miniatur|Historische Karte von Pisa, 17./18. Jh. Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Pisa. Allgemeine Informationen zu dieser Stadt finden sich unter Pisa.
Antike Die Altstadt Pisas liegt an der Stelle des antiken Pisae () am rechten Ufer des Arno. Dieses wird in der Geschichte erstmals als der Ort erwähnt, an dem eine römische Armee aus Sardinien 225 v. Chr. landete; zu der Zeit hatte die Stadt einen Hafen an der Mündung des südlichen Arms des Arno, nördlich von Livorno. Durch ihre Lage an der Küstenstraße (Via Aurelia) war sie als Grenzfestung gegen Ligurien wichtig. Pisa gehörte, vielleicht bis zur Zeit Sullas, nicht zu Etrurien, sondern zu Ligurien, wobei die eigentliche Grenze zwischen Pisa und Vada Volaterrana (heute Vada) lag. Es wurde 180 v. Chr. zur römischen Kolonie und war aufgrund der Fruchtbarkeit seines Territoriums, seiner Steinbrüche und des Waldbestands für den Schiffbau wichtig.
Augustus gab ihm den Namen Colonia Iulia Pisana; seine Enkel Gaius und Lucius waren Patrone der Kolonie, und nach ihrem Tod wurden ihnen zur Ehre Denkmäler errichtet, wie in zwei überlieferten Inschriften berichtet ist. In der Stadt selbst sind griechische Vasen gefunden worden, was auf die Existenz von etruskischen Gräbern hindeutet. Aber es gibt keine Überreste, außer aus der römischen Zeit einige Ruinen von Bädern und einem Tempel, während die Piazza dei Cavalieri dem Umriss eines antiken Theaters entspricht.
Langobarden und Franken Wenig ist über die Geschichte Pisas während der Völkerwanderung bekannt. Es steht fest, dass es eine der ersten Städte war, die ihre Unabhängigkeit wiedererlangten. Unter der byzantinischen Herrschaft profitierte Pisa wie viele andere der seefahrenden Städte Italiens von der Schwäche der Regierung in Konstantinopel. Und selbst während der ersten Jahre der langobardischen Regierung war das Bedürfnis der neuen Herren nach einem Schutz der italienischen Küste vor den Angriffen der Byzantiner günstig für die Entwicklung der Pisaner Flotte.
Wenig Details über den wirklichen Zustand der Stadt sind bekannt; aber Pisa ist gelegentlich erwähnt, fast als wäre es eine unabhängige Stadt gewesen, in Augenblicken, als Italien von den größten Schicksalsschlägen heimgesucht wurde. Nach Amaris Worten war es bereits unabhängig auf See, während es auf Land noch versklavt war. Sein Wohlstand verfiel besonders nach der Errichtung der langobardischen Herrschaft und unter den Franken. Unter den Markgrafen der Toskana, die es im Namen des Kaisers regierten, begann es wieder zu erblühen.
Hochmittelalter
miniatur|Kolonien, Stützpunkte, Handelsräume und -routen der Republik Pisa Für das Jahr 1003 gibt es Berichte eines Kriegs zwischen Pisa und Lucca, der gemäß Lodovico Antonio Muratori der erste zwischen italienischen Städten im Mittelalter war. Aber die militärische Entwicklung und wirkliche Bedeutung Pisas im 11. Jahrhundert muss man dem kontinuierlichen und verzweifelten Kampf gegen die sarazenischen Invasionen aus Sizilien zuschreiben. Zahlreiche Legenden und Fabeln der alten Chronisten verschleiern die wahre Geschichte dieses Kampfes. Populär ist etwa die Sage von der Edelfrau Kinzica dei Sismondi, die Pisa bei einem Sarazenenangriff gerettet haben soll. Dennoch bestätigen diese Erzählungen die Wichtigkeit Pisas in jenen Tagen. Ab dem elften Jahrhundert war Pisa eine Seerepublik.
1004 erstürmten die Sarazenen die Tore und plünderten ein Quartier der Stadt; 1011 erneuerten sie den Angriff. Aber die Pisaner schlugen sie zurück und gingen in Kalabrien, Sizilien und selbst in Afrika in die Offensive. Noch denkwürdiger war die Expedition, die danach von den vereinigten Kräften Pisas und Genuas gegen Mogahid unternommen wurde, der in den italienischen Chroniken besser als Mugeto bekannt ist. Der muslimische Führer hatte sich selbst zum Herrn über Sardinien gemacht und wurde von dort 1015 durch die alliierten Flotten vertrieben. Wiederum fiel er auf der Insel ein, wurde wieder angegriffen und von den gleichen Gegnern geschlagen. Er hinterließ einen Bruder und einen Sohn, oder wie einige Quellen behaupten, eine Frau und einen Sohn als Gefangene.
Sardinien wurde weiterhin von einheimischen Richtern regiert, die wie kleine Souveräne agierten, aber unter der Oberherrschaft Pisas standen. Dies war der Hauptgrund für den Neid der Genuesen und für ihre Kriege gegen Pisa, die sie weiter führten, bis seine Macht gebrochen war. Inzwischen erblühte Pisa mehr und mehr und setzte seine feindlichen Handlungen gegen die Sarazenen fort. 1062 kehrten seine Schiffe mit Beute beladen aus Palermo zurück. So ist es nicht überraschend, dass Pisa schon sein eigenes Gesetzbuch hatte (Consuetudini di mare), das 1075 von Gregor VII. genehmigt und 1081 durch ein Patent von König Heinrich IV. bestätigt wurde, ein Dokument, das zum ersten Mal die Existenz eines Magistrats analog zu den Konsuln der Republik erwähnt, wenn es auch letztere laut einigen Autoren schon 1080 in Pisa gab. Dieser Punkt ist allerdings zweifelhaft, und andere Autoren datieren die erste authentische Erwähnung der Konsuln auf das Jahr 1095. Die ältesten der überlieferten Pisaner Statuten ist das Breve dei consile di mare von 1162.
Die Pisaner nahmen am ersten Kreuzzug, der 1099 mit der Eroberung Jerusalems endete, teil und leiteten daraus viele Handelsvorteile ab. Denn innerhalb kurzer Zeit besaßen sie Banken, Konsuln, Lager und Privilegien aller Art in jedem östlichen Hafen. Während also die Kommune Pisa noch unter der Herrschaft der Markgrafen der Toskana stand, wurden alle Verhandlungen mit der Stadt geführt, als wäre sie ein unabhängiger Staat, der offiziell vom Erzbischof und den Konsuln vertreten wurde.
Die Aristokraten waren die vorherrschende Partei und besetzten die höchsten Ämter der Republik, die im 12. Jahrhundert durch ihre Kriege mit den Lucchesi, Genuesen und Moslems, sowohl zu Wasser als auch an Land, zu großer Macht kam. 1110 schloss Pisa nach sechs Jahren kontinuierlichem Krieg Frieden. In den Jahren 1113 bis 1115 gelang ihm ein noch größeres Unternehmen: Im Balearenkrieg griff eine angeblich 300 Schiffe umfassende Pisaner Flotte, befehligt vom Erzbischof Pietro Moriconi, im Zusammenwirken mit zahlreichen weiteren Schiffen, die von Katalanen und verschiedenen Territorialherrschern Okzitaniens gestellt wurden, die Balearen an. Dort sollen bis zu 20.000 Christen von den Moslems gefangen gehalten worden sein. Die vereinte Streitmacht eroberte schließlich die Hauptstadt Mallorcas, kehrte mit Beute und mit einer Vielzahl christlicher und muslimischer Gefangener heim. Erstere wurden freigelassen oder freigekauft, und unter letzteren war der letzte Nachkomme der herrschenden Dynastie. Der Haupteunuch, der Mallorca regiert hatte, starb bei der Belagerung.
Konflikt mit Genua miniatur|180px|Historische Ansicht von Pisa Unmittelbar darauf brach der 14-jährige Krieg (1118–1132) mit Genua aus. Die zwei Republiken stritten um die Seeherrschaft und beide beanspruchten die oberste Macht über die Inseln Korsika und Sardinien (siehe auch Geschichte Korsikas). Ein päpstliches Edikt, das die Vormachtstellung über Korsika der Pisaner Kirche verlieh, stellte sich als genügender Kriegsgrund heraus. Dann übertrug Innozenz II. die Vormachtstellung über Teile Korsikas an die Genueser Kirche und entschädigte Pisa mit Land auf Sardinien und anderswo. Dementsprechend zogen die Pisaner, um den Papst und Kaiser Lothar III. zufriedenzustellen, in neapolitanisches Territorium, um die Normannen zu bekämpfen. Sie halfen bei der Verteidigung der Stadt Neapel und attackierten und plünderten zweimal (1135 und 1137) Amalfi, mit der Wirkung, dass die Stadt nie wieder ihren alten Wohlstand erlangte.
Der Krieg mit Genua ging nie richtig zu Ende. Selbst nach der Wiedereroberung Jerusalems durch die Moslems (1187) kamen sich Pisaner und Genuesen wieder im Osten ins Gehege. Sie demonstrierten ihre Feindschaft im Sizilianischen Krieg im Namen des Kaisers Heinrich VI. Von diesem Moment an war klar, dass es keinen dauerhaften Frieden zwischen den rivalisierenden Mächten geben würde, bis eine vernichtet war. Die Größe und der Wohlstand der Pisaner in dieser Phase der Geschichte zeigt sich im Bau vieler vornehmer Häuser, die die Stadt schmücken. Die Fundamente für die Kathedrale wurden 1063 gelegt, und ihre Weihung fand 1174 statt. Das Baptisterium wurde 1152 begonnen, und der Campanile (der berühmte Schiefe Turm) folgte 1173. Alle drei Bauwerke waren hauptsächlich das Werk Pisaner Künstler, die der italienischen Architektur neues Leben einhauchten, so wie sie später die Kunst der Bildhauerei erneuerten.
Konflikt mit Florenz Von einigen Schreibern – insbesondere Tronci – wird behauptet, dass Pisa im 12. Jahrhundert eine demokratischere Form der Regierung annahm. Tatsächlich aber wurde das höchste Amt immer noch von den Adligen bekleidet, die sowohl in Pisa als auch in Sardinien fast souveräne Macht ausübten. Sie bildeten die wahre Stärke der Republik und sorgten dafür, dass sie dem Kaiser und der ghibellinischen Partei treu blieb. Das guelfische und das populäre Element, das die Macht und Prosperität von Florenz ausmachte, war Pisa gegenüber feindlich eingestellt und führte zu seinem Fall.
Die Unabhängigkeit von Florenz war wesentlich späteren Ursprungs und datiert in die Zeit des Todes der Markgräfin Matilda (1115), aber die Stadt stieg rasch auf und wurde unvermeidlich eine Rivalin Pisas. Aufgrund der politischen und kommerziellen Interessen, die Florenz an den römischen Hof banden, herrschte dort das guelfische Element vor, während das Wachstum seiner Handelsaktivitäten den Staat dazu zwang, auf Gewässer überzugreifen, die unter Pisaner Herrschaft standen. Und obwohl Pisa bis dahin in der Lage gewesen war, sich Genua und Lucca zu widersetzen, war der Kampf nicht mehr so einfach, weil seine Feinde militärisch und politisch von den Florentinern unterstützt wurden, die geschickt darin waren, mächtige Verbündete zu gewinnen.
Die Chronisten schrieben den ersten Krieg mit Florenz, der 1222 ausbrach, einem höchst lächerlichen Motiv zu. Die Gesandten der rivalisierenden Staaten in Rom sollen sich über einen Schoßhund gestritten haben. Das zeigt nur, dass es schon so viele allgemeine und andauernde Kriegsgründe gab, dass kein besonderer Anlass mehr notwendig war, um ihn zu provozieren. 1228 trafen die Pisaner bei Barga in der Garfagna auf die vereinigten Kräfte von Florenz und Lucca und besiegten sie. Zur gleichen Zeit sandten sie 52 Galeeren, um Friedrich II. bei seiner Expedition in den Osten beizustehen. Kurz darauf wurden die Kriegshandlungen mit den Genuesen wegen Sardinien wiederaufgenommen. Die Richter, die die Insel regierten, waren ständig miteinander im Streit, wobei einige von ihnen Pisa, andere Genua um Hilfe baten.
Der Krieg um Sardinien brach bis 1259 immer wieder aus und endete in einem entscheidenden Sieg der Pisaner und der Konsolidierung ihrer Vorherrschaft in Sardinien. Aber inzwischen war Florenz ein Bündnis mit Genua, Lucca und den guelfischen Städten der Toskana gegen seine ghibellinische Rivalin eingegangen. Der Papst hatte Friedrich II. und alle seine Anhänger exkommuniziert. Als krönende Katastrophe für die italienischen Ghibellinen stellte sich der Tod Friedrichs II. 1250 heraus. Dennoch waren die Pisaner unverzagt. Mit Verbannten aus Siena, Pistoia und Florenz an ihrer Seite stellten sie sich dem Feind entgegen, wurden aber 1254 geschlagen.