Lautrach ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Unterallgäu.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt zwischen 601 und auf einer Bergnase zwischen der LautrachLUBW: Abfluss-BW – Regionalisierte Abfluss-Kennwerte Baden-Württemberg (PDF), Anhang S. 1–3, Tabelle 1-1, Hochwasserabfluss-Längsschnitte im Einzugsgebiet der Donau und der Iller etwa elf Kilometer südlich von Memmingen und 32 Kilometer nördlich von Kempten in der Region Donau-Iller in Mittelschwaben.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht nur aus der Gemarkung Lautrach.

Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der erste bekannte Name der Siedlung war „Luteraha“ von alemannisch ach (Bach) und lauter (klar, rein, sauber).

Lautrach wurde im Jahre 840 das erste Mal urkundlich erwähnt. Im Ort befand sich einer der ältesten Rittersitze in Schwaben. Der mittelalterliche Burgstall Altenlauternach war seit 1164 Sitz des Heinrich von Lauternach. 1337 wurde er an die Schellenberger abgetreten. Von 1417 bis 1609 hatten ihn die Herren von Landau inne. 1609 kam die Herrschaft an die pfälzischen Herren von Muggenthal. Im Dreißigjährigen Krieg wütete die Pest in Legau (1628/30). Die Schweden marschierten 1632 ein, plünderten das Dorf und brannten es teilweise nieder. 1641 verkaufte der Graf von Muggenthal aus Not das Dorf an das Stift von Kempten. Dort blieb es bis zur Säkularisation. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.

Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 Einwohner 1.010 996 1.085 1.073 1.108 1.151 1.187 Jahr 2010 2015 Einwohner 1.178 1.247 Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1047 auf 1283 um 236 Einwohner bzw. um 22,5 %.

Schloss Lautrach mini|hochkant=1.20|Schloss Lautrach

Ab 1781 ließ der Fürstabt von Kempten, Honorius Roth von Schreckenstein, in dreijähriger Bauzeit das Schloss Lautrach als Propstei und Jagdschloss als Ersatz für das abgebrannte alte Schloss errichten. 1803 wurde Bayern der neue Besitzer des Schlosses. 1805 ersteigerte es der französische Graf Firmas-Perier. Ihm verdankt das Schloss den kleinen Theatersaal mit den wertvollen handbedruckten Bildtapeten aus der Tapetenmanufaktur Dufour, Paris. Nach dem Tod von Firmas-Perier kaufte 1831 Freiherr von Speth das Schloss. Beide Schlösser erwarb 1838 der katholische Priester Josef Deybach mit Unterstützung des Barons Vequel auf Kronburg. Er eröffnete mit seiner Schwester eine Erziehungsanstalt für höhere Töchter. Im Jahre 1840 wurde auch ein Knabeninstitut im Schloss eröffnet. Die beiden Institutionen wurden weit über die Grenzen des Landes bekannt. Im Jahre 1889 erwarben die Wagnerschen Anstalten von Dillingen das Erbe Deybachs. Von 1921 bis 1931 war das neue Schloss im Besitz von Hermann Anschütz-Kaempfe, dem Polarforscher und Erfinder des Kreiselkompasses. An Albert Einstein schrieb er in einem Brief:

Nach seinem Tod vermachte er es an die Ludwig-Maximilians-Universität München, die es 1966 an die Wagnerschen Anstalten von Dillingen (heute Regens-Wagner-Stiftung) verkaufte. 1989 wurde Schloss Lautrach zu einem Managementzentrum und Tagungshotel umgebaut und 1993 als „Management Centrum Schloss Lautrach“ eröffnet. Es gehört heute zu den führenden Weiterbildungsinstituten mit eigenem Vier-Sterne-Tagungshotel in Deutschland. Die beiden Gesellschafter sind die IHK Schwaben und das Kolping-Bildungswerk in der Diözese Augsburg.

Politik und Öffentliche Verwaltung

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit Mai 2014 Reinhard Dorn (Freie Wähler); er wurde bei einem Mitbewerber am 15. März 2020 mit 66,5 % wieder gewählt.

Gemeinderat Die Sitzzuteilung bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 war wie folgt: CSU/Unabhängige Wählergemeinschaft: 5 Sitze (45,7 %) Freie Wählervereinigung: 7 Sitze (54,3 %). In der Amtszeit 2014 bis 2020 waren die Mandate genauso auf die beiden Wahlvorschläge verteilt.

Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Illerwinkel.

Flagge Die Flagge ist weiß–rot gestreift mit aufgelegtem Gemeindewappen.

Wappen

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=1.20|Lautrach (1914) Schloss Lautrach mit historischem Baukörper und angrenzendem Schlosspark Die barocke Kirche St. Peter und Paul ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Ortes. Vogelbeobachtungsstation am Stausee in Lautrach

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2017 gab es in der Gemeinde 655 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 541 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 114 höher als die der Auspendler. Sechs Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es neun landwirtschaftliche Betriebe.

Ein kleiner Supermarkt ist vorhanden. Es bestehen Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber in verschiedenen Betrieben.

Regens Wagner betreibt in Lautrach ein großes Behindertenheim mit angeschlossenen Werkstätten (Gärtnerei, Landwirtschaft; Handweberei; Verpackung und Konfektionierung; Montagearbeiten; Elektromontage; Metallbearbeitung und Wasch- und Heißmangelarbeiten).

Sportstätten Der TSV-Lautrach/Illerbeuren ist der größte Verein im Illerwinkel und bietet mit sieben Abteilungen ein umfangreiches Sportangebot für die Bevölkerung (Turnen, Fußball, Tennis, Tischtennis, DSV-Skischule, Gymnastik und Tanz).

Es gibt auch einen Rad- und Motorsportverein; hier können Sportarten wie Kunstradfahren oder Radball ausgeübt werden.

Die Sportstätten bestehen aus zwei Fußballplätzen, mehreren Tennisplätzen (zusammen mit dem TC Lautrach vier Tennisplätze in Lautrach, drei in Illerbeuren); einem Sportheim und Freisportanlagen mit 100-m-Bahnen, Hartplatz und im Winter Eislaufbahn und Langlaufloipe. Im Herbst 2023 wurde eine neue 2,5-fach-Turnhalle freigegeben; damit steigt das Sportangebot noch weiter an.

Verkehr mini|Historische Illerbrücke Der Iller-Radweg führt durch das Gemeindegebiet.

Bildung Im Hauptort gibt es eine Kindertagesstätte mit 112 genehmigten Plätzen und 97 angemeldeten Kindern, davon 14 unter drei Jahren.

Persönlichkeiten Ehrenbürger 2005: Herbert Mathy (1935–2021), Altbürgermeister (1977–1996) 2017, 14. März: Arthur Dorn (* 1937), Altbürgermeister (CSU/Unabhängige Wählergemeinschaft; 1996–2014)

Söhne und Töchter der Gemeinde

Hans Haller (um 1505–1547), Goldschmied Bartholomäus Ehinger OSB (1569–1632), Abt der Reichsabtei Ochsenhausen von 1618 bis 1632

Personen, die im Ort gewirkt haben Hermann Anschütz-Kaempfe (1872–1931), promovierter Kunsthistoriker und Erfinder des Kreiselkompasses, erwarb 1921 das Schloss Lautrach.Vgl. 50 Jahre Landkreis Unterallgäu – Führung durch Lautrach. In: Kirchen-Anzeiger. Lokales Wochenblatt. 127 Jg.; Nr. 31; 7. August 2022; S. 4 und Führung: „Auf den Spuren von Visionären und Machern“. In: Kirchen-Anzeiger. Lokales Wochenblatt. 127 Jg.; Nr. 29; 24. Juli 2022; S. 7. Joseph Deybach (1806–1889), katholischer Priester und Pädagoge, erwarb 1838 das Schloss Lautrach Magnus Niedermair (1849–1922), katholischer Priester und Domkapitular der Diözese Augsburg, Mitbegründer der heutigen Regens-Wagner-Stiftungen Daniel Osterrieder (1866–1947), Maschinenfabrikant Honorius Roth von Schreckenstein (1726–1785), Fürstabt im Fürststift Kempten von 1760 bis 1785; ließ ab 1781 das Neue Schloss Lautrach errichten Heinrich Suiter (1864–1921), Ingenieur, versorgte ab 1901 Lautrach – früher als anderswo – mit elektrischem Licht Paul Schreiber (1899–1981), Künstler, Erfinder (Spirit color (S.C.O.R.P)), Filmdirektor/Autor (Myrte and the Demons). Gestorben 1981 im Schloss Lautrach

Weblinks

vg-illerwinkel.de (Kommunalverwaltung) (PDF-Datei; 1 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Unterallgäu Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Ersterwähnung 840 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)