La Palma 70px       120px|rand mini|200px|zentriert|Übersichtskarte BasisdatenLand: SpanienAutonome Gemeinschaft: CanariasProvinz: Santa Cruz de TenerifeFläche: 708,32 km²Gobierno de Canarias: istac – Instituto Canario de Estadística.Einwohner: ()Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner/km² Hauptstadt: Santa Cruz de La PalmaPräsident der Inselregierung: Sergio Javier Rodríguez Fernández (CC)Website des Inselrates: www.cabildodelapalma.es Lage von La Palma innerhalb der Kanaren 330px|Lage der Insel Satellitenbild 330px|La Palma

La Palma (vollständiger Name: La Isla de San Miguel de La Palma) ist die nordwestlichste der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Zusammen mit den westlichen Kanarischen Inseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro bildet sie die spanische Provinz Santa Cruz de Tenerife. Die östlichen Inseln bilden die Provinz Las Palmas (namengebend hier ist die Hauptstadt Las Palmas der Insel Gran Canaria). Die autonome Gemeinschaft Canarias (Comunidad Autónoma de Canarias) besteht aus diesen beiden Provinzen.

La Palma ist eine der geologisch jüngsten Inseln der Kanaren, deren Vulkanismus an vielen Kratern und Lavaströmen entlang der Vulkanroute auf der Cumbre Vieja und dem großen Krater der Caldera de Taburiente gut sichtbar ist. Sie ist mit 40 % Waldbedeckung im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln die waldreichste und wird daher auch Isla Verde („Grüne Insel“) genannt.

Geografie La Palma hat bei einer Fläche von etwa 708 km² eine Nord-Süd-Ausdehnung von 45,2 km und eine West-Ost-Ausdehnung von 27,3 km. Sie ist mit einem Anteil von 9,45 % an der Gesamtfläche die fünftgrößte Insel des Archipels. La Palma liegt 417 km vor der marokkanischen Küste, 1371 km vom spanischen Festland entfernt und 86,2 km westlich von Teneriffa. Der höchste Berg ist der Roque de los Muchachos.

Geologie mini|hochkant=1.7|Caldera de Taburiente, in Bildmitte Roque Idafe, rechts der Pico Bejenado

La Palma ist, wie alle Kanarischen Inseln, vulkanischen Ursprungs. Ihre Entstehung wird auf einen Hotspot im Erdmantel zurückgeführt, der auf dem – vom Atlantik überdeckten – Teil der Afrikanischen Platte die Kette der Kanarischen Inseln aufgebaut hat. Während die Afrikanische Platte über den stationären Hotspot nach Nordosten driftet, wuchsen in mehreren Millionen Jahren in anhaltenden Eruptionsserien Schildvulkane empor, die heute die Kanarischen Inseln bilden. Der vor etwa 2–4 Millionen Jahren aus 4000 m Tiefe des Kanarischen Beckens aufsteigende Schildvulkan erreichte vor 1,7 Millionen Jahren die Meeresoberfläche und ließ die Insel La Palma entstehen.J. C. Carracedo, E. R. Badiola, H. Guillou, J. de la Nuez, F. J. Pérez Torrado: Geology and Volcanology of La Palma and El Hierro. 2001. (online auf: digital.csic.es) Heute befinden sich Kissenlava aus der Zeit des frühesten Vulkanismus vor rund 3 Millionen Jahren in den untersten Abschnitten der Caldera de Taburiente. Diese wurden durch nachdrängendes Magma mitsamt der Insel um rund 2 km angehoben. Auch weisen eisenhaltige Gesteine, in der Phase nach den Eruptionen durch heißen Wasserdampf oxidiert und rot gefärbt, auf die frühen Vulkanaktivitäten hin. Noch deutlichere Spuren finden sich in den unterirdischen Bewässerungssystemen, den Galerías, die das Massiv durchziehen.

Das Bergmassiv von La Palma wurde durch drei große, sich überlagernde Vulkane, den Garafia-Vulkan, den Unterer- und den Oberer-Taburiente-Vulkan, aufgebaut. Der Garafia-Vulkan hatte einen Durchmesser von etwa 23 km an der Basis und eine Höhe von etwa 2500 bis 3000 m. Der steil aufsteigende Vulkankegel kollabierte vor etwa 1,2 Millionen Jahren in südwestliche Richtung und ließ ein ausgedehntes Trümmerfeld entstehen, das mit „Playa de la Veta“ bezeichnet wird. Anhand von Untersee-Sonarmessungen wurden eine Fläche von 2000 km², eine Ausdehnung von 80 km und ein Schüttvolumen von 650 km³ ermittelt. Die Topografie des Feldes zeigt auch eine zweite Schüttlage, die der Cumbre Nueva (s. u.).

Auf der Ostseite der Insel ereignete sich vor etwa 1 Million Jahren ein Vulkaneinsturz mit dem Trümmerfeld Santa Cruz (Ausdehnung: 50 km, Fläche: 1000 km²), dessen Ursprung nicht näher bestimmt ist.K. Hoerle, J. C. Carracedo: Canary Islands. Geology, 2009. R. Olzem: Die Caldera de Taburiente. rainer-olzem.deD. G. Masson, A. B. Watts, M. J. R. Gee, R. Urgeles, N. C. Mitchell, T. P. Le Bas, M. Canals: Slope failures on the flanks of the western Canary Islands. Mai 2001.

Vor etwa einer Million Jahren setzte sich der Vulkanismus mit dem Unterer-Taburiente-Vulkan fort, der über dem Krater des Garafia-Vulkans aufstieg (mehr als 6 mm/Jahr) und diesen mit einer etwa 400 m dicken Lavaschicht überdeckte. Radiometrische Datierungen und Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung des Lavagesteins weisen auf einen zweiten Vulkan hin, den Oberer-Taburiente-Vulkan, der vor 0,8 bis 0,4 Millionen Jahren eine Höhe von 2500 bis 3000 m erreichte und die Lavaschicht des Garafia-Vulkan vollständig überdeckte.Juan Carlos Carracedo: Geology and volcanology of La Palma and El Hierro, Western Canaries. 2001, Append 2, Geological Map. digital.csic.es

Der Vulkanismus auf der Insel verlagerte sich südwärts und baute einen nach Süden hinziehenden länglichen Vulkankegel mit einer Höhe von 3000 m auf. Dessen Westflanke stürzte vor etwa 500.000 Jahren ein und ließ die Caldera de Taburiente und die Cumbre Nueva entstehen. Die Trümmerlawine Cumbre Nueva mit einem Volumen von 95 km³ überschüttete das Trümmerfeld der Playa de la Veta über eine Fläche von 780 km² und reicht bis in eine Meerestiefe von 2500 bis 4000 m.Roger Urgeles, Douglas G. Masson, Miquel Clanals, Anthony B. Watts, Tim Le Bas: Recurrent large-scale landsliding on the west flank of La Palma, Canary Islands. In: Journal of Geophysical Research. Vol. 104, 11. 1999 (Vermessung der Trümmerlawinen auf der Westflanke La Palmas) onlinelibrary.wiley.com

In der Mitte der Caldera setzte sich vor 580.000 bis 490.000 Jahren mit dem Bejenado-Vulkan der Vulkanismus fort, der in relativ kurzer Zeit bis zu 1864 m anstieg (12 mm/Jahr). mini|hochkant=2|Satellitenaufnahme von La Palma, sichtbare Abbruchkanten der Caldera de Taburiente und Cumbre Nueva mini|hochkant=2|Satellitenaufnahme von La Palma, Cumbre Nueva, Cumbre Vieja (mit ihren zahlreichen Vulkankratern), Aridanetal mit El Paso, Los Llanos und Tazacorte

Die Entstehung der Caldera de Taburiente mit einem Durchmesser von etwa 9 km und einem Umfang von etwa 28 km wird heute als ein Produkt folgender geologischer Ereignisse angesehen: Der Cumbre Nueva-Trümmerlawine, mit der Abrisskante am nordöstlichen Rand der Caldera de Taburiente und dem Cumbre Nueva-Rücken, der späteren Verfüllung durch den Bejenado-Vulkan und der bis heute anhaltenden Erosion der Caldera und des Barranco de Las Angustias. Am nördlichen Kraterrand liegt die höchste Erhebung der Insel, der 2426 m hohe Roque de los Muchachos.F. Neukirchen: La Palma – Ruta de los Volcanes & Ruta de la Cresteria (GR 131). 8. Mai 2012.

An die Cumbre Nueva schließt sich ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender Höhenzug, die Cumbre Vieja, an. Der Gebirgskamm erhebt sich bis auf rund 2000 m Höhe und teilt die Insel in zwei klimatisch unterschiedliche Hälften. Die Vulkanaktivität der Cumbre Vieja begann vor 150.000 Jahren und hält bis heute an. Der vorletzte vulkanbildende Ausbruch fand 1971 an der Südspitze der Insel bei Los Canarios statt, wobei der Vulkan Teneguía entstand. Vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021 ereignete sich ein Ausbruch in der Nähe der Cabeza de Vaca in der Cumbre Vieja in der Gemeinde El Paso. Der Lavastrom des neuen Vulkans Tajogaite floss nach Westen ab.Riesgo volcánico Riesgo volcánico – Punto informativo unificado del Cabildo Insular de La Palma 5. August 2022

Die Vulkanausbrüche waren auch immer mit einer Serie von Erdbeben begleitet, die diesen zeitlich voran liefen und sie damit auch ankündigten. Die seismischen Aktivitäten auf den Kanarischen Inseln werden durch den noch anhaltenden Vulkanismus bestimmt. Tektonische Beben sind aufgrund der geografischen Lage der Inseln auf der ozeanisch-afrikanischen Platte dagegen gering.

Das Vulkanrisiko auf La Palma leitet sich aus den sieben Vulkanausbrüchen ab, die seit der Eroberung La Palmas im Jahr 1492, dem Beginn der Aufzeichnungen, stattfanden (siehe Tabelle). Sie traten in den zurückliegenden 523 Jahren in Abständen von 31 bis 237 Jahren ohne erkennbaren Trend über zukünftig kürzere oder längere Intervalle auf. Der durchschnittliche Abstand zwischen Vulkanausbrüchen auf La Palma liegt danach bei 73 Jahren, entsprechend einer mittleren Häufigkeit von 0,014 pro Jahr. Das Vulkaninstitut der Kanarischen Inseln schätzte im Jahr 2018 das Ausbruchsrisiko innerhalb der nächsten 50 Jahre auf 48 %.Erdbebenkarte 2018 Die Schadensauswirkungen der Vulkanausbrüche auf die Bevölkerung waren mit Ausnahme des 83 Tage andauernden Tajuya-Ereignisses von 1585 mit einer strombolianischen Eruption jedoch gering. Sie waren auf den Bereich der Cumbre Vieja, dem geologisch jüngsten Teil der Insel, und dort weitgehend auf deren Kammlage beschränkt. Die Vulkaneruptionen bestanden überwiegend aus langsam fließenden Lavaströmen.R. Olzem: Die Cumbre Vieja

Im Unterschied zum Vulkanrisiko stellt sich das Erdbebenrisiko weiträumiger dar und betrifft den gesamten Bereich der Insel. So ereigneten sich im Zusammenhang mit dem San-Juan-Vulkan Erdbebenerschütterungen der Intensität VIII im Zentrum des Vulkans bei Jedey, und in den weit entfernten Orten Santa Cruz und Barlovento waren es noch Intensitäten IV bzw. III.J. R. Ortiz, J. B. Rubio: Madrid 1951, Erdbebenkarte, S. 81. Im Dezember 2013 war das unterseeische Erdbeben westlich von El Hierro bis Santa Cruz deutlich spürbar.Erdbeben vor El Hierro – La Palma wackelt mit. In: La Palma 24. 28. Dezember 2013.

2017 trat der erste größere Erdbebenschwarm auf La Palma auf, der seit der Inbetriebnahme des Überwachungsnetzes nach der Teneguia-Eruption Anfang der 1970er Jahre registriert wurde. Er fällt in die Kategorie vulkanotektonische Beben, die durch eine horizontale Verschiebung des Magmas Spannungen im Gesteinsuntergrund hervorrufen und Beben in einem engbegrenzten Bereich und Zeitraum mit ähnlicher Magnitude auslösen. Derart vulkanische Beben in relativ großer Tiefe und geringen Magnituden deuten nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch hin. In den vorangegangenen Jahren von 2000 bis 2016 wurden im Bereich La Palma lediglich acht Erdbebenereignisse registriert, wohingegen im Süden von Teneriffa und der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 1. Dezember 2017 insgesamt 2352 Ereignisse gemessen wurden. In dieser Periode traten nahezu in jedem Monat mehrere Ereignisse auf. Am 2. Oktober 2016 fand auf Teneriffa ein Erdbebenschwarm mit 98 Ereignissen statt.J. Skapski: Erdbebenschwarm auf La Palma, Juskis Erdbebennews 9. und 14. Oktober 2017.Catálogo de terremotos, Instituto Geográfico Nacional (La Palma – Geografischer Bereich: Latitud: 28.3/29.0; Longitud: -18.1/-17.5).Erdbebenschwarm auf Teneriffa

Historisch belegte Vulkanausbrüche und Erdbeben