Das Experiment des Dr. Delaware ist ein wissenschaftlich-phantastischer Roman des deutschen Schriftstellers und Parapsychologen Rudolf Schwarz (1904–1963), der unter dessen Pseudonym Ralph Black 1950 von dem Stuttgarter Karl-Mayer-Verlag veröffentlicht wurde.

Handlung Dr. Arno Delaware ist Assistent des Chefarztes Professor Glaser am kleinen Krankenhaus der Stadt Burgheim. In der Sprechstunde unterstützt werden sie durch Schwester Edith Rieger, die heimlich in Dr. Delaware verliebt ist. Alle sind aufgrund von Personal- und Raummangel stark überarbeitet. Als sich nach Ende der Sprechstunde noch ein Vertreter, ein gewisser Eberhard Koch, Kaufmann melden lässt, wird dieser nicht mehr vorgelassen, jedoch schiebt sich Dr. Delaware dessen Karte in die Tasche.

Die große Leidenschaft des Dr. Delaware ist die Hirnforschung, wobei er sich auf die Aufgabe und Funktionsweise der Zirbeldrüse, der Epiphyse, konzentriert. Er hält diese für den Sitz eines vorwärtsgewandten Gedächtnisses, also einer Zukunftssicht, die seiner Ansicht nach in grauer Vorzeit dem Menschen zur Verfügung stand. Tierexperimentell hat er schon mehrfach Operationen durchgeführt, bei denen die Zirbeldrüse an Stelle der Hirnregionen angeschlossen wurde, die sonst als Sitz des Gedächtnisses gelten. Die beobachteten Verhaltensänderungen der Versuchstiere scheinen seine Theorie zu bestätigen. Nach seiner Ansicht würde ein gleichartig operierter Mensch jegliche Erinnerung an die Vergangenheit verlieren, jedoch einen vollständigen Blick auf die Zukunft gewinnen. Die Überprüfung seiner Theorien durch eine Operation am Menschen ist sein großes Ziel.

Kurz darauf wird ein anderer junger Arzt, Dr. Oskar Klaiber, nach einem Autounfall mit einem Beinbruch in das Krankenhaus Burgheim eingeliefert. Dr. Klaiber ist Nervenarzt und als solcher an den Hirnforschungen interessiert, gleichzeitig ist er für die erfolgreiche Behandlung dankbar. Er arbeitet als Assistent seines Vaters, der ein großes Nervensanatorium in einer Stadt an der Donau leitet und möchte Dr. Delaware bei seinen Studien gerne helfen. Ein glücklicher Zufall will es, dass im Sanatorium ein Patient behandelt wird, bei dem das Gedächtnis durch eine notwendige Operation schon zerstört ist. Statt jedoch die sich bietende Gelegenheit zu nutzen, entscheidet sich Dr. Delaware aus ethischen Gründen, den Eingriff an sich selbst vornehmen zu lassen. Vor seiner Abreise kommt es noch zu einer Aussprache mit Schwester Edith, in der sich beide ihre Liebe gestehen und sich heimlich verloben.

Einige Tage später bespricht Dr. Delaware die Operation und ihre möglichen Auswirkungen mit seinem Freund, der ihn zunächst davon abzubringen versucht. Schließlich willigt er jedoch ein, nachdem man sich darauf geeinigt hat, den Eingriff in sechs Monaten, notfalls auch gegen den Willen des Patienten, wieder rückgängig zu machen. Am nächsten Tag erfolgt die Operation in aller Heimlichkeit, wonach der Patient einige Tage im Dämmerzustand verbleibt. Langsam kommt er wieder zu Kräften, kann sich jedoch an das Vergangene einschließlich der Operation oder der Freundschaft zu Dr. Klaiber nicht mehr erinnern. Dagegen beginnt er schon nach kurzer Zeit, Zukünftiges sicher vorherzusagen. Unsicher über das weitere Vorgehen beschließt Dr. Klaiber, mit seinem Patienten Professor Glaser in Burgheim aufzusuchen und um Rat zu bitten. Unterwegs kommt es jedoch zu einem Autounfall, den Dr. Delaware vorhersieht: Er wirft sich aus dem fahrenden Wagen, bevor dieser von einem Bergrutsch in die Tiefe gerissen wird. Nur leicht verletzt macht er sich zu Fuß in die nahe Stadt auf.

Wenig später betritt ein junger Mann mit ramponierter Garderobe ein Lotteriegeschäft am Markt von Burgheim. Zielsicher lässt er sich zwei Lose geben, auf die Frage nach seinem Namen zieht er nach kurzer Ratlosigkeit eine abgegriffene Karte mit der Aufschrift Eberhard Koch, Kaufmann aus der Tasche. Herr Koch nimmt sich ein Zimmer im Hotel Krone, beide Lose erweisen sich bald darauf als Gewinn über insgesamt siebzigtausend Mark. In der folgenden Zeit gibt Herr Koch noch mehrfach Proben seiner Fähigkeiten, so verhindert er mehrere Verkehrsunfälle und sagt sogar ein Zugunglück korrekt vorher, was jedoch durch den Unglauben der Verantwortlichen dennoch eintritt. Auffällig ist sein stetiger Gebrauch eines Notizbuches, in dem er selbst Kleinigkeiten festhält. Durch den Geschäftsführer seines Hotels wird er beim Donnerstag-Abend-Stammtisch einiger führender Bürger eingeführt. Hierzu gehören der Bankdirektor Bartenhauer, der Maschinenfabrikant Kettler, der Arzt Dr. Waidner, der Kaufmann Altbüßer und der Schriftleiter Pfaidler von der „Burgheimer Zeitung“. Dieser wird zuerst beeindruckt, als Herr Koch vor der Stammtischrunde nicht nur das korrekte Ende eines in der Zeitung erscheinenden Fortsetzungsromans angeben, sondern auch Herrn Pfaidler selbst als dessen bislang geheimgehaltenen Autor identifizieren kann. Noch am gleichen Abend wird Dr. Waidner die optimale Weiterentwicklung einer von diesem ersonnenen Therapie eröffnet, dem Kaufmann Altbüßer die Entwicklung des Geschirrmarktes vorhergesagt und dem Fabrikanten Kettler der Weg zur Wiederbeschaffung einer verlorenen Kiste gewiesen. Alle Vorhersagen treffen in der Folge ein.

Schwester Edith ist inzwischen vollkommen verzweifelt, es fehlt nicht nur jede Nachricht von ihrem Verlobten, auch ihre an Dr. Klaiber gerichteten Briefe blieben unbeantwortet. Plötzlich steht sie auf der Straße einem Mann gegenüber, den sie zunächst für Dr. Delaware hält. Dieser geht jedoch ohne ein Zeichen des Erkennens vorüber, weshalb sie an einen Irrtum glaubt. Im Krankenhaus betreut sie den jungen Zirkusartisten Jan Baré, der nach einem Unfall mit seiner Schwester Lona in der Stadt verweilen muss und wohl nie wieder in seinem Beruf arbeiten können wird. Jan ist sehr in Schwester Edith verliebt und zeigt dies stetig durch Geschenke und Komplimente. Diese weist wegen ihrer Gefühle für Dr. Delaware jedoch alle Avancen zurück.

Bei einem folgenden Donnerstags-Stammtisch werden in dessen Abwesenheit die neuesten Leistungen des Herrn Koch besprochen. Bei Bankdirektor Bartenhauer hat er durch eine Spekulation mit Industrieaktien viel Geld verdient. Für Schriftleiter Pfaidler, der mit seinem neuen Roman nicht recht weiterkam, hat er in wenigen Stunden die komplette zweite Hälfte des Buches diktiert, auch genau so, wie dieser es selbst geschrieben hätte! Dr. Waidner hat inzwischen die empfohlenen Veränderungen seiner Therapie erprobt und für optimal befunden. Für Fabrikant Kettler, der durch die Empfehlung von Herrn Koch schon seine verlorene Kiste wiedererlangt hat, hat dieser ein Konstruktionsproblem an einem neuen Flugmotor gelöst. Einzig der Kaufmann Altbüßer hat nicht profitiert, da er sich mehr auf seine eigene Erfahrung als auf die Vorschläge des Herrn Koch verlassen hat, doch hat auch er von diesem nun eine hohe Meinung.

Herr Koch beschließt nun, ein Haus zu kaufen und nimmt Jan und Lona in seine Dienste. Zu aller Überraschung ist das angeblich unverkäufliche Haus auch genau zum angegebenen Termin doch zu verkaufen, wird nach Plan renoviert und neu ausgestattet. Zeitgleich beginnt unter den Schwestern im Krankenhaus das Gerücht zu kursieren, Dr. Delaware lebe mit einer fremden Frau im Hotel. Entschlossen, ihn zur Rede zu stellen, begibt sich Schwester Edith in die Hotelbar, wo sie zunächst an den verliebten Jan gerät. Wenig später erscheint in Begleitung von Lona auch Herr Koch, der sie aber nicht zu erkennen scheint. Durch ein ihr vertraut wirkendes Armband sowie einige Eigenheiten ist Edith jedoch mehr und mehr überzeugt, ihren Arno vor sich zu haben. Da dieser sie jedoch vollkommen ignoriert, lässt sie sich nun von Jan ausführen. Bei einer Fahrt ins Landestheater kann Herr Koch wieder einmal einen Unfall verhindern, als er sein Auto rechtzeitig vor der Explosion eines Tankwagens abbremst. Während der Vorstellung wird jedoch auch eine negative Seite der Zukunftssicht offenbar, denn Herr Koch kann über keinen der ihm ja schon bekannten Scherze lachen, auch Bücher und Zeitschriften langweilen ihn nur. Auf der ersten Abendgesellschaft, die er in seiner neuen Villa am Berg gibt, glaubt auch Professor Glaser, in ihm seinen ehemaligen Assistenten zu erkennen.

mini|Kurhaus Baden-Baden. Das Casino befindet sich im rechten Flügel. Nicht mehr ganz so glücklich ist die Gesellschaft mit Herrn Koch, als er als Gast eines Empfanges den Anwesenden dort allerlei Unglücke und Krankheiten prophezeit. Einen Gast, Herrn Studienassessor Jeremias Kauderer, warnt er sogar vor dessen baldigem Suizid. Kurz darauf wendet sich Schriftleiter Pfaidler jedoch an ihn mit der Bitte um eine Spende für den Bau eines neuen Krankenhauses. Statt jedoch die Sammlung nur als erster Spender zu eröffnen, sichert Herr Koch ihm die gesamte benötigte Summe von einer halben Million Mark binnen vier Wochen zu. Lona entwickelt sich mehr und mehr zur Stütze ihres Arbeitgebers, dem sie nicht nur den Haushalt führt, sondern im Alltag auch teilweise das fehlende Gedächtnis ersetzt. Wenige Tage später fährt dieser plötzlich mit Jan und Lona mit dem Auto nach Baden-Baden, wo er in der Spielbank binnen kurzer Zeit sechshunderttausend Mark gewinnt. Hiermit ist die zugesagte Spende zum Krankenhausbau gesichert, was dem Ansehen des Herrn Koch einen weiteren Auftrieb verleiht. Besonders glänzend wird daher dessen nächste Abendgesellschaft in der Villa gefeiert. Der Hausherr, stets von Frauen umschwärmt, küsst auch mehrfach Elvira Braun, die Freundin des Assessors Kauderer.

Am Morgen nach dem Fest wird ein Toter im Arbeitszimmer gefunden, nach den Papieren Herr Eberhard Koch. Jan Baré dagegen ist unauffindbar, auch findet man in seinem Zimmer Pistolenmunition des Kalibers der Tatwaffe. Die Kriminalpolizei, namentlich Kriminalkommissar Sichtig und sein Assistent Ruoff, nehmen die Ermittlungen auf. Auch den Studienassessor Kauderer findet man in seiner Wohnung tot auf, erschossen offensichtlich von eigener Hand. Offiziell lebt nun Lona allein in der Villa, doch für die Polizei mehren sich die Anzeichen auf einen weiteren Bewohner. Trotz stetiger Bewachung und mehrerer überraschender Durchsuchungen finden sie zwar Spuren von dessen Anwesenheit, können ihn jedoch nicht stellen. Schließlich gelingt es der Polizei, Jan festzunehmen. Dieser bestreitet jedoch den Mord und will auch nicht der heimliche Bewohner der Villa gewesen sein. Er gibt allerdings an, der Besitzer der bislang fehlenden Tatwaffe zu sein, den Mord bemerkt und den Mörder erfolglos verfolgt zu haben.

Weit entfernt, in Kakonda in Portugiesisch-Angola trifft ein deutscher Arzt auf einem Fest einen alten Schulfreund, den Ingenieur Hans Becker von dem deutschen Vermessungsschiff Meteor. Der Arzt dagegen ist niemand anders als Dr. Oskar Klaiber, der den Autounfall ebenfalls überlebt hat, jedoch Dr. Delaware für tot hält, durch seine Schuld. Nach Afrika ist er gegangen, wohl als Buße und auch weil er weitere Ermittlungen fürchtete, die seinen Vater als Leiter des Sanatoriums belastet hätten. Sein Freund berichtet ihm nun allerdings aus dem Stadtgespräch von Burgheim von dem Aufsehen um Herrn Koch, der Mord ist jedoch auch ihm noch unbekannt. Klaiber stellt sofort eine Verbindung zu dem verschollenen Dr. Delaware her und macht sich unverzüglich auf den Rückweg nach Deutschland.