Ford Escort ist der Name mehrerer von Herbst 1967 bis Sommer 2000 in Europa produzierter Pkw-Modelle der Kompaktklasse oder der unteren Mittelklasse des Automobilherstellers Ford.

Der Escort war nach dem Transit das zweite gemeinsame Projekt der deutschen und der britischen Ford-Niederlassungen.

Auf der Plattform der jeweils aktuellen Generation des Escort wurde von Sommer 1983 bis Ende 1993 das eigenständige Stufenheckmodell Ford Orion hergestellt. Gemessen an den Zulassungszahlen war der Escort im europäischen Vergleich eines der meistverkauften Autos.

Von Frühjahr 1981 bis Anfang 2003 gab es auch einen amerikanischen Escort, der anfangs mit dem europäischen Modell verwandt war, später aber auf der Plattform des Mazda 323 basierte.

Die Nachfolge in Europa trat im Herbst 1998 der Ford Focus an.

Im Sommer 2014 wurde für den chinesischen Markt der Modellname „Escort“ für eine neue Modellgeneration wiederbelebt. Es ist das erste ausschließlich für China entwickelte Fahrzeug der Marke Ford.

Die Modellbezeichnung Escort wurde bereits in den 1950er Jahren für eine einfach ausgestattete Ausführung des Ford Squire verwendet.

Escort ’68 (1967–1974)

Modellgeschichte Das von den britischen Ford-Werken entwickelte erste eigenständige Modell mit dem Namen Escort wurde ab dem 17. November 1967 im britischen Halewood produziert. Auf dem britischen Markt ersetzte er den technisch ähnlichen Ford Anglia, in Deutschland rundete er das Programm ab.

Anfang Januar 1968 wurde der Escort mit seinem charakteristischen Kühlergrill (auch „Hundeknochen“ genannt) in Marokko der Presse vorgestellt. Wenige Tage später fand die offizielle Präsentation anlässlich des Brüsseler Autosalons statt. Die Verkaufszahlen übertrafen die optimistischen Erwartungen des Herstellers bereits nach zwei Monaten um 30 %. Weniger als fünf Monate nach der Vorstellung lief am 4. Juni 1968 bereits der 100.000. Escort in Halewood vom Band. In Deutschland verließ der erste Wagen am 16. Januar 1970 in Saarlouis das Werk.Pressemitteilung der Ford-Werke vom 11. Januar 2010, abgefragt am 15. Januar 2009 bei cgm-ford-sls.de (Website von Ford Saarlouis), eingefügt am 12. Mai 2016 Die 1968 und 1969 in Deutschland verkauften Wagen wurden im britischen Werk produziert.

Die Technik übernahm Ford in wesentlichen Teilen vom Vorgängermodell Anglia. Der Escort war insbesondere in Großbritannien sehr populär, blieb in Deutschland aber hinter den erwarteten Stückzahlen zurück. Der Käfer des Marktführers Volkswagen war zwar technisch veraltet, aber besser verarbeitet, und zudem gab es mit dem Opel Kadett B und französischen und italienischen Importwagen etablierte und in manchen Bereichen überlegene Alternativen.

Mitte 1973 kam in Westdeutschland der RS 2000 als Topmodell hinzu. Erkennbar war er an der auffälligen zweifarbigen Lackierung und den verbreiterten Radläufen vorn. Mit 74 kW (100 PS) erreichte der leichte Escort viele Erfolge im Motorsport. Weit erfolgreicher im internationalen Autosport waren allerdings der britische Escort TwinCam und sein Nachfolger, der RS 1600 mit Cosworth BD-16V-Motor. Mit diesem Motor konnte der RS1600 1973 die Rallycross-Europameisterschaft, den Finnland-Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft und einige Läufe zur Deutschen Rennsport-Meisterschaft gewinnen.

Karosserie Der Escort wurde von seinen Entwicklern als Stufenhecklimousine mit selbsttragender Ganzstahl-Karosserie konzipiert. Zunächst erschien die zweitürige Limousine, der ab April 1969 ein dreitüriger Kombi (bei Ford „Turnier“ genannt) folgte. Ab September 1969 bot Ford auch eine viertürige Limousine und einen Kastenwagen an.

Der Kofferraum der Limousine fasste 270 Liter, der Kombi hatte ein Ladevolumen von 1,53 m³.

Die Fahrzeuge hatten grundsätzlich runde Hauptscheinwerfer, nur die gehobene „Super“-Ausstattung wurde mit rechteckigen Scheinwerfern ausgeliefert.

Fahrwerk Das Fahrwerk des Escort war einfach gehalten. Die mit MacPherson-Federbeinen versehene Vorderradaufhängung wurde im Vergleich zum Anglia durch ein neues Querlenker-Schubstreben-Paar tiefer gelegt. Bei den Fahrzeugen aus deutscher Produktion wurden die hinten im Radkasten angelenkten Schubstreben zur Längsführung durch einen Querstabilisator ersetzt. Diese Radführung wurde später auch für die englischen Modelle übernommen. Die Lenkung war neu, mit Ritzel und Zahnstange.

Die starre Hinterachse wurde anfangs nur an halbelliptischen Dreiblattfedern geführt und mit schräg stehenden Stoßdämpfern versehen. Die Modellpflege für 1971 brachte dem Escort dann zusätzlich Längslenker an der Hinterachse.

Bremsen Bei Modelleinführung wurden die 1100er-Modelle mit Trommelbremsen an allen vier Rädern ausgerüstet. Die 1300er hatten vorne Scheibenbremsen, Trommelbremsen an den Hinterrädern und einen Bremskraftverstärker.

Motoren Die 1959 im Ford Anglia eingeführten Vierzylinder-Kent-Motoren wurden für den Escort weiterentwickelt. Sie erhielten neue Zylinderköpfe – Ansaug- und Auspuffkrümmer lagen sich gegenüber – mit Heron-Brennräumen, die als Mulde im Kolbenboden unter dem ebenen Zylinderkopf ausgebildet sind.Ford Escort. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1968, S. 211–213. Alle Motoren haben die gleiche Bohrung von 80,98 mm und gleiche Zylinderköpfe. Die unterschiedlichen Hubräume werden durch unterschiedliche Hübe erreicht. Im Zuge der Einführung des Modells 1971 wurden die 1,1- und 1,3-l-Motoren überarbeitet, wodurch sich eine Leistungssteigerung ergab. Die Ausführungen von Ford-Köln und Ford-England wiesen eine unterschiedliche Motorleistung auf.Escort- und Capri-Modelle 1971. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1971, S. 121. 1100, Strada1100 S13001300 SGT, GXL, SportRS 2000Bauzeitraum1968–19741968–19701968–19741973–1974MotorkenndatenMotortyp4-Zylinder-ReihenmotorVentileHängend, Stoßstangen und KipphebelHängendVentilsteuerungseitliche Nockenwelle, Einfach-KetteOHC, ZahnriemenGemischaufbereitung1 Ford Fallstromvergaser1 Doppel-Fallstromvergaser Weber 32/32 DFE1 Register-Fallstromvergaser Weber 32/36 DAGV mit StartautomatikKühlungWasserkühlung (6,0 l Wasser)Wasserkühlung (6,9 l Wasser)Bohrung × Hub81 × 53,3 mm81 × 63 mm90,82 × 76,95 mmHubraum1098 cm³1298 cm³1993 cm³Verdichtungsverhältnis8,0:19,0:18,0:19,0:1 (ab 1973) 9,2:19,2:1max. Leistung bei min−129 kW (40 PS)/ 5300 bis 32 kW (44 PS)/ 600033 kW (45 PS)/ 5300 bis 35 kW (48 PS)/ 600035 kW (48 PS)/ 500038 kW (52 PS)/ 5000 bis 42 kW (57 PS)/ 550047 kW (64 PS)/ 5800 bis 53 kW (72PS)/ 600074 kW (100 PS)/ 5700max. Drehmoment bei min−167 Nm/ 2800 bis 71 Nm/ 300073 Nm/ 2500 bis 74 Nm/ 300085 Nm/ 240090 Nm/ 2500 bis 91 Nm/ 300087 Nm/ 4200 bis 92 Nm/ 4000146 Nm/ 3750KraftübertragungAntriebHinterradantriebGetriebe, serienmäßig4-Gang-SchaltgetriebeGetriebe, optional–Borg Warner Automatik 3 Gang Planetengetriebe–MesswerteHöchstgeschwindigkeit127 km/h131 km/h135 km/h135–140 km/h152 km/h176 km/hBeschleunigung, 0–100 km/h27 s21 s20–22 s15,5–17 s10 sKraftstoffverbrauch auf 100 km10 l bis 10,5 l (Kombi)10,5 l bis 11 l (Kombi)10,5 l bis 11,5 l (Kombi)11 l12 lLeergewicht (Limousine 2-Türig)825 kg825–845 kg850 kg900 kgLeergewicht (Limousine 4-Türig)845 kg845–865 kg870 kg -Leergewicht (Kombi)880 kg880–900 kg -Leergewicht (Sportlimousine) -840 kg -

Kraftübertragung Alle Escort I waren serienmäßig mit einem vollsynchronisierten Vierganggetriebe ausgerüstet. Gegen einen anfänglichen Aufpreis von 799,20 DM war ein Dreigang-Borg-Warner 35 Automatikgetriebe erhältlich.

Eine Kardanwelle übertrug die Leistung zur Hinterachse, bei den 1100er-Modellen der ersten Baureihe war sie einteilig, die Modelle ab 1300 cm³ hatten eine zweiteilige Kardanwelle.

Motorsport mini|hochkant=1.2|Ford Escort RS 2000 (1973) mini|hochkant=1.2|Hans Heyer im Ford Escort RS 2000 beim Großen Preis der Tourenwagen 1974 auf dem Nürburgring Der Escort wurde ursprünglich ohne Rücksicht auf die Anforderungen des Motorsports konstruiert. Ford Motorsport organisierte jedoch ein frühes Exemplar und führte über ein Wochenende Passformproben der Mechanik des Lotus Cortina durch. Die Vorderachse dieses Wettbewerbsfahrzeugs ließ sich problemlos montieren, die Hinterachse mit nur minimalen Änderungen ebenfalls. Der Lotus-Motor passte allerdings wegen seines ausladenden Zylinderkopfs mit angegossenen Ansaugkanälen und der voluminösen Vergaser- und Luftfilteranlage erst unter die Motorhaube, als das Vorderende des Motors einige Zentimeter zur (in Fahrtrichtung) linken Seite verschoben wurde. Der Motor saß also nicht sauber gerade im Motorraum, sondern etwas nach links verdreht. Die Batterie musste in den Kofferraum verlegt werden, um Platz für den Auspuff zu schaffen.

Um das erheblich größere Getriebe des Cortina unterzubringen, wurden Spritzwand und Getriebetunnel mit einem Zwei-Kilo-Hammer entsprechend modifiziert.

Die Änderungen an der Karosserie beschränkten sich auf etwas breitere hintere Kotflügel, um die breite Hinterachse abzudecken, ausgestellte vordere Radläufe, Verstärkungsbleche an den Federbeinbefestigungen und den modifizierten Getriebetunnel. Solche Karosserien liefen in der Fertigung als „Type 49“ und hatten Fahrgestellnummern, die mit „49“ beginnen.

Das so entstandene Modell wurde als Escort Twin Cam anfangs in der regulären Fertigung in Halewood hergestellt und in einer abgelegenen Ecke des Werks komplettiert. Dort entstanden etwa 1.100 Fahrzeuge. Als das Management jedoch feststellte, dass für jede 49er-Karosserie ein Ausfall von eineinhalb normalen Escort entstand, wurde die Fertigung in Halewood beendet. Weitere Exemplare wurden bei Ford Motorsport in Boreham gefertigt.

Der Lotus-Motor erwies sich allmählich als nicht mehr ausreichend leistungsstark und auch als nicht besonders zuverlässig im Sporteinsatz, dazu auch noch aufwendig und teuer in der Wartung. Deswegen wurde Cosworth damit beauftragt, einen neuen Vierventil-Zylinderkopf für den vorhandenen Block zu konstruieren. Der so entstandene Cosworth-BD-Motor ersetzte den Lotus-Vierzylinder im ansonsten unveränderten Fahrzeug, das dann als Escort RS 1600 vermarktet wurde. Auch der BD-Motor wurde schief im Motorraum eingebaut, obwohl das wegen seiner erheblich schlankeren Abmessungen nicht mehr erforderlich gewesen wäre. Der BD hatte unter Ausnutzung sämtlicher Fertigungs- und Reparaturtoleranzen 1601 cm³ und durfte deswegen im Sport bis auf zwei Liter Hubraum vergrößert werden. Vom RS1600 entstanden einige hundert Exemplare in Boreham. Mit dem vorhandenen Grauguss-Block waren jedoch nicht mehr als 1835 cm³ realisierbar. Der externe Tuner Brian Hart hatte ohne Wissen von Ford auf eigene Faust einen Aluminium-Motorblock konstruiert, der den Grauguss-Block ersetzen konnte und die Möglichkeit bot, zwei Liter Hubraum zu realisieren.

Die Sportexemplare hatten zwei Liter Hubraum und Hinterachsen mit vier Längslenkern (die beiden oberen nach hinten gerichtet), einen Panhardstab sowie Schraubenfedern. Mit solchen Fahrzeugen konnte das Ford-Team mit Fahrern wie Roger Clark, Timo Mäkinen und Hannu Mikkola zahlreiche Erfolge im Rallyesport erzielen.

Ford machte alle Entwicklungen des Werksteams über sein vor allem in Großbritannien gut ausgebautes RS-Händlernetz allgemein verfügbar, sobald diese sich als sinnvoll und standfest erwiesen hatten. So konnte jedes Team, entsprechende Finanzkraft vorausgesetzt, Fahrzeuge auf Werksstandard präparieren. Dadurch unterlag Ford des Öfteren in Wettbewerben Privatteams, was aber aus Marketinggründen gern gesehen wurde. Dadurch wurden Escort RS zu sehr populären Wettbewerbsfahrzeugen in Großbritannien. Dort gab es den Satz, dass jedes Wochenende irgendwo in Großbritannien es irgendeine Veranstaltung gibt, die mit einem Escort gewonnen wird.

Produktionszahlen Escort 68 Gesamtproduktion deutsche Ford Werke (Genk in Belgien ab 1969; Saarlouis ab 1970) von 1969 bis 1974 (Genk ist dem deutschen Produktionsverbund zugeordnet) Jahr196919701971197219731974Summe120.393154.436156.958124.088156.09878.604 davon ca. 65.500 Escort 68ca. 777.500

Escort ’75 (1974–1980)

Modellgeschichte