mini|hochkant=0.8|Lage des Ghawar-Ölfeldes im Osten Saudi-Arabiens Ghawar () ist das größte bekannte Ölfeld der Welt. Der Super-Giant liegt nahe der Großstadt Hofuf in Saudi-Arabien und hat eine Ausdehnung von etwa 280 km × 30 km. Das Feld wird von der En Nala Antiklinale geformt und begrenzt; von Norden nach Süden besteht es aus den Substrukturen Fazran, Ain Dar, Shedgum, Uthmaniyah, Hawiyah und Haradh. Das Speichergestein ist hochporöser Kalkstein (spätjurassische Arab-D-Ablagerung) von ca. 85 m Dicke in einer Teufe von 1800 m bis 2100 m. In vielen Zonen ist es von einer Super-Permeabilität geprägt und wird von einer Anhydritschicht abgedeckt.

Ghawar wurde 1948 entdeckt. Schätzungsweise stammten 60 % bis 65 % der Ölförderung Saudi-Arabiens in den Jahren 1948–2000 aus diesem einen Ölfeld. Die aktuelle Fördermenge (Stand 2019) wird mit 3,8 Mio. Barrel pro Tag angegeben, was ca. 4,5 % der Weltrohölförderung (Crude & Condensate: ~ 83 Mio. Barrel pro Tag) entspricht.

Förderbare Mengen Erste Schätzungen gingen davon aus, dass Ghawar insgesamt 170 Milliarden Barrel Öl enthält und etwa 60 Milliarden förderbar sind. Folgende Schätzungen über die förderbare Menge an Erdöl in Ghawar variierten zwischen 70 und 170 Gigabarrel. Saudi Aramco gab bekannt, dass in Ghawar bis April 2010 bereits 65 Milliarden Barrel Öl gefördert worden seien.April 2010 - 65 Mrd. Barrel Öl bisher in Ghawar gefördert Gleichzeitig gab man bekannt, dass ursprünglich über 100 Milliarden Barrel an förderbaren Reserven in dem Feld enthalten gewesen seien. 2019 bezifferte Saudi Aramco die verbleibenden Ölreserven auf 48 Mrd. Barrel. Das Feld liefert außerdem etwa 57 Millionen m³ Erdgas täglich.

Derzeit werden täglich 8 Mio. Barrel Meerwasser in das Ölfeld gepumpt, um die Ölförderung aufrechtzuerhalten. Um 2005 wurde intensiv diskutiert, das Ghawar-Ölfeld habe sein Ölfördermaximum erreicht und befinde sich schon auf dem abfallenden Hang der Förderkurve. So berichtete die Energie-Fachwebsite Energy and Capital in einem Beitrag vom 9. August 2006, ein Sprecher der staatlich-saudischen Ölfördergesellschaft Saudi Aramco habe eine Förderminderung der ältesten Ölfelder Aramcos (einschließlich Ghawars) von 8 % pro Jahr zugegeben.Energy and Capital: . 9. August 2006The Seattle Times: 15. August 2006

Fördermaximum miniatur|hochkant=1.2|Ölfördergeschichte und Vergleich zwischen Ölförderung und eingesetzten Bohrtürmen in Saudi-Arabien Seinen Peak hatte Ghawar bereits Anfang der 80er Jahre, allerdings wurde die Produktion damals bewusst reduziert. 1981 wurden 5,7 Millionen Barrel täglich gefördert. Die Rezession in den USA, sowie das Überangebot an Öl in den 1980er Jahren veranlasste Saudi Aramco jedoch die Produktion zu drosseln, um die Preise nicht weiter sinken zu lassen, dadurch war das russische Ölfeld Samotlor für einige Jahre das Feld mit der höchsten Förderrate. Investitionen zur Erschließung der südlichen Gebiete Hawiyah and Haradh zwischen 1994 und 1996 erhöhten die Produktion erneut auf über 5 Millionen Barrel pro Tag – mehr als Samotlor jemals produziert hat.

Diskussion Der US-amerikanische Ölinvestmentbankier Matthew Simmons hatte in seinem 2006 erschienenen Buch Wenn der Wüste das Öl ausgeht. Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien – Chancen und Risiken den angeblichen Förderniedergang Ghawars als Anzeichen für ein globales Fördermaximum beschrieben und vor einer von großen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Spannungen geprägten turbulenten Abschwungphase gewarnt. Matthew Simmons sagte 2005 für 2010 entsprechend einen Ölpreis von mindestens 200 $ pro Fass voraus und hat darauf mit dem Wirtschaftsjournalisten John Tierney eine öffentliche Wette über 10.000 $ abgeschlossen, der eine Hausse im Rohstoffbereich – unter Bezugnahme auf den Ökonomen Julian L. Simon – grundsätzlich für begrenzt hielt.

Der Romancier Andreas Eschbach verwendete das Szenario eines versiegenden Ghawar-Feldes als Hintergrund für seinen Roman Ausgebrannt.

Abdallah Dschumʿa, CEO von Aramco, hält dagegen (2008) die Befürchtungen zum globalen Fördermaximum für drastisch übertrieben.Peter Glover: . In: Energy Tribune. 17. Januar 2008

Dem entgegnete der Friedensforscher Michael T. Klare im Frühjahr 2006 mit der folgenden Einschätzung aus dem US-Energieministerium:

Literatur Matthew Simmons: Wenn der Wüste das Öl ausgeht. Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien – Chancen und Risiken. ISBN 3-89879-227-7

Weblinks Ghawar: The Anatomy of the World’s Largest Oil Field (Jan. 2005) The Status of North Ghawar ("… intended to summarize the status of the overall hypothesis that watering out of North Ghawar is the main cause of declines in Saudi production in the last couple of years"; April 2007)

Quellenangaben

Kategorie:Ölfeld Kategorie:Energiewirtschaft (Saudi-Arabien) Kategorie:Provinz asch-Scharqiyya Kategorie:Saudi Aramco