Die Gaußschule ist ein Gymnasium der Stadt Braunschweig.
Geschichte mini|Rückseite, von der Ritterstraße aus gesehen. Die Gaußschule wurde am 21. April 1909 als Städtische Realschule für Jungen gegründet und erhielt am 2. Oktober 1911 den offiziellen Namen Gaußschule, Städtische Oberrealschule am Löwenwall. Benannt wurde die Schule nach dem Braunschweiger Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Gauß besuchte seinerzeit allerdings das Gymnasium Martino-Katharineum, das sich ebenfalls in Braunschweig befindet.
1913 verließen die ersten zwölf Abiturienten die Lehranstalt. 68 Schüler und zwei Lehrer fielen im Ersten Weltkrieg. 1930 wurde das schuleigene Landheim in Oderbrück im Oberharz eingeweiht, das noch heute besteht. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Schülerzahl zwangsläufig unter anderem durch die systematische Verfolgung jüdischer Schüler und Lehrer stark reduziert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude durch Bombentreffer teilweise zerstört. 136 Schüler und zwei Lehrer fielen, drei Schüler wurden vermisst.
Von April bis Dezember 1945 war der Unterricht von der britischen Militärregierung verboten; das Schulgebäude wurde von der notleidenden Bevölkerung geplündert. Ab dem 5. Dezember wurde der Unterricht in beschränktem Maße wieder aufgenommen. An Ostern 1946 legten die ersten 61 Schüler das Nachkriegsabitur ab.
Eine der ersten deutschen Schülerzeitungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war „Der Punkt“ der Gaußschule. Die Nummer 1 der Zeitung erschien im September 1948. Leiter der Schülerredaktion war über mehrere Ausgaben hinweg der spätere Journalist und Diplomat Günter Gaus.
1962: Einweihung der schuleigenen Sternwarte 1973: Einführung der Koedukation 1980: 50-jähriges Bestehen des Schullandheims 1982: Erster gemischter Abiturjahrgang nach Einführung der Koedukation 1985: Gründung des Vereins „Ehemalige der Gaußschule“ 1988: Einführung des Musikzweiges 1996: Einführung einer Schulcafeteria 1997: Die Gaußschule wird offene Ganztagsschule 2002: Die Gaußschule wird Medienprofilschule 2005: Einweihung des schuleigenen Planetariums 2006: Fertigstellung des neuen Schulhofes 2009: 100-Jahr-Feier 2011: Fertigstellung des neuen Freizeitbereichs 2019: Abschluss der Sanierungsarbeiten am Harzheim
Harzheim mini|Das „Harzheim“ der Gaußschule im Jahre 2006 Die Gaußschule hat seit 1930 ein eigenes Schullandheim. Es liegt 60 km südlich von Braunschweig in Oderbrück im Harz in einer Höhe von 800 m mitten im Nationalpark Harz.Webseite zum Harzheim. In: gaussschule-braunschweig.de. Eigentümer des Heims ist seit 1928 der „Gaußschulheim Oderbrück zu Braunschweig e. V. – Der Förderverein der Gaußschule“.Harzheimverein. In: gaussschule-braunschweig.de. Nachdem die Realschule John-F.-Kennedy-Platz und die Grund- und Hauptschule Pestalozzistraße zuvor ihre Landheime aus finanziellen Gründen aufgegeben und verkauft haben, ist die Gaußschule nun die einzige Schule in Braunschweig, die noch ein eigenes Schullandheim besitzt.
Das „Harzheim“ genannte Gebäude wurde ab 1929 mit Hilfe privater Spenden gebaut und 1930 fertiggestellt. Anfang April 1945, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, wurde der Harz von den Nationalsozialisten zur „Festung Harz“ erklärt. Die dort befindlichen deutschen Kampfverbände sollten die vorrückenden amerikanischen Truppen aufhalten. So kam es u. a. rund um das Harzheim zu heftigen Gefechten mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Das Harzheim und andere Gebäude in Oderbrück und Umgebung wurden dabei bis auf die Grundmauern zerstört. Unweit des Landheims befindet sich heute der Ehrenfriedhof Oderbrück, eine Kriegsgräberstätte, auf der etliche Gefallene dieser letzten Kampfhandlungen bestattet wurden. Nachdem das Harzheim zerstört war, sammelten Schüler, Eltern und Lehrer erneute Gelder, um das Heim wiederaufbauen zu können. 1950 wurde es wiedereröffnet.Eckhard Schimpf: Vom Harzheim und vom „herrlichen Hort“. In: Braunschweiger Zeitung. 6. Januar 2017.
Von 2009 bis 2019 wurde das Harzheim für 650.000 Euro generalsaniert. Die Finanzierung wurde zum Teil durch private SpendenKatja Dartsch: Gaußschüler schwitzen für ihr Harzheim. In: Braunschweiger Zeitung. 20. Juni 2017., aber auch durch Finanzmittel des Bundes, des Landes Niedersachsen, der Richard-Borek-Stiftung und schließlich mit 120.000 Euro aus Fördermitteln der Europäischen Union sichergestellt.Katja Dartsch: Harzheim der Gaußschule wieder tipptopp. In: Braunschweiger Zeitung. 28. Januar 2019. Viele Arbeiten am und im Harzheim wurden dabei von Schülern, Eltern und Lehrern in Eigenleistung erbracht.Katja Dartsch: „Ich gehe an allen Tagen gerne in die Schule“. In: Braunschweiger Zeitung. 17. Januar 2019.
Versuchte Umbenennung der Gaußschule Am 15. März 2016 entschied der Schulvorstand mit einer Mehrheit von zwei StimmenGaußschule bleibt nun doch Gaußschule. In: Braunschweiger Zeitung. 12. April 2016, S. 15., dass die Schule in „Gymnasium Carl Friedrich Gauß Braunschweig“ umbenannt und dafür bei der Stadt Braunschweig ein Antrag auf Namensänderung gestellt werden solle. Hintergrund war, dass die Schulleiterin Lenck-Ackermann eine Marketing-Agentur beauftragt hatte, das Corporate Image der Schule […] mit allen relevanten Elementen zu überarbeiten.Gaußschule – „Die Entrüstung ist ganz typisch.“ In: Braunschweiger Zeitung. 26. März 2016. Die Entscheidung des Schulvorstandes stieß auf vehementen Widerstand der Lehrer- und Schülerschaft sowie zahlreicher ehemaliger Schüler und Lehrer (darunter die beiden Amtsvorgänger Lenck-Ackermanns Pressemitteilung der Braunschweiger SPD-Ratsfraktion. In: christoph-bratmann.de, 5. April 2016.). Kritisiert wurde vor allem die nicht stattgefundene oder wenigstens doch mangelhafte Kommunikation der Schulleitung gegenüber Lehrer-, Schüler- und Elternschaft bzgl. der beabsichtigten Umbenennung. Insbesondere wurde die fehlende Notwendigkeit, bzw. Sinnhaftigkeit eines solchen Schrittes hinterfragt.
Ein pensionierter, ehemaliger Lehrer, der 41 Jahre an der Gaußschule unterrichtet hatte, initiierte daraufhin am 22. März 2016Online-Petition gegen neuen Namen der Gaußschule. In: Braunschweiger Zeitung. 23. März 2016, S. 17. auf openPetition eine Online-Petition gegen die beabsichtigte UmbenennungOnline-Petition gegen die Umbenennung der Gaußschule. In: openpetition.de (Stand 19. April 2016)., da dieser jegliche Notwendigkeit und jedweder Rückhalt bei der überragenden Mehrheit von Lehrern, Schülern und Eltern fehle. Innerhalb der ersten 24 Stunden unterzeichneten knapp 1000 Personen. Bis zum Ablauf der Zeichnungsfrist am 18. April 2016, hatten 2927 Personen aus der ganzen Welt unterzeichnet.Stimmen aus aller Welt für die Gaußschule. In: Braunschweiger Zeitung. 8. April 2016.
Vertreter sämtlicher, im Braunschweiger Stadtrat vertretenen, Parteien äußerten ebenfalls Unverständnis bzgl. der Notwendigkeit der Umbenennung.Gaußschule – Standesdünkel oder „Marke“? In: Braunschweiger Zeitung. 4. April 2016, S. 19.
Angesichts der massiven Kritik, die die Entscheidung des Schulvorstandes hervorrief, wandte sich die Schulleiterin am 11. April 2016 in einem offenen Brief an den Vorstand und bat diesen, die Entscheidung zur Umbenennung zu widerrufen. Sie begründete dies unter anderem damit, dass mit diesem Beschluss durch die Pressearbeit einiger und die politische Einflussnahme anderer etwas in Gang gesetzt worden [sei], was der Gaußschule und ihren insgesamt im Innern gelebten Werten nicht gerecht werde. Es werde tatsächlich kein neuer Name benötigt. Daraufhin zog der Schulvorstand am 20. April 2016 seinen Umbenennungsbeschluss vom 15. März 2016 wieder zurück.
Besonderheiten Die Schule verfügt über ein eigenes Planetarium und eine eigene Sternwarte. Musik wird in den Klassenstufen 6 bis 10 als Schwerpunktfach in jeweils einer der vier Klassen eines Jahrgangs angeboten. Dafür sind vier Musikräume mit vielfältiger Instrumentenausstattung vorhanden. In den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik können die Schüler an vielfältigen Wettbewerben teilnehmen. Als Fremdsprachen werden Englisch, Französisch, Spanisch und Latein einschließlich bilingualer Unterrichtseinheiten angeboten. Die zweite Fremdsprache wird bereits ab der 6. Klasse unterrichtet. Es bestehen Austauschprogramme mit Partnerschulen in England, Spanien, Frankreich und USA.
Personen Schulleiter 1909–1927: Wilhelm Levin 1927–1938: Albert Oppermann 1938–1945: Karl Lies 1945–1946: Georg Daub 1946–1954: Lothar Dingerling 1954–1968: Karl Lies29. August 1993. In: Chronik der Stadt Braunschweig. Abgerufen am 15. Juni 2026. 1969–1991: Wolfram Keller31. Januar 1991. In: Chronik der Stadt Braunschweig. Abgerufen am 15. Juni 2026. 1991–2006: Gernot Tartsch27. Januar 2006. In: Chronik der Stadt Braunschweig. Abgerufen am 15. Juni 2026. 2006–2019: Christine Lenck-Ackermann seit 2019: Stefan Lüttenberg
Lehrer Carl Baumann (1888–1958), Studienrat und Politiker (DNVP, Bürgerliche Einheitsliste, NSDAP) Karl Neuß (1888–1967), unterrichtete Kunst und Sport von 1911 bis 1914 und temporär ab 1934, sowie Vollzeit von 1945 bis 1953 Wilhelm Frantzen (1900–1975), unterrichtete Kunst 1942 und von 1950 bis 1961 Joachim Altemark (1906–1963), unterrichtete ab 1949 Musik Gerhard Linne (1913–1975), unterrichtete Deutsch, Geschichte und Latein Hennes Jäcker (1932–2013), unterrichtete in den 1970ern Sport und Latein, Torwart der Meisterelf von Eintracht Braunschweig 1967 Georg Ruppelt (* 1947), Referendar für Deutsch und Geschichte 1977, Träger des Bundesverdienstkreuzes
Schüler mini|hochkant=0.7|Günter Gaus, Abiturjahrgang 1949 mini|hochkant=0.7|Rolf-Dieter Krause, Abiturjahrgang 1971 Carl Wedderkopf (1885–1961), Primareife 1914, Politiker (SPD) und Bürgermeister von Freital Theodor Stiebel (1894–1960), Abiturjahrgang 1913, Ingenieur, Erfinder, Konstrukteur und Gründer des Unternehmens Stiebel Eltron Kurt Bertram (1897–1973), NSDAP-Politiker und BankkaufmannReinhard Bein: Hitlers Braunschweiger Personal. Döring, Braunschweig 2017, ISBN 978-3-925268-56-4, S. 15. Kurt Piepenschneider (1901–1956), Abiturjahrgang 1921, Architekt Werner Goldschmidt (1903–1975), Abiturjahrgang 1923, Kunsthistoriker und Musikverleger Friedrich Peters (1906–1977), Abiturjahrgang 1926, Politiker Karl Dötzer (1907–1969), Abiturjahrgang 1926, Jurist Heinz Wolff (1909–1993), Abiturjahrgang 1928, Architekt und Stadtplaner Walter Dötzer (1911–?), Abiturjahrgang 1930, Hygieniker und SS-Arzt Hannes Westermann (1912–1989), Abiturjahrgang 1932, Architekt Friedrich-Wilhelm Heel (1915–2001), Abiturjahrgang 1935 Major im Generalstab der Wehrmacht, Kommandeur des Materialamtes der Bundeswehr Hans-Georg Unger (1926–2022), Abiturjahrgang 1945, Ingenieur und Elektrotechniker Günter Gaus (1929–2004), Abiturjahrgang 1949, Journalist, Publizist, Diplomat und Politiker, von 1974 bis 1981 Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDRGünter Gaus: Widersprüche. Erinnerungen eines linken Konservativen. Propyläen, Berlin 2004, ISBN 3-549-07181-7, S. 119. Ruprecht Zwirner (1929–2010), Abiturjahrgang 1950, Arzt, Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft,Nachruf. In: Ärzteblatt Baden-Württemberg (ÄBW). 08-2010, , S. 323 (aerztekammer-bw.de [PDF; 3,0 MB]). Werner Knopp (1931–2019), Abiturjahrgang 1950, Jurist und von 1977 bis 1998 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Werner Deich (1933–2023), Abiturjahrgang 1955, Historiker Alfred Stroppel (1934–2023), Abiturjahrgang 1954, Ingenieur und Agrarwissenschaftler Hans Joachim Benning (1935–2024), Abiturjahrgang 1955, Regisseur, Schauspieler, Theaterintendant Jürgen Linde (* 1935), Abiturjahrgang 1966, Jurist, Politiker Jürgen Blänsdorf (* 1936), Abiturjahrgang 1956, Altphilologe Wilfried Rödiger (1937–2016), Abiturjahrgang 1958, Arzt Wolfgang Meibeyer (* 1938), Abiturjahrgang 1958, Geograph Eckhard Schimpf (* 1938), Journalist, Buchautor und Motorsportler