Der Zoll (von ), auch (das) Daumbreit oder (die) Daumenbreite.Daumenbreite – Duden, 2020; dort unter „Bedeutung“ mit: „Breite eines Daumens als Maßeinheit“.Fingerbreite – Wissen.de, 2020; dort auch (wenigstens sinnähnlich) mit „Daumenbreite“ und zudem „altes Längenmaß: 1 F. = rd. 2 cm“.Klasse 5–6: Andere Länder, andere Längen – Focus-Schule, Nr. 6 (2007), am 16. Februar 2016; dort mit: „Der Fuß wurde in zwölf Daumenbreiten (Zoll/Inch) eingeteilt“. bezeichnet eine Vielzahl von alten Maßeinheiten im Bereich von zwei bis drei Zentimetern. Meist ist er der zwölfte Teil eines Fußes. Der Zoll selbst wurde in zwölf Linien unterteilt, aber auch die dezimale Teilung zu zehn Linien pro Zoll kam vor. Daneben sind Teilangaben wie z. B. , , , , aber auch , , Zoll etc. geläufig. Solche Unterteilungen in Brüche durch 2er-Potenzen reichen in der Metallbearbeitung hinunter bis (= 2−7) Zoll.
Als übliches Längenmaß im alltäglichen Umgang wird der Zoll heute noch vor allem in den USA verwendet, in geringerem Umfang auch im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland und weiteren Ländern des ehemaligen britischen Weltreichs. Weiterhin basieren einige Standardgrößen in Handel und Technik auf den Maßeinheiten des angloamerikanischen Maßsystems.
Im englischen Sprachraum wird er genannt.
Geschichte In England findet sich der inch (von lateinisch uncia ‚Zwölftel‘, hier das Zwölftel eines Fußes) erstmals in den auf das frühe 7. Jahrhundert zu datierenden Gesetzen von König Æthelberht von Kent. König Eduard II. definierte den Inch mit der Länge dreier hintereinander gelegter Gerstenkörner.inch sb.1. In: Oxford English Dictionary. Band VII, S. 790.
Im deutschsprachigen Raum hieß der Zwölftel des Fußes ursprünglich Daumen. Ausgehend vom oberdeutschen Sprachraum, wurde diese Bezeichnung ab 1500 von Zoll abgelöst. Das Wort geht von althochdeutsch zollo ‚Kreisel‘, mittelhochdeutsch zol ‚zylinderförmiges Stück, Knebel, Klotz, Zapfen‘ aus. 2Zoll. In: Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1993, S. 1622. (online). Zoll1. In: Elmar Seebold: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 1014.
In vielen anderen Sprachen referiert die Längeneinheit Zoll immer noch auf den Daumen, so etwa im Niederländischen (duim), in den skandinavischen Sprachen (tomme, tum), in den romanischen Sprachen (pouce, pollice oder auch pollicaria, pulgada), im Tschechischen, Slowakischen (palec) und Ungarischen (hüvelyk). Typologisch ähnliche Maßeinheiten sind die Fingerbreit, die Handbreit, die Spanne (eine gespreizte Hand breit), die Elle (vom Ellenbogen bis zur Spitze des Mittelfingers), der Fuß (einen Fuß lang), der Schritt (einen Schritt lang) und das Klafter (das Maß zwischen den ausgestreckten Armen eines erwachsenen Mannes).
Mit Einführung des metrischen Systems geriet der Zoll weitgehend außer Gebrauch. Im englischen Sprachraum (angloamerikanisches Maßsystem) sowie in diversen technischen Bereichen, etwa beim nichtmetrischen Zollgewinde, hält sich der Zoll noch.
Angloamerikanischer Zoll Definition Der britische und der amerikanische Zoll wichen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts leicht voneinander ab, bis ein Kompromiss gefunden wurde und die Einheit 1959 als internationaler Zoll auf exakt 25,4 mm festgelegt wurde.Bereits in der DIN-Norm 4890 Blatt 1 „Zoll – Millimeter. Normtemperatur (Bezugstemperatur 20 °C)“ vom Februar 1935 wurde empfohlen: „Für industrielle Messungen kann im Allgemeinen bei Benutzung des aufgerundeten Wertes = die Abweichung von 0,044 μ gegenüber dem genauen Vergleichswert vernachlässigt werden“ (μ steht für μm.) Mit dem Vergleichswert ist der damalige in England gesetzlich festgelegte Wert gemeint, der auf einer Bekanntmachung des National Physical Laboratory, Teddington beruht: = 25,399 956 mm. „Für Maße und Messungen allerhöchster Genauigkeit“ gibt die Norm noch die Umrechnung für einen amerikanischen Zoll an: 1″ amerik. = 25,400 051 mm.Für die Landvermessung in den USA wurde auch nach 1959 weiterhin der bis dahin gültige (survey foot) verwendet. Seit 2023 wird der U.S. survey foot nicht mehr verwendet. Aus dem survey foot ließe sich ein survey inch ableiten, die Bezeichnung ist aber ungebräuchlich.
Das Einheitenzeichen für den Zoll ist die Buchstabenfolge in (Inch, gemäß ) bzw. ″, das Zollzeichen mit einem Doppelprime, das auch als Sekundenzeichen verwendet wird.
1 in = 1″ = 1000 Thou = 1000 mil = ft = yd = 25,4 mm = 2,54 cm = 0,254 dm = 0,0254 m.
Das entsprechende Flächenmaß ist der Quadratzoll (engl. = 6,4516 cm²) und analog Kubikzoll (engl. = 16,387 064 cm³) das Volumenmaß.
Verwendung Der internationale Zoll wird als übliches Längenmaß vor allem noch in den USA verwendet sowie für festgelegte Größenangaben in der Technik.
Bekleidung Verbreitet ist der Zoll vor allem für die Angabe der Bundweite () und inneren Beinlänge (englisch ) von (Jeans-)Hosen: beispielsweise W 32″ / L 34″. (als , ″) verbreitet für die Angabe der Absatzhöhe von Damenschuhen, insbesondere Stöckelschuhen und die Dicke von Plateaus bei Plateauschuhen vor allem im internationalen Handel.
Elektronische Geräte für die Angabe der Bildschirmdiagonale: 15-Zoll-Bildschirm (381 mm) oder 19-Zoll-Bildschirm (482,6 mm) für Computer oder Notebooks, für Fernseher etwa 40 Zoll (102 cm) für die Displaygröße von Geräten wie Smartphones, Navigationsgeräten, Tablet-Computern oder E-Book-Readern für die Angabe der Diagonale von Video-Bildröhren sowie Halbleiter-Bildsensoren (CCD und CMOS) von Digitalkameras: 1″-Bildröhre (ca. 16 mm netto) oder ″-Sensor (0,4″ mithin 6,4 mm – in diesem Zusammenhang ist der Zoll wegen der einstigen Differenz zwischen Gesamt- und nutzbarer Größe analoger Video-Bildröhren abweichend vom sonst üblichen Maß zu 16 mm definiert) für die Angabe von Raster- oder Bildauflösung wie etwa 96 dpi (dots per inch = „Punkte pro Zoll“) für Diskettengrößen: ″ (entspräche 89 mm, tatsächlich aber 90 mm, die Bezeichnung in Zoll ist nur namensgebend), ″ (133 mm) und 8″ (203 mm) für Formfaktoren bei beliebigen Laufwerken (auch Festplatten oder optischen Laufwerken), der der Baugröße eines Diskettenlaufwerkes für Disketten dieser Größe entspricht: hier allerdings nur namensgebend (entspricht etwa der tatsächlichen Größe der Platte oder Datenträger) die Breite vieler Daten-Magnetbänder: „Achtelzoll“ (0,15″, Kompaktkassette, DAT), Viertelzoll (QIC), Halbzoll (DLT, LTO) für Lautsprecherdurchmesser: 8″ (203 mm), 12″ (305 mm) und 15″ (381 mm) in der Veranstaltungstechnik werden Standardgewinde für Mikrofonständer und Lampenzapfen etwa als ″ statt 9,525 mm benannt. für Tonträgergrößen (nur namensgebend): 7″ (178 mm, tatsächlich 175 mm) „Single“, 10″ (254 mm, tatsächlich 250 mm) „EP“ sowie 12″ (305 mm, tatsächlich 300 mm) „LP“ und „Maxi“ bei Vinyl-Schallplatten inoffiziell 5″ (127 mm, tatsächlich metrisch: 120 mm) und 3″ (76 mm, tatsächlich: 80 mm) bei CDs, die allerdings von Anfang an metrisch definiert waren und 0,15″ (3,81 mm, bei „Compact Cassetten“), 0,25″ (6,35 mm, „Schnürsenkel“), 0,5″ (12,7 mm), 1″ (25,4 mm) und 2″ (50,8 mm) Breite bei Ton- und Videobändern Tonband-Geschwindigkeit ″ (genau 4,7625, nominell 4,75 cm, bei „Compact Cassetten“), ″ (9,5 cm), ″ (19,05 cm) und 15″ (38,1 cm) pro SekundeAnmerkung: Olympus definierte 1969 für die Microcassette die Geschwindigkeiten auf 2,4 und 1,2 cm/s metrisch, doch als etwa halben bzw. Viertel-Wert der Compactcassette. Siehe: goughlui.com (englisch). Länge des Tonarms und Aufnahme für den Tonabnehmer bei Plattenspielern: Tonarmlängen: 9″, 10″ und 12″ Tonabnehmer: ″ für Elektronikgehäuse (Computer- und Hifi-Gehäuse): 1 HE = ″ = 44,45 mm, 1 TE = 0,2″ = 5,08 mm, 19″-Racks (483 mm) Nahe verwandt den Magnetbändern für Ton- und Videoaufzeichnungen sind auch die Datenbänder für Computer, z. B. als „Quarter-Inch Cartridge“ für Waferdurchmesser in der Halbleiterindustrie: 2″ = 50,8 mm, 3″ = 76,2 mm, allerdings nur noch namensgebend 4″ = 100 mm, 6″ = 150 mm, 8″ = 200 mm Rastermaß auf Leiterplatten, bei Steckverbindern, Flachbandkabel, IC-Gehäusen, Prototypenboards und radial bedrahteten Elektronikbauteilen, häufig ″ = 2,54 mm, multipliziert mit Zweierpotenzen sowohl mit positivem als auch negativem Exponent. Basiseinheit für die Berechnung der AWG-Kodierung für den Drahtdurchmesser elektrischer Leitungen, in vielen Standards vornehmlich US-amerikanischen Ursprungs (etwa USB), ein festgelegter Aderquerschnitt für Kleinsignalanwendungen
Optische Geräte, Fotografie, Tontechnik für die Öffnung von Teleskopen in der Amateurastronomie (wissenschaftliche Instrumente werden ausschließlich metrisch bemaßt). Die Maße werden als ungefähre Entsprechung verwendet: so gilt 4″ (10 cm), ″ (11,4 cm), 6″ (15 cm), klassischer Achtzöller (20 cm) oder 14″ (35,6 cm), den Durchmesser von Okularen; Steckhülsen meistens ″ und 2″ (31,8 und 50,8 mm), die Brennweiten der frühesten Fernrohre (später wurden sie in Fuß angegeben), den Stativgewinde von fotografischen Kameras und Mikrofonen (üblicherweise ″ × 20 Gänge pro Zoll UNC-Gewinde, bei Mittelformatkameras oft auch ″ × 16 Gänge pro Zoll UNC-Gewinde)
Maschinenbau Gewinde im Gas-, Pneumatik- und Hydraulikbereich. Es sind zwei Typen von Gewinden üblich: Whitworth-Rohrgewinde BSP (British Standard Pipe), Rohrgewinde für nicht im Gewinde dichtende Verbindungen (zylindrisch) Kegeliges Whitworth-Rohrgewinde BSPT (British Standard Pipe Tapered), Rohrgewinde mit zylindrischem Innengewinde und konischem (1:16) Außengewinde. Deren Maße für Außendurchmesser weichen von der einfachen Zoll-Meter Umrechnung ab. So entspricht der Außengewindedurchmesser eines G 1″ Gewindes nicht 2,54 cm, sondern 3,325 cm. Für die entsprechenden Tabellen siehe Whitworth-Gewinde. Gewinde von – nicht einheitlich genormten – gasspezifischen Ventilanschlüssen und Schutzkappen an Druckgasflaschen (Durchmesser und/oder Steigung) sowie Verschraubungen im Gas-, Pneumatik und Hydraulikbereich, etwa von Manometern sowie auch die Außendurchmesser der Hochdruckflaschen selbst (von der Produktion durch Ziehen her und um in Halterungen zu passen), Gewinde für Befestigungsschrauben vor allem in den USA und bei Computerelementen, wie etwa Steckerfixierschrauben beispielsweise am D-Sub, Antrieb von Vierkant-Steckschraubenschlüsseln (Ratschen, Knarren): ″, ″, ″ und größer, Antrieb von Sechskant-Bits: ″ (6,35 mm), auch Mikro-Bits ″ (3,97 mm) und große Bits mit ″ (7,94 mm), Teilungsmaße von Antriebsketten im Maschinenbau sowie bei Fahrrädern (″), Motorrädern und auch frühen mehrspurigen Fahrzeugen, Kugelgröße in Kugellagern: in Fahrradtretlagern meist ″, Durchmesser von Rahmenrohren (1″), Gewinde (Tretlager, Pedal), auch Rahmenhöhen an Fahrrädern, Teilungsmaß bei Sägeketten (Abstand zwischen den Treibgliedern), sehr gängig sind hier ″, Zahnteilungen an länglichen Sägeblättern, etwa 24 Zähne je Zoll einer Metallhandsäge, in vielen Maßen der Drucktechnik (Papiermaße, Zeilenhöhen, Schrifthöhen, Zeichenabstände – DTP-Punkt: 1 pt = ″ ≈ 0,3528 mm, nicht zu verwechseln mit dem typografischen Punkt = 0,376 mm); so auch bei der Gestaltung von Vordrucken, und zwar horizontal in ″-Schritten (Standard-Tabulatorstopp bei Schreibmaschinen) (Pica jedoch ″) und vertikal im ″-Raster (Standard-Zeilenschaltung bei Endlospapier (mit Leporello-Faltung und Transportperforation an den Rändern im ″-Raster) und Schreibmaschinen), wobei zu berücksichtigen ist, dass Schreibmaschinen deutschen Ursprungs sich am deutschen Zoll (= 26,1 mm) orientieren. bei Landmaschinen: Schneidwerke, Messerteilung (vergleichbar mit der Teilung von Motorsägeketten), bisweilen auch bei Sämaschinen und damit Reihenabstand im Ackerbau
Flugzeugbau