Die University of Edinburgh (Universität Edinburgh, ) ist ein Forschungs- und Lehrinstitut in Edinburgh.

Die 1582 gegründete Universität ist – neben der University of St Andrews (1413), der University of Glasgow (1451) und der University of Aberdeen (1495) – eine der vier alten schottischen Universitäten. Es gibt in der englischsprachigen Welt lediglich zwei Universitäten, die noch älter als die vier schottischen ancient Universities sind: die University of Oxford (1167) und die University of Cambridge (1209).Studying in Scotland: A taste of old school charm. Artikel im Independent vom 24. Juli 2008. Abgerufen am 10. Juni 2018 (englisch). Die Universität gilt aufgrund ihrer Geschichte, ihrer akademischen Exzellenz, ihrer internationalen Reputation und ihrer Größe als eine der prestigeträchtigsten Universitäten im Vereinigten Königreich. Gemessen an der Zahl der Studierenden war sie 2020/2021 und 2021/2022 die siebtgrößte Hochschule in Großbritannien; sie beschäftigte 2020/2021 die meisten und 2021/2022 die zweitmeisten Mitarbeiter.

Die Universität zählt darüber hinaus zu den Top-20-Universitäten der WeltBBC. BBC. Abgerufen am 3. März 2014 (englisch). und wird daher in der akademischen sowie der medialen Welt als Eliteuniversität angesehen.The Independent UK. Webseite der Zeitung. Abgerufen am 14. Juli 2011 (englisch).The Guardian. Webseite der Zeitung mit einem Artikel über die Sutton Trust 13. Abgerufen am 23. August 2011 (englisch). Als solche gehört sie zur Russell-Gruppe der großen britischen, in der Forschung führenden Universitäten. Sie ist zudem als einzige schottische Universität Mitglied in der Coimbra-Gruppe und der LERU (League of European Research Universities), den beiden Vereinigungen führender europäischer Universitäten.

Die Universität verfügte 2021 über ein Einkommen von 1187 Millionen £ und ein Stiftungsvermögen von 565 Millionen £ und somit über weitreichende finanzielle Mittel, insbesondere für Forschungszwecke. Mit rund 272 Millionen £ verfügte die Universität 2016 über das sechsthöchste Forschungseinkommen aller britischen Universitäten.Times Higher Education. Vergleich der finanziellen Lage von britischen Universitäten (2015–2016). Webseite der TSL Education Ltd., Herausgeberin des Times Higher Education Ranking. Abgerufen am 10. Juni 2018 (englisch). (PDF; 72 kB) 2003 wurde die Universität die erste schottische Universität, die das Fair-Trade-Siegel erhielt.Fair trade. Website der University of Edinburgh. Abgerufen am 10. Juni 2018 (englisch).

Die Universität ist mit 23 Nobelpreisträgern, zuletzt Fraser Stoddart, assoziiert und brachte drei Premierminister des Vereinigten Königreichs sowie zahlreiche internationale Staats- und Regierungschefs hervor.Profil der Universität Edinburgh. Webseite der Universität. Abgerufen am 10. Juni 2018 (englisch). Zu den Alumni der Universität zählen außerdem historische und wissenschaftliche Größen wie der Naturforscher Charles Darwin, der Erfinder Alexander Graham Bell, der Philosoph David Hume, der Physiker James Clerk Maxwell, der Mathematiker Thomas Bayes und der Chirurg Joseph Lister. Auch die bekannten Autoren Arthur Conan Doyle, Robert Louis Stevenson, J.M. Barrie und Walter Scott wurden hier ausgebildet. Prinz Philip, der Duke of Edinburgh und Ehemann von Königin Elisabeth II., war von 1953 bis 2010 der Chancellor (Ehrenrektor) der Universität Edinburgh. Seit 2010 nimmt diese Funktion seine Tochter Anne, Princess Royal wahr.

Geschichte mini|Old College Building von Robert Adam mini|Old Town mit dem New College mini|McEwan Hall, Ort der Abschlussfeiern mini|Old Medical School mini|Playfair Bibliothek im Old College

Gründung der Universität Die Gründung geht auf den schottischen Bischof und Humanisten Robert Reid zurück, der in seinem Testament ein Stiftungsvermögen von 8000 Merk hinterließ, um damit eine Hochschule in Edinburgh zu gründen. Der Stadtrat von Edinburgh griff diese Pläne der schottischen Reformation 1560 folgend auf und verlangte die Nutzung von vormals klösterlichem Grundbesitz für Bildungszwecke. Doch konnten die Pläne aufgrund von zivilen Streitigkeiten nicht verwirklicht werden. Insbesondere die Bischöfe der Universitätsstädte Aberdeen, Glasgow und St. Andrews leisteten heftigen Widerstand, da man die Gründung einer neuen Universität in Edinburgh als Konkurrenz zu den eigenen Bildungszentren sah.

Erst in den späten 1570er-Jahren griff der Stadtrat die Pläne einer Universitätsgründung von Neuem auf und überwies die Angelegenheit in einen eigens dafür eingerichteten Ausschuss. Im April 1582 stellte der schottische König James VI. schließlich zwei Urkunden aus, die den Grundstein für die Gründung der Universität Edinburgh bildeten. Dies war für diese Zeit durchaus unüblich, da Universitätsgründungen in aller Regel durch eine Päpstliche Bulle erfolgten. Ein Jahr später, im Oktober 1583, wurde die Universität offiziell eröffnet und die ersten Studenten zum Studium zugelassen.Geschichte der Gründung. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Frühphase Das erste Curriculum wurde maßgeblich vom ersten Principal und Rector der Universität Edinburgh Robert Rollock beeinflusst und umfasste neben der Ausbildung in den alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch auch das Studium antiker Philosophen sowie der Theologie, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Physik, Geographie und Philologie. Einzigartig war die Unterweisung der Studenten in der Lehre der Anatomie.Geschichte der Gründung. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

In den 1580er-Jahren wurde ebenfalls der Grundstein für die Universitätsbibliothek gelegt. Maßgebend war die Stiftung von theologischen Schriften durch Clement Litill im Jahre 1585. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Sammlung durch weitere Spenden erweitert. Es war insbesondere für an der Universität Edinburgh graduierte Studenten üblich, der Bibliothek ein Abschiedsgeschenk zu hinterlassen. Besonders hervorzuheben ist jedoch der Dichter und Edinburgh-Alumnus William Drummond of Hawthornden, der zwischen den Jahren 1626 und 1636 große Teile seiner beachtlichen Privatbibliothek an die Universität stiftete. Die 800 Schriften aus dem Stiftungsbestand erwiesen sich als von unschätzbarem Wert für die Universität Edinburgh. Die Sammlung umfasste literarische Werke (etwa frühe Drucke von Shakespeare) ebenso wie historische, theologische, philosophische, juristische, medizinische, naturwissenschaftliche und geographische Literatur. Heute sind die erhaltenen Schriften aus diesem Bestand größtenteils digitalisiert worden.Geschichte der Bibliotheksgründung. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch). Die heutige Universitätsbibliothek ist im Bibliothekshauptgebäude am George Square, dem größten akademischen Bibliotheksgebäude Europas sowie einer umfangreichen Zahl von Fakultätsbibliotheken untergebracht.

Weitere Meilensteine in der frühen Geschichte der Universität waren die Gründung des Royal Botanic Garden Edinburgh (1670) und der ersten Fakultäten. Nachdem 1707 die juristische Fakultät gegründet worden war, folgte die Gründung der Fakultät für die Künste (1708) und der medizinischen Fakultät (1726).Meilensteine in der Universitätsgeschichte. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte sich Edinburgh zu einem führenden Zentrum der Aufklärung und die Universität zu einer der wichtigsten Ausbildungsstätten des gesamten Kontinents.

19. Jahrhundert mini|Teviot Row House am Bristo Square

Bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein verfügte die Universität nicht über einen Campus im klassischen Sinne, sondern setzte sich aus einem Durcheinander von häufig sehr kleinen Lehrstätten zusammen, was zu notorischen Platzproblemen führte. Dies bemängelte 1768 bereits der damalige Principal William Robertson, der seinerseits den Bau eines eigenen Universitätsgebäudes in Auftrag gab. Entworfen wurde das Gebäude durch den führenden neoklassizistischen Architekten Robert Adam, dem Cousin Robertsons. Doch konnte der Grundstein des heute als Old College bekannten ersten Universitätsgebäudes erst 1789 gelegt werden. Das Geld dafür wurde insbesondere durch den Stadtrat bereitgestellt. Als jedoch nach der Fertigstellung des nordwestlichen Teils des Colleges das Geld ausging, wandte sich der ebenfalls in Geldnot geratene Stadtrat an die Regierung. Aufgrund des zeitgleich ausbrechenden Britisch-Französisches Krieges konnte die Regierung jedoch keine finanziellen Mittel bereitstellen, sodass es 1794 zu einem Baustopp kam. Erst nach dem Friedensschluss wurde der Bau 1815 wieder aufgenommen, sodass das College 1827 eröffnet werden konnte. Die Bibliothek wurde dem Gebäude vier Jahre später hinzugefügt und die markante Kuppel schließlich 1887 ergänzt.Geschichte des Old College. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Als Folge der sogenannten „disruption“, der Abspaltung der Free Church of Scotland von der Church of Scotland, kam es in Edinburgh zu massiven Zerrüttungen. Die führenden Theologen der Universität Edinburgh Thomas Chalmers und David Welsh waren maßgeblich an der Gründung der Free Church beteiligt und gaben ihre Lehraufträge 1843 zurück, um fortan als Professoren im neuen College of the Free Church of Scotland zu unterrichten. Zum Zweck der Pfarrausbildung gab die Free Church of Scotland schließlich den Bau des heute als New College bekannten Gebäudes in Auftrag, das an der Spitze des sogenannten Mounds liegt, dem Bereich Edinburghs, der die Altstadt von der Neustadt trennt. Erst nach der Wiedervereinigung der Church of Scotland mit der United Free Church Scotland wurde 1932 die theologische Fakultät der Universität Edinburgh mit dem United Free Church College zusammengelegt. Seitdem ist das New College der Sitz des theologischen Fachbereichs der Universität Edinburgh.Geschichte des New College. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Mit dem Universities (Scotland) Act 1858 wurde dem Stadtrat die Kontrolle über die Universität entzogen – seitdem verwaltet sich die Universität selbst. Dazu wurde ein University Court gegründet, der bis heute als Exekutivorgan der Universität fungiert. Diesem saß der von den Studenten gewählte Rector vor und setzte sich weiterhin aus dem Principal, dem Lord Provost von Edinburgh und weiteren Beisitzern (Assessors) zusammen, die jeweils vom Rector, dem Chancellor, dem Stadtrat, dem General Council, und dem Senatus Academicus nominiert/ernannt wurden.Der Universities (Scotland) Act 1858. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Seit seiner Eröffnung diente das Old College als Sitz der medizinischen Fakultät. Doch zeichnete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab, dass das Old College den Anforderungen der Medical School nicht mehr genügte, was auch an den ständig steigenden Studentenzahlen lag. Die Universität Edinburgh gab daher 1874 den Bau einer neuen Medical School in Auftrag und veranstaltete zu diesem Zweck einen architektonischen Wettbewerb. Der schottische Architekt Robert Rowand Anderson gewann den Wettbewerb und der Bau konnte im selben Jahr beginnen. 1884 wurde das heute als Old Medical School bekannte Bauwerk eröffnet und in den Folgejahren weiter ausgestattet.Geschichte der Old Medical School. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).

Ferner wurde Anderson mit der Planung einer Graduationshalle beauftragt, da die Universität über eine solche bis dato nicht verfügte. Diese wurde in die Medical School integriert und 1897 unter dem Namen McEwan Hall eröffnet. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass der schottische Politiker und Bierbrauer William McEwan eine große Summe zum Bau der Halle beisteuerte.Geschichte der McEwan Hall. Webseite der Universität Edinburgh. Abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).