germany Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft unterstützt die Wirtschaftsallianz Hydrogen Germany, welche sich für einen beschleunigten Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland einsetzt. Zu ihr gehören unter anderem Unternehmen und andere Verbände. Die Allianz fordert eine Ausweitung des Wasserstoffangebots durch Produktionsförderung und Importe, wobei auch blauer Wasserstoff als „Übergangstechnologie“ berücksichtigt werden solle. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beschleunigung des Infrastrukturausbaus, insbesondere durch ein entsprechendes Beschleunigungsgesetz und die Umsetzung des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes.

Deutsche Carbon Management Initiative Anfang 2025 wurde die Deutsche Carbon Management Initiative (DCMI) gegründet, welche sich mit Themen im Bereich der CO2-Abscheidung und -Speicherung in Deutschland beschäftigt. Die Initiative ist im Lobbyregister des Bundestags eingetragen.

Auf einen Beitrag des BUNDs im Tagesspiegel, erschienen im Juli 2025, der CCS als „eine teure und risikoreiche Scheinlösung“ kritisiert, antwortete Timm Kehler, Vorstand bei Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, an gleicher Stelle mit einer Replik. CCS sei „eine industriepolitische Option für Deutschland“.

Mit Gas geht’s Der Verband führte von Juli bis November 2021 die Kampagne „Mit Gas geht’s“ durch. Darin wurde Gas als klimafreundlicher und bezahlbarer Energieträger dargestellt.

CO2-Tag Der CO2-Tag war ein von der damals als Zukunft Erdgas firmierenden Lobbyorganisation geschaffener Begriff für den Tag, an dem Deutschland das ihm laut Zukunft Erdgas zustehende CO2-Budget vollständig erschöpft habe. Ziel der Kampagne war, Erdgas ein Image als „innovativer, kostengünstiger und klimaschonender Energieträger“ zu geben.Pipelinegas so schädlich wie Kohle. In: Klimareporter, 3. Februar 2018. Abgerufen am 29. März 2018.

Kritiker wandten 2018 ein, dass die bei der Erdgasförderung und -verteilung entstehenden Methanemissionen oft nicht genügend betrachtet würden. Methan ist ein deutlich stärkeres Treibhausgas als Kohlenstoffdioxid. Außerdem sei die Gefahr von Lock-in-Effekten gegeben. So könne die Förderung Erdgas dazu führen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien verzögert werde. Längerfristig betrachtet dürfen laut Umweltbundesamt überhaupt keine fossilen Energieträger mehr eingesetzt werden, da auch Erdgas zum Klimawandel beiträgt. Ähnliche Stellungnahmen kamen auch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.Deutschlands CO2-Budget für 2017 ist schon aufgebraucht. In: Neue Ruhr Zeitung, 8. April 2017. Abgerufen am 29. März 2018. Das Bundesumweltministerium kritisierte zudem die Berechnungsmethode der Initiative als „wackelig“.Deutschlands CO2-Budget für 2018 bereits aufgebraucht. In: Frankfurter Neue Presse, 28. März 2018. Abgerufen am 29. März 2018.

Kampagne gegen das Gebäudeenergiegesetz Zukunft Gas trat immer wieder als Kritiker des Gebäudeenergiegesetzes auf. Zusammen mit dem BDEW und dem DVGW arbeitete Zukunft Gas gegen das Vorhaben, wobei die drei Verbände sich stattdessen dafür aussprachen, die „bestehende Infrastruktur für Gase“ aufrechtzuerhalten und auf künftige Gase, womit primär Wasserstoff gemeint war, zu setzen. Dabei behaupteten sie im Gegensatz zu vielen Wissenschaftlern, dass diese neuen Gase schon ab 2030 in ausreichender Menge und „zu vertretbaren Kosten“ zur Verfügung stünden. U.a. sprach sich Zukunft Gas gegen die Vorgabe aus, Heizungen ab 2024 zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energiequellen betreiben zu müssen. Als Grund nannte Zukunft Gas, dass so eine „bezahlbare und sozialverträgliche Wärmewende“ nicht gelingen würde.

Kritik