mini|Rodion Schtschedrin, 2009

Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin (, wiss. Transliteration ; engl. Rodion Shchedrin; * 16. Dezember 1932 in Moskau; † 29. August 2025 in München) war ein sowjetischer bzw. russischer Komponist und Pianist.

Leben Schtschedrin wurde 1932 als Sohn eines Komponisten, Musiklehrers und Violinisten, der Dmitri Schostakowitsch im Zweiten Weltkrieg als Sekretär diente, in Moskau geboren. Er kannte Schostakowitsch, der später zu seinem Förderer werden sollte, seit seiner Kindheit. Rodion besuchte zunächst die Moskauer Chorschule und studierte dann am Moskauer Konservatorium bei Juri Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier). Zu dieser Zeit hatte er Auftritte unter der Leitung von Arvid Jansons. 1964 wurde er zum Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium, 1973 auf Wunsch von Schostakowitsch als dessen Nachfolger zum Präsidenten des Russischen Komponistenverbandes ernannt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Prag 1968 weigerte er sich, eine prosowjetische Erklärung zu unterschreiben. Seine Carmen-Suite löste in der Sowjetunion einen Skandal aus und wurde erst auf Intervention von Schostakowitsch zugelassen. Ersten großen internationalen Erfolg hatte er mit dem Konzert für Orchester Glockenklänge, uraufgeführt 1968 zur 125-Jahr-Feier der New Yorker Philharmoniker unter Leonard Bernstein. Er nahm an mehreren Festivals in westeuropäischen Staaten, beispielsweise am Münchner Klaviersommer 1982, teil. Bereits in den Siebzigerjahren wurde er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seine Werke wurden von namhaften Dirigenten wie Leonard Bernstein, Lorin Maazel, Waleri Gergijew oder Mariss Jansons zur Aufführung gebracht. Auf Anraten von Luciano Berio übersiedelte er Anfang der Neunzigerjahre nach München, wovon er sich zu Zeiten der Perestroika eine größere materielle Sicherheit versprach. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhielt er den Russischen Staatspreis und den Dmitri-Schostakowitsch-Preis, im Dezember 2007 wurde er mit dem Verdienstorden für das Vaterland zweiter Klasse ausgezeichnet. Ab 1989 war Schtschedrin Mitglied der Akademie der Künste (Berlin). Er lebte seit 1992 abwechselnd in München und Moskau.

Auf Einladung von Walter Fink war er der 19. Komponist im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival 2009. Er stellte sich in Anwesenheit seiner Frau mit Kammermusik und der Liturgie Der versiegelte Engel vor. Rodion Schtschedrin war seit 1958 mit der 2015 verstorbenen Primaballerina Maja Plissezkaja verheiratet, die für seine Ballettmusiken mehrfach die Choreografien entwickelte.

Unter seinen Werken befinden sich die Ballette Anna Karenina (nach dem gleichnamigen Werk Leo Tolstois) und Die Möwe (nach dem gleichnamigen Werk Anton Tschechows) sowie die Oper Tote Seelen (nach dem gleichnamigen Werk Nikolai Gogols), für die er 1984 mit dem Leninpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Werke sind unter anderen die szenische Liturgie Der versiegelte Engel, mehrere Symphonien und Klavierkonzerte sowie Klavier- und Kammermusik.

Er starb am 29. August 2025 in München.

Werke Opern Nicht nur Liebe (Не только любовь), Lyrische Oper in 3 Akten mit einem Epilog; Libretto: Katanyan nach Antonow; 1961/1971 Tote Seelen (Мёртвые души), Oper in drei Akten; Libretto: Schtschedrin nach Gogols Roman Die toten Seelen; 1976 Lolita (Лолита), Oper in zwei Akten; Libretto: Schtschedrin nach Nabokovs Roman Lolita; 1992 Der verzauberte Pilger (Очарованный странник), Oper für den Konzertsaal; Libretto: Schtschedrin nach Leskows Erzählung Der verzauberte Pilger; 2002 Die Bojarin Morosowa (Боярыня Морозова), Russische Choroper in zwei Teilen; Libretto: Schtschedrin; 2006 Der Linkshänder (Левша), Oper in zwei Akten; Libretto: Schtschedrin nach Leskows Erzählung Der Linkshänder; 2012–2013

Ballette Das bucklige Pferdchen, nach Jerschow, 1956/1983 Carmen-Suite nach Bizet, 1967 Anna Karenina nach Tolstoi, 1971/1989 Die Möwe nach Tschechow, 1979 Dame mit Hündchen nach Tschechow, 1985

Orchesterwerke Sinfonie Nr. 1, 1958 Sinfonie Nr. 2, „25 Präludien“ für Orchester, 1965 Sinfonische Fanfaren, Festouvertüre für Orchester, 1967 Feierliche Ouvertüre zum 60. Jahrestag der UdSSR, 1982 Selbstporträt, Variationen für Orchester, 1984 Die Möwe, Suite für Orchester, 1984 Stichira (Стихира), „Zur Tausendjahrfeier der Christianisierung Rußlands“, 1987 Kristallene Gusli (Хрустальные гусли), für ein Jubiläum von Tōru Takemitsu, 1994 Beethovens Heiligenstädter Testament, 2008

Konzerte und konzertante Werke Klavierkonzert Nr. 1, 1954/1974 Konzert für Orchester Nr. 1, „Freche Orchesterscherze“, 1963 Klavierkonzert Nr. 2, 1966 Konzert für Orchester Nr. 2, „Glockenklänge“, 1968 Klavierkonzert Nr. 3, 1973 Konzert für Orchester Nr. 3, „Alte russische Zirkusmusik“, 1988 Konzert für Orchester Nr. 4, „Reigen“ („Хороводы“), 1989 Klavierkonzert Nr. 4, „Kreuztonarten“, 1991 Trompetenkonzert, 1993 Cellokonzert, „sotto voce concerto“, 1994 Concerto cantabile für Violine und Streichorchester, 1997 Concerto dolce für Viola mit Streichorchester und Harfe, 1997 Konzert für Orchester Nr. 5, „Vier russische Lieder“ („Четыре русских песни“), 1998 Klavierkonzert Nr. 5, 1999 Klavierkonzert Nr. 6, „Concerto lontano“, 2003 Concerto parlando für Violine, Trompete und Streichorchester, 2004 Symphonisches Diptychon, „Broken Song“, 2008 Oboenkonzert, 2009 Doppelkonzert für Klavier, Violoncello und Orchester, „Romantisches Opfer“, 2010

Liturgische Werke Der versiegelte Engel, Russische Liturgie nach Nikolai Leskow, 1988, CD mit dem lettischen Staatschor, wergo 2010.

Kammermusik Kammer-Suite für 20 Violinen, Harfe, Akkordeon und zwei Kontrabässe, 1961 Musikalisches Opfer (Музыкальное приношение) für drei Flöten, drei Fagotte, drei Posaunen und Orgel, 1983 Musik für die Stadt Köthen zum 300. Geburtstag Johann Sebastian Bachs. Für Kammerorchester (Sikorski-Verlag SIK2281)

Filmmusik

Петушок - золотой гребешок [Hähnchens goldener Kamm], Kurzfilm, 1955 Колобок [Kolobok], Kurzfilm, 1956 Высота, deutsch: Die Höhe, 1957 Коммунист, deutsch: Kommunist, 1958 Люди на мосту, deutsch: Menschen auf der Brücke, 1960 Нормандия - Неман, deutsch: Normandie - Njemen, 1960 А если это любовь?, deutsch: Und wenn das Liebe ist ?, 1962 Баня [Das Bad], 1962 Сказка о коньке-горбунке [Das bucklige Pferdchen], 1962 Anna Karenina, 1967 Sujet für eine Kurzgeschichte, 1969 Кармен-сюита [Carmen Sjuta], Musical, 1970 И дойде денят, deutsch: ...und der Tag kam, 1973 Anna Karenina, 1975 Прости, народ православный, englisch: Forgive me, Christian people, Musical, 1993 The Car Man, Fernsehfilm, 2001

Klavierwerke Klavierstücke (1952–1961) Poem Vier Stücke aus dem Ballett Das bucklige Pferdchen Humoreske Im Stile von Albéniz Troika Basso Ostinato Zweistimmige Invention Klaviersonate, 1962 24 Präludien und Fugen, 1964–1970 Polyphonisches Spielheft, 25 Präludien, 1972 Klaviersonate Nr. 2, 1997 Tagebuch, sieben Stücke, 2002 Sonatina concertante, 2005 A la pizzicato, 2005 Einfache Blätter, sieben Impromptus (Uraufführung 2009 durch Yuja Wang in Verbier)

Solo-Violine Echo-Sonate für Violine solo, Op. 69, 1984

Literarische Werke Was man schreibt, ist unantastbar. Schott, Mainz 2008

Ehrungen und Auszeichnungen mini|Schtschedrin bei der Zeremonie zur Verleihung des Verdienstordens für das Vaterland durch Wladimir Putin, 2008

1972: Staatspreis der UdSSR 1976: Volkskünstler der RSFSR 1981: Volkskünstler der UdSSR 1984: Leninpreis 1992: Staatspreis der Russischen Föderation 1995: Crystal Award, World Economic Forum, Davos 2002: Verdienstorden für das Vaterland 3. Klasse 2007: Verdienstorden für das Vaterland 2. Klasse 2008: Echo KlassikEcho Klassik 2008 2010: Russischer Orden der Heiligen Anna 2012: Verdienstorden für das Vaterland 4. Klasse 2018: Staatspreis der Russischen Föderation 2022: Verdienstorden für das Vaterland 1. KlasseУказ Президента Российской Федерации от 25.08.2022 № 572

Literatur

Walentina Nikolajewna Cholopowa: Der Weg im Zentrum. Annäherungen an den Komponisten Rodion Shchedrin. Aus dem Russischen übersetzt von Gabriele Leupold. Schott, Mainz 2002, ISBN 978-3-7957-0466-7. Vollständiges Inhaltsverzeichnis unter online bei worldcat

Weblinks

International Maya Plisetskaya and Rodion Shchedrin Foundation – Lebenslauf, Werkliste (deutsch, englisch, russisch) Rodion-Shchedrin-Archiv im Archiv der Akademie der Künste (Berlin) Rodion Shchedrin – Biografie, Werkliste u. a. In: Boosey & Hawkes

Einzelnachweise

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