Der Mitsubishi Lancer ist ein zwischen Anfang 1973 und Anfang 2024 produziertes Fahrzeug der unteren Mittelklasse von Mitsubishi. Er ist in einigen Fällen die Stufenheck-, Schrägheck- oder auch Kombivariante des Mitsubishi Colt.
Bekannt ist der Lancer unter anderem auch durch dessen Hochleistungs-Version namens „Evolution“ mit Vierradantrieb, der mehrere Rallye-Siege zu verzeichnen hatte. Von 2009 bis 2016 war mit dem „Mitsubishi Lancer Evolution X“ mit 217 kW (295 PS) Leistung die zehnte und letzte Auflage des Sportlers auf dem Markt.
Im August 2017 wurde der Verkauf des Lancer in den meisten Ländern ersatzlos eingestellt. Lediglich in Taiwan und China erhielt die achte Generation mit dem Grand Lancer bzw. Lancer EX ein Nachfolgemodell.Mitsubishi is killing the Lancer this summer (englisch)
Allgemeines
Karosserievarianten Der Mitsubishi Lancer wurde im Laufe seiner Bauzeit in verschiedenen Karosserieausführungen angeboten. Darunter fielen folgende Varianten: Limousine mit zwei Türen (1973–1979) Limousine mit vier Türen (seit 1973) Kombi mit fünf Türen (1973–2008) Coupé mit zwei Türen (1975–1979) Kombilimousine mit fünf Türen (Hatchback) (1988–1995) Kombilimousine mit fünf Türen (Sportback) (2008–2017)
Modellgeschichte Da die Bezeichnungen der in Japan angebotenen Mitsubishi-Modelle oft nicht mit den europäischen Bezeichnungen übereinstimmten, wurden die in Europa angebotenen Fahrzeuge mit dem Namen Lancer in Japan auch als Lancer EX bezeichnet. Der Lancer der achten Generation wird in Japan unter der Bezeichnung „Galant Fortis“ vertrieben.
Lancer (A70, 1973–1979)
Im Februar 1973 wurde der erste Mitsubishi Lancer vorgestellt. Er sollte das Fahrzeugprogramm von Mitsubishi ergänzen und wurde zwischen dem Kleinwagen Mitsubishi Minica und dem Mittelklassemodell Mitsubishi Galant angesiedelt. Er wurde in zwölf unterschiedlichen Modellvarianten mit Motoren von 1,2 bis 1,6 Litern Hubraum angeboten.
Anfang 1975 wurde auf Basis des Lancer ein Sportcoupé mit dem Namen Lancer Celeste vorgestellt, das in Europa nur als Celeste und in den USA bis 1980 als Plymouth Arrow verkauft wurde.
Der Lancer gehörte zu den ersten in Europa angebotenen Mitsubishi-Fahrzeugen und wurde ab Frühjahr 1977 dort angeboten. Es gab ihn in drei Versionen, wobei Motoren und Ausstattung zwingend miteinander kombiniert wurden: 1200 (Basis), 1238 cm³, 40 kW (55 PS), 145 km/h, 9.490 DM (zweitürig)Auto Katalog 1978. S. 200–201. 1400 GL, 1439 cm³, 50 kW (68 PS), 150 km/h, 10.690 DM (viertürig) 1600 GSR, 1597 cm³, 60 kW (82 PS), 155 km/h, 11.990 DM (zweitürig) (alle Preise für 1978)
Nur den 1400 GL gab es für 10.990 DM auch als fünftürigen Kombi. Die Preise lagen damit nur wenig unter denen der größenmäßig vergleichbaren Modelle Opel Kadett C und Ford Escort, doch war der Mitsubishi serienmäßig besser ausgestattet.
Lancer (A171/A172/A174/A176, 1979–1983)
Im September 1979 wurde die zweite Baureihe des Lancer vorgestellt. Das Design des Fahrzeugs wurde dem Stil der europäischen Fahrzeuge der damaligen Zeit angepasst und wirkte wesentlich moderner als das beim Vorgänger. Das Modell wurde ausschließlich als viertürige Stufenhecklimousine angeboten.
Diese Generation wurde in Europa mit einem 1,4-Liter-Motor (Lancer 1400 GLX) und einer Leistung von 50 kW sowie mit einem 1,6-Liter-Motor (Lancer 1600 GSR) und einer Leistung von 60 kW angeboten.
Ende 1980 wurde mit dem Lancer 2000 ECI eine weitere Motorvariante mit Turboaufladung und einer Leistung von 125 kW vorgestellt. Diese Variante verfügte über zwei Liter Hubraum. In Japan wurden weitere Motoren, darunter auch ein 1,2-Liter, angeboten.
Zusätzlich gab es von Mitte 1982 bis Sommer 1983 noch einen Lancer „F“ (oder „Fiore“). Dieser war allerdings die Stufenheckversion des Colt (A150) und hatte mit dem eigentlichen Lancer nichts gemein. Der Lancer F besaß zudem Frontantrieb.
Lancer (C12V–C37V, 1983–1990)
Im Herbst 1983 kam die dritte Ausführung des Mitsubishi Lancer auf den Markt. Auch diese wurde zunächst ausschließlich als viertürige Stufenhecklimousine angeboten.
Im Sommer 1985 kam eine Kombivariante hinzu, die ab Anfang 1987 optional mit Allradantrieb erhältlich war. Das Angebot der angebotenen Motoren wurde auch für die in Europa erhältlichen Modelle erweitert, ebenso waren ab dieser Baureihe Katalysatoren erhältlich.
Während die Limousine im Herbst 1988 eingestellt wurde, lief der Kombi mit Allrad noch bis Ende 1990 vom Band.
In Nordamerika wurde der Lancer auch als Eagle Vista verkauft.
Motorenpalette für Europa Modell Hubraum Leistung Max. Drehmoment Getriebe Bauzeit Bemerkung Ottomotoren 1200GL 1183 cm³ 40 kW (55 PS) bei 5000 min−1 90 Nm bei 3500 min−1 5-Gang 11/1983–12/1988 Limousine 1500GLX 1458 cm³ 55 kW (75 PS) bei 5500 min−1 113 Nm bei 4000 min−1 1500GLX Öko Automatik 3-Stufen Öko Automatik 1500GL 118 Nm bei 3500 min−1 5-Gang 06/1985–12/1988 Kombi 1500GL Katalysator 51 kW (70 PS) bei 5500 min−1 110 Nm bei 3500 min−1 Kombi mit Katalysator, 16V 1500GLX 55 kW (75 PS) bei 5500 min−1 118 Nm bei 3500 min−1 Kombi 1800 1755 cm³ 61 kW (83 PS) bei 5500 min−1 135 Nm bei 3500 min−1 01/1987–12/1990 Kombi mit Allrad und Katalysator 66 kW (90 PS) bei 5500 min−1 137 Nm bei 3500 min−1 Kombi mit Allrad Dieselmotoren 1800 D GL 1779 cm³ 43 kW (58 PS) bei 4500 min−1 108 Nm bei 2500 min−1 5-Gang 06/1985–09/1986 Limousine und Kombi
Motoren für Japan ab 1983 (Lancer EX) +OttomotorenHubraumLeistungDrehmoment1,4 Liter59 kW (80 PS) bei 5500/min121 Nm bei 3500/min1,6 Liter63 kW (85 PS) bei 5500/min135 Nm bei 3000/min1,8 Liter118 kW (160 PS) bei 5800/min220 Nm bei 3500/min Die Ausstattungsvarianten hießen in Europa GL und GLX. Die GLX-Version hatte unter anderem elektrisch einstellbare Außenspiegel, Tankklappe vom Fahrersitz aus zu öffnen, höhenverstellbarer Fahrersitz, Helligkeitsregler für Instrumententafel. Zur generellen Serienausstattung gehörten unter anderem ein Bremskraftverstärker. Die wichtigsten Teile wurden galvanisch verzinkt, tatsächlich war der Lancer an tragenden Teilen resistent gegen Rost.
Lancer (C6A/C7A, 1988–1996)
Im April 1988 wurde die nächste Generation des Mitsubishi Lancer vorgestellt. Diese vierte Baureihe war als Stufen- und Schräghecklimousine konzipiert. Während beim Vorgängermodell im Bereich der Fahrzeugfront noch Unterschiede zum Colt bestanden, war ab Frühjahr 1988 die Front mit der des Colt nahezu identisch.
Die Kombivariante des Vorgängers wurde mit einem erweiterten Motorenangebot parallel zu dieser Baureihe angeboten. Diese war äußerlich kaum von der dritten Generation zu unterscheiden. Alle Ottomotoren waren mit Katalysator ausgestattet.
Neben dem Kombi war in dieser Baureihe auch das Schrägheck Lancer GLXi mit Allradantrieb ausgestattet. Der Motor der von Anfang 1990 bis Mitte 1991 gebauten Schrägheckvariante Lancer 1800 GTi-16V war als erster Lancer Motor mit vier Ventilen pro Zylinder ausgestattet.
Das Modell C69 (1992) bekam den 1,8-Liter-Motor 4G93 mit 103 kW (140 PS) verbaut. Er war und ist bis heute äußerst selten. Laut KBA gibt es vom C69 nur noch zwei angemeldete Fahrzeuge in ganz Deutschland (Stand 1. Januar 2009).
Ab Frühjahr 1992 wurden kurzzeitig (bis zum Ende der Produktion im Herbst desselben Jahres) zwei Zwittermodelle mit den Motoren vom Nachfolger und der alten Karosserie des C60 gebaut. Das Modell C66 wurde mit dem 1,6-Liter-Motor 4G92 mit 83 kW (113 PS) und diversen optischen Änderungen wie Bodykit und weißen Frontblinkern ausgestattet.
In Nordamerika wurde der Lancer sowie auch der Colt unter dem Namen Mitsubishi Mirage vertrieben. Des Weiteren gab es den Lancer als Eagle Summit zu kaufen.
Motoren für Europa Ottomotoren +ModellLeistungMax. DrehmomentBemerkung1,3 Liter Vergasermotor Typ 4G1355 kW (75 PS) bei 6000/min102 Nm bei 4000/min1,5 Liter Einspritzmotor 8 Ventile Typ 4G1562 kW (84 PS) bei 6000/min118 Nm bei 4000/min1,5 Liter Einspritzmotor 12 Ventile Typ 4G1566 kW (90 PS) bei 5500/min126 Nm bei 3000/min1,6 Liter Einspritzmotor 16 Ventile Typ 4G9283 kW (113 PS) bei 6000/min137 Nm bei 5000/min1,8 Liter Einspritzmotor Typ 4G3771 kW (97 PS) bei 5500/min141 Nm bei 4000/minnur Schrägheck mit Allradantrieb1,8 Liter Einspritzmotor Typ 4G67100 kW (136 PS) bei 6500/min162 Nm bei 5000/minnur Schrägheck, Vorderradantrieb, vier Ventile pro Zylinder1,8 Liter Einspritzmotor Typ 4G93103 kW (140 PS) bei 6500/min167 Nm bei 5500/minnur Schrägheck, Vorderradantrieb, vier Ventile pro Zylinder, ab 1992 Dieselmotoren +ModellLeistungMax. Drehmoment1,8 Liter Typ 4D6544 kW (60 PS) bei 4.500/min113 Nm bei 3.000/min
Motoren für Japan Ottomotoren 1,3 Liter, 49 kW (67 PS) bei 5500/min, Drehmoment 106 Nm bei 3500/min 1,5 Liter, 54 kW (73 PS) bei 5500/min, Drehmoment 119 Nm bei 3500/min 1,6 Liter, 92 kW (125 PS) bei 6500/min, Drehmoment 140 Nm bei 5200/min 1,6 Liter, 107 kW (145 PS) bei 6000/min, Drehmoment 210 Nm bei 2500/min (Turboaufladung) Dieselmotoren 1,8 Liter, 45 kW (61 PS) bei 4.500/min, Drehmoment 113 Nm bei 3.000/min
Fahrwerte laut Hersteller mini|Mitsubishi Lancer GTi-16V (1990–1991) Ottomotoren ohne Katalysator Modelle 1.5 Liter M/T: 166 km/h Ottomotoren mit Katalysator Modelle 1.3 Liter M/T: 163 km/h, 0–100 13,8 s Modelle 1.5 Liter M/T: 170 km/h, 0–100 11,9 s Modelle 1.5 Liter A/T: 160 km/h, 0–100 14,0 s Modelle 1.8 Liter M/T 2WD: 200 km/h, 0–100 8,3 s Modelle 1.8 Liter M/T 4WD: 168 km/h, Dieselmotor Modelle 1.8 Liter M/T: 148 km/h, 0–100 16,4 s
Insgesamt wurden 267 Fahrzeuge als GTi-16V im Zeitraum von 1991 bis 1993 neu zugelassen. Dabei wurden laut KBA 1991 noch kein GTi-16V zugelassen. Die Stückzahl der heute noch angemeldete Fahrzeuge des Lancer GTi-16V (Typ C68) einschließlich der vorübergehend stillgelegten Fahrzeuge in Deutschland: 3 (Stand 1. Januar 2018; KBA)
Lancer (CB1A–CD8A, 1991–1996)
Bereits im Herbst 1991 wurde die fünfte Auflage des Lancer als Stufenheck präsentiert. Im Herbst 1992 folgte nun auch eine neue Kombivariante. Im Sommer 1995 gab es leichte Modellpflegemaßnahmen.
Der optische Unterschied zum Vorgängermodell war jedoch gering. Eine Schrägheckvariante, die noch auf dem C50-Modell basierte, wurde durch den Mitsubishi Carisma ersetzt.
Der neue Kombi war mit dem 1,6-Liter-Motor auch wieder mit Allradantrieb erhältlich. Den 1,3-Liter-Motor gab es für den Kombi nicht. Dieser Motor war mit drei Ventilen pro Zylinder ausgestattet. Der Kombi auf Basis dieser Baureihe wurde bis Ende 2000 gebaut, da es weder vom Carisma oder der nachfolgende Lancer-Modellgeneration eine Kombiversion gab.
Das Topmodell für Deutschland war der 103 KW (140 PS) starke GTi-16V, bis dahin auch der letzte GTi von Mitsubishi. Es gab ihn nur als Stufenheck. Anders als beim Typ „C68“ unterschied er sich kaum vom normalen Lancer: man erkannte die 1,8-Liter-Variante lediglich am Heckspoiler, dem Doppelendrohr, 14-Zoll-Felgen und dem GTi-Schriftzug. Zum Stichtag 1. Januar 2022 war laut KBA in Deutschland noch ein Mitsubishi Lancer GTi angemeldet (TSN: 203 und 491).
Diese Generation des Lancer, war die erste, von der Evolution-Modelle abgeleitet wurden (siehe Mitsubishi Lancer Evolution).
Japan und USA In Japan gab es verschiedene Versionen der viertürigen Limousine: den Lancer, der vier Seitenscheiben hatte sowie den Mirage, der sechs Seitenscheiben hatte (zwei weitere hinter den hinteren Türen). Beide wurden parallel verkauft. Ein Coupé war hier ebenfalls erhältlich (Lancer Coupé oder Mirage Asti), welches auf anderen Märkten teilweise auch als Colt Coupé vermarktet wurde. Der Kombi des Lancer wurde in Japan als Libero verkauft. Auch eine turboaufgeladene Variante mit dem Namen Libero GT wurde hier angeboten. Für den Lancer war dort außerdem ein 1,6 Liter großer V6 (6A10) erhältlich, der als kleinster in Großserie produzierter V6 gilt. Im Colt gab es diesen Motor ebenfalls.