mini|Peter Beuth um 1835, Zeichnung von Franz Krüger mini|Ehrengrab, Chausseestraße 126, in Berlin-Mitte
Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth (* 28. Dezember 1781 in Kleve; † 27. September 1853 in Berlin) war ein deutscher Ministerialbeamter, Politiker und Gründer des Gewerbeinstituts Berlin. Er wurde als hoher preußischer Ministerialbeamter und Mitglied des Staatsrats zum so genannten „Vater der preußischen Gewerbeförderung“ und Vater der (preußisch-) deutschen Ingenieure.
Durch eine Reihe geeigneter Maßnahmen – Vereins- und Schulgründungen, Technologietransfer aus dem Ausland, Vorlagen für die ästhetische Gestaltung industrieller Produkte und anderes – ebnete er den preußischen Produzenten den Weg vom Manufakturwesen zur konkurrenzfähigen industriellen Fertigung.
Er wurde nach seinem Tod viel geehrt. In der Gegenwart wurden seine antisemitischen Positionen thematisiert, die unter anderem 2021 zur Umbenennung der 2009 in Beuth Hochschule für Technik Berlin benannten Hochschule in Berliner Hochschule für Technik führten.
Leben mini|hochkant|Beuths Büste im Technikmuseum Berlin Beuth war der Sohn eines Arztes. 1798 begann er an der Universität Halle ein Studium der Rechts- und der Kameralwissenschaften. Seit 1799 war er Mitglied des Corps Guestphalia Halle.Kösener Korpslisten 1910, 98/153.
1801 trat er in den preußischen Staatsdienst ein, wurde 1806 Assessor in Bayreuth, 1809 Regierungsrat in Potsdam und 1810 Geheimer Obersteuerrat im Finanzministerium zu Berlin. In dieser Position war er als Mitglied der Kommission für die Steuerreform und die Reform des Gewerbewesens im Büro des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg an der Ausarbeitung entsprechender Gesetzesvorlagen beteiligt. 1813/14 nahm er im Lützowschen Freikorps an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
Beuth war Mitglied der 1811 gegründeten Deutschen Tischgesellschaft. Entsprechend der unter den Mitgliedern weit verbreiteten antisemitischen Grundhaltung sprach er sich gegen die rechtliche Gleichstellung der Juden aus.Zur Bewertung der Deutschen Tischgesellschaft und deren Mitglied Peter Beuth siehe Stefan Nienhaus: Geschichte der deutschen Tischgesellschaft (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte. Band 115). Niemeyer, Tübingen 2003, S. 334–348; vergleiche auch
Laut Zirkular des Finanzministers Hans Graf von Bülow vom Juli 1814 hatte „das VIte Verwaltungs Bureau unter dem Namen General Verwaltung für Gewerbe und Handel alle Fabrik- und Handels-Polizei und technische Angelegenheiten“ zu beraten und zu bearbeiten.GStA PK I. HA Rep. 120 A I 1 Nr. 23 Band 2, fol. 59 r Nachdem Beuth Anfang August 1814 Bülow darum bat, dass er ihn „womöglich wieder in Berlin anstellen“ möge,GStA PK I. HA Rep. 120 A I 3 Nr. 2, fol. 1 v teilte Bülow zwei Tage später Gottlob Johann Christian Kunth, dem Direktor jener Abteilung, mit, dass er „den Herrn Geheimen Ober Steuer-Rath Beuth als vortragenden Rath in der VIten General-Verwaltung angestellt habe.“GStA PK I. HA Rep. 120 A I 3 Nr. 1, fol. 44 r Gleichzeitig wurde Beuth darüber informiert, dass er die „Stelle eines vortragenden Raths bei der General Verwaltung für Gewerbe und Handel einzunehmen“GStA PK I. HA Rep. 120 A I 3 Nr. 2, fol. 3 r und sich bei Kunth zu melden habe. Beuth hatte dort wesentlichen Anteil an der Vorbereitung der Steuergesetze von 1817. Unter seiner Leitung erfolgte auch eine umfangreiche Befeuerung der preußischen Küste mit neuen Leuchttürmen. Nach der Turmerhöhung Memel (1819) folgten Rixhöft (1822), Arkona (1824), Hel (1826) und Jershöft (1830).Leuchtfeuer und Leuchtapparate. Historisch und konstruktiv dargelegt von L. A. Veitmeyer. M. Geitel [Hrsg.]. Oldenbourg-Verlag, München und Leipzig 1900 (Reprint-Verlag AG Leipzig 2005. ISBN 978-3-8262-2202-3). Seite 45–46
1821 wurde er Mitglied im Staatsrat.
Anfang November 1830 beantragten Beuths Chef Friedrich von Schuckmann und Finanzminister Karl Georg Maaßen bei König Friedrich Wilhelm III., „den als Direktor bei dem Ministerium des Innern für Handels- und Gewerbe-Angelegenheiten fungirenden Geheimen Ober-Finanz-Rath Beuth zum Wirkl. Geheimen Ober-Regierungs Rath“ zu ernennen.GStA PK I. HA Rep. 77 Tit. 183 c Nr. 1 Band 2, fol. 154 v
Mit dem Antrag, Johann Albert Eytelwein, dem Direktor der Bauakademie, den Eintritt in den Ruhestand zu genehmigen, schlug Schuckmann Mitte November 1830 dem König vor, „daß der Geheime-Ober-Finanz-Rath Beuth die Direktion der Bau-Akademie mit Erfolg wird übernehmen können, wozu derselbe sich auch gern und unentgeltlich in der Aussicht bereit erklärt hat, daß eine Umgestaltung zu erwarten ist.“GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 28509, fol. 66 v
Beuths an Friedrich Wilhelm IV. gerichtetes „Dienstentlassungs-Gesuch“ vom Juni 1845GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 6409, fol. 6 r veranlasste den König, Finanzminister Eduard von Flottwell die Frage zu stellen, ob nicht Beuth „auch nach seiner Entlassung aus dem activen Staats Dienst die Direction des Gewerbe-Institutes zu belassen sein“ möge.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 6409, fol. 1 r Flottwell antwortete Anfang Juli, dass „Beuth aber unerschütterlich bei seiner Ansicht stehen geblieben [ist], sich ganz aus dem Dienst zurückzuziehen.“GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 6409, fol. 2 r Im Herbst 1845 schied er aus dem Ministerium der Finanzen aus, blieb aber Mitglied des Staatsrats.
Mit seiner Pensionierung wurde Beuth Anfang September 1845 vom König zum „Ehren-Mitglied“ in „der Abtheilung des Finanz-Ministeriums für Handel, Gewerbe und Bauwesen“ ernannt, um dem „Finanz-Minister auch ferner mit dem reichen Schatze“ seiner „Kenntnisse und Erfahrungen“ und seinem „bewährten Rathe zur Seite stehen“ zu können.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 6409, fol. 10 r / v
Beuth wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Nähe seines Freundes Karl Friedrich Schinkel begraben. Die als Ehrengrab der Stadt Berlin anerkannte Grabstätte mit rekonstruiertem Gitter und Granitstele mit einem Porträtmedaillon, geschaffen von Reinhold Begas, befindet sich an der Birkenallee westlich des von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Grabdenkmals der Familie Cantian in der Abteilung CAL G1.
Die Bibliothek aus dem Nachlass Beuths wurde am 3. Juli 1854 von dem Berliner Buchhändler Ralph Friedländer versteigert.Bücher-Auctionen. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Nr. 150, 30. Juni 1854, 2. Beilage, S. 4 (Web-Ressource).
Werk Die historische Situation In Preußen entwickelte sich, wie in anderen absolutistisch geführten Staaten auch, im 18. Jahrhundert eine vom Staat gelenkte Wirtschaft, deren Exporte gefördert wurden, während sie durch Importzölle vor ausländischer Konkurrenz weitgehend geschützt war. Dieses abgeschlossene, so genannte merkantilistische oder protektionistische System war vorübergehend erfolgreich, erwies sich aber auf lange Sicht als hemmend für den technisch-ökonomischen Fortschritt. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde es abgelöst durch Vorstellungen, die auf der Lehre des englischen Ökonomen Adam Smith (1723–1790) beruhten. Danach würden sich durch den freien Wettbewerb aller wirtschaftlichen Kräfte, auch über Ländergrenzen hinweg, die größtmöglichen Fortschritte erzielen lassen, wobei sich gesellschaftliche Harmonie und soziales Gleichgewicht gleichsam von selber einstellen würden.
An Universitäten und unter den jüngeren preußischen Beamten, zu denen Beuth gehörte, fand die Freihandelslehre lebhafte Zustimmung. Man erkannte aber auch, dass es zunächst noch einmal großer staatlicher Anstrengungen bedurfte, um die notwendigen Voraussetzungen für eigenverantwortliches, freies Handeln zu schaffen.
Die so genannten Stein-Hardenbergschen Reformen lieferten den gesetzlichen Rahmen dafür, vor allem durch die Aufhebung von Erbuntertänigkeit und Leibeigenschaft (1807) sowie des Zunftzwanges (1810) und durch den Wegfall der traditionellen Schutzzölle und Importverbote (1818).
Der erwartete schnelle Aufschwung blieb allerdings aus. Zu groß war der Rückstand der heimischen Gewerbetreibenden gegenüber der frühindustriellen Entwicklung in Westeuropa, besonders in England war man weit voraus. Zu sehr waren die preußischen Handwerker und Fabrikanten an den langjährigen Staatsprotektionismus gewöhnt. Noch einmal war also staatliche Hilfe gefragt, dieses Mal mit der pädagogischen Aufgabe, die künftigen Unternehmer auf die Erfordernisse ihrer neuen Rolle vorzubereiten. Dieses Problem stand im Mittelpunkt des Arbeitslebens von Peter Christoph Wilhelm Beuth.
Die Gewerbeförderung Die Vorbilder für Fabrikanten … mini|hochkant|Die Warwick-Vase aus Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker
1821, als Direktor der Technischen Deputation für Handel und Gewerbe, ließ Beuth die erste Lieferung der Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker herausgeben. Das aufwändige Werk mit großformatigen Kupferstichen war von ihm und Schinkel gemeinsam initiiert worden. Entsprechend dem klassizistischen Ziel der Einheit von Nützlichkeit und Schönheit sollte es zur Geschmacksbildung an Gewerbeschulen beitragen, wurde aber auch als Auszeichnung an einzelne Fabrikanten verteilt. Die dargestellten Objekte orientierten sich an den Formen der Antike und wurden als Muster für neue Gebrauchsgegenstände empfohlen. Die Vorbilder … hatten erheblichen Einfluss und erlebten noch in den 1860er Jahren eine Neuauflage.
Der Gewerbeverein mini|Mitgliedskarte für den Gewerbeverein, Unterschrift: Beuth
Als Leiter der zuständigen Ministerialabteilung konnte Beuth ein umfassendes Programm der Gewerbeförderung in Gang setzen. Nach dem Vorbild der Gewerbevereine in England und Frankreich und des Polytechnischen Vereins in Bayern ließ er den „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“ gründen, er selbst wurde dessen Vorsitzender. In seiner Eröffnungsrede anlässlich der Vereinsgründung hieß es .H. Hackmann (1981): Christian Peter Wilhelm Beuth – sein Wirken und seine Bedeutung. auf: dmg-berlin.info Die erste Sitzung fand am 15. Januar 1821 im Saal der Stadtverordnetenversammlung zu Berlin statt. Der Vereinszweck sollte erreicht werden durch .Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. 1, Berlin 1822, S. 138. Im Gründungsjahr gehörten dem Verein 194 Berliner und 173 auswärtige Mitglieder an, darunter der Minister für Handel und Gewerbe Heinrich von Bülow, Alexander von Humboldt, Karl Friedrich Schinkel und der Inspektor der Königlichen Berliner Eisengießerei Johann Friedrich Krigar.
Ab 1822 gab der Verein eine eigene Zeitschrift heraus, die Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. Darin wurde über Vereinsinterna berichtet, vor allem aber ging es um Fachfragen, es wurden technische Preisaufgaben gestellt und in den folgenden Ausgaben deren Lösungen publiziert. In der ersten Ausgabe erörterte man zum Beispiel die Probleme beim Bau von Hängebrücken, insbesondere den neuartigen Einsatz von Schmiedeeisen für Ketten und Drahtstränge. Diese Artikel hatten Auswirkungen etwa auf den späteren Entwurf der Brooklyn Bridge in New York. Die Verhandlungen … entwickelten sich bald zum viel beachteten Fachjournal. 1822 führte der Verein auf Initiative Beuths im Gebäude der Gewerbedeputation in der Klosterstraße eine erste Gewerbeausstellung durch; Beteiligung und Ergebnisse waren jedoch enttäuschend. Ein Unternehmertum, welches die Konkurrenz berücksichtigte, war noch nicht entwickelt, nur wenige Produzenten waren bereit, ihre Formen und technischen Muster öffentlich vorzustellen. Es zeigte sich, dass preußische Industrieprodukte damals noch kaum konkurrenzfähig waren.
Gewerbliche Ausbildung