mini|300px|Klosterhof
Kloster Michaelstein (Lapis sancti Michaelis) ist eine ehemalige Zisterzienser-Abtei in Blankenburg (Harz) in Sachsen-Anhalt. Die an der Straße der Romanik und dem Harzer Klosterwanderweg gelegene Klosteranlage befindet sich in treuhänderischer Verwaltung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und dient heute als Musikakademie, Konzert- und Veranstaltungsort, Tagungshaus und Museum.
In der Außenwand der barocken Klosterkirche, welche sich im Westflügel des Klosters befindet, sind die sterblichen Überreste der Kaisertochter Beatrix I. († 1061) eingemauert. Vom Kloster als Ölmühle genutzt wurde die in der Nähe befindliche Mönchemühle am Goldbach.
Geschichte
Vorgeschichte Die Ursprünge der Klostergeschichte werden in der älteren Literatur ins 9. Jahrhundert verortet, also weit vor die Zisterzienserzeit. Es heißt, die Einsiedlerin Luitbirg habe sich in eine Naturhöhle, etwa drei Kilometer talauswärts, zurückgezogen. Im Jahr 956 schenkte Otto I. dem Stift Quedlinburg nachweislich eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche an dieser Stelle mit zugehörigen Ortschaften, wobei die benachbarte Höhle als ehemalige Wohnstätte der Einsiedlerin genannt wird. Eine Verortung der Liutbirgsklause zum Kloster Wendhusen in Thale steht jedoch wiederholt zur Debatte.Dieter Lent: Liutbirg. In: Um 1118 ist der Einsiedlerpriester Bernhard auf dem „Michaelstein“ bezeugt. Neben ihm siedelte sich eine vorklösterliche Gemeinschaft an. Im Gegensatz zur später als cappella bezeichneten Michaelskirche war die eng benachbarte Höhlenkirche hingegen Maria und Volkmar geweiht. Nach diesem Volkmar ist in der lokalen Tradition die Einsiedlergemeinschaft als „Volkmarsbrüder“ benannt worden. Historisch greifbar ist das allerdings nicht. Nachdem aber das Zisterzienserkloster Michaelstein im 12. Jahrhundert am Talausgang gegründet worden war, verlor der „Michaelstein“ seinen Namen an die Abtei und wurde fortan zum „Volkmarskeller“. Bis weit ins 15. Jahrhundert blieb er ein beliebter Wallfahrtsort.
Mittelalter mini|Westflügel des Klosters Michaelstein (Außenansicht) mini|Innenhof mini|hochkant=0.7|Außenansicht mini|Innenansicht Die Zisterziensergeschichte Michaelsteins begann in den 1130er Jahren. Das Reichsstift Quedlinburg war einer der größten Grundbesitzer der Region. Graf Burchard von Blankenburg, Lehnsmann des Quedlinburger Stiftes, übereignete im 12. Jahrhundert mit Erlaubnis der Äbtissin mehrere Güter zur Stiftung eines Klosters, in das er selbst später als Mönch eintrat. Im Dezember 1139 bestätigte Papst Innozenz II. die Schenkung. Damit war die Gründung eines regulären Klosters unter Beachtung der Benediktsregel eingeleitet. In der Stiftungsurkunde von 1146 bezeichnete sich die Äbtissin Beatrix II. von Quedlinburg darauf als Gründerin. Aus der Bestätigungsurkunde Papst Eugens III. von 1152 stammt die erste eindeutige Erwähnung eines Zisterzienserkonvents. Entsprechend der Ordensbestimmungen musste Äbtissin Beatrix II. auf das sonst übliche Unterstellungsverhältnis verzichten, gestand freie Abtswahl und Unabhängigkeit der Zisterze zu. Unter der Führung des Abtes Roger war die Besetzung des Klosters Michaelstein von Kamp (Altenkamp) aus erfolgt.
Aus einem anfänglich beschwerlichen Leben entwickelte sich eine wirtschaftlich erfolgreiche Abtei. Schenkungen, die gelobte Armut sowie das von Arbeit und strenger Eigenwirtschaft bestimmte Leben erhöhten den klösterlichen Besitz bis zum Ende des 12. Jahrhunderts auf etwa 500 Hufen (ca. 3500 Hektar), hundert Jahre später auf etwa 700 Hufen. Den wirtschaftlichen Schwerpunkt stellte der Klosterkomplex selber dar. Hier fanden sich alle Agrar- und Wirtschaftsgebäude, die das autarke Klosterleben überhaupt erst ermöglichten. Erhalten geblieben sind die zahlreichen Fischteiche. In alten Karten finden sich zudem Bezeichnungen von Mühlen, Weinberg, Hopfen- und Obstgarten.
Die großen Wirtschaftshöfe – Grangien – konzentrierten sich zunächst auf die nähere Umgebung. Später kamen Ländereien zum Beispiel um Aschersleben, Gatersleben und in Verbindung mit der deutschen Ostkolonisation sogar Besitzungen in Mecklenburg hinzu. Anteile an der Lüneburger Saline und am Rammelsberger Bergwerk zeugen vom regen wirtschaftlichen Leben Michaelsteins. Obwohl das Kloster sich regional und überregional engagierte, verblieb es doch in recht bescheidenen Verhältnissen. Auch kam es zu keiner einzigen Tochtergründung.
Die Michaelsteiner Äbte waren hingegen als Diplomaten für weltliche und geistliche Potentaten unterwegs. Die Päpste setzten sie regelmäßig als Überbringer päpstlicher Schreiben ein. Sie fungierten als Mediatoren, führten Verhandlungen und übten das Schiedsrichteramt am weltlichen Damenstift Quedlinburg aus.
Auch der Krankenpflege waren die Michaelsteiner Zisterzienser verschrieben. Schon vor dem 13. Jahrhundert war der Abtei ein Hospiz angegliedert, das durch Graf Siegfried von Blankenburg erneuert und umfangreich ausgestattet wurde. Einen urkundlichen Hinweis auf den Infirmarius – den Leiter des Hospizes – findet sich für das Jahr 1234.
1525, im Zuge der Bauernkriege, ereilte Michaelstein das gleiche Schicksal wie viele andere Klöster seiner Zeit. Am 10. Mai überfielen, plünderten und zerstörten aufständische Bauern einen Teil der Klostergebäude. Die Bauern zerstörten die Klosterkirche, Bildnisse und Darstellungen fielen ihnen zum Opfer. Die Mönche retteten sich rechtzeitig auf die Heimburg. Notdürftig konnten die Klostergebäude saniert werden. Für die Reparatur der Kirche fehlten jedoch finanzielle Mittel. In der Folgezeit wurde der Kapitelsaal geweiht und zum Gottesdienst verwendet. Doch bereits 1533 traf die Abtei der nächste Schicksalsschlag. Wilhelm von Haugwitz überfiel im Herbst 1533 die Zisterze. Plünderungen und Zerstörungen waren die Folge. Haugwitz befehdete sich mit Herzog Georg von Sachsen, dem Schutzherrn des Reichsstifts Quedlinburg. Klostergüter mussten veräußert werden, um die wiederum beschädigten Gebäude in Stand setzen zu können. Die zerstörte Kirche wurde jetzt endgültig aufgegeben. Durch archäologische Grabungen sind zumindest die Grundstrukturen bekannt. Ein letzter Überrest zeigt sich mit der nördlichen Außenwand des Kreuzganges.
Reformation und protestantisches Kloster mini|Merianstich von 1654 Mit der Einführung der Reformation in der Grafschaft Blankenburg durch Graf Ulrich X., nach anderer Zählung Ulrich XI., legte 1543 der (vorerst) letzte katholische Abt seine Würde nieder. Gregor Schwarz übergab die Abtei mit allen Liegenschaften, Einkünften und Gerechtigkeiten, mit Briefschaften und Siegeln. Danach wurde Ernst, Sohn des Grafen, als erster protestantischer Abt in Michaelstein eingeführt. Bis zum Erlöschen des adligen Geschlechts im Jahre 1599 verblieben Abtei und Prälatur in den Händen der Blankenburg-Regensteiner. Sie verpfändeten und verkauften Klosterbesitz, nutzten Michaelstein zur Schuldentilgung. Auch der nächste Besitzer der ehemaligen Zisterzienseranlagen, das Haus Braunschweig-Lüneburg, ging im gleichen Maße mit Michaelstein um. Zahlreiche Verkäufe und Versetzungen wurden fortgeführt. Setzten zunächst die Braunschweiger Herzöge sich oder ihre Söhne als Äbte ein, übernahmen später Theologen die Abtswürde.
Die Schultradition in Michaelstein geht bereits ins 15. Jahrhundert zurück. Seit 1435 studierten diverse Mönche an der Universität Leipzig. Daran knüpfte die protestantische Tradition von Schulgründungen in ehemaligen Klöstern an. Graf Ulrich gründete bereits 1544 eine Klosterschule für immerhin 24 Knaben. Diese blieb bis 1721 bestehen. Bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg und der damit einhergehenden zwischenzeitlichen Wiederbesetzung der Klosteranlage durch Zisterzienser in den Jahren 1629–1634 und 1636–1640 kam der Schulbetrieb zum Erliegen.
Eine Weiterentwicklung des Schulwesens erfuhr Michaelstein schließlich 1717. Herzog Ludwig Rudolf richtete im bis 1720 umgestalteten Konversentrakt (Westflügel) ein Predigerseminar für fünf Kandidaten der Theologie ein, die sich hier auf ihr künftiges Pfarramt vorbereiteten. Die Abtswürde wurde nun einem Theologieprofessor der Universität Helmstedt übertragen. Zur Umgestaltung des Westflügels zählte auch die barocke Kirche, die 1720 im Beisein des Herzogs geweiht wurde.
19. Jahrhundert mini|Hofgebäude als Arbeitsraum der Musikakademie mini|Musikscheune als Veranstaltungssaal Mit der Gründung des Königreiches Westphalen wurden die Klostergüter eingezogen, aus ihnen französische Offiziere dotiert und das Predigerseminar geschlossen. 1815 kam Michaelstein mit allen Gütern und Liegenschaften an das Herzoghaus Braunschweig zurück. Bis ins 20. Jahrhundert blieb der Klosterbezirk Vorwerk der Domäne Heimburg. Die Klausurräume dienten Wirtschafts- und Lagerzwecken sowie den Arbeitern als Wohnung.
Aufgrund der Beratungen vom 21. September 1880 durch die Beauftragten von Anhalt, Braunschweig und Preußen übernahm die braunschweigische Regierung, auf Empfehlung durch den Kammerpräsidenten Griepenkerl, die Kosten der Einrichtung einer Zuchtanstalt für Forellen, Saiblinge und Schmerle. Die Leitung der Zuchtanstalt wurde dem „Amtsrath“ und Inhaber einer eigenen Zuchtanstalt Dieckmann, mit entsprechenden finanziellen Zusagen, übertragen.
20. und 21. Jahrhundert 1945 erfolgte mit der Enteignung durch die Bodenreform die Aufteilung des Klostergutes. Das Land Sachsen-Anhalt leitete erste Erhaltungsmaßnahmen ein, um dem zunehmenden Verfall der Gebäude entgegenzuwirken. Das 1952 gegründete Collegium musicum entdeckte auf der Suche nach geeigneten Proben- und Aufführungsmöglichkeiten das ehemalige Kloster für sich. Unter der Leitung von Eitelfriedrich Thom schuf es sich hier eine Heimstatt und gab 1968 im wieder hergerichteten Refektorium ein erstes Konzert.
Mit der 1977 gegründeten Kultur- und Forschungsstätte Michaelstein begann innerhalb einer umfangreichen Musizier- und Seminartätigkeit auch das Sammeln von Musikinstrumenten. Seit 1988 können im Klausurgebäude Musikinstrumenten-Ausstellungen besichtigt werden, seit den 1990er Jahren zusätzlich ein Kräuter- und Gemüsegarten.
Vom Landkreis Wernigerode sowie von der Stadt Blankenburg unterstützt, errichtete das Land Sachsen-Anhalt 1997 die Stiftung Kloster Michaelstein – Musikinstitut für Aufführungspraxis. Fünf Jahre später wurde die Musikstätte Michaelstein auch Sitz der Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt. Die Stiftung Kloster Michaelstein – Musikakademie Sachsen-Anhalt für Bildung und Aufführungspraxis wird seit 1. Januar 2005 durch die heutige Kulturstiftung Sachsen-Anhalt (bis März 2017 Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt) verwaltet.
Die ehemalige Scheune auf dem Wirtschaftshof des Klosters wurde zu einem Konzert- und Probensaal umgebaut und 2015 eröffnet.
Liste der Äbte Quelle: Johann Georg Leuckfeld: Antiqvitates Michaelsteinenses.& Amelunxbornenses, Historische Beschreibung Derer vormals berühmten Cistercienser Abteyen.
Zisterzienser (1146–1543) 1. Roger (1146–1167) 2. Eberhard (1178–1195) 3. Dietmar (1197–1204) 4. Konrad (1209) 5. Florenz (1215) 6. Dietrich (1219–1220) 7. Simon (1224–1234) 8. Johann (1246–1252) 9. Heinrich (1255–1256) 10. Elver (1257–1260) 11. Werner (1262) 12. Heinrich (1264) 13. Dietrich (1267–1272) 14. Heinrich (1279–1286) 15. Johann (1281) 16. Konrad (1296–1316) 17. Albrecht (1326–1332) 18. Hermann von Gheile (1357–1365) 19. Heinrich (1365–1366) 20. Dietrich (1376–1408) 21. Nikolaus (1409–1424) 22. Johann Gherwer (1431–1439) 23. Bertold (1440–1445) 24. Heinrich (1453–1461) 25. Alard (1509–1514) 26. Anton (1516–1520) 27. Johann (1525) 28. Andreas Rödel (1526–1542) 29. Gregor Schwarz (1542–1543)
Grafen von Blankenburg (1544–1599) 30. Ernst I. von Blankenburg (1544–1562) 31. Kaspar Ulrich von Blankenburg (1562–1575) 32. Ulrich von Blankenburg (1575–1578) 33. Ernst II. von Blankenburg (1578–1594) 34. Martin von Blankenburg (1594–1597) 35. Johann Ernst von Blankenburg (1597–1599)
Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599–1624)