mini|hochkant=1.2|Fallblattanzeigetafel von Krone am Hauptbahnhof Frankfurt am Main, im Einsatz bis September 2005. Typisch für größere Anlagen sind einzelne schadhafte Module, in diesem Fall das V statt einem U bei Dortmund und das E statt einem Leerfeld in der untersten Zeile. Eine Fallblattanzeige, fälschlicherweise manchmal „Faltblattanzeige“ genannt, kommt vor allem als Anzeige bei Digitaluhren, insbesondere bei Synchronuhren, als Kalender, bei Aufrufanzeigen in Wartebereichen sowie bei Anzeigetafeln auf Flughäfen und Bahnhöfen zum Einsatz. Sie wurde jedoch inzwischen weitgehend durch großformatige Segmentanzeigen, Matrixanzeigen oder bistabile Anzeigeelemente abgelöst.
Bei rein numerischen Anzeigen spricht man alternativ auch von einer Klappzahluhr, Klappzahlenuhr, Klappziffernuhr, Klappzahlenanzeige, Klappziffernanzeige oder Springziffernuhr. Sind in der Anzeige Elemente verbaut, die mehr als einen Buchstaben oder eine Ziffer anzeigen können, also zum Beispiel zweistellige Stunden- bzw. Minutenangaben oder ganze Wörter, so werden diese auch Palettenuhr respektive Palettenanzeiger genannt.
Geschichte Uhren und Kalender
Als Erfinder der Fallblattanzeige gilt der aus Österreich stammende Ingenieur Josef Pallweber, der ab 1886 in Mannheim lebte und 1890 nach Furtwangen im Schwarzwald, damals ein Zentrum der deutschen Uhrenindustrie, umzog. Noch in Mannheim stellte er am 28. Februar 1890 einen Patentantrag und erwirkte dadurch am 27. Oktober 1890 das Deutsche Reichspatent (DRP) Nummer 54093 für eine „Uhr mit Zahlenwechsel durch Herabfallen doppelseitig bezifferter Täfelchen“. Die Neuerung wurde erstmals in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung vom 1. Dezember 1890 beschrieben. Eine erste Tischuhr mit einem Uhrwerk nach seinem Prinzip, angetrieben von einem Pendel, wurde schließlich ab 1894 von der Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation Lenzkirch produziert und begründete eine weltweite Mode.Tabea Rude: Wandern, springen, klappen, fallen – Die „Digitalisierung“ der Uhrenanzeige. Artikel vom 29. Januar 2025, online auf magazin.wienmuseum.at, abgerufen am 22. Februar 2026HNF-Blog – Neues von gestern aus der Computergeschichte auf blog.hnf.de, abgerufen am 24. Februar 2026
In den Vereinigten Staaten ließ sich der New Yorker Erfinder Eugene L. Fitch am 7. Juli 1903 unter der Patentnummer 733.180 einen „Zeitanzeiger“ schützen, der als „Plato clock“ populär wurde. Die Bezeichnung war von „plate-o“ für Platte oder Plättchen abgeleitet, womit die Zahlenplättchen gemeint waren, die ursprünglich aus Zelluloid gefertigt waren. Bei dieser Uhr, die 1904 auf der Weltausstellung Louisiana Purchase Exposition der Öffentlichkeit präsentiert wurde, klappten die Ziffern nicht mehr vertikal, sondern horizontal wie die Seiten eines Buchs um, mussten also ohne Hilfe der Gravitation auskommen. Zudem war die Stundenanzeige jetzt nicht mehr links neben, sondern über der Minutenanzeige angeordnet. Alle Versionen waren entweder aus gestanztem oder gegossenem Messing gefertigt, wobei Glas die Platten schützte. Amerikanische Plato-Uhren gab es in vier Ausführungen und mit blauen, roten oder weißen Ziffernschildern. Hierbei waren die farbigen Schilder mit weißen und die weißen Schilder mit schwarzen Ziffern bedruckt.The Plato Clocks auf heroesofhorology.com, abgerufen am 3. März 2026
Die frühen Fallblatt-Uhren waren noch mit einem Aufziehmechanismus versehen. Erst 1937 kam, ebenfalls in den Vereinigten Staaten, die elektrisch betriebene Tischuhr Time Flip auf den Markt. Sie war im Art-déco-Stil mit hölzernem Rahmen gestaltet, wurde von der New Haven Clock Company Factory hergestellt und wies wiederum horizontale Fallblätter auf. Angeboten wurden die beiden Varianten Stylis Timepiece and Perseus Numeral Timepiece.
Ab den 1930er Jahren widmete sich schließlich auch der Italiener Remigio Solari, ein Spross der Uhrmacher-Familie Solari aus Pesariis, die seit 1725 auf die Herstellung von Turmuhren in den Dolomiten spezialisiert war, der Technik der Fallblattanzeige. Der Erfinder ließ sich dabei von der 1862 installierten Digitaluhr im Wiener Stephansdom sowie der drei Jahre älteren, aber gleichfalls schon digitalen, Konstruktion im Uhrturm von San Marco in Venedig inspirieren. Seine Vorbilder wiesen allerdings eine andere Anzeigetechnik auf, das heißt sie hatten keine Blätter, sondern rotierende, zwölfeckige Walzen.
Für die neue Außenfassade des damals umgebauten Bahnhofs Firenze Santa Maria Novella produzierte Solari schließlich 1935 die erste öffentliche Klappzahluhr Italiens. Sie wurde vom Florentiner Architekten Nello Baroni gestaltet und hat eine 75 Zentimeter hohe Stundenanzeige und darunter eine 55 Zentimeter hohe Minutenanzeige – ursprünglich in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, inzwischen umgekehrt. Die metallenen Klappen sind an einer Spindel mit Elektromotor befestigt, an jedem Anzeigeblattlager befindet sich eine Spiralfeder, die das Blatt seitlich umklappt. Über den Fahrkartenschaltern in der Schalterhalle desselben Bahnhofs montierte Solari eine etwas kleinere Uhr dieses Prinzips, sie zeigt Stunden und Minuten aber nebeneinander an.
Differenzen innerhalb der Familie veranlassten zwei der insgesamt sechs Gebrüder Solari, Remigio und Fermo, 1939 ein eigenes Unternehmen in Udine zu gründen, welches entsprechend unter Solari di Udine firmierte. Dort begannen sie 1948 mit der Serienproduktion von Klappzahlenuhren. Diese basierten konstruktiv auf den beiden Florentiner Bahnhofsuhren aus den 1930er Jahren, konnten jedoch mit ihren kleineren Abmessungen wahlweise als Tischuhr aufgestellt oder als Wanduhr aufgehängt werden. Es entstand eine ganze Produktfamilie mit der neuen Technik, wobei die Abkürzungen SG und SP für scatto grande (ital.: „große Klappe“) und scatto piccolo („kleine Klappe“) standen:
SG 1 (unbeleuchtet) SP 1 (unbeleuchtet) SP 2 (mit Neonlicht unten) SP 3 (mit Neonlicht unten und oben)
mini|Einzelteile einer Emera-Anzeige für Uhrzeit und Wochentag Parallel zu den einfachen Uhren erschienen die Anzeigen CP, calendario piccolo („kleiner Kalender“) und CG, calendario grande („großer Kalender“) mit integriertem Kalender, die Solari für den Export auch in anderen Sprachen als italienisch herstellte. Sie zeigten in der oberen Reihe den Wochentag, das Datum und den Monat an, in der unteren Reihe die Uhrzeit. Wochentag und Monat waren dabei auf drei Buchstaben abgekürzt. Aufgrund ihrer relativen Breite klappten Wochentag und Monat bei dieser Modellreihe bereits nach unten. Da die Monatsanzeige zwölf anstatt zehn Blätter benötigte, stellte sie bereits einen ersten Schritt in Richtung alphanumerische Anzeige dar, die nochmals mehr Blätter erforderte. Bei den 1949/50 vorgestellten Anzeigen CP 1 und CP 2 stand die Abkürzung CP für calendario perpetuo („immerwährender Kalender“). Sie berücksichtigten die Monatslängen und die Schaltjahre.
Ab 1954 arbeitete das Unternehmen Solari mit dem Architekten, Maler und Designer Gino Valle (* 1923; † 2003) zusammen, um seine Produkte auch für Privathaushalte attraktiv zu machen. Valle überarbeitete bis 1955 gemeinsam mit seiner Schwester, der Architektin Nani Valle, und dem Illustrator und Grafikdesigner Michele Provinciali die Gestaltung der Uhren und Kalender, wobei sie weiterhin ein Metallgehäuse sowie bei den Ziffern vertikale Klappen aufwiesen. Zugleich erhielten sie neue Produktnamen und weitere Sprachversionen, darunter auch Deutsch: mini|hochkant=1.1|Tischuhr mit freiliegenden Fallblättern
Typ Modell Breite × Höhe × Tiefe Uhren Cifra 5 Cifra 12 28 cm × 15 cm × 11 cm57 cm × 33 cm × 16,5 cm Kalender mit Uhrzeitund Wochentag Emera 5 28 cm × 23 cm × 11 cm Kalender mit Uhrzeit,Wochentag und Datum Dator 5 28 cm × 34,5 cm × 11 cm
Die Cifra 5 (ital. für Ziffer) gewann 1956 auf der Mailänder Möbelmesse den Designpreis Compasso d’Oro und wurde 1957 in mehreren Staaten patentiert. Nachdem Remigio Solari 1957 gestorben war, setzte sein Bruder Fermo Solari die Entwicklung der Fallblattanzeigen fort. Ihm gelang 1965 mit dem minimalistischen Design der Cifra 3 ein Erfolg, einer kleineren Uhr in Zylinderform mit 18 cm Länge und 9,5 cm Durchmesser, die wiederum horizontale Klappen hatte, die aus Kunststoff gefertigt waren. Sie animierte viele Haushalte dazu, ihre klassischen analogen Uhren durch moderne Digitaluhren zu ersetzen. Die klar strukturierten, von Massimo Vignelli entworfenen, Serifen-losen Ziffern – die Stundenanzeige Fettschrift – wurden vielfach kopiert, beispielsweise von den Unternehmen Sony, General Electric und Hitachi. 1966 wurde sie patentiert. Im gleichen Jahr nahm das Museum of Modern Art die Cifra 3 schon als Dauerausstellungsstück in seine Sammlung Humble Masterpieces auf, was die spätere Kuratorin Paola Antonelli mit deren „reinstem Ausdruck von industriellem Design“ begründete. Sie wird auch im Londoner Science Museum gezeigt, zudem war sie in den Jahren 1999 und 2000 Teil einer Retrospektivausstellung des Metropolitan Museum of Art. Nachdem die Herstellung der Cifra 3 zunächst 1989 endete, wird sie seit 2015 wieder regulär produziert.
Anzeigen auf Flughäfen und Bahnhöfen mini|hochkant|Die 1928 installierte Anzeige am Travemünder Strandbahnhof In den Turm des 1912 eingeweihten Empfangsgebäudes des Bahnhofs Lübeck-Travemünde Strand ließ die zuständige Lübeck-Büchener Eisenbahn 1928 nachträglich eine spezielle Anzeige integrieren, die den Fahrgästen schon von weitem die Abfahrtszeit des nächsten Zuges Richtung Lübeck Hauptbahnhof signalisierte. Hierzu konstruierte das Unternehmen Siemens & Halske eine Anlage mit drehbaren Wendetafeln aus Blech, das heißt sie klappen vertikal um. Die Tafeln sind, zwecks guter Erkennbarkeit auch von der etwa 300 Meter entfernten Strandpromenade aus, 80 (Stundenanzeige) beziehungsweise 75 (Minutenanzeige) Zentimeter hoch. Auf jedem Blech, das in der Breite 23 Zentimeter misst, ist dabei auf beiden Seiten je eine halbe Ziffer dargestellt. Ein zusätzliches Blech ist für die sogenannte Blindstellung erforderlich, um bei Störungen oder gänzlicher Außerbetriebnahme der Anlage keinerlei Uhrzeit anzuzeigen. Für die Einerzahlen der Stunden und Minuten sind somit je elf Bleche erforderlich. Für die Zehnerzahlen der Minuten genügen hingegen sieben Bleche, das heißt eines für die Blindstellung und sechs für die Ziffern 0 sowie 1 bis 5. Für die Zehnerzahlen der Stunden reichen sogar drei Bleche mit den Angaben 1 und 2 sowie der Blindstellung, weil hier statt der Null die Blindstellung erscheint.
An der zentralen Station Döppersberg der Wuppertaler Schwebebahn zeigten bereits ab Ende der 1930er Jahre vier automatisch gesteuerte Fallblattanzeigen, auf beiden Seiten des Gerüsts je zwei, die Minuten bis zur Abfahrt der nächsten Züge in jeweils beide Fahrtrichtungen an. Die Technik war jedoch noch nicht so weit entwickelt, weshalb die Anlage, nach mehreren Störungen, schon bald wieder entfernt wurde.Die Wuppertaler Schwebebahn auf facebook.com, abgerufen am 14. September 2026
Die erste Anzeigetafel im Luftfahrtbereich ging 1955 am Flughafen Paris-Orly in Betrieb und wurde von Solari hergestellt. Sie konnte für jeden Flug das Kürzel der Fluggesellschaft, die Flugnummer, das Flugziel und die Abflugzeit anzeigen; zusätzlich stand ein Feld für Bemerkungen zur Verfügung. Die ersten Anzeigetafeln für einen Bahnhof verkaufte Solari 1956 an die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen, die sie im Bahnhof Liège-Guillemins montierte. Die große Anzeigetafel im Empfangsgebäude war dabei noch nach den sechs verschiedenen Fahrtrichtungen Brüssel, Herbesthal, Visé, Rivage und Hasselt gruppiert, weil mit der damaligen Anzeigetechnik nicht alle von Lüttich aus erreichbaren Fahrtziele mit einem Anzeigenfeld abgedeckt werden konnten. Die parallel dazu installierten Zugzielanzeiger auf den Bahnsteigen zeigten das Fahrtziel, die Zuggattung und die Abfahrtszeit an.