mini|Schloss Boller (2007) mini|Boller liegt im Norden der Bjerre Harde am Horsens Fjord.Karte aus Frems Amtskort over Danmark (c. 1897–1904)
Schloss Boller (Dänisch: Boller Slot) ist ein Schloss bei Horsens im Osten der Region Midtjylland auf Jütland, dem dänischen Teil der Kimbrischen Halbinsel. Das Gut war seit seiner ersten Erwähnung 1350 bis 1930 im Besitz politisch bedeutsamer, den jeweiligen Königen nahestehender Adligen. Die prominenteste Bewohnerin war Kirsten Munk, die geschiedene Frau König Christians IV. Der heutige Bau geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Er wurde im 18. und erneut im 20. Jahrhundert umgestaltet.
Name und Lage Der Name Boller entwickelte sich aus dem altdänischen Boluer, das zusammengesetzt ist aus bol = Baumstamm und ver = Fischereiort, bezeichnete also eine Niederlassung von Fischern im Wald.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 15. Das Schloss liegt drei Kilometer östlich von Horsens dicht am Horsens Fjord. Schloss und Ostsee sind durch einen Wald getrennt. Boller liegt im Kirchspiel Uth (Udt) im Norden der Bjerre-Harde, die zur Horsens Kommune gehört.
Bau Schloss Böller ist eine vierflüglige, nahezu quadratische Schlossanlage aus rotem Backstein auf einem Fundament von Granitquadern. Die Fassaden sind schlicht mit gleichmäßig angeordneten Fenstern. Dabei sind die Fenster im oberen Geschoss, in dem die repräsentativen Säle und Wohnräume der früheren Herrschaft lagen, größer als die der niedrigen Räume im Erdgeschoss, die früher als Arbeitsräume dienten. Das Gebäude ist an allen Seiten von einem Graben umgeben. Der Zugang zum westlichen Haupteingang führt über eine Brücke. Auf der Ostseite besteht ein schmaler Übergang zum Park.
Das Schloss wurde mehrfach umgebaut. Der älteste sichtbare Bauteil ist der gotische Nordflügel aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er ist etwa anderthalb Meter höher als die anderen Flügel und hat einen eigenen Dachstuhl. Einzelne Elemente sowohl in der Fassade des Nordflügels als auch im Festsaal stammen aus dem Material einer abgebrochenen mittelalterlichen Kirche, darunter zwei Steine mit Gesichtern neben der Schwelle der Tür, die vom Innenhof in den Nordflügel führt.Bilder vom Nordflügel 1 Im Untergeschoss des Nordflügels blieb die Küche aus der Erbauungszeit im 16. Jahrhundert mit einem tiefen Gewölbe fast im ursprünglichen Zustand erhalten.Bilder vom Nordflügel 2. Am etwas jüngeren Ostflügel blieben Fassadenelemente aus der Renaissance-Zeit erhalten.
Das Schloss wurde 2015 bis 2017 renoviert und in privat vermietete Wohnungen aufgeteilt. Es ist daher nicht öffentlich zugänglich. Während das Äußere kaum verändert wurde, sind in den Innenräumen alte Baubestandteile den heutigen Ansprüchen an gehobenes Wohnen angepasst.
Geschichte
Otte Limbek, der erste Herr von Boller Zum ersten Mal erwähnt wurde das Gut Boller 1350. König Valdemar IV. Atterdag bestätigte damals „Otte Lembeck aff Boluer skødte“ (= auf Boller Schloss) die Stiftung des Gutes Vintenlund an das Benediktinerkloster Voer.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 11. Otte Limbek war ein Gefolgsmann der Grafen Heinrich II. und Nikolaus von Holstein-Rendsburg, die die Herrschaft über große Teile von Jütland gegen Valdemar Atterdag behaupteten. Er stammte aus dem uradligen holsteinischen Geschlecht Lembeck oder Limbek, benannt nach dem Ort untergegangenen Lembeck bei Rendsburg.Limbek, Slægten. Das Geschlecht Limbek besaß bereits seit Beginn des 14. Jahrhunderts Land bei Horsens. 1313 schlug Ottes Onkel Markward Limbek an der Seite von Erik VI. Menved einen Bauernaufstand bei Horsens nieder. Sein Cousin Claus, nach dem die Lembecksburg auf Föhr benannt sein soll, erhielt 1340 die Burg Kalø als Pfand von dem holsteinischen Grafen Gerhard III., kurz bevor dieser bei Randers fiel. Wenig später wechselte er zu Valdemar Atterdag über.
Seit wann Otte Lembeck im Besitz von Boller war oder ob das Gut bereits seinem Vater Gotskalk († 1335) gehörte, ist nicht belegt. Bei Ausgrabungen 1993 neben dem Nordflügel konnte die Anlage eines Burggrabens und eines ersten Bauwerks aus der Zeit um 1350 nachgewiesen werden.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 19. Es ist also anzunehmen, dass Otte Limbek die erste Burg errichtete. Über das Aussehen dieser ersten Burg ist nichts bekannt. Da er Teile seines Landes verschenken konnte, muss er Boller als Eigentum oder Allod besessen haben. Zusätzlich hatte er Besitz bei Schleswig, von dem er der Nikolaikirche in Kappeln Land schenkte. Otte Limbek wurde letztmals 1365 erwähnt.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 21. Ein Sohn als Nachfolger ist nicht belegt. Als Erbe ist ein Neffe namens Hartvig Limbek erwähnt.
Mogens und Anne Munk mini|hochkant|Königin Margarethe I.
Der Ritter Mogens Munk erhielt 1391 Land beim Gut NebbegårdNebbegård. als Pfand von Otte Limbeks Neffen Hartvik. Dabei handelte es sich möglicherweise um Boller, denn es ist sicher, dass Munk spätestens 1400 Eigentümer von Boller war.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 21. Als Reichsrat und einer der mächtigsten von Königin Margarethes Beratern setzte Munk 1397 sein Siegel unter den Vertrag der Kalmarer Union. 1406 bescheinigte er, dass die Königin ihm die Burg Bygholm in Horsens samt der Umgebung als Lehen überlassen habe, dazu Koldinghus einschließlich Vejle und Kolding. Er fiel 1410 in der Schlacht von Sollerup im Kampf Dänemarks gegen die Holsteiner Grafen um das Herzogtum Schleswig. Die Königin zog daraufhin das Lehen wieder ein und bemächtigte sich auch des Privateigentums, zu dem neben Schmuck, kostbarer Kleidung und Möbeln auch Boller gehörte. Mogens’ Bruder setzte durch, dass der Privatbesitz des Verstorbenen der Witwe Kirsten Thott und den drei Töchtern überlassen wurde.
Mogens Munks jüngste Tochter Anne Munk († 1462) erbte Boller. Sie heiratete Henrik Knudsen Gyldenstierne († 1456). Dieser unterstützte als Ritter und Reichsrat Erik von Pommern im Kampf gegen die Hanse und die Holsteiner Grafen. Nach Eriks Absetzung als dänischer König erhielt er auch eine Stelle im Rat von Christoph III. Rund um Boller hielt das Paar königliches Eigentum, darunter Bygholm, als Pfand auf Lebenszeit. Nach dem Tod ihres Mannes konnte Anne Munk das Lehen um die Städte Horsens und Vejle vermehren. Ihr einziger Sohn Knud Gyldenstierne übernahm 1462 das Lehen Bygholm von seiner Mutter, starb aber nur wenige Jahre später.
Boller unter der Familie Rosenkrantz Erik Ottesen Rosenkrantz mini|hochkant|Grabstein von Erik Rosenkrantz und Sophie Gyldenstierne in der Kirche von Hornslet
Anne Munks älteste Tochter Sophie Henriksdatter Gyldenstierne (1430–1487) heiratete um 1451 Erik Ottesen Rosenkrantz (~1427–1503). 1462 erbte sie Boller von ihrer Mutter.William Christensen: Rosenkrantz, Erik Ottesen. In: Dansk biografisk Leksikon. 1. Auflage. Band XIV, S. 202–204. So kam das Gut in das Eigentum der einflussreichen Familie Rosenkrantz, die es 150 Jahre besaß. Erik Rosenkrantz stand in der Gunst des etwa gleichaltrigen Königs Christian I. Er unterstützte dessen Ansprüche auf Schweden und Norwegen sowie Schleswig und Holstein sowohl auf militärischem als auch auf diplomatischem Wege. 1452 wurde er zum Reichsrat ernannt und schon 1456 zum Reichshofmeister befördert, dem höchsten Amt nach dem König. Dieses Amt hatte er bis zum Tod von Christian I. 1481 inne. Ende der 1450er Jahre führte er eine Fehde einiger ostjütischer Adligen gegen Jens Iversen Lange, den Bischof von Aarhus, an, durch die der Bischof die Herrschaft über die Stadt Aarhus verlor. Später führte er weitere Fehden, teils gegen rivalisierende Gutsbesitzer, teils gegen politische Konkurrenten. Er selbst war der reichste dänische adlige Grundeigentümer seiner Zeit,Jeppe Büchert Netterstrøm: Erik Ottesen (Rosenkrantz), 1427–1503 auf danmarkshistorien.dk. auch als König Hans einige der Lehen einzog, die sein Vater ihm verliehen hatte. Erik Ottesen und Sophie Henriksdatter hatten 17 Kinder, von denen 13 das Erwachsenenalter erreichten, aber nur vier den Vater überlebten.
Anne Meinstrup und die Grafenfehde mini|links|Grabstein von Holger Eriksen und seinem Sohn Otte Holgersen Rosenkrantz in der Kirche in Hornslet
Der Sohn Holger Eriksen Rosenkrantz erhielt Boller schon zu Lebzeiten seines Vaters als Erbe überschrieben. Er starb 1496 vor seinem Vater auf der Rückkehr von einer Reise nach Gotland, worauf das Erbe seinen Kindern übertragen wurde. Seine zweite Frau Anne Meinstrup verwaltete Boller neben ihren eigenen Gütern. Aus dieser Zeit (1499) stammt ein Verzeichnis der zu Boller gehörenden Ländereien, nach dem die zehn Dörfer Uth, Ustrup, Nedergaard, Sejet, Dagnæs, Tyrsted, Torsted, Hatting, Bottrup und Lystrup samt Ackerland, Wäldern und drei Mühlen zu dem Gut gehörten.A. Hoff: Boller Slot i 650 år. 2012, S. 40–43. Spätestens nachdem Anne Meinstrup Hofmeisterin bei Königin Christina wurde, übernahm Niels Eriksen Rosenkrantz, einer der Bruder ihres verstorbenen Mannes, zusätzlich zu der Vormundschaft für seine Neffen und Nichten auch die Verwaltung von Boller.
1516 übernahm Otte Holgersen Rosenkrantz, Holger Eriksens Sohn aus erster Ehe, das Gut. Er hielt sich aber in den Wirren der Zeit während der Absetzung von Christian II. selten dort auf. Er starb 1525 in Lübeck an der Pest und hinterließ mehrere unmündige Kinder, für die Anne Meinstrups Sohn Holger Holgersen das Gut verwaltete. Holger Holgersen war als Lehnsmann von Koldinghus und später von Nykøbing Falster ebenfalls kaum auf Boller. Im August 1534 wurde das befestigte Gutshaus von der Bauernarmee des Skipper Clement im Zusammenhang mit der Grafenfehde belagert. Bei Ausgrabungen 1993 fanden sich Brandspuren, die darauf schließen lassen, das das Haus zumindest teilweise niederbrannte. Holger Holgersen fiel im Oktober desselben Jahres im Kampf gegen die Bauernarmee. Anna Meinstrup wurde 1535 bei Ringsted ermordet.
Neubau von Schloss Boller unter Holger Ottesen Rosenkrantz und Karen Gyldenstierne mini|Der Südflügel von Boller sah vermutlich ursprünglich ähnlich aus wie das Gutshaus von Rosenvold. mini|Die Kirche von Uth, deren Patrone die Besitzer von Boller waren.