Der Plural (, abgeleitet von ‚mehrere‘; Abkürzung: Plur., Pl.) ist der grammatische Fachausdruck für Mehrzahl (Abkürzung: Mz.). Dem Plural gegenübergestellt ist der Singular, die Einzahl. In manchen Sprachen gibt es weitere Zahlformen, siehe Numerus.
Der Plural eines Substantivs bezeichnet typischerweise eine Menge von Gegenständen oder Individuen, die größer als eins ist. Substantive, die nicht-zählbare Dinge bezeichnen, haben häufig keinen Plural, oder der Plural hat eine andere Funktion (z. B. poetischer Plural).
Der Plural im Deutschen Neben dem interpretierbaren Plural der Substantive, der meistens eine Mehrzahl von bezeichneten Dingen oder Personen angibt, gibt es im Deutschen grammatische Kongruenz hinsichtlich der Unterscheidung Singular/Plural. Kongruenz ist nur in manchen Fällen von der Bedeutung der Ausdrücke gesteuert (so bei Verbindungen mit „und“): Sie fahren. (Subjekt und Prädikat) Ich fahre über die großen Seen. (Objekt, zugehöriger Artikel) Mutti und Vati fahren. (Besteht die Nominalphrase aus mehreren im Singular stehenden Nomina, wird am Verb auch der Plural markiert.) Die Schüler oder der Lehrer betreten das Klassenzimmer. (Bei gemischten Numeri des Subjekts wird am Verb der Plural angewendet.)
Pluralbildung des Artikels Der bestimmte Artikel, der im Singular die Wortgeschlechter anzeigt (der, die, das), weist im Plural die Einheitsform die auf. Für Maskulina und Neutra gilt daher in ihrer bestimmten Verwendung bereits ein Numerusunterschied durch die Artikelform als gegeben.
Der unbestimmte Artikel (ein-) zeigt im Deutschen üblicherweise keine Pluralform: ein Stuhl – Stühle. Lediglich zur besonderen Hervorhebung der Unbestimmtheit kann die Form einige eingesetzt werden: ein Stuhl – einige Stühle, die analog zu den anderen Mengenattributen wie keine, wenige, manche, viele, alle flektiert, wobei bei der Anzahl Null sowohl Singular als auch Plural stehen kann: kein Stuhl / keine Stühle, womit kein wie ein Possessivpronomen (mein, dein, sein, ihr) fungiert. Außerdem entspricht der unbestimmte Artikel morphologisch wie semantisch dem Zahlwort eins und entsprechend flektieren die anderen Numeralia (Kardinalzahlen) im Plural: ein Stuhl – zwei Stühle, …
Pluralbildung bei Substantiven Während die Flexionsendung eines deutschen Artikels oder Adjektivs von Genus, Numerus und Kasus abhängt, also drei Einheitenkategorien in sich vereint („Fusion“), treten in Substantiven die Suffixe gegebenenfalls hintereinander auf („Agglutination“). Auf den eigentlichen Stamm können substantivische Derivationsmorpheme folgen, die jeweils ein festes Genus tragen, und daran kann ein Pluralsuffix angehängt werden, hinter dem allenfalls noch ein Dativsuffix stehen kann.vgl. Eisenberg: Grundriß der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 3., durchgesehene Auflage. 2006, S. 163 ff.
Konkret werden zur Pluralbildung in der deutschen Sprache folgende sprachliche Mittel verwendet: additiv-agglutinierende (nämlich die Suffixe -e, -er, -(e)n und -s, vgl. Tabelle) modifikatorische (nämlich Umlaut: der Magen – die Mägen) morphosyntaktische (nämlich die Artikelunterscheidung bei Nullpluralen: der Wagen – die Wagen).
Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Pluralbildung von Erbwörtern und Lehnwörtern:
Pluralmorph(Endung) Maskulina Feminina Neutra ohne Umlaut mit Umlaut ohne Umlaut mit Umlaut ohne Umlaut mit Umlaut-e Hund – Hunde Turm – Türme Wildnis – Wildnisse Hand – Hände Jahr – Jahre Floß – Flöße-er Geist – Geister Wurm – Würmer -/- -/- Ei – Eier Amt – Ämter-(e)n Bauer – Bauern -/- Tafel – Tafeln Werkstatt – Werkstätten Ohr – Ohren -/- -s Kakadu – Kakadus -/- Boa – Boas -/- Radio – Radios -/- -∅ Bürger – Bürger Vater – Väter Peperoni – Peperoni Mutter – Mütter Messer – Messer Kloster – Klöster
Wie man erkennen kann, sind die Arten der Pluralbildung vielfältig und arbiträr; weder vom Genus noch von der Lautgestalt des Substantivs sind eindeutige Regeln vorhersagbar. Es gibt dennoch einige Zusammenhänge zwischen Genus und Pluralform eines Substantivs.
Verhältnis von Genus und Plural Jacob Grimm stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhängig ist und meist Maskulina die Endung -e Neutra die Endung -er Feminina die Endung -(e)n erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber morphologisch bedingt, d. h., es kann keine allgemeingültige Regel angegeben werden, mit der man aus dem Aussehen des Singulars auf den Plural schließen könnte. Nur die Wahl zwischen -n und -en ist phonetisch bedingt.
Doppelformen in der Pluralbildung Manchmal existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel das Wort – die Wörter oder die Worte
Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache: Die Worte beziehen sich auf das Wort als Aussage, während die Wörter sich eher auf die grammatische Bedeutung von „Wort“ beziehen.
der Park – die Parks oder die Pärke (CH) der Tunnel – die Tunnel (siehe Nullplural) und die Tunnels (siehe s-Plural, von engl. ) der Luftballon – die Luftballone und die Luftballons
Der e-Plural Dieser Plural ist typisch für die deutsche Sprache, wenn auch ungleich auf die Genera verteilt. So gibt es zwar über 200 maskuline Wörter aus dem Erbwortschatz, die einen e-Plural bilden, aber nur etwa 60 Neutra und 40 Feminina. Während letztere stets Umlaut zeigen, wo dieser möglich ist (die Kuh - die Kühe), tritt der Umlaut bei Maskulina und Neutra unregelmäßig auf; vgl. der Hund - die Hunde vs. der Ball - die Bälle. Maskuline Deverbativa bilden, wo möglich, regelmäßig Umlaut: der Fall - die Fälle, der Flug - die Flüge, der Zug - die Züge.
Innerhalb der indogermanischen und sogar der germanischen Sprachen ist der e-Plural eher selten; er tritt jedoch auch im Dänischen auf (vermutlich durch deutschen Einfluss mitbedingt).
Feminina ohne Umlaut: sämtliche Feminina auf -nis (Plural mit Auslautverdoppelung: -nisse), wie die Befugnis, die Kenntnis. Neutra ohne Umlaut: sämtliche Neutra auf -nis (Plural mit Auslautverdoppelung: -nisse), wie das Wagnis, das Ergebnis, das Erfordernis. Feminina mit Umlaut: Angst, Axt, Bank, Braut, Brunst, Brust, Faust, -flucht (z. B. Ausflucht), Frucht, Gans, Gruft, Hand, Haut, Kluft (auch n-Plural), Kraft, Kuh, -kunft, Kunst, Laus, Luft, Lust, Macht, Magd, Maus, Nacht, Naht (auch n-Plural), Not, Nuss, Sau (auch n-Plural), Schnur, Stadt, Sucht, Wand, Wurst, Zunft.
Einige Feminina sind im Schwange, vom e- zum n-Plural zu wechseln, eine Entwicklung, die das Simplex Flucht (Fluchten, aber noch: Ausflüchte), ferner die Wörter Saat oder Schlucht bereits abgeschlossen haben (*Säte, Schlüchte → Saaten, Schluchten).
Der n-Plural Vor allem Feminina bilden im Deutschen einen Plural auf -n; dabei enden sie im Singular typischerweise auf -e, -el oder -er: die Erbse – die Erbsen die Leiter – die Leitern die Partikel – die Partikeln
Feminina auf -er oder -el verhalten sich deshalb anders als gleichförmige Maskulina oder Neutra, weil der Plural bei ihnen nur durch die Endung und nicht, wie bei jenen, durch den Wechsel des Artikels ausgedrückt werden kann.
Den n-Plural in der Form -en bilden Wörter, die in der Morphologie ihres Singulars keine Endung aufweisen, also nicht auf abgeschwächtes -e, auf -er oder -el enden, wie: die Frau - die Frauen der Mensch - die Menschen der Herr - die Herren, auch: die Herrn die Tat - die Taten
Personenbezeichnungen mit Endung -in bilden den n-Plural mit Auslautverdoppelung in der Form -innen: Fahrerinnen, Professorinnen.
Feminina wie Deverbativa auf -ung und Deadjektiva auf -heit, -keit, -igkeit sowie Feminina lateinischer, griechischer, französischer Herkunft auf -ion und -tät bilden den n-Plural auf -en: die Erklärung - die Erklärungen die Freiheit - die Freiheiten die Kleinigkeit - die Kleinigkeiten die Universität - die Universitäten
Außerdem bilden einige Maskulina einen n-Plural; es handelt sich dabei vorwiegend um belebte Substantive auf -e, z. B. der Bube, der Knabe, der Rabe, der Löwe, der Grieche, der Schwede; sowie ferner um einige wenige Substantive auf -er, etwa der Bauer, der Bayer, der Vetter.
Eine weitere Gruppe von vor allem maskulinen Wörtern mit Plural auf -n sind Wörter lateinischer oder griechischer Herkunft mit Endbetonung oder Betonung auf der vorletzten Silbe, die Personen bezeichnen, z. B.: auf -at: der Advokat, der Pirat, der Soldat auf -et: der Poet, der Prophet, der Prolet auf -or: der Doktor, der Juror, der Professor
Schließlich existiert noch eine Gruppe neutraler Lehnwörter, welche ebenfalls zumeist aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen und eine endbetonte Stammform im Singular zeigen; diese nehmen einen Plural auf -ien an, z. B.: das Fossil – die Fossilien (neben: die Fossile) das Indiz – die Indizien das Utensil – die Utensilien sowie als einziges Erbwort: das Kleinod – die Kleinodien (neben: die Kleinode)
Die meisten dieser Wörter haben ihr Singularmorph -um abgestoßen; einige jedoch behalten dieses Suffix weiterhin und zeigen so Suffixwechsel bei der Numerusbildung: das Museum – die Museen das Sanatorium – die Sanatorien Siehe aber auch das Unterkapitel zum Plural von Fremdwörtern.
Der r-Plural Der Plural auf -r betrifft ursprünglich nur eine kleine Klasse von Neutra (Bezeichnungen für Tierjunge) und wurde von dort ausgehend mittels Analogie auch auf andere Wörter übertragen. Heute flektieren etwa ein Dutzend Maskulina und mehrere Dutzend Neutra nach diesem Muster, das nur im Mittelhochdeutschen produktiv war; dabei tritt immer, wo möglich, Umlaut ein.
Maskulina ohne Umlaut: Geist, Leib, Ski/Schi. Maskulina mit Umlaut: Gott, Mann, Mund, Rand, Strauch, -tum (z. B. Reichtum), Wald, Wurm. Neutra ohne Umlaut: Biest, Bild, Brett, Ei, Feld, Geld, Gemüt, Geschlecht, Gesicht, Gespenst, Kind, Kleid, Lid, Lied, Nest, Regiment, Rind, Schild, Schwert, Viech. Neutra mit Umlaut: Aas, Amt, Bad, Blatt, Buch, Dach, Dorf, Fach, Gehalt, Gemach, Geschmack, Gewand, Glas, Grab, Gras, Gut, Haupt, Haus, Holz, Horn, Huhn, Kaff, Kalb, Korn, Kraut, Lamm, Land, Mahl (auch e-Plural), -mal (auch e-Plural, z. B. Denkmal), Maul, Rad, Ross (auch e-Plural), Schloss, Spital, Tal, Trumm, Tuch, Volk, Wort.
Feminine r-Plurale sind im Standarddeutschen nicht belegt. Im österreichischen Deutsch indes existiert für „Tomate“ ein Singular: die Paradeis mit zugehörigem Plural die Paradeiser. Häufig wird jedoch die Paradeiser auch als Singular verwendet.
Der s-Plural Die Mehrzahlbildung mit -s ist im Hochdeutschen im 17./18. Jahrhundert aufgekommen, und zwar zuerst bei Familiennamen und später bei den Ruf- und Ortsnamen. In diesen Fällen geht sie auf die Genitiv-Endung -s zurück, etwa Müllers Familie, Meiers Leute.Damaris Nübling: s-Plural ist kein Sprachimport. Unis, Studis, CDs, Pkws, Aufs und Abs und Buddenbrooks: Pluralbildung auf „s“ ist originär deutsch und geht auf 17./18. Jahrhundert zurück. 2011. Eine andere Quelle sind die s-Plurale des Niederdeutschen, etwa die Kumpels, die Jungens, die sie wie die anderen nordseegermanischen Sprachen, etwa das Niederländische und das Englische, seit alters kennen.
Heute gehört die s-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird zum Beispiel bei manchen Akronymen, bei vielen Fremdwörtern, vor allem solchen englischer oder französischer Herkunft, sowie bei Satzkomposita verwendet: die CD – die CDs der Pkw – die Pkws der Akku – die Akkus der Cousin – die Cousins der Job – die Jobs das Handy – die Handys das Lebewohl – die Lebewohls
Enden Substantive, was fürs Deutsche eigentlich unüblich ist, auf andere Vokale als das abgeschwächte e, so gilt i. d. R. die Pluralform -s: die Oma - die Omas, der Opa - die Opas, das Zebra - die Zebras, das Gnu - die Gnus, das Gummi - die Gummis, das Kino - die Kinos, das Café - die Cafés, das Komitee - die Komitees, ugs. das Kilo - die Kilos.
Der s-Plural wird zudem für die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet: die Müllers (mehrere Mitglieder der Familie Müller) aber: