Walther Zimmermann (* 9. Juli 1890 in Dessau; † 20. Mai 1945 in Appenweier)Zimmermann, Walther. In: Wolfgang-Hagen Hein, Holm-Dietmar Schwarz (Hrsg.): Deutsche Apotheker-Biographie. Band 2: M–Z (= Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, Band 46). Stuttgart 1978, S. 778 f.; war ein deutscher Apotheker, Pharmaziehistoriker und Schriftsteller.
Leben Der Anstaltsapotheker der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern, Mitbegründer der Vereinigung deutscher Anstalts- und Krankenhausapotheker und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie und Pharmaziehistoriker war eine allseitig gebildete Persönlichkeit mit wechselnder politischer Haltung. Zimmermann betätigte sich auch als Schriftsteller, insbesondere als Novellist.Süddeutsche Apotheker-Zeitung, 74. Jahrgang (1934), S. 350 Seine Veröffentlichungen zur Botanik, Pharmaziegeschichte, Volks- und Landeskunde haben die Zeiten überdauert. Er hat auch Formen und Varietäten von Orchideen beschrieben; sein botanisches Autorenkürzel bei Taxa von Pflanzen ist ""
Kindheit und Ausbildung Walther Zimmermann war das erste Kind des aus Giersleben stammenden Lehrers Wilhelm Zimmermann (* 1864, † 1916) und dessen Ehefrau Ida, geborene Linsdorf, gebürtig aus Dessau (* 1868; † 1907). Sein Vater war zu jener Zeit Volksschullehrer und seine Familie wohnte im Mehrfamilienhaus der Linsdorfschen Erben in Dessau.Laut Adreßbuch der Haupt- und Residenz-Stadt Dessau 1891 (S. 223) wohnte die Familie Zimmermann im Hause Bismarckstraße 8 (jetzt Willy-Lohmann-Straße). Die Bewohner des Hauses gehörten zur evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis. Eingeschult wurde er in Bernburg, wo sein Vater bereits seit 1894 am „Herzoglichen Karlsgymnasium“ als Vorschullehrer des „Carolinums“ tätig war. Wilhelm Zimmermann ist im „Adreß-Buch der Stadt Bernburg für 1897/98“ als Vorschul-Lehrer namentlich aufgeführt. Er wird mit der Wohnanschrift Schloßstraße 15 genannt. Im Jahre 1901 verzog die Familie einschließlich der Großmutter, Witwe Friedrike Linsdorf, nach Freiburg im Breisgau, damit der Lehrer dort auf seiner neuen Stelle als „städtischer Handelslehrer“ finanziell besser gestellt sein konnte. Die beiden Söhne sollten eine höhere Bildung genießen. Als Kind sowie Jugendlicher wuchs Walther Zimmermann nun in seiner neuen badischen Heimat auf. Nach dem gymnasialen Schulbesuch in Freiburg im Breisgau bis zur Untersekunda wollte er zunächst eine Ausbildung zum Zeichner aufnehmen,Süddeutsche Zeitung, 74. Jahrgang (1934), S. 349 entschied sich jedoch entsprechend seinen naturwissenschaftlichen Vorlieben für den Apothekerberuf.Stefanie Boman-Degen, Christoph Friedrich: Walther Zimmermann: (1890–1945). Für Apothekerstand und Staat. Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8047-3418-0, S. 30 ff. Die dreijährige pharmazeutische Lehrzeit absolvierte er ab 1907 in der Freiburger Adler-Apotheke. Nach Ablegung der Prüfung wurde er 1910 Assistent in der Apotheke in Schopfheim. Er interessierte sich besonders für die BotanikBoman-Degen, Stefanie: Emanzipation eines jungen Apothekerbotanikers. In: Geschichte der Pharmazie, DAZ Beilage, 68. Jahrgang, November 2016, S. 66–71; . wie und auch sein jüngerer Bruder Gerhard (1892–1917).
Zimmermann beschrieb und veröffentlichte 1912 mit Unterstützung des Deutschen Apotheker-Vereins die Formen der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommenden Orchideengewächse, um es Laien zu ermöglichen, die zahlreichen Gattungen und Arten dieser Pflanzenfamilie selbst bestimmen zu können.Walther Zimmermann: Die Formen der Orchidaceen Deutschlands, Deutsch-Österreichs und der Schweiz. Berlin 1912.
Studium und Apothekerberuf Zimmermann studierte die seinerzeit üblichen vier Semester Pharmazie und Botanik an der Albert-Ludwigs-Universität von 1912 bis 1914. Dort waren vor allem seine Lehrer der Chemiker Heinrich Kiliani (1855–1945), der Pharmazeut Wilhelm Autenrieth (1863–1926), der Biochemiker Adolf Windaus (1876–1959), der Pharmakologe Walther Straub (1874–1944), die Botaniker Friedrich Oltmanns (1860–1945) sowie Arthur Tröndle (1881–1920) und der Physiker Franz Himstedt (1852–1933).
Anstaltsapotheker Die Approbation als Apotheker erhielt er 1915, nachdem er im Jahr zuvor das Staatsexamen an der Universität Freiburg erworben hatte. Seine universitären pharmazeutischen Kenntnisse setzte er zunächst in verschiedenen süddeutschen Apotheken ein, darunter als stellvertretender Verwalter der Klinischen Apotheke in Freiburg im Breisgau, bis er im November 1917 in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern in Baden als Anstaltsapotheker„Anstaltsapotheker Walther Zimmermann, Illenau“. In: Süddeutsche Apotheker-Zeitung, 74. Jahrgang (1934), S. 349 f. angestellt wurde.
Vereinstätigkeiten Zimmermann war Mitbegründer der Vereinigung Deutscher Anstalts- und Krankenhaus-Apotheker 1926, die durch Umwandlung der Vereinigung der Leiter der Anstaltsapotheken für das Deutsche Reich aus dem Jahre 1911 entstand. Er leitete die 1927 gegründeten Mitteilungen der Vereinigung deutscher Anstalts- und Krankenhausapotheker. Diese Zeitschrift erschien zunächst im Zweimonatsrhythmus und dann monatlich.A. Adlung, G. Urdang: Grundriß der Geschichte der deutschen Pharmazie. Berlin 1935, S. 27; [Digitaler Reprint] ISBN 978-3-642-52555-1. Im Jahre 1919 trat Zimmermann dem Historischen Verein für Mittelbaden zur Pflege der Geschichte des Altertums und der Kunstdenkmäler bei,Stefanie Boman-Degen, Christoph Friedrich: Walther Zimmermann (1890–1945). Für Apothekerstand und Staat. Stuttgart 2015, S. 78 der am 8. Mai 1910 im Rathaus von Offenburg gegründet wurde. Er wirkte neben seiner Illenauer Apothekertätigkeit dort ehrenamtlich mit und bereitete die erste Hauptversammlung nach dem Ersten Weltkrieg am 11. Juni 1922 im Filmtheater „Tivoli“ in Achern vor. Auch während des Dritten Reiches konnte das Vereinsleben erhalten werden. Überdies war Zimmermann seit 1913 Mitglied im Badischen Landesverein für Naturkunde und Naturschutz.
Er war Mitbegründer der internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie 1926 in Hall bei Innsbruck und nahm auch an den vorangegangenen Beratungen in der Winklerschen Stadtapotheke in Innsbruck teil. Seitdem gehörte er ihrem Vorstand an, zunächst als Leiter der Zentralstelle zur Sammlung pharmaziegeschichtlicher Publikationen, als Geschäftsführer und zuletzt als Beisitzer. Im Jahre 1926 gründete er eine Bergwacht-Ortsgruppe in Achern zusammen mit Mitgliedern des „Schwarzwaldvereins“ und des „Skiclubs“, in denen er ebenfalls Mitglied war.
Politische Überzeugung Im Jahre 1920 trat Zimmermann in die nationalliberale Deutsche Volkspartei ein. Nach deren Selbstauflösung 1933 wurde er zum überzeugten Nationalsozialisten. Er trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.633.145)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/50540367 und unterstützte das NS-Regime. Bis 1935 war er Gebietsapotheker der Hitlerjugend in Baden. Von 1937 bis 1940 engagierte er sich als Leiter der Abteilung Reichsjugendwaltung bzw. Jungapothekerschaft in der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Apothekerschaft in Berlin. Zimmermann wurde im 17. Dezember 1937 als Leiter der „Reichsjugendwaltung“ in der Standesorganisation „Die Deutsche Apothekerschaft (DDA)“ berufen und zog berufsbedingt in die Nähe seiner neuen Arbeitsstelle.Zimmermann wohnte – getrennt von seiner Familie in Achern – in den Berliner Pfalzburger Straße 76; Die Deutsche Apotheker-Zeitung würdigte 1940 den 50. Geburtstag von Zimmermann nachträglich unter der Rubrik „Geburtstag“ mit Angabe seiner Tätigkeit als „Leiter der Abteilung Reichsjugendwaltung“ in der „Reichsgeschäftstelle der Deutschen Apothekerschaft.“Deutsche Apotheker-Zeitung, Nr. 56, 13. Juli 1940, S. 425 Der DDA-Abteilungsleiter und Anstaltsapotheker a. D. war hier für die Schulung aller jungen Apotheker im Deutschen Reich organisatorisch zuständig. Mit von ihm verfassten Schriften, z. B. Chemisch-pharmazeutische Übungspräparaten des Apothekerpraktikanten,Verlag Süddeutsche Apotheker-Zeitung, Stuttgart 1939 für die sein Vorgesetzter, der „Reichsjugendwalter“ Ernst Mutschler (* 1891; † 1974) ein Geleitwort schrieb, und ausgearbeiteten Vorträgen, die er mit selbst aufgenommenen Lichtbildern anreicherte, beteiligte sich Zimmermann persönlich an den Schulungen.Stefanie Boman-Degen, Christoph Friedrich: Walther Zimmermann (1890–1945). Für Apothekerstand und Staat. Stuttgart 2015, S. 116.f. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges verlor Zimmermann 1940 im Zuge einer Umstrukturierung seine Position in Berlin. Zimmermann beschuldigte später seinen ehemaligen Vorgesetzten Ernst Mutschler in einem vertraulichen Brief vom 29. April 1943 an seinen Freund Ludwig Finckh (* 1876; † 1964),Stefanie Boman-Degen, Christoph Friedrich: Walther Zimmermann (1890–1945). Für Apothekerstand und Staat. Stuttgart 2015, S. 128 f. Dichter und NSDAP-Mitglied seit 1933 wie er.
Zuletzt übte Zimmermann die Funktion eines Geschäftsführers der 1890 gegründeten Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft aus.Deutsche Apotheker-Zeitung, 1940, Nr. 97, S. 734. Im Januar 1941 übernahm er die Leitung der Apotheke in Appenweier bis zu seinem Tod. Die Deutsche Apotheker-ZeitungNr. 85/86 vom 31. Oktober 1942, S. 334 meldete im Oktober 1942 die Umbenennung in Paracelsus-Apotheke durch den Inhaber, Walther Zimmermann. Am 15. Januar 1945 wurde in der Zeitschrift Deutsche Apotheker-Zeitung letztmals ein von ihm verfasster Beitrag veröffentlicht, in dem er den Anteil seiner pharmazeutischen Arbeit als Apotheker in Appenweier mit dem der pharmazeutischen Industrie seit Februar 1941 prozentual auswertete. Zuvor hielt er Vorträge zu Austausch- und Ausweichmitteln, die in Notzeiten verordnete Arzneimittel ersetzen könnten, unter dem Thema „Praktische Vorschläge zur Arzneiverordnung für den Arzt im 5. Kriegsjahr“. Anhand des Ergebnisses in diesen Kriegsjahren kam er zu der Erkenntnis, dass es notwendig sei „anstelle von schwer beschaffbaren Spezialitäten rezepturmäßige Verordnungen den Ärzten vorzuschlagen und Ausweichwege zu beschreiten“.Deutsche Apotheker-Zeitung, 60. Jahrgang (1945), Nr. 1; Postversandort Stollberg/Sa.
Exlibris Zimmermann sammelte nicht nur Apotheker-Exlibris, sondern befasste sich auch schriftstellerisch mit den „Werken der graphischen Kunst, die zur Besitzerkennung eines Buches dienen …“, wie er in seiner Einleitung von „Bucheignerzeichen“ in Illenau 1925 schrieb.Walther Zimmermann: Exlibris (Bucheignerzeichen) deutscher Apotheker. Gehe-Verlag, Dresden / Wissenschaftliche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1925, S. 68; Nachdruck 1972: ISBN 3-500-24810-1 Zu seiner Sammlung gehörten drei eigene Exlibris, die er unterschiedlich zur Kennzeichnung seiner verschiedenen Bücher einsetzte. Das aus einer grafisch gestalteten Mörsersäule mit Stößel bestehende, größte Bucheignerzeichen „Walther Zimmermann Apotheker – FÜR STAND UND STAAT“ ließ der Autor ganzseitig in seinem Buch „Exlibris“ veröffentlichen.Walther Zimmermann: Exlibris (Bucheignerzeichen) deutscher Apotheker. Gehe-Verlag, Dresden / Wissenschaftliche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1925, S. 71; Digitale Bibliothek Braunschweig (PDF)