Böhse Onkelz (auch: B.O. bzw. umgangssprachlich schlicht Die Onkelz) ist eine von 1980 bis 2005 und seit 2013 wieder aktive deutsche Rockband. Ihr erstes Album Der nette Mann von 1984 wurde zunächst als jugendgefährdend von der BPjS indiziert und kurz darauf beschlagnahmt. Von Mitte der 1990er Jahre an erreichten die Böhsen Onkelz mehrfach Platzierungen in den Top 10 der deutschen Album- und Single-Charts. Seit dem Album Viva los Tioz aus dem Jahre 1998 erreichten sechs Studioalben der Band in Folge Platz eins der deutschen Charts.
Bandgeschichte mini|hochkant|Stephan Weidner (2019) mini|hochkant|Kevin Russell (2019) mini|hochkant|Matthias Röhr (2019) mini|Peter Schorowsky (2018) 1980 bis 1981: Gründung Inspiriert durch Gruppen wie The Clash oder The Stranglers gründeten Stephan Weidner, Kevin Richard Russell und Peter „Pe“ Schorowsky 1979/80 die Band.Alice Schwarzer: Böhse Onkelz oder nette Jungs? In: Emma, Nr. 1, Jan./Feb. 1993, S. 40 f.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 26.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 29. Den Namen gaben ihnen einige Kinder aus der Nachbarschaft, die ihre jüngeren Geschwister mit den Worten „Vorsicht, da sind die bösen Onkels!“ davor warnten, dass diese ihnen den Schlitten wegnehmen würden.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 28.
1981 trat Matthias „Gonzo“ Röhr der Band bei. Er hatte zuvor in der Frankfurter Punk-Gruppe Antikörper Gitarre gespielt und brachte somit Erfahrung in die musikalisch unerfahrene Band.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 39. Zunächst spielte Schorowsky das Schlagzeug, Weidner die Gitarre, Röhr den Bass und Russell übernahm den Gesang.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 45. Kurz vor der ersten Aufnahme zum Sampler Soundtrack zum Untergang Vol. II tauschten Röhr und Weidner die Instrumente.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 58.
Die Gruppe war anfangs in Frankfurt am Main aktiv: Erste Konzerte fanden 1981 im Jugendclub JUZ Bockenheim, in der Batschkapp und im türkischen Familienzentrum am Wiesenhüttenplatz statt – zusammen mit anderen jugendlichen Punk-Bands.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 270. Beim letztgenannten Auftritt am 14. November 1981 wurde das ausländerfeindliche Lied Türken raus gespielt.Klaus Farin, Eberhard Seidel: Skinheads. 6. Aufl. 2010, S. 80. Dagegen gibt Edmund Hartsch in Böhse Onkelz – Danke für nichts. den Liedtitel mit Türkähn rauhs an. Auf diesen Schmähsong hätten die türkischen Besucher mehrheitlich mit Humor reagiert, so Röhr in seiner Autobiographie. In der Batschkapp dagegen erhielt man daraufhin Hausverbot, wofür sich Gonzo rächte, indem er mit einem Dutzend Skinhead-Kameraden den Musikklub verwüstete.Gonzo: Die offizielle und autorisierte Biographie von Matthias Röhr. Autobiographie verfasst mit den Co-Autoren Dennis Diel und Marco Matthes, Hannibal Verlag, Höfen, 1. Auflage, November 2019. S. 106
1981 bis 1986: Die Jahre in der Skinhead-Szene und Indizierung Nach der ersten Demoaufnahme von 1981, die das Stück Türken raus enthielt,Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 19. nahm die Band noch im selben Jahr ihre erste Single Kill the Hippies – Oi auf und steuerte zwei Lieder zum politisch eher linken Punk-Sampler Soundtracks zum Untergang 2 bei, der 1982 erschien.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 56. Da die Punk-Szene aus Sicht der Band immer weiter nach links rückte und andererseits von den Medien versucht wurde, den ursprünglich unangepassten, rebellischen Punk zu einem reinen Modetrend zu kommerzialisieren,Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 59. verloren die Onkelz das Interesse an dieser Subkultur und orientierten sich immer mehr an der Oi!-Bewegung. Dort sahen sie die Möglichkeit, weiterhin unangepasste, rebellische Musik zu machen, ohne sich politisch vereinnahmen zu lassen.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 54.Stephan Richter: Gehasst – verdammt – vergöttert. Das Phänomen der ehemaligen Skinhead Kultband „Böhse Onkelz“ und ihre Bezüge zum Rechtsextremismus. In: Herbert Kloninger (Hrsg.): Rechtsextremismus als Gesellschaftsphänomen. 2006, S. 113.
1983 erschien die zweite Demokassette in einer Auflage von etwa 100 Stück. Diese enthielt das zweite Lied mit ausländerfeindlichem Inhalt, Deutschland den Deutschen.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 68.Stephan Richter: Gehasst – verdammt – vergöttert. Das Phänomen der ehemaligen Skinhead Kultband „Böhse Onkelz“ und ihre Bezüge zum Rechtsextremismus. In: Herbert Kloninger (Hrsg.): Rechtsextremismus als Gesellschaftsphänomen. 2006, S. 112. Sie verbreitete sich schnell durch Kopieren in der Skinhead-Szene.Stephan Richter: Gehasst – verdammt – vergöttert. Das Phänomen der ehemaligen Skinhead Kultband „Böhse Onkelz“ und ihre Bezüge zum Rechtsextremismus. In: Herbert Kloninger (Hrsg.): Rechtsextremismus als Gesellschaftsphänomen. 2006, S. 118. Im Sommer desselben Jahres fand das erste Konzert der Band vor Skinhead-Publikum im sogenannten KdF-Bunker, einem alten Fabrikgebäude, das der Band Kraft durch Froide als Proberaum diente, in Berlin statt.Andreas Pohle: rockoi.com; abgerufen am 1. September 2011.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 99. Bei diesem Auftritt vor ungefähr 50 Zuschauern wurde das Lied Türken raus zum letzten und das Lied Deutschland den Deutschen zum einzigen Mal live gespielt.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 75.Stephan Richter: Gehasst – verdammt – vergöttert. Das Phänomen der ehemaligen Skinhead Kultband „Böhse Onkelz“ und ihre Bezüge zum Rechtsextremismus. In: Herbert Kloninger (Hrsg.): Rechtsextremismus als Gesellschaftsphänomen. 2006, S. 123.
Anfang Mai 1984 folgte die Veröffentlichung des ersten Studioalbums Der nette Mann über das Label Rock-O-Rama, dessen Fokus zu diesem Zeitpunkt noch auf Punk- und New-Wave-Musik lag.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 77.Redaktion: Rock-O-Rama/Rock Nord Versand (Rees, Nordrhein-Westfalen) Auf: netz-gegen-nazis.de, 2. Mai 2008. Abgerufen am 17. Mai 2012. Auf diesem Album befanden sich auch die Lieder Stolz und Deutschland, die den Onkelz einen verstärkten Kultstatus in der Skinhead-Szene einbrachten.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 81. Am 15. August 1986 wurde Der nette Mann von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) indiziert. Dies geschah zum einen wegen zweier laut BPjS die „Inhalte des Nationalsozialismus unreflektiert übernehmender“ (Böhse Onkelz) bzw. „tendenziell nationalsozialistischer“ (Frankreich ’84) Texte, zum anderen wegen eines „pornografischen“ Liedes (Mädchen) sowie dreier gewaltverherrlichender Titel (Dr. Martens-Beat, Fußball und Gewalt, Der nette Mann). Kurze Zeit später wurde durch das Amtsgericht Brühl das Album bundesweit wegen Gewaltdarstellung ( Abs. 1 StGB) beschlagnahmt, was ein Totalverbot der Verbreitung bedeutete. Der nette Mann hatte sich bis dahin mäßig verkauft, die Anfangsauflage betrug 1000 Exemplare,Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 80. verbreitete sich nun jedoch schnell durch Schwarzkopien in der Oi!-Szene. Erst nach dem Verbot wurde die breitere Öffentlichkeit auf das Album aufmerksam.
Im Herbst des Jahres 1984 wirkten die Onkelz im Rahmen eines Live-Auftritts im Berliner Loft in dem Fernsehfilm Zagarbata von Tabea Blumenschein mit, welcher sich mit der frühen Skinhead- und Punk-Bewegung Anfang der 1980er Jahre in Deutschland beschäftigt und am 19. Mai 1985 veröffentlicht wurde.Artikel in der Internet Movie Database Auf: imdb.de. Abgerufen am 4. Juli 2011.
Ende des Jahres 1984 begannen Weidner, Röhr und Schorowsky sich langsam von der Skinhead-Szene zu distanzieren, da sie sich zu sehr in ihrer Freiheit zum Beispiel durch bestimmte Dresscodes eingeschränkt fühlten.Klaus Farin, Eberhard Seidel: Skinheads. 5., neubearb. und erw. Aufl. 2002, S. 93.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 87. Zudem wies Weidner 1986 rückblickend darauf hin, dass es „Vorfälle“ gegeben habe, „mit denen wir uns nicht identifizieren können“ und die Band keine Lust mehr darauf gehabt habe, sich „in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen“.Interview im Duisburger Skinhead-Fanzine Singen und Tanzen, Frühjahr 1986. Russell dagegen identifizierte sich noch bis zum Ende des Jahres 1985 stark mit der Skinheadkultur.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 101.
Parallel wurde auch die Trennung vom Label Rock-O-Rama beschlossen, da dieses immer mehr durch neonazistische Veröffentlichungen, beginnend ab dem Jahre 1984 mit Veröffentlichungen von Bands wie zum Beispiel Skrewdriver, Skullhead oder Brutal Attack, auffiel und die Onkelz darüber hinaus finanzielle Differenzen mit dem Label-Chef Herbert Egoldt hatten. Trotzdem musste die Band ihren Plattenvertrag über insgesamt drei Alben erfüllen und veröffentlichte also 1985 noch Böse Menschen – Böse Lieder sowie Mexico, bevor sie sich von Rock-O-Rama trennen konnte. Mexico enthält nur sechs Lieder, weil dem Label so wenig Musikmaterial wie möglich zur Verfügung gestellt werden sollte.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 96.
Ein Schlüsselerlebnis für die Band war das letzte Konzert vor reinem Skinhead-Publikum am 9. November 1985 im KdF-Bunker in Berlin. Die Onkelz spielten kurzfristig für eine andere Band, die ausgefallen war.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 98. Die dort vom Publikum gezeigten Hitlergrüße und neonazistische Parolen waren aus der Sicht der Onkelz ein weiterer Grund dafür, sich von der Skinhead-Szene zu verabschieden.
1986 bis 1992: Erste öffentliche Wahrnehmung Abgesehen von der Indizierung des Albums Der nette Mann im Jahr 1986 wurde es nach dem Ausstieg aus der Skinhead-Szene zunächst ruhig um die Band. Nach einem Auftritt bei einem von dem Moderator Manfred Sexauer organisierten Benefiz-Konzert in der Nähe von Frankfurt für das SOS-Kinderdorf im selben Jahr trat die Band bis 1989 nicht mehr live auf.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 106. 1987 veröffentlichte die Band mit Onkelz wie wir … ein neues Album über das Label Metal Enterprises, welches die Band nach der Trennung von Rock-O-Rama unter Vertrag nahm. Zu dem Tonträger, der sich bis Ende des Jahres etwa 15.000 Mal verkauft hatte, wurde erstmals eine Rezension in einem bundesweit publizierten Musikmagazin, im Metal Hammer, veröffentlicht.Edmund Hartsch: Böhse Onkelz – Danke für nichts. Originalausgabe, 1997, S. 112.