mini|hochkant=1.6|Die Stadtlandschaft von Berlin im Jahr 2014 (Blickrichtung vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nach Osten)
Die Geographie Berlins ist die Beschreibung der physischen Beschaffenheit des Stadtgebietes von Berlin und seiner Umgebung sowie die hierdurch bedingte Wechselwirkung zwischen diesem Lebensraum und seinen Bewohnern.
Die Stadt befindet sich in einer gemäßigten Klimazone am Übergang vom maritimen zum kontinentalen Klima in Europa. Berlin ist das im Jahresdurchschnitt wärmste Bundesland in Deutschland.Berlin wärmstes Bundesland 2019, Berlin.de, abgerufen am 5. Januar 2021. Neben den Flüssen Spree, Havel und Dahme liegen im Stadtgebiet kleinere Fließgewässer sowie zahlreiche Seen und Wälder.
Mit 892 Quadratkilometern ist Berlin die flächengrößte Gemeinde in Deutschland.
Lage
Berlin befindet sich auf der Nordhalbkugel der Erde im Kontinent Europa. Die Metropole liegt im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, naturräumlich ist die Stadtregion Teil des Norddeutschen Tieflands.
Berlins Bezugspunkt, das Rote Rathaus, hat die geographische Lage: 52° 31′ 7″ nördliche Breite, 13° 24′ 30″ östliche Länge. Der Flächenschwerpunkt der Stadt liegt rund zwei Kilometer südlich davon im Ortsteil Kreuzberg ().
Ausdehnung Die Fläche Berlins beträgt seit dem Jahr 1990 rund 892 km². Die Stadt ist vollständig vom Land Brandenburg umgeben. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung beträgt rund 45 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung etwa 38 Kilometer. Die Stadtgrenze von Berlin hat eine Länge von rund 234 Kilometern.
Zeitzone Berlin ist, wie alle in mitteleuropäischen Staaten, der Zone der mitteleuropäischen Zeit (UTC + eine Stunde) zugeordnet. Diese wurde 1893 für ganz Deutschland gültig eingeführt.
Physische Geographie mini|Reliefkarte von Berlin
Topografie Die Topografie Berlins und seiner Umgebung in Brandenburg entstand im Eiszeitalter während der jüngsten Vereisungsphase, der Weichsel-Eiszeit. Vor etwa 20.000 Jahren war das Gebiet Berlins vom mehrere 100 Meter mächtigen skandinavischen Eisschild bedeckt. Beim Rückschmelzen des Gletschers entstand vor etwa 18.000 Jahren das Berliner Urstromtal.
Das historische Zentrum der Stadt im heutigen Bezirk Mitte liegt im Berliner Urstromtal, das Berlin vom Südosten zum Nordwesten hin durchquert und von der Spree in Ost-West-Richtung durchflossen wird. Der nordöstliche Teil Berlins liegt auf der Hochebene des Barnim, knapp die Hälfte der Stadtfläche im südwestlichen Bereich liegt auf der Hochebene des Teltow. Der westlichste Bezirk, Spandau, verteilt sich auf das Berliner Urstromtal, das Brandenburg-Potsdamer Havelgebiet und die Zehdenick-Spandauer Havelniederung.
Gewässer mini|Die Spree in Treptow und Friedrichshain
Berlin hat zahlreiche Fließgewässer und Seen. Die Spree mündet in Spandau in die Havel, die den Westen Berlins in Nord-Süd-Richtung durchfließt. Berliner Nebenflüsse der Spree sind die Panke, die Dahme, die Wuhle und die Erpe. Der Flusslauf der Havel, ursprünglich eine glaziale Rinne, ähnelt dabei oft einer Seenlandschaft; die größten Ausbuchtungen bilden der Tegeler See und der Große Wannsee. Jeweils zum Teil in Berlin liegen die der Havel zufließenden Bäche Tegeler Fließ und Bäke. Größter See Berlins ist der Große Müggelsee in Treptow-Köpenick.
Erhebungen Die höchsten Erhebungen Berlins sind als höchste natürliche Bodenerhebung der Große Müggelberg () im Bezirk Treptow-Köpenick, die aus Bau-Abraum entstandenen Arkenberge () im Bezirk Pankow, der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttete Teufelsberg () im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Ahrensfelder Berge () im Landschaftspark Wuhletal im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Der tiefste Punkt Berlins liegt mit () am Spektesee im Bezirk Spandau.Stefan Jacobs: Der höchste Berg von Berlin ist neuerdings in Pankow. Bei: Tagesspiegel Online, 22. Februar 2015, abgerufen am 12. Mai 2016.
Klima mini|hochkant=1.5|Der Grunewald im Sommer
Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone am Übergang vom maritimen zum kontinentalen Klima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur, gemessen in der Periode von 1908 bis 2020 in Dahlem, betrug 8,8 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 591 mm (Mittelwerte von 1981 bis 2010 vom Deutschen Wetterdienst).
Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 19,1 beziehungsweise 18,2 °C und der kälteste der Januar mit 0,6 °C im Mittel. Der bisherige Temperaturhöchstwert in Berlin wurde am 16. Juli 2007 mit einer Höchsttemperatur von 38,6 °C an der Station Kaniswall gemessen., Deutscher Wetterdienst, 2. Juli 2015. (offline), Berlin-Brandenburg zählt zu den niederschlagärmsten Regionen in Deutschland.
Hinsichtlich der Windgeschwindigkeiten und der Windrichtungsverteilung ist ein zweigeteiltes Maximum zu verzeichnen. Demnach wird in Berlin am häufigsten Nordwest- und Südwestwind beobachtet, der besonders im Winter mit höheren Geschwindigkeiten verbunden ist und meist maritime, gut durchmischte und saubere Meeresluft herantransportiert. Das zweite Maximum aus Südost und Ost ist oft kennzeichnend für Hochdruckwetterlagen kontinentaler Luftmassen, was je nach Jahreszeit zu sehr heißen bzw. sehr kalten Tagen führen kann.
Die geringen Höhenunterschiede innerhalb der Stadt bewirken an sich ein eher homogenes Stadtklima. Die dichte Bebauung in der Stadt und den Bezirkszentren führt jedoch zu teilweise deutlichen Temperaturunterschieden im Vergleich zu großen innerstädtischen Freiflächen, insbesondere zu den ausgedehnten Landwirtschaftsflächen im Umland. Vor allem in Sommernächten werden Temperaturunterschiede von bis zu 10 °C gemessen.Berliner Umweltatlas, 1993/2001. (PDF; 94 kB) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, abgerufen 16. April 2010.
Flora und Fauna
Flora Etwa 38,5 % des Stadtgebietes von Berlin bestanden im Jahr 2021 aus Grün- und Erholungsflächen.Berlin an der Spitze: Grün- und Erholungsflächen in Deutschlands Top-Städten GeoMap, abgerufen am 10. November 2023. Zum Bestand zählen u. a. Parks, Wiesen, Wälder, Flüsse, Seen, Kanäle, Spielplätze, öffentliche Gärten, Grünflächen auf Straßenland, Grünflächen an Schulen, Kindertagesstätten und anderen öffentlichen Gebäuden, Kleingartenanlagen, Sportanlagen, Freibäder und Friedhöfe.
Im Jahr 2012 „säumten 439.971 Bäume die Straßen“.Stadtbäume: Übersichten der Bestandsdaten. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, abgerufen 16. April 2010. Die am häufigsten gepflanzten Arten sind Laubbäume wie Linden, Ahorn, Eichen, Platanen und Kastanien. Sie machen rund 75 % der Berliner Straßenbäume aus (Stand: 2022). Der berlintypischste Straßenbaum ist die Linde. Durch den geringen Anteil an immergrünen Pflanzen in der Metropole verändert sich das Stadtbild innerhalb der vegetationsreichen und -armen Jahreszeit erheblich.
Die große Anzahl kleinerer Freiflächen, besonders aber auch die großen innerstädtischen Grünflächen, wie der Große Tiergarten, der Grunewald und der ehemalige Flughafen Tempelhof mit der Hasenheide erzeugen durch ein Temperaturgefälle mit der bebauten wärmeren Umgebung einen Luftaustausch.
mini|hochkant|Nachtigall in Berlin
Fauna Im Berliner Stadtgebiet leben rund 50 Säugetier- und etwa 180 Vogelarten.Wilde Berliner, rbb, abgerufen am 29. Juli 2025 In den städtischen Gewässern halten sich ganzjährig zahlreiche Fischarten und Amphibien auf.
Zu den größten dauerhaft in Berlin wohnenden Arten zählen u. a. Wildschweine, Rotwild, Füchse, Biber, Waschbären, Dachse, Kaninchen, Marder, Igel, Kraniche, Ringeltauben, Krähen, Habichte, Zander, Hechte, und Welse. Im Jahr 2020 wurde das erste Mal seit über 100 Jahren ein freilebender Wolf auf dem Stadtgebiet beobachtet.Erster Nachweis für Wolf in Berlin. In: Der Tagesspiegel, abgerufen am 30. November 2020.
Naturschutzgebiete In Berlin gab es im Jahr 2018 insgesamt 43 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 2668 Hektar; das entspricht rund 3,0 % der Landesfläche.Naturschutzgebiete, Übersicht. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, abgerufen am 31. Juli 2018.
Hinzu kommen 56 Landschaftsschutzgebiete, die weitere 14 % der Landesfläche einnehmen.Landschaftsschutzgebiete Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, abgerufen am 31. Juli 2018. Außerdem haben die Bezirke Pankow und Reinickendorf einen Flächenanteil von 5,4 % am länderübergreifenden, 75.000 Hektar umfassenden Naturpark Barnim.Naturpark Barnim. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. Abgerufen am 31. Juli 2018.
In Berlin sind 13 Wasserschutzgebiete auf einer Fläche von rund 212 km² durch Wasserschutzgebietsverordnungen ausgewiesen (Stand: 2018). Im Verhältnis zur Gesamtstadtfläche von rund 890 km² sind damit etwa ein Viertel des Stadtgebietes als Wasserschutzgebiete ausgewiesen.Umweltportal der Stadt Berlin: Wasserschutzgebiete. Online unter berlin.de. Abgerufen am 31. Juli 2019.
Umwelt
Siedlungsabfall Die Berliner Siedlungsabfälle stammen zu etwa 80 % aus Haushalten, die restlichen 20 % aus dem gewerblichen Bereich (inkl. Straßenreinigung).Siedlungsabfallwirtschaft in Berlin, (PDF), Berlin.de, abgerufen am 20. November 2020. In Berlin fielen im Jahr 2017 etwa 828.000 Tonnen Restmüll aus Privathaushalten an. Pro Kopf waren das 225 kg (Deutschland 2018: 455 kg Hausmüll pro Kopf).
Mit einem Jahresdurchsatz von mehr als einer halben Million Tonnen wird der größte Teil des in Berlin anfallenden Hausmülls im BSR-Müllheizkraftwerk in Ruhleben bei Temperaturen über 850 °C thermisch behandelt.
Die dabei entstehende Wärmeenergie wird als Hochdruckheißdampf zum benachbarten Kraftwerk Reuter geleitet und dort mittels Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Mehr als 720.000 Megawattstunden (MWh) kommen jährlich zusammen, die sich auf 188.000 MWh Strom und 534.000 MWh Fernwärme verteilen., trenntstadt, abgerufen am 20. November 2020.
CO2-Emissionen mini|CO2 absorbierende Fassadenbegrünung des Biologie-Instituts der HU Berlin
Hochdruckwetterlagen waren zwischen 1970 und 1990 kennzeichnend für Smog-Situationen, da sich die in der Stadt produzierten Schadstoffe (vor allem aus dem Ofenbrand und den Autoabgasen) aufgrund der austauscharmen Witterung nicht verflüchtigen konnten. Der starke Rückgang der Ofenheizung und das Aufkommen der Abgasfilter und Fahrzeugkatalysatoren in den 1990er Jahren haben dieses Problem deutlich verringert.
Laut Statistik-Landesamt emittiert Berlin 2016 insgesamt etwa 20 Millionen Tonnen CO2. 2017 emittierte Berlin 4,4 t CO2 pro Kopf und Jahr (Deutschland: 8,9 t CO2).
Das Land Berlin strebt seit dem Jahr 2019 an, bis 2050 eine klimaneutrale Stadt zu werden. In diesem Zusammenhang hat Berlin 2017 ein Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030) verabschiedet und erarbeitet einen Masterplan Solarcity.
2019 wurde in einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin die Verteilung des solaren Dachflächenpotenzials im städtischen Gebäudebestand evaluiert. Demnach sei entsprechend dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030) „möglichst schnell ein Viertel der Berliner Stromversorgung durch Solarenergie zu decken.“
Wasseraufbereitung Die Wasserversorgung Berlins wird durch die neun Wasserwerke Beelitzhof, Friedrichshagen, Kaulsdorf, Kladow, Spandau, Stolpe, Tegel, Tiefwerder und Wuhlheide sichergestellt, die von der Berliner Wasserbetriebe (AöR) betrieben werden.
Aufgrund der geringeren Grundwasserentnahme kam es in Teilen des Urstromtals zwischen 2008 und 2011 zu einem deutlichen Anstieg des Grundwasserspiegels. Vor allem in der Nähe der Wasserwerke verursachte dies Vernässungsschäden an Gebäuden. Pro Tag werden durchschnittlich 585.000 m³ Trinkwasser bereitgestellt und rund 602.000 m³ Abwasser abgeleitet.Wasserwerke, Berliner Wasserbetriebe, abgerufen am 16. Mai 2010.
Über das rund 9500 km lange stadtweite Kanalsystem gelangen die Abwasser in sechs Großklärwerke.
Lärmquellen