Mittweide ist ein Ortsteil der Gemeinde Tauche im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg. Mittweide war bis zur Eingemeindung in die Gemeinde Tauche 2001 eine eigenständige Gemeinde.
Geographie Mittweide liegt knapp 10 km südwestlich von Friedland und ca. 23 km nordöstlich von Lübben (Spreewald). Die Gemarkung von Mittweide grenzt im Norden und Nordosten an die Gemarkung Trebatsch, im Nordosten auch an die Gemarkung von Sawall, im Südosten an die Gemarkungen von Ressen und Zaue, im Südwesten an die früheren Gemarkungen von Schuhlen und Wiese bzw. die heutige Gemarkung von Schuhlen-Wiese. Im Süden und Südosten bildet der Mittweider Torfgraben über mehr als einen Kilometer die Gemarkungsgrenze zur Ressener Gemarkung.
Die B 87 quert Ort und Gemarkung in Südwest/Nordostrichtung. Eine kleine Straße verbindet Mittweide mit Schuhlen, eine weitere kleine Straße führt nach Zaue.
Südlich des Ortes liegen die leicht anmoorigen Mittweider Wiesen. Sie sind von mehreren Entwässerungsgräben durchzogen, die zum Mittweider Torfgraben ziehen. Hier wurde an einigen Stellen bis nach 1900 Torf gegraben. Höchster Punkt der Gemarkung ist ein namenloser Hügel im Nordwesten der Gemarkung mit . Tiefster Punkt der Mittweider Torfgraben mit ca. .
Geschichte Der Ort wurde 1423 als Metheweide erstmals erwähnt. Die ursprüngliche Dorfstruktur ist nach Rudolf Lehmann nicht mehr zu bestimmen. Sehr wahrscheinlich ist die heutige Struktur mit Siedlungskonzentrationen entlang der Lübbener Straße und der Dorfstruktur den früheren Besitzanteilen geschuldet. Eichler leitet den Namen aus dem Deutschen ab, nach einem Ort, der mitten in der Weide liegt, oder auch die mittlere Weide. Er schließt aber auch eine Namensübertragung von Mittweida im Landkreis Mittelsachsen nicht aus. Mittweide hatte über Jahrhunderte hinweg eine gemeinsame Besitzgeschichte mit Schuhlen, obwohl Schuhlen nur wenige hundert Meter von Wiese entfernt liegt; man würde eher eine gemeinsame Geschichte mit Wiese vermuten. Die Feldmark von Mittweide muss im ausgehenden Mittelalter und frühen Neuzeit größer gewesen sein als die heutige Gemarkung Mittweide, denn nach den Lehnurkunden gehörte auch der Swietensee zum Zubehör von Mittweide. Der Swietensee liegt heute auf der Gemarkung Sawall und gehört somit zum Ortsteil Trebatsch der Gemeinde Tauche.
Ortsgeschichte Im Jahr 1708 lebten zwei Bauern, zwei Kossäten und vier Büdner im Ort. 1718 hatte das Dorf 500 Gulden Schatzung, ein niedriger Wert im Vergleich zu den Nachbarorten. 1755 betrug die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffeln: 292,5 Scheffel Korn, 3 Scheffel Weizen, 98 7/16 Scheffel Gerste, 5 11/16 Scheffel Hafer, 8 13/16 Scheffel Erbsen, 18¾ Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), ein Scheffel Hopfen und 4¼ Scheffel Lein. Es sind 101 Konsumenten erwähnt; es ist unklar ob dabei nur Erwachsene oder die Gesamtbevölkerung gemeint ist. 1795 werden sechs Freibüdner erwähnt. 1809 lebten in Mittweide drei Ganzbauern (Vollbauern), acht Ganzkossäten, acht Häusler oder Büdner. 1818 wurden im Ort 24 Häuser registriert, Mittweide hatte 137 Einwohner. Es gab eine etwas außerhalb des Ortskerns liegende Windmühle, zu der ein Wohnhaus gehörte. Die Windmühle ist schon im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87 verzeichnet. Im zur Mühle gehörenden Wohnhaus lebten 1818 sechs Menschen. Die Windmühle lag westlich des Ortskerns, etwas südlich der kleinen Straße nach Schuhlen. 1854 beabsichtigte der Müller Presch die alte Bockwindmühle abzureißen und durch eine neue Bockwindmühle mit zwei Gängen und einer Hirsestampfe zu ersetzen. Diese Windmühle ist noch in der Topographischen Karte 1:25.000 Nr. 3950 Groß Leuthen von 1908 verzeichnet. Ein Bild der Windmühle findet sich im Heimatkalender des Kreises Lübben von 1941.
1840 gab es 25 Häuser, in denen schon 187 Menschen wohnten. Im Urmesstischblatt von 1846 ist der Mittweider Torfgraben als Schiffahrts Graben bezeichnet. An der Straße nach Zaue ist direkt an der Markungsgrenze eine Kiesgrube eingezeichnet. Eine weitere Kiesgrube lag unmittelbar am westlichen Ortsrand. Nördlich des Ortskerns ist eine Sandgrube eingetragen.
Beim Sommerhochwasser im Jahre 1854 wurden 120 Morgen Mittweider Wiesen durch Rückstau des Schwielochsees überschwemmt. Es entstand ein Schaden durch Verlust an Heu von 700 Talern, der nach Berghaus aber zu hoch veranschlagt wurde. 1861 wird erstmals auch ein Schulgebäude genannt. 1864 wurden schon 28 Häuser und 257 Einwohner registriert. Es gab nun zwei Windmühlen auf der Gemarkung. Allerdings ist unklar, wo die zweite Windmühle stand.
1860 war die Chaussee von Beeskow bis Trebatsch fertig gestellt. In der Nähe von Mittweide wurde ein Chausseegeld-Einnehmerhaus eingerichtet und ab 1. Mai 1860 das Chausseegeld erhoben.
Die Topographische Karte 1:25.000 Groß Leuthen (3950) von 1903 verzeichnet südwestlich des Ortes eine Kiesgrube. Unmittelbar nördlich des Ortskerns befand sich eine Sandgrube. Die Gruben sind heute verfallen.
Bis 1849 war die Gerichtsbarkeit in Händen des Rittergutsbesitzers. Danach kam sie an das Kreisgericht in Lübben (Spreewald). 1878 war das Amtsgericht in Lübben (Spreewald) für Mittweide zuständig. Ab 1952 gehörte Mittweide schließlich in den Amtsbereich des Landgerichts Lübben (Spreewald). Mit der Übertragung der Patrimonialgerichtsbarkeit auf das Kreisgericht in Lübben (Spreewald) wurden Gemeinde- und Gutsbezirk geschaffen. Im Gutsbezirk hatte der Rittergutsbesitzer weiterhin die Polizeigewalt. Zum Gemeindebezirk gehörten 1869 1104 Morgen (1900: 281 ha), zum Gutsbezirk 1797 Morgen (1900: 460 ha). Erst 1929 wurden Gemeinde- und Gutsbezirk zur Gemeinde Mittweide vereinigt. Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2000 Jahr 1818 1846 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1971 1981 1991 2002 Einwohner 137 210 249 268 255 231 206 330 307 246 245 201 197 164 Die alte Schmiede auf dem Kirchenvorplatz gehört schon seit sieben Generationen der Familie Tornow. Die Schmiede ist nicht mehr in Betrieb und steht unter Denkmalschutz. mini|Mittweide auf dem Urmesstischblatt 39 60 Groß Leuthen von 1846
Frühe Besitzgeschichte Wie bereits erwähnt, hatten Mittweide und Schuhlen (bis 1938 Skuhlen) bis in das 19. Jahrhundert hinein meist eine gemeinsame Besitzgeschichte. Der Besitz war aber bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts sehr stark zersplittert, die Geschichte der einzelnen Lehnstücke, die sich im Laufe der Geschichte oft verselbständigt hatten, lässt sich z. T. nicht mehr im Detail rekonstruieren. Sicher ist, dass Mittweide zu Ende des 15. Jahrhunderts/Beginn des 16. Jahrhunderts im Besitz der Familie v. Luckowin war. Die v. Luckowin waren eine ursprünglich markbrandenburgische Adelsfamilie, die ihren Besitzschwerpunkt im Land Lebus und später auch in den Herrschaften Beeskow und Storkow hatten. Wahrscheinlich gehörte Mittweide und auch Skuhlen sowie Sglietz zu einem größeren Herrschaftskomplex mit dem Hauptgut in Trebatsch, da alle diese Güter eine frühere Dreiteilung erkennen lassen. Durch weitere Abspaltungen von diesen Drittelstücken verkomplizierten sich die Besitzverhältnisse weiter.
1528 fand in Guben die Musterung der Ritterpferde und der Fußknechte statt. So schickten Rentsch Luckwan, Jost Scaplo und Valten Streumen dem Gut Mittweide und Skuhlen zwei Fußknechte zur Musterung, allerdings ganz one gerethe, nur mit Spießen bewaffnet. Mit Jost Scaplo wird der Vater der obigen Ludwig und Georg von Schaplow genannt.
Der Besitz derer von Streumen 1527 Am 17. Oktober 1527 (Dornstag nach Galli) erhielt Valtin Streumen die Belehnung mit seinen Lehnstücken: in Mittweide und Skuhlen ein Drittel der Ober- und Niedergerichte, die er von zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Georg von Luckowin gekauft hatte, ein Drittel des Zolls, den er von Rentzsch von Luckowin gekauft hatte und der von denen von Dämmen zwischen Leibchel und Mittweide entrichtet werden musste. Er hatte zudem den Anteil von Heinrich von Luckowin in den Dörfern Leibchel, Skuhlen und Sglietz gekauft, darunter auch einen Rittersitz in Leibchel. Valten von Streumen besaß außerdem das Rittergut Ragow in der Herrschaft Beeskow.
Der Besitz derer von Schapelow 1538 Sonntags nach Margarethe 1538 wurden die Brüder Ludwig und Georg von Schapelow auf Trebatsch gemeinsam mit folgenden Lehnstücken belehnt: ein Drittel der Ober- und Niedergerichte und zwei Bauern in Mittweide, ein Drittel der Ober- und Niedergerichte in Skuhlen, und vier Bauern zu Skuhlen und Sglietz mit aller Zugehörung. Außerdem erhielten sie ein Drittel des Zolls zu Mittweide, und die Gerechtigkeit auf dem Swietensee. In die gesamte Hand aufgenommen waren ihre Vettern Bartl, Antonius und Hans zu Gussow und Franz zu Quilitz (Neuhardenberg). Da im Text der Lehnurkunde kein Hinweis auf einen Vorbesitzer enthalten ist, folgert Houwald, dass der Erwerb dieses Anteils schon länger zurück liegen musste. In jedem Fall trafen die Besitzverhältnisse sehr wahrscheinlich auch schon für 1527 zu.
Der Besitz derer von Luckowin 1527 Am 17. Oktober 1527 (Dornstag nach Galli) wurde Rentzsch Lugkwan zu Mittweide mit seinen Lehnstücken belehnt: ein Drittel der Ober- und Niedergerichte in Mittweide und Skuhlen, ein Drittel am Swietensee und anderen Seen, die zu Skuhlen gehören, und die Freiheit auf dem Schwielochsee. Mit in die gesamte Hand aufgenommen waren seine namentlich nicht genannten Brüder und Vettern. Den dritten Teil des Zolls in Mittweide hatte er bereits vorher an Valtin Streumen verkauft. Aufgrund der geschilderten Besitzverhältnisse folgert Houwald, dass die Familie von Luckowin wahrscheinlich zwei Drittel, die von Schapelow ein Drittel von Mittweide und Skuhlen besaßen.
Um/Nach 1527 hatten die Familien von Luckowien, die von Schapelow und die von Streumen mehr oder weniger große Besitzstücke in Mittweide. Nach den noch dokumentierten Verkäufen, dürften die von Luckowin bis Anfang des 16. Jahrhunderts mindestens zwei Drittel von Mittweide (und Skuhlen) besessen haben. Durch weitere Teilungen und Abspaltungen lässt sich die weitere Besitzgeschichte ebenfalls nicht vollständig rekonstruieren. Immer wieder tauchen Besitzanteile auf, die sich nicht einfügen lassen. Auch die Familiengeschichte derer von Köckritz, die im Besitz eines Drittels folgte, ist äußerst verwirrend und nicht vollständig zu entwirren.
Besitzgeschichte ab ca. Mitte des 16. Jahrhunderts Der Besitz derer von Luckowin, später von Köckritz 1552 erhielten die Brüder Reinhard und seine Brüder Hans, Max, Bastian und Philipp von Lukowien zu Trebatsch einen Lehnbrief von Landvogt Graf Albrecht Schlick über die Güter Mittweide und Skuhlen, Schon 1546 gestattete Landvogt Schlick dem Reinhard von Luckowin zu Trebatsch vor Mittweide eine Windmühle zu bauen.