Bensdorf [] ist eine Gemeinde im Westen des Landes Brandenburg. Sie gehört zum Amt Wusterwitz im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Bensdorf entstand am 1. Juli 1950 durch den Zusammenschluss der vier Gemeinden Altbensdorf, Neubensdorf, Woltersdorf und Vehlen. Der Name geht auf das bis zur Gründung Neubensdorfs im frühen 19. Jahrhundert Bensdorf genannte Altbensdorf zurück.

Bensdorf, Vehlen und Woltersdorf wurden, soweit bekannt, erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt. Sehenswürdigkeiten in den Orten der Gemeinde sind vor allem Dorfkirchen. Daneben sind einzelne Gehöfte unter Denkmalschutz gestellt. Die Wirtschaft ist im starken Maße agrarisch geprägt. Einzelne Bereiche der Gemeinde sind als Schutzgebiete ausgewiesen.

Geografie rahmenlos|300px|rechts Geografische Lage Bensdorf liegt im äußersten Westen des Landes Brandenburg und des Landkreises Potsdam-Mittelmark an der Grenze zum Land Sachsen-Anhalt und zum Landkreis Jerichower Land. Die Gemeinde liegt etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Brandenburg an der Havel, des Oberzentrums der Region und zehn Kilometer östlich der Stadt Genthin. Etwa fünfzig Kilometer östlich liegt Berlin. Weiterhin liegt Bensdorf am äußersten westlichen Rand der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Die Gemeinde hat eine Fläche von über 34 Quadratkilometern. Der höchstgelegene Punkt der Gemeinde ist mit 71,8 Metern die Hügelkuppe der eiszeitlich gebildeten Vehlenschen Berge, der tiefstgelegene mit etwa 29 Metern befindet sich im Südosten im Uferbereich des Wendsees. Bensdorf gehört mit Wusterwitz und Rosenau zum Amt Wusterwitz.

Gemeindegliederung, Nachbarstädte und -gemeinden Die Gemeinde besteht aus den fünf Ortsteilen Altbensdorf, Herrenhölzer, Neubensdorf, Vehlen und Woltersdorf. Dazu kommen die Wohnplätze Dunke (historisch auch Genzhof) nördlich von Vehlen, Dorotheenhof und Neu Woltersdorf bei Woltersdorf.

Im Uhrzeigersinn grenzen an die Gemeinde Bensdorf folgende Städte, Gemeinden und Orte: im Osten die kreisfreie Stadt Brandenburg an der Havel mit ihrem Stadt- und Ortsteil Plaue, im Süden die zum Landkreis Potsdam-Mittelmark gehörende Gemeinde Wusterwitz, im Westen die zur Stadt Jerichow im Landkreis Jerichower Land gehörenden Gemarkungen Kade, Demsin und Schlagenthin und im Norden die zur Gemeinde Milower Land im Landkreis Havelland gehörende Gemarkung Nitzahn mit dem Gemeindeteil Knoblauch.

Geologie mini|Blick auf Vehlen mit der Hügelkette der Vehlenschen Bergen im Hintergrund Die Landschaft Bensdorfs wurde während der letzten Kaltzeit, der Weichselkaltzeit, durch Vorschübe des Inlandeises von Skandinavien her geprägt beziehungsweise überformt. Die in Nord-Nordwest-Süd-Südost-Ausrichtung etwa 2,5 Kilometer lange Hügelkette der Vehlenschen Berge, die das Vor- und Hinterland um zwanzig bis vierzig Meter überragen, und der südlich von ihnen liegende 57 Meter hohe Weinberg markieren die Eisrandlage 1b der Brandenburg-Phase, die zweite hinter der Haupteisrandlage. Überschiebungen, Steilstellungen, Falten und Zerscherungen als Einengungsstrukturen belegen und bestimmen den Charakter der Vehlenschen Berge als Stauchmoräne. Es gibt Sande, Kiese und Gerölle. Die Bergflanke ist mit Geschiebemergel bedeckt. Östlich der Vehlenschen Berge weisen feinsandige Sedimente und Bänderschluffe auf einen ehemaligen Schmelzwassersee am Eisrand hin.Roland Weiße: Beiträge zur weichselkaltzeitlichen Morphogene des Elbhavelwinkels. Schriftreihe der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Potsdam April 2003, ISBN 3-935024-73-8, S. 32–36.

Böden Die Böden sind typisch für eiszeitlich geprägte Landschaften. Weite Bereiche sind von Gleyen und Gley-Braunerden geprägt. Der Höhenzug der Vehlenschen Berge ist mit Braunerde bedeckt. Zwischen Alt- und Neubensdorf, nördlich von Altbensdorf und im Südosten zum Wendsee gibt es kleinere Flächen mit Podsol-Braunerde. Podsole sind auf einem Streifen im Süden, auf einer Fläche im Westen zum Land Sachsen-Anhalt hin und auf einem kleinen Bereich im Nordosten zu finden. Zwischen den Vehlenschen Bergen und dem Weinberg, nördlich von Woltersdorf und im Osten herrscht Anmoorgley vor. Erdniedermoore gibt es an verschiedenen Stellen auf den Gemeindeflächen. Bei Herrenhölzer gibt es ein kleines Areal mit Kalkgley, im äußersten Norden bei Dunke eines mit Auengley und unmittelbar westlich der Vehlenschen Berge eines mit Fahlerde. Nur dem geringeren Teil der Gemeindeflächen wird ein hohes oder sehr hohes Ertragspotential zugeschrieben. Ein sehr hohes Ertragspotential hat nur ein kleiner Bereich bei Dunke. Ein hohes Ertragspotential haben in erster Linie die Bereiche mit Kalkgley, Podsolen und ein Teil der Erdniedermoore.

Gewässer Die Gewässer in der Gemeinde sind in erster Linie künstlich angelegte Kanäle und Entwässerungsgräben. Im Süden befinden sich der Woltersdorfer Altkanal (WAK) als östlicher Teil des Plauer Kanals und der Elbe-Havel-Kanal. Der Plauer Kanal war eine Wasserstraße, die von 1743 bis 1745 auf Weisung Friedrichs II. zwischen dem Havelsee Wendsee, der Stremme und der Ihle, zur Elbe angelegt wurde. Hintergrund war die Verkürzung des Fahrtwegs zwischen Berlin und Magdeburg um eine Strecke von etwa 150 Kilometern und das Umfahren eines Teils der Elbe mit ihrer starken Strömung. Bedeutendes Ziel der Schifffahrt jener Zeit waren in der Nähe Magdeburgs die Salzlagerstätten bei Schönebeck (Elbe). Weiterhin hatte der Kanal eine große Bedeutung bei der Erschließung von Torflagerstätten im Fiener Bruch. Nachdem der Kanal nicht mehr den Anforderungen der Schifffahrt entsprach und die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht war, wurde 1920 ein Gesetz zum Bau des Elbe-Havel-Kanals verabschiedet. Dieser Kanalbau wurde bis 1938 unter Nutzung weiterer Abschnitte des Plauer Kanals fertiggestellt. Nicht Teil des Neubaus war der Woltersdorfer Altkanal südlich von Woltersdorf. Stattdessen wurde in gerader Streckenführung ein Durchstich zum Wendsee geschaffen. Dort wurde unmittelbar auf der Gemeindegrenze zwischen Woltersdorf und Wusterwitz die Schleuse Wusterwitz errichtet. Die bestehende Plauer Schleuse im Altkanal unmittelbar hinter der Gemeindegrenze wurde zu einem Wehr umfunktioniert. Seit den 1990er Jahren wird der Schifffahrtsweg Elbe-Havel-Kanal als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17 ausgebaut. Die Schleuse Wusterwitz wurde erneuert. Der Elbe-Havel-Kanal hat als Bundeswasserstraße die Wasserstraßenklasse IV, auf ausgebauten Strecken Vb, der Woltersdorfer Altarm, der als Liegeplatz für die Sportschifffahrt genutzt wird und von Westen befahren werden kann, die Klasse 0.

mini|Pelzgraben bei Altbensdorf Drei Systeme von Entwässerungsgräben gibt es in Bensdorf. Etwas nördlich der Kanäle verläuft nahezu parallel der Plauer Schleusengraben, der mit seinen Stichgräben den Bereich entwässert. Der Graben beginnt westlich von Herrenhölzer, fließt südlich am Weinberg vorbei, zwischen Herrenhölzer und Neubensdorf und kurz unmittelbar südlich an Woltersdorf vorbei nach Osten. Er mündet etwa 150 Meter nördlich des Woltersdorfer Altkanals in den Wendsee ein. Das Grabensystem des Plauer Schleusengrabens wird im Gemeindegebiet über insgesamt sechs Wehre gesteuert. Nur 200 Meter nördlich des Schleusengrabens beginnt der Pelzgraben. Dieser fließt in ostnordöstlicher Richtung zunächst zwischen Weinberg und Vehlenschen Bergen. Im weiteren Verlauf führt er unmittelbar nördlich an Altbensdorf vorbei, ehe er in das Stadtgebiet Brandenburg an der Havel abfließt. Bei Neu Plaue mündet er direkt in die Havel ein. Das System des Pelzgrabens wird in Bensdorf ebenfalls über sechs Wehre gesteuert. Das dritte Grabensystem ist das des Königsgrabens und des Vehlener Hauptgrabens. Der Vehlener Hauptgraben beginnt östlich Vehlens und fließt nach Norden ab. Im ehemaligen Feuchtgebiet nordöstlich Vehlens nimmt er eine Vielzahl seitlicher Stichkanäle auf. Er bildet dabei über etwa anderthalb Kilometer die Grenze zwischen den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Havelland. Bei Dunke mündet der Vehlener Hauptgraben direkt auf der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt in den Königsgraben ein. Dieser beginnt südlich Schlagenthins in Sachsen-Anhalt. Nach etwa drei Kilometern bildet er für fast zwei Kilometer die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Havelland mündet der Königsgraben als Schlagenthiner Königsgraben bei Milow in die Havel.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Anhand verschiedener archäologischer Funde ist eine Besiedlung des Gemeindegebietes Bensdorfs bereits für die ur- und frühgeschichtliche Zeit belegt. Bei Kanalbauarbeiten südlich von Woltersdorf wurden mehrere Siedlungsreste gefunden, die in die neolithische Zeit datiert werden konnten. Beispielsweise wurde ein urgeschichtliches Gräberfeld gesichert und ein neolithisches Brandgrab 2005 bis 2006 dokumentiert. Weitere Siedlungsfunde stammen aus der Bronzezeit..

In seinem Werk Germania beschrieb Tacitus die Gegend östlich der Elbe bis an die Oder als Siedlungsgebiet des suebischen Stamms der Semnonen. Bis auf wenige Restgruppen verließen diese noch vor oder spätestens während der Zeit der Völkerwanderung ab dem 3. beziehungsweise 4. Jahrhundert ihr altes Siedlungsgebiet an der Havel in Richtung des Rheins. Ab dem 5. beziehungsweise im 6. Jahrhundert kam die germanische Siedlungstätigkeit weitgehend zum Erliegen. Ab dieser Zeit bis ins 8. Jahrhundert liegen nur wenige archäologische Funde vor. Anfang des 8. Jahrhunderts wanderten Slawen in das nach der Abwanderung der Germanen weitgehend siedlungsleere Gebiet ein.Felix Biermann, Stefan Dalitz, Karl-Uwe Heußner: Der Brunnen von Schmerzke, Stadt Brandenburg a.d. Havel, und die absolute Chronologie der frühslawischen Besiedlung im nordostdeutschen Raum. In: Praehistorische Zeitschrift. Band 74 (1999), Heft 2, , S. 219–244 passim.; ihnen ausdrücklich folgend Thomas Kersting: Slawen in Brandenburg:eine archäologische Momentaufnahme. In: Joachim Müller, Klaus Neitmann, Franz Schopper (Hrsg.): Wie die Mark entstand. 850 Jahre Mark Brandenburg. BLDAM, Wünsdorf 2009, ISBN 978-3-910011-56-4, S. 15–31, hier S. 23. Reste der Germanen gingen in der slawischen Mehrheitsbevölkerung auf.

Mittelalter und Neuzeit bis 18. Jahrhundert Im 10. Jahrhundert kam das Gebiet Bensdorfs erstmals und 1157 dauerhaft unter deutsche Herrschaft. Zwischenzeitlich stand das Land nach einem Aufstand 983 nochmals für fast 200 Jahre unter slawischer Oberherrschaft.

Erste schriftliche Erwähnungen stammen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bensdorf wurde 1363 als „Bentsdorp“ und 1475 als „Bentczendorf“ genannt. Nur kurze Zeit später wurden auch Woltersdorf („Woltersdorp“) und Vehlen („Velem“) erstmals in den Lehnsregistern des Erzstifts Magdeburg von 1368 bis 1381 erwähnt.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. be.bra Wissenschaft, Berlin 2010, ISBN 978-3-937233-30-7, S. 173. Aufgrund dieser Lehnsregister gehörte Bensdorf als Lehen einem „Heyso von Krakow“ und Woltersdorf zwei Mitgliedern der Familie von Sandow, die ihren Sitz in der östlich an der Havel gelegenen Burg Plaue hatten. Seit dem späten Mittelalter gab es in Bensdorf zwei Rittergüter.

Seit dem 16. Jahrhundert gelangte das Erzstift Magdeburg, zu dem die Orte gehörten, zunehmend unter brandenburgischen Einfluss. Zur Mitte dieses Jahrhunderts war die Familie von Britzke Besitzer beider Güter in Bensdorf und des Dorfes mit allen Rechten. Die Familie hatte auch das Kirchenpatronat für die seit dem frühen 16. Jahrhundert nachgewiesene Pfarrkirche inne. Woltersdorf mit einem Rittergut und dem Kirchenpatronat war im Besitz der auf dem Rittergut Rogäsen ansässigen Familie von Werder. Die Kirche war Filialkirche der Kirche in Plaue. In den 1560er Jahren wurde im Erzstift Magdeburg die Reformation eingeführt.