Der Kreis Minden (1953–1969: Landkreis Minden) war ein von 1816 bis 1972 bestehender Kreis in Ostwestfalen. Der Kreis war zunächst Teil des Regierungsbezirks Minden in der preußischen Provinz Westfalen und ab 1947 Teil des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Detmold. Verwaltungssitz war Minden. Der Kreis ging 1973 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform im neu gegründeten Kreis Minden-Lübbecke auf.
Geographie Lage Das Gebiet des früheren Kreises Minden gehört mit dem Südteil zum Mittelgebirge, mit dem größeren Nordteil zur Norddeutschen Tiefebene. Markante Trennlinie ist der west-östlich verlaufende Gebirgszug von Wiehen- und Wesergebirge, der an der Porta Westfalica von der Weser unterbrochen wird. Nördlich von Minden kreuzt der Mittellandkanal in Ostwestrichtung das Gebiet, wo die Weser am Wasserstraßenkreuz Minden überbrückt wird.
Nachbarkreise Der Kreis Minden grenzte 1972 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Nienburg/Weser, Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg (alle in Niedersachsen) sowie an die Kreise Lemgo, Herford und Lübbecke (alle in Nordrhein-Westfalen).
Verwaltungsgeschichte Zuordnung zu übergeordneten Gebietskörperschaften
Das Gebiet des Kreises Minden gehörte bis 1806 zum preußischen Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg und bildete den östlichen Teil des Fürstentums Minden (Ämter Petershagen, Schlüsselburg und der größte Teil des Amtes Hausberge), das seit 1648 zu Brandenburg-Preußen gehörte. 1806 fiel das Gebiet an das napoleonische Frankreich. Zwischen 1807 und 1810 war das spätere Kreisgebiet Teil des französischen Satellitenstaats Königreich Westphalen und gehörte dort zum Distrikt Minden im Departement der Weser. Der Teil westlich der Weser gehörte zwischen 1811 und 1813 zum Arrondissement Minden im Departement Ober-Ems des Kaiserreichs Frankreich. Der beim Königreich Westphalen verbleibende Rest östlich der Weser wurde in den Distrikt Rinteln des Departements der Leine umgegliedert. Das gesamte Gebiet erhielt eine Verwaltung nach französischem Vorbild und gliederte sich in Kantone bzw. Mairien (Bürgermeistereien). Nach der Rückeroberung durch Preußen gehörte es ab 1813 bis zur Gründung der preußischen Provinz Westfalen zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein.
Mit der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946 wurde der Regierungsbezirk Minden und damit der Landkreis Minden Teil des neuen Landes Nordrhein-Westfalen. Durch den Beitritt des Landes Lippe zum Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1947 (1948 formal vollzogen) wurde der Regierungsbezirk Minden 1947 um die lippischen Gebiete vergrößert. Dem nun nach dem neuen Verwaltungssitz als Regierungsbezirk Detmold bezeichneten Bezirk (kurzzeitig und anfänglich als „Regierungsbezirk Minden-Lippe“ bezeichnet) gehörte der Kreis Minden bis zu seiner Auflösung an. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde 1949 auch der Landkreis Minden Teil der Bundesrepublik.
Die Gemeindestruktur des Kreises Minden Der 1816 gegründete Regierungsbezirk Minden, einer von drei Regierungsbezirken in der Provinz Westfalen, wurde mit Wirkung vom 1. November 1816 durch Verordnung der Königlichen Regierung in Minden vom 18. Oktober 1816 in zwölf Kreise gegliedert, darunter der Kreis Minden mit Sitz in Minden. Die Stadt Minden mitsamt der Festung Minden war zunächst kreisfrei, wurde aber am 11. Juni 1817 in den Kreis eingegliedert. Der Kreis war zunächst in die auch als Bürgermeistereien oder Kantone bezeichneten neun Verwaltungsbezirke Minden, Dützen, Friedewalde, Hartum, Hausberge, Hille, Petershagen, Schlüsselburg und Windheim gegliedert. Unterhalb der Verwaltungsbezirke umfasste im Jahre 1821 der Kreis Minden 76 Städte und Ortschaften, die zu insgesamt 23 Kirchspielen gehörten. Die genaue Grenze im Bereich der sogenannten Mengedörfer im nördlichen Grenzgebiet zum Königreich Hannover wurde 1837 durch einen Staatsvertrag zwischen Preußen und Hannover festgelegt.Staatsvertrag zwischen Preußen und Hannover vom 25. November 1837; Artikel 1 (Austausch der Mengedörfer)
Am 1. Januar 1832 wurde das Kirchspiel Rehme, zu dem Dehme, Niederbecksen und Rehme gehörten, aus dem Kreis Herford in den Kreis Minden umgegliedert. Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurde der Kreis im Dezember 1843 in sieben Ämter eingeteilt. Die Stadt Minden blieb amtsfrei. Gleichzeitig erhielten alle Orte, die für ihre Kommunalbedürfnisse einen eigenen Haushalt führten, den Status einer (Land-)Gemeinde.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Orte im Kreis Minden, die in diesem Zusammenhang keinen Gemeindestatus erhielten, sondern größeren Gemeinden zugeordnet wurden, waren unter anderem Bergkirchen, Fülme, Gernheim, Hasenkamp und Wasserstraße. 1845 wurde der Gutsbezirk Wietersheim von der Gemeinde Wietersheim abgetrennt.Amtsblatt der Regierung Minden 1845: Gutsbezirk Wietersheim
1851 wechselten Eidinghausen, Volmerdingsen, Werste und Wulferdingsen aus dem Amt Dützen in das Amt Rehme. Im gleichen Jahr wurden die beiden Gemeinden Rehme und Niederbecksen zur Gemeinde Rehme-Niederbecksen zusammengeschlossen.Kreis Minden-Lübbecke: Archive im Kreis Minden-Lübbecke, Seite 8 Außerdem wurde in den 1850er Jahren Lohfeld nach Eisbergen eingemeindet.
Durch Kabinettsorder vom 26. April 1859 wurde aus Teilen der Gemeinden Rehme-Niederbecksen und Gohfeld (Kreis Herford) die Stadt Oeynhausen gegründet und dem Amt Rehme zugeordnet.Amtsblatt der Regierung Minden 1860: Bildung der Stadt Oeynhausen 1868 wurden Rehme und Niederbecksen wieder in zwei Gemeinden getrennt. Hausberge, Petershagen und Schlüsselburg nahmen 1856 die Landgemeindeordnung an und wurden seitdem nicht mehr als Städte geführt; 1871 wurden Petershagen wieder als Stadt geführt und Hausberge und Schlüsselburg als Marktflecken, später auch wieder als Städte.
Die Stadt Oeynhausen schied 1885 aus dem Amt Rehme aus und wurde amtsfrei. Im gleichen Jahr wurde der Grenzverlauf zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe im Bereich Frille festgelegt. Frille war nun endgültig in zwei Gemeinden geteilt und kein Kondominium mehr. Zum 14. Oktober 1886 wurde Lohfeld wieder als eigene Gemeinde von Eisbergen abgetrennt.
1911 wurde die Stadt Oeynhausen in Bad Oeynhausen umbenannt.Kreis Minden-Lübbecke: Archive im Kreis Minden-Lübbecke, Seite 7 Der Gutsbezirk Wietersheim wurde zum 1. Juli 1920 wieder in die Gemeinde Wietersheim eingegliedert. Die Gemeinde Niederbecksen wurde zum 1. April 1926 in Lohe umbenannt. 1934 wurde das Amt Schlüsselburg aufgelöst, wobei Schlüsselburg zum Amt Windheim und Buchholz sowie Großenheerse zum Amt Petershagen kamen. Barkhausen, Hausberge und Holzhausen I nahmen den Namenszusatz „an der Porta“ an. Am 1. Januar 1963 wurde aus einem Teil der Stadt Schlüsselburg die Gemeinde Wasserstraße gegründet, wofür Schlüsselburg sein rechts der Weser gelegenes Stadtgebiet abgab. Am 1. Oktober 1971 wurden die beiden Friller Gemeinden wieder und gehörten nun vollständig zum Land Nordrhein-Westfalen.
Von 1953 bis 1969 trug der Kreis die Bezeichnung „Landkreis Minden“. Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Minden.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Der Kreis Minden gliederte sich zuletzt (1972) in zwei amtsfreie Städte sowie 74 amtsangehörige Gemeinden in sechs Ämtern. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde der Kreis Minden durch das „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Bielefeld (Bielefeld-Gesetz)“ am 1. Januar 1973 mit dem benachbarten Kreis Lübbecke zum Kreis Minden-Lübbecke vereinigt. Ebenfalls durch dieses Gesetz wurden Städte und Gemeinden des Kreises zu den fünf Städten und Gemeinden Bad Oeynhausen, Hille, Minden, Petershagen und Porta Westfalica zusammengeschlossen. Die Gemeinde Uffeln aus dem Amt Hausberge wurde in die Stadt Vlotho (Kreis Herford) eingegliedert. Alle Ämter wurden aufgelöst.
+ Die Gemeinden im Kreis Minden Amt1 Städte und Ortschaften 1821 Gemeinden 1845 Gemeinden 1972amtsfreie Städte Minden Minden Bad Oeynhausen, Minden DützenAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Dützen Barkhausen mit Aulhausen, Bölhorst, Dützen mit Hummelbeck, Häverstädt mit Uphausen, Haddenhausen mit Biemke, Bergkirchen mit Oberlübbe, Rothenuffeln, Unterlübbe mit Hilferdingsen, Wulferdingsen, Volmerdingsen, Eidinghausen, Werste Barkhausen, Bölhorst, Dützen, Eidinghausen, Haddenhausen, Häverstädt, Oberlübbe, Rothenuffeln, Unterlübbe, Volmerdingsen, Werste, Wulferdingsen Barkhausen a. d. Porta, Bölhorst, Dützen, Haddenhausen, Häverstädt, Oberlübbe, Rothenuffeln, UnterlübbeRehmeAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Rehme Dehme, Niederbecksen, Rehme Dehme, Eidinghausen, Lohe, Rehme, Volmerdingsen, Werste, Wulferdingsen Hille Eickhorst, Hille, Südhemmern HartumAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Hartum Hahlen, Hartum, Holzhausen, Nordhemmern Eickhorst, Hahlen, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, Südhemmern Eickhorst, Hahlen, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, Südhemmern HausbergeAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Hausberge Eisbergen, Fülme, Lohfeld, Stadt Hausberge, Holtrup-Vössen, Uffeln, Holzhausen mit Amorkamp, Costedt mit Rothenhoff, Möllbergen, Vennebeck, Kleinenbremen, Wülpke, Lerbeck, Meißen, Nammen, Neesen, Veltheim Costedt, Eisbergen, Stadt Hausberge, Holtrup, Holzhausen I, Kleinenbremen, Lohfeld, Lerbeck, Meißen, Möllbergen, Nammen, Neesen, Uffeln, Veltheim, Vennebeck, Wülpke Costedt, Eisbergen, Stadt Hausberge a. d. Porta, Holtrup, Holzhausen a. d. Porta, Kleinenbremen, Lerbeck, Lohfeld, Meißen, Möllbergen, Nammen, Neesen, Uffeln, Veltheim, Vennebeck, Wülpke SchlüsselburgAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Schlüsselburg Buchholz, Großenheerse, Röden, Stadt Schlüsselburg mit Vorburg Buchholz, Großenheerse, Stadt Schlüsselburg PetershagenAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Petershagen Todtenhausen, Kutenhausen, Gernheim, Halle, Hävern, Ovenstädt, Eldagsen, Maaslingen, Meßlingen, Stadt Petershagen, Südfelde, Friedewalde, Stemmer Eldagsen, Friedewalde, Hävern, Kutenhausen, Maaslingen, Meßlingen, Ovenstädt, Stadt Petershagen, Stemmer, Südfelde, Todtenhausen Buchholz, Eldagsen, Friedewalde, Großenheerse, Hävern, Kutenhausen, Maaslingen, Meßlingen, Ovenstädt, Stadt Petershagen, Stemmer, Südfelde, Todtenhausen WindheimAmtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung des Amtes Windheim Dankersen, Hasenkamp, Bierde, Ilserheide, Lahde, Quetzen, Raderhorst, Heimsen mit Neuhoff, Wasserstraße und Hünerburg, Ilvese, Aminghausen, Frille (preußischer Anteil)2, Leteln, Päpinghausen, Wietersheim, Döhren, Gorspen-Vahlsen, Ilse mit Wulfhagen, Jössen, Neuenknick, Rosenhagen, Seelenfeld, Windheim Aminghausen, Bierde, Dankersen, Döhren, Frille, Gorspen-Vahlsen, Heimsen, Ilse, Ilserheide, Ilvese, Jössen, Lahde, Leteln, Neuenknick, Päpinghausen, Quetzen, Raderhorst, Rosenhagen, Seelenfeld, Wietersheim, Windheim, Gutsbezirk Wietersheim Aminghausen, Bierde, Dankersen, Döhren, Frille, Gorspen-Vahlsen, Heimsen, Ilse, Ilserheide, Ilvese, Jössen, Lahde, Leteln, Neuenknick, Päpinghausen, Quetzen, Raderhorst, Rosenhagen, Stadt Schlüsselburg, Seelenfeld, Wasserstraße, Wietersheim, Windheim 1 zum Teil auch als Kantone, Mairien oder Bürgermeistereien bezeichnet 2 Das Kirchdorf Frille gehörte zu 2/3 Preußen und zu 1/3 Bückeburg.
Patenschaft Am 9. Juli 1955 übernahm der Kreis Minden offiziell eine Patenschaft zum ehemaligen Landkreis Königsberg i. Pr. Nach der Kreisreform führt der neue Kreis Minden-Lübbecke die Patenschaft fort. Heute ist das Preußenmuseum in Minden zuständig für die Kontakte.Homepage des Kreises Minden Lübbecke: Kreis Patenschaften Heimatgemeinde Königsberg abgerufen am 31. Oktober 2019
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