Die Suchoi Su-57 (, NATO-Codename: Felon) ist ein russisches Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug. Es entstand aufgrund der Anforderungen der russischen Luftstreitkräfte für ein zweistrahliges Mehrzweckjagdflugzeug der fünften Generation im Rahmen des „PAK-FA-Programms“ (), das mittelfristig die Suchoi Su-27 ersetzen soll. Bis zur Vergabe der offiziellen militärischen Bezeichnung Su-57 im August 2017 war der Typ unter der Werksprototypenbezeichnung Suchoi T-50 bekannt.
Geschichte Entwicklung Die Entwicklung der Su-57 geht auf die taktisch-technischen Anforderungen (; Transkription: Taktiko-Technitscheskoje Sadanije, TTS) von 1998 zurück, nachdem 1997 das seit über 10 Jahren laufende MFI-Programm abgebrochen worden war. Ende 2000 wurden die Anforderungen für die Frontfliegerkräfte präzisiert und im April 2001 das „PAK-FA-Programm“ offiziell gestartet. Am 26. April 2002 übertrugen die staatlichen Stellen die Systemführerschaft für die Entwicklung des neuen Kampfflugzeugs an Suchoi, bei der auch die OKBs Mikojan-Gurewitsch und Jakowlew beteiligt sind. Nach Abschluss der Vorentwurfsphase Ende 2004 wurde das Programm als T-50 offiziell mit Chefkonstrukteur Alexander Dawidenko gestartet. 2007 ging die indische Hindustan Aeronautics (HAL) eine finanzielle 50:50-Partnerschaft mit Suchoi ein, die die Modifikation einer indischen Variante der T-50 zum Ziel hatte, die die Bezeichnung FGFA-Projekt () trug. Im Gegensatz zur russischen war die indische Version als Doppelsitzer geplant, was einer spezifischen Vorgabe der indischen Luftstreitkräfte entsprach., livefistdefence.com, 20. Oktober 2007 (englisch). Obwohl sich Indien zur Hälfte an den Kosten beteiligte, erhielt es nicht die Konstruktionsdetails, die es sich ursprünglich versprochen hatte, und die Arbeitsteilung wurde ebenfalls verringert.Indian Air Force unhappy at progress of PAK-FA fifth-gen fighter; Jane’s, 4. September 2014.Can’t keep waiting for stealth fighter, India tells Russia. In: Times of India. 25. November 2014; Nicht namentlich genannten indischen Militärs zufolge wollte Indien deshalb zur Verminderung der Importquote anstatt der ursprünglich vorgesehenen 127 Flugzeuge nur knapp 70 beschaffen.Russia’s T-50 aircraft struggling to take flight, but older Su-35 surging, RBTH, 12. August 2015. Schließlich stieg Indien nach wiederholten Budget- und Terminüberschreitungen im Frühling 2018 aus dem Projekt aus. Ausschlaggebend für den Rückzug waren die Finanzen, die technischen Diskussionspunkte spielten eine signifikante Rolle.
Russland wollte gemäß Bericht der Iswestija im Juni 2016 das Flugzeug auch Algerien und Vietnam verkaufen, um auf diese Art die Herstellungskosten zu senken.Russland kann Algerien anfragen um Pak-Fa zu finanzieren, algeriesolidaire.net, 18. Juni 2016.Die Auslieferung der Flugzeuge an die Truppen beginnt im Jahr 2017, Iswestija, 15. Juni 2016. Russische Angaben behaupteten bereits 2020 einen Verkauf nach Algerien. Im September 2025 soll Indien erneut Interesse an der Su-57 als Langstrecken-Waffenträger gezeigt haben. Die unzureichenden Stealth-Fähigkeiten wären dann zweitrangig. Wichtig wäre Indien auch ein Bau der Flugzeuge in Indien.
Das Flugzeug war erstmals im August 2011 auf der internationalen Luftfahrtmesse MAKS in Schukowski bei Moskau einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert worden.Russland präsentiert Tarnkappenflugzeug. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. August 2011. Die beiden dort vorgeführten Prototypen zeigten dabei (zum Beispiel am Heckradar) konstruktive Unterschiede. Bei einem der Flüge der T-50-1 musste der Start wegen Triebwerksproblemen abgebrochen werden.
Die ursprünglich zwischen 2016 und 2020 vorgesehene Auslieferung von 52 Flugzeugen wurde auf vorerst 12 Bestellungen reduziert. Diese 12 Flugzeuge sollten von der russischen Luftwaffe getestet werden, weitere Bestellungen würden sich nach den finanziellen Möglichkeiten richten. Im Mai 2017 erklärte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu, dass die Su-57 nicht vor 2019 in Dienst gestellt werden würde, und im Juli 2018 wurde der Auftrag für 12 Maschinen bestätigt.Russia signs contract for first 12 Su-57 multirole fighters, Jane’s 3. Juli 2018 (englisch).Das Verteidigungsministerium schloss einen Vertrag über die Lieferung von Su-57-Kampfflugzeugen, RBK, 30. Juni 2018; Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Juri Borissow erklärte dazu, dass sich eine Produktion in größerer Zahl nicht aufdränge, solange die Fähigkeiten der übrigen Flugzeuge der Luftwaffe ausreichten und keine Eile zur Einführung der Su-57 bestehe.Russia Will Not Mass-Produce 5th Generation Stealth Fighter Jet. In: The Diplomat. 12. Juli 2018.Russia’s 'stealth-killer' fighter project has been abandoned, newscom.au, 16. Juli 2018. Russische Medien berichteten im April 2019, das erste Flugzeug solle 2019 zu einem noch festzulegenden Regiment des südlichen Verteidigungsdistrikts stoßen, gefolgt von einem zweiten Flugzeug im Jahr 2020.Die ersten Su-57 könnten auf die Krim geschickt werden, Regnum.ru, 9. April 2019.
Am 15. Mai 2019 wurde die Beschaffung von 76 FlugzeugenPutin kündigte den beschleunigten Kauf von Su-57-Kampfflugzeuge der fünften Generation an, Wedomosti, 16. Mai 2019. bis ins Jahr 2028 angekündigt.Der Präsident hat die „Suchoi“ für das Militär eingereicht, Kommersant, 16. Mai 2019. Bis Ende 2024 sollten 22 Flugzeuge ausgeliefert werden. Bei dem von Kommersant kolportierten Stückpreis von lediglich 31 Millionen Euro würde es sich im Vergleich zu anderen Kampfjets um ein äußerst günstiges Waffensystem handeln. Zum Vergleich: die US-amerikanische F-22 hat einen Stückpreis von etwa 175 Millionen Euro. Mitte 2021 wurde durch den stellvertretenden russischen Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko bekanntgegeben, dass bis Ende des Jahres vier Su-57 Kampfflugzeuge an die russischen Luftstreitkräfte ausgeliefert würden.
Am 19. Mai 2026 startete erstmals eine doppelsitzige Variante der Su-57, wobei das Modell werksintern als Su-57D bezeichnet wurde, von Schukowski aus und führte einen erfolgreichen Testflug durch. Es handelt sich bei diesem Flugzeug, neben der Chengdu J-20AS der chinesischen Luftwaffe, um den bislang einzigen doppelsitzigen Tarnkappenjet weltweit. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass es sich bei der betreffenden Su-57D nicht um einen kompletten Neubau, sondern um die reparierte und überarbeitete Zelle des im Juni 2014 bei einem Brand beschädigten fünften Prototypen T-50-5/T-50-5R handelt.
Testprogramm Am 29. Januar 2010 startete die T-50-1 (taktische Nummer 51) vom Flugplatz Dsjomgi in Komsomolsk am Amur mit dem Suchoi-Testpiloten Sergei Bogdan zu ihrem ursprünglich für 2006 geplanten Erstflug. Neben dem Prototyp T-50-1 werden zu Boden- und Festigkeitserprobungen auch drei nichtfliegende Exemplare eingesetzt. Dies sind die Bruchzellen T-50-0 und T-50-KPO und die vollmaßstäbliche Attrappe T-50-KNS. Am 3. März 2011 hob der zweite Prototyp T-50-2 (52) bei KnAAPO in Komsomolsk am Amur zu seinem Erstflug ab. Bei Tests in der Woche vor dem 14. März 2011 erreichte die T-50 Überschallgeschwindigkeit. Am 22. November 2011 hob der dritte Prototyp T-50-3 (53) bei KnAAPO in Komsomolsk am Amur zu seinem Erstflug ab. (22. November 2011). Abgerufen am 23. November 2011. Am 12. Dezember 2012 folgte der vierte Prototyp T-50-4 (054).Rainer Göpfert: Suchois Stealth-Jäger (1). In: Fliegerrevue Nr. 03/2013, S. 23. Der fünfte Prototyp stieg am 28. Oktober 2013 zum ersten Mal in die Luft. Am 21. Februar 2014 wurde ein Prototyp an das Staatliche Flugerprobungszentrum der Luftwaffe in Achtubinsk übergeben. Um den 20. Oktober 2016 begann der neunte Prototyp sein Flugprogramm.Der neunte Kampfflugzeug-Prototyp begann Tests. RIA, 20. Oktober 2016. Am 5. Dezember 2017 absolvierte der zweite Prototyp „052“ einen siebzehnminütigen Flug mit dem zukünftigen Standardtriebwerk der Su-57, dem „Isdelije 30“. Bei diesem Flug war eines der beiden Saturn-117-Triebwerke gegen das neue ausgetauscht worden.
Die Indian Air Force hatte die Auslieferung der ersten Maschine zu Erprobungen für das Jahr 2014 erwartet. Der Zeitplan dazu konnte jedoch nicht eingehalten werden.Will India Purchase 154 Fighter Jets From Russia? 4. November 2015.
Prototypenübersicht Test-flugzeug Takt.Nr. Erstflug Anmerkung T-50-0 – – Bruchzelle für statische Tests am Boden T-50-KNS Mock-Up für Integrationserprobungen T-50-1 051 29. Jan. 2010 1. flugfähiger Prototyp, unterscheidet sich optisch von den Nachfolgeversionen durch eine zweiteilige Cockpithaube, zudem wurde im Verlauf der Erprobung das Heck mit einer zusätzlichen Verkleidung (Radar?) verlängert. T-50-2 052 2. flugfähiger Prototyp. Absolvierte am 5. Dezember 2017 als erste T-50 einen Testflug mit einem der neuen Isdelije-30-Triebwerke. T-50-3 053 22. Nov. 2011 3. flugfähiger Prototyp. Wurde 2012 als erste T-50 mit dem AESA-N050-Radar ausgestattet. Absolvierte den ersten Testflug mit dem Radar am 8. August 2012. T-50-4 054 12. Dez. 2012 4. flugfähiger Prototyp. Erstes Testflugzeug mit der kompletten Avionikausrüstung. T-50-5 /T-50-5R 055 27. Okt. 2013 5. flugfähiger Prototyp. Wurde am 10. Juni 2014 bei einem Feuer schwer beschädigt (siehe Zwischenfälle). Wurde mit Teilen des nicht fertiggestellten Prototyps T-50-6 repariert. Nahm am 16. Oktober 2015 unter der Bezeichnung T-50-5R die Flugerprobung wieder auf. T-50-6 – – nicht fertig gestellt; für die Reparatur der T-50-5 verwendet. T-50-6-1 Bruchzelle für statische Tests am Boden. Entspricht dem Flugwerk der zweiten Generation an Testflugzeugen. T-50-6-2 056 27. Apr. 2016 6. flugfähiger Prototyp. Erstes Testflugzeug der zweiten Serie an T-50-Prototypen mit neuer Zelle. T-50-8 058 17. Nov. 2016 7. flugfähiger Prototyp. T-50-9 509 24. Apr. 2017 8. flugfähiger Prototyp. Erprobt die finale Avionikausstattung für die Serienproduktion. T-50-11 511 6. Aug. 2017 9. flugfähiger Prototyp. Erprobt das finale Flugwerk für die Serienproduktion. T-50-10 510 23. Dez. 2017 10. und letzter flugfähiger Prototyp, Vorserienversion Am in China 2024 gezeigten Prototyp 4 wurden diverse Herstellungsmängel entdeckt.
Auslieferung Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine werden bei der Auslieferung keine Stückzahlen mehr veröffentlicht. Es wurde aber im September 2023 bekannt gegeben, dass zumindest zwei weitere Su-57 ausgeliefert worden seien. Der Fortschritt der Su-57 im Allgemeinen ist aber umstritten. Die Flugrevue schätzte den Bestand einsatzbereiter Su-57 Ende 2023 auf etwa 20 Stück, nach der ersten Auslieferung 2024 im September auf möglicherweise 24 Stück, alle mit dem alten Triebwerk. Laut Angaben vom April 2025 standen 19 Flugzeuge im Einsatz. Laut The Telegraph sank die Auslieferungsrate für neue Su-57 zwischen 2023 und 2024 deutlich. Frontelligence Insight kam in einer Analyse zu demselben Schluss und machte dafür die westlichen Sanktionen gegen Russland verantwortlich. Andere Quellen gingen sogar davon aus, dass die Produktion komplett zum Erliegen kam.russia Halts Production of Su-57 Stealth Fighters (englisch), abgerufen am 14. Oktober 2024. Bereits gelieferte Su-57 werden nicht mit dem neuen Triebwerk versehen werden. Im Jahr 2025 wurden keine Auslieferungen bekannt. Im Jahr 2026 wurden im Februar und September neue Su-57 übergeben.
2025 wurden auf dem Stützpunkt der Su-57 Hardened Aircraft Shelter für die Flugzeuge errichtet.
Zukunft Parallel zur Auslieferung des ersten Bauloses wurde an einer zweiten Stufe gearbeitet. Neben dem neuen Triebwerk Erzeugnis 30 (russisch ), das bei geringerem Gewicht mehr Leistung liefern soll, sind unter dem Projektnamen „Megapolis“ weitere Kampfwertsteigerungen geplant. Einige hydraulische Systeme werden durch Elektromotoren ersetzt, die Anzeigen im Cockpit werden überarbeitet und die Bordwaffen erneuert. In der weiteren Zukunft ist geplant, einen kleineren einstrahligen Mehrzweckjäger auf der Basis dieser Generation zu entwickeln. Erste Informationen zum Suchoi Su-75-Projekt wurden im Mai 2021 bekannt.