Klötze ist eine Stadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt und staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Die Stadt Klötze liegt in der hügeligen Landschaft des Südlichen Landrückens, hat aber auch Anteil an flachen Gebieten wie dem Drömling, etwa bei Kunrau, der etwa 60 Meter über NHN liegt. Südöstlich der Kernstadt liegt der ausgedehnte Klötzer Forst (bis 127 Meter über NHN am Krügersberg). Dieser geht jenseits der Stadtgrenze in die Hellberge über (159,9 m ü. NHN). Nördlich von Klötze liegen an der Purnitz mit rund 45 Metern über NHN die niedrigsten Gebiete der Stadt.
Die Purnitz entspringt südlich der Kernstadt und durchquert sie in Richtung Norden. Bei Altferchau liegt die Jeetze-Quelle. Die Ohre durchfließt die westlichen Ortschaften der Stadt.
Die Stadt liegt rund 40 Kilometer nordöstlich von Wolfsburg, 23 Kilometer nordwestlich von Gardelegen und rund 30 Kilometer südlich von Salzwedel in der Altmark.
Stadtgliederung Die Stadt ist eine Einheitsgemeinde, die in 13 Ortschaften (ehemalige Gemeinden) mit 24 Ortsteilen gegliedert ist.
Zu den Ortschaften gehören folgende gleichnamige und andere Ortsteile mit Wohnplätzen.
Zum 1. Juli 2019 wurde eine neue Ortschaft Trippigleben mit dem Ortsteil Trippigleben eingerichtet. Die Ortschaft Wenze besteht seitdem nur noch aus den Ortsteilen Wenze und Quarnebeck.
Geschichte Ortsname Der Ortsname Klötze wird ausgehend von den Nennungen 1311 Clotze, 1344 Cloetz und 1454 Klotze aus dem slawischen Wort „kłod“ für „Balken“ oder „Hauklotz“ abgeleitet und deutet auf eine Waldrodung hin. Der Ortsname ist wohl nicht auf das mittelhochdeutsche Wort „kloz“ oder das mittelniederdeutsche „klotz“ für „Klumpen, Holzblock, Baumstumpf“ zurückzuführen.
Im Mittelelbischen Wörterbuch wird für Klötze der Neckname „Klobenwalde“ aufgeführt. Ein Kloben ist ein Holzklotz.
Seit dem Jahre 1911 ist die amtliche Schreibweise Klötze, vorher war auch Cloetze üblich.
Mittelalter bis Neuzeit Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg Klötze als castrum Clotze im Jahr 1311 als ein halberstädtisches Lehen im Besitz der Markgrafen von Brandenburg.
Die Stadt ist entstanden als ein offener Burgflecken östlich der Burg an der alten Handelsstraße Magdeburg-Salzwedel-Lüneburg im Tal der Purnitz. Der alte Ortskern liegt zwischen der Kirche und der ehemals nördlich davon gelegenen, 1828 abgebrochenen Burganlage.
1320 wurde Klötze von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg als Exklave im Brandenburgischen erworben und mehrfach verpfändet.
Im Jahr 1343 wurden die Alvensleben mit Klötze belehnt. 1392 wurde erstmals eine Kirche in Klötze erwähnt. Im 15. Jahrhundert kam Klötze zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und wurde Sitz eines Amtes mit eigener Gerichtsbarkeit. Kreisstadt für Klötze war im 17. Jahrhundert Gifhorn, Regierungssitz war Celle. 1808 kam die Stadt zum Königreich Westphalen und wurde auf dem Wiener Kongress am 29. Mai 1815 vom wieder in seine Lande eingesetzten König Georg III. an Preußen abgetreten. Anschließend wurde es dem Kreis Gardelegen in der preußischen Provinz Sachsen eingegliedert.
Im Jahr 1846 erhielt Klötze das Stadtrecht. 1855 wurde eine erste städtische Verfassung verabschiedet. 1870 wurde mit dem Cloetzer Wochenblatt eine erste Zeitung herausgegeben. 1880 wurde die Klötzer Feuerwehr gegründet. Durch die am 1. November 1889 erfolgte Eröffnung der Bahnstrecke Oebisfelde–Salzwedel war Klötze an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen, die Bedingungen für wirtschaftliche Unternehmungen besserten sich damit erheblich. Am selben Tag fuhr die letzte Postkutsche aus Klötze ab. Um 1900 hat Klötze 3419 Einwohner in 447 Häusern. 1907 wurde am Ortsausgang in Richtung Immekath ein Gaswerk errichtet. Mit dem Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße öffnete 1914 das erste Kino in der Stadt. Im Jahr 1910 lebten 3971 Einwohner in Klötze. 1928 konnte das Waldbad als städtische Badeanstalt eingeweiht werden.
Am 22. Februar 1945 wurde Klötze von 13 „Flying Fortress“ Boeing B-17 der 8. US-Luftflotte mit 38,5 Tonnen Bombenlast angegriffen. Sie verfehlten den Bahnhof und trafen die Wohnstadt, 50 Tote waren zu beklagen.Holger Benecke: Bombenhölle forderte 700 Opfer. Das Inferno der "Kriegstrompete"/Bahnhöfe in Schutt und Asche. Altmarkzeitung, 22. Februar 2000
1948 wurde die erste Produktionsgenossenschaft des Handwerks gegründet, 1953 folgte die Gründung der LPG Einheit. In der DDR war Klötze von 1952 bis 1990 Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Bezirk Magdeburg.
Im Jahr 1964 wurde der Tierpark Arche Noah eröffnet. 1966 konnte mit der Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks erstmals für die gesamte Stadt eine zentrale Wasserversorgung sichergestellt werden. Die starke Nachfrage nach Wohnungen führten ab 1979 zur größten Baustelle im Kreis, als An der Wasserfahrt bis 1981 in industrieller Plattenbauweise 340 Wohnungen gebaut wurden.
Nach der deutschen Wiedervereinigung blieb Klötze Kreisstadt im Land Sachsen-Anhalt. Mit der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt 1994 wurde der Landkreis Klötze aufgelöst. Die Stadt verlor ihren Status und wurde in den Altmarkkreis Salzwedel eingegliedert.
Von 1993 bis 2004 bestand die Verwaltungsgemeinschaft Klötze mit der Stadt Klötze und den Gemeinden Schwiesau und Neuendorf. Die Kommunalreform führte zur Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Jeetze-Ohre-Drömling zum 1. Januar 2005 als neue Verwaltungsgemeinschaft Klötze. Diese wurde zum 1. Januar 2010 mit der Eingemeindung der bisherigen Mitgliedsgemeinden Dönitz, Immekath, Jahrstedt, Kunrau, Kusey, Neuendorf, Neuferchau, Ristedt, Schwiesau, Steimke und Wenze in die Stadt Klötze aufgelöst.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
Bevölkerung Stadt Jahr Einwohner16108861648601680200170035017551.07618001.25018181.42118402.19818642.74818712.70218852.814 Jahr Einwohner18902.95118953.20219003.22419053.64919103.97119254.64019394.97319466.25519645.45019715.70219816.472 Jahr Einwohner 1990 6.471 2005 5.345 2010 10.803 2015 10.284 2020 9.825 2021 9.680 2022 9.809 2023 9.794 2024 9.699 2025 9.609 Quellen: bis 1981, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Kernstadt Klötze mit Wohnplätzen JahrEinwohner20185.00820204.59120214.47820224.47420234.483
Religion mini|links|St.-Ägidien-Kirche mini|hochkant|St.-Joseph-Kirche Nach der Volkszählung in Deutschland 2022 gehörten von den 9.790 Einwohnern der Stadt Klötze rund 25 % der evangelischen und rund 2 % der katholischen Kirche an.
Die evangelische Ägidius-Kirche, eine an der Kirchstraße gelegene Fachwerkkirche, ist benannt nach dem heiligen Ägidius. Sie wurde 1759 errichtet, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Weitere evangelische Kirchen stehen in den Dörfern der Klötzer Ortsteile.
Die katholische Kirche St. Joseph, südlich des Friedhofs am Kapellenberg gelegen, ist benannt nach Josef von Nazaret. Sie wurde 1930 geweiht und gehört heute zur Pfarrei St. Hildegard mit Sitz in Gardelegen im Dekanat Stendal des Bistums Magdeburg.
Bis ca. 1880 stand ein jüdisches Gebetshaus im Garten der heutigen Stadt- und Kreisbibliothek Klötze (Geburtshaus von Adolph Frank).
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Klötze besteht aufgrund der gesunkenen Einwohnerzahl der Stadt seit 2024 aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Wählergemeinschaft Jeetze–Ohre–Drömling (UWG) 28,1 % 8 30,1 % 6 SPD 23,2 % 6 22,2 % 5 CDU 26,9 % 8 20,9 % 4 AfD 10,5 % 3 19,3 % 4 Die Linke 11,4 % 3 5,0 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 1,2 % – FDP – – 0,7 % – Einzelbewerber Christian Gebühr – – 0,6 % – Insgesamt 100 % 28 100 % 20
Bürgermeister mini|Rathaus in Klötze mini|left|Gründerzeithäuser in der Bahnhofstraße 2010–2016: Matthias Mann (CDU) 2017–2023: Uwe Bartels (UWG) seit 2023: Alexander Kleine (SPD)
Bartels wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. September 2016 mit 56,4 % der gültigen Stimmen gewählt.
Kleine wurde am 17. September 2023 mit 69,0 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 17. September 2023 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Ortschaftsrat Zur Ortschaft Klötze gehören: Klötze mit Hasselbusch, Döllnitz, Klötze Nord, Pansau und Zartau.
Die Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 ergab folgende Verteilung der 14 Sitze: SPD: 7 CDU: 5 Linke: 1 Einzelbewerber Christian Gebühr: 1
Raimund Punke (CDU) wurde vom Ortschaftsrat zum Ortsbürgermeister gewählt.
Wappen und Flagge mini|hochkant=0.5|links|Ehemaliges Klötzer Wappen Blasonierung: „In Silber einen grünen bewurzelten Eichenstumpf mit gestümmelten Ästen, aus denen grüne Blätter treiben.“
Im Jahr 2001 änderte die Stadt Klötze ihr Wappen, das bis dahin in Gewohnheitsrecht in der unheraldischen Tinktur Braun geführt wurde, in Grün. Die Wappenzeichnung und Dokumentation zum Genehmigungsverfahren realisierte der Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch.
Der Stadtname entstammt dem slawischen Wort clada, „Baumstumpf“, der entsprechend dem Brauch, das Stadtwappen redend zu machen, als Symbol der Stadt aufgenommen wurde. Das Wappen von Klötze besteht in seiner heutigen Form seit 1861.
Die Flagge der Stadt Klötze zeigt die Farben Grün und Silber (Weiß).
Städtepartnerschaft Miłomłyn () in Polen ist seit August 2005 Partnerstadt von Klötze.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Windmühle Klötze mini|Großsteingrab in Klötze-Nesenitz
Neben den beiden Kirchengebäuden ist eine Holländerwindmühle vorhanden.Holländische Windmühle Klötze, abgerufen am 9. November 2015. Im Klötzer Forst befindet sich mit dem Eisernen Kreuz ein Kriegerdenkmal mitten im Wald. Nordwestlich von Klötze ist an der Straße zum Ortsteil Nesenitz das Großsteingrab Nesenitz beachtenswert.
Feste und Veranstaltungen
mini|hochkant=2.4|Martinimarkt in Klötze In der Stadt werden traditionell verschiedene Volksfeste gefeiert, wie der Karneval im November und im Februar mit großem Tulpensonntagsumzug in Klötze und dem Carnevalsumzug in Immekath. Das Schloss- und Parkfest in Kunrau, das Dahlienfest in Immekath, das Spargel- und Besenbinderfest in Klötze, das Museumsfest in Böckwitz und die Schützenfeste in den Ortsteilen von Klötze gehören auch dazu. Im Oktober führt die Theatergruppe Klötze e. V. jeweils an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Freitag bis Sonntag) ein Stück auf. Ende Oktober gibt es alljährlich den Martinimarkt, das größte altmärkische Innenstadtfest, das sich über fünf Tage erstreckt. An einem Dezembertag findet der Klötzer Weihnachtsmarkt statt.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Zugang zur Fußgängerzone Wirtschaft Seit April 2001 trägt Klötze das Prädikat als „staatlich anerkannter Erholungsort“.