mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche hl. Petrus in Inzing Die römisch-katholische Pfarrkirche Inzing steht in der österreichischen Gemeinde Inzing in Tirol. Die dem heiligen Petrus geweihte Pfarrkirche und Wallfahrtskirche gehört zum Dekanat Telfs in der Diözese Innsbruck. Die Kirche und der Friedhof stehen unter Denkmalschutz ().

Geschichte Urkundlich wurde die Kapelle im Jahre 1260 erwähnt. Die Kirchweihen erfolgten in den Jahren 1310 und 1451. Der barocke Neubau erfolgte von 1777 bis 1779 durch den Baumeister und Stuckateur Franz Singer. Die Renovierungen fanden in den Jahren 1832 und 1870/1877 statt. Im Jahre 1891 wurde die Kirche zur Pfarrkirche erhoben. Eine weitere Renovierung erfolgte im Jahre 1902. Die Restaurierung erfolgte im Jahre 1956 und die Außenrestaurierung von 1971 bis 1975.

Die Wallfahrt geht der Legende nach auf ein weinendes Mariahilf-Bild zurück, das von einer Frau hinter eine Truhe entdeckt wurde. Zunächst brachte man das Bild in die Wallfahrtskirche Kaltenbrunn, holte es jedoch wieder nach Inzing zurück und stellte es in der Pfarrkirche auf. Das Bild wurde im 18. und 19. Jahrhundert viel verehrt, besonders groß war der Zustrom der Wallfahrer im Jahr 1848, als Maria und das Jesuskind Augen und Mund bewegt haben sollen.

Architektur mini|Innenraum Die Dorfkirche besitzt einen schlanken Nordturm und ist von einem Friedhof umgeben. Der schlichte Kirchenbau hat ein gegen Osten abgewalmtes Satteldach. Das Langhaus ist zweijochig, das Ostjoch wie das Chorjoch wurde leicht eingezogen. Der Chor besitzt einen geraden Schluss und an der Ostseite schließt die Sakristei an. Der vermutlich spätgotische Turm trägt einen Giebelspitzhelm an der Chornordseite und sind mit spitzbogigen, gekoppelten Schallfenstern und Giebelfenstern mit Maßwerk ausgestattet. Die Fassaden sind durch eine Architekturmalerei, Pilaster und eine zusammengefasste Rahmung der Fenstergruppen gegliedert. An der dreiachsigen Westfassade mit einem Dreieckgiebel über kräftigem Hauptgesims befinden sich ein Rundbogenportal und eine Figurennische mit einer Statue des heiligen Petrus und stammt aus dem vierten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Der Innenraum weist zwei querrechteckige Langhausjoche mit Flachkuppelwölbung, breite Wandpfeiler mit Pilastergliederung und einen korbbogigen Gurtbogen auf. Der Langhaus und Chor sind mit Rokokostuckaturen von Johannes Graßmayr versehen. Die Deckenmalereien stellen die Szenen aus dem Leben Petri und der weinenden Muttergottes von Inzing dar und wurden von Anton Kirchebner im Jahre 1779 begonnen und nach dessen Tod von seinen Söhnen Franz Xaver Kirchebner und Josef Anton Kirchebner vollendet.

Das Kriegerdenkmal besitzt ein Bronzerelief, das von Otto Knitel im Jahre 1923 geschaffen wurde.

Ausstattung mini|hochkant|Kanzel Der spätbarocke Hochaltar mit einem hohen Sockelgeschoß mit Opfergangsportalen stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und besitzt einen Doppelsäulenaufbau, das innere Säulenpaar hat ein diagonal vorgezogenes Gebälk, das Dekor zeigt Empire-Elemente. Der Hochaltar zeigt das Altarblatt Kreuzigung Petri, das von Anton Zoller aus dem Jahre 1766 angeschafft wurde und stellen seitlich Statuen der vier Kirchenväter sowie im Auszug eine Figur des Auferstandenen vom Ende des 18. Jahrhunderts dar. Der Tabernakel trägt das Gnadenbild und ist eine der ältesten Kopien des Gnadenbildes Mariahilf.

Die Orgel mit dem Brüstungspositiv schuf Johann Anton Fuchs im vierten Viertel des 18. Jahrhunderts, das Werk wurde später mehrmals umgebaut. mini|Pirchner-Orgel im historischen Gehäuse von Franz Xaver Fuchs I.

Orgel Wann in Inzing die erste Orgel aufgestellt wurde, kann leider nicht nachgewiesen werden. Nachdem aber eine Innsbrucker Chronik davon berichtet, dass der Orgelbauer Anton Fuchs 1774 die Orgel in Inzing reparierte, ist davon auszugehen, dass die ca. 1777 abgerissenen Kirche bereits über eine Orgel verfügte. Dafür spricht auch der Umstand, dass Inzing als Wallfahrtsort wahrscheinlich über beträchtliche finanzielle Mittel verfügte. In einer Beschreibung der Diözese Brixen heißt es, dass es sich bei dieser Orgel um „ein gutes Werk mit 21 Registern“ handelte.

In den Jahren 1780/81 hat die neue Pfarrkirche eine Orgel vom Orgelbauer Franz Xaver Fuchs I. erhalten. Das Werk dürfte bereits über 23 Register und zwei Manuale mit Pedal verfügt haben. Inwiefern Franz Xaver Fuchs I. teile aus dem Vorgängerinstrument übernommen hat, ist nicht bekannt.

1866 reparierte der Oberperfer Orgelbauer Franz Weber die Orgel. Dabei dürfte er die ursprünglich verkürzte große Oktave voll ausgebaut haben.

Einen weiteren großen Eingriff erlebte die Orgel im Jahre 1905 durch Anton Behmann aus Schwarzach in Vorarlberg. Behmann baute das Instrument im romantischen Stil um und tauschte zahlreiche Register aus. Außerdem legte er das Rückpositiv still und baute stattdessen an der Südseite des Hauptwerks ein Schwellwerk an. Zeitgenössische Quellen sprechen davon, dass das „links an die Orgel angebaute Schwellwerk mit seinen nichtssagenden Stimmen [...] nicht nur ausdrucks- und wirkungslos für die Tonfarbe der Orgel [blieb], sondern [...] den ohnehin kleinen Raum für die Sänger noch mehr ein[engte].“

Auch der Erste Weltkrieg ging nicht spurlos an der Orgel vorbei. So mussten die Pfeifen des Prinzipal 8′ abgeliefert werden, weil Zinn ein kriegswichtiges Material war. Damit verlor die Orgel nicht nur ihre Prospektpfeifen im Hauptwerk, sondern auch ihr klangliches Fundament. In der Folge wurde der Prinzipal 8′ durch Pfeifen aus Zink ersetzt.

Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstand der Wunsch die Orgel zu renovieren. Allerdings verging noch einige Zeit bis es zur Realisierung kam. In den Jahren 1948 und 1949 wurden erste Kostenvoranschläge von der Orgelbauanstalt Steinach am Brenner vorgelegt. Die Umsetzung der Renovierung erfolgte aber erst 1955 durch Johann Pirchner sen. Dabei wurde versucht der Originalzustand wieder herzustellen. Das Schwellwerk wurde wieder abgebaut, das Rückpositiv reaktiviert, die Disposition an die ursprüngliche Disposition von Fuchs herangeführt und der Spieltisch an die Nordseite des Hauptwerks verlegt.

Beim aktuellen Instrument handelt es sich um eine Schleifladenorgel mit 24 Registern verteilt auf zwei Manualen und Pedal. +Disposition:Hauptwerk: C-f3Rückpositiv: C-f3Pedal: C-f1Bordun 16′ (ab c) Prinzipal 8′ Gemshorn 8′ Flöte 8′ Dulciana 8′ Oktave 4′ Rohrflöte 4′ Quinte 2 2/3′ Superoktave 2′ Cornett 2′ Mixtur 1 1/3′Gedackt 8′ Salicional 8′ Prinzipal 4′ Waldflöte 2′ Quinte 1 1/3′ Cymbel 1′ Krummhorn 8′Prinzipalbass 16′ Subbass 16′ Oktavbass 8′ Quintbass 5 2/3′ Choralbass 4′ Posaune 16′

Glocken Wann die Kirche in Inzing ihre ersten Glocken erhielt, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die älteste noch erhaltene Glocke wurde 1650 von Bartholomäus Köttelath in der Löffler’schen Werkstätte gegossen. Neben einer Kartusche an der Flanke der Glocke, die auf den Gießer und das Gussjahr verweist, gibt es noch eine zweite mit dem Text: „Johann Gaßler hat mich renoviert lassen 1650“. Diese Formulierung legt nahe, dass diese Glocke aus dem Material einer älteren Glocke gegossen wurde.

Neben der historischen Köttelath-Glocke von 1650 befindet sich eine weitere historische Glocke im Turm der Kirche. Nachdem mit Ausnahme der „Alten“ Glocke von Köttelath alle Glocken im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, beauftragte die Gemeinde 1928 die Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck mit dem Guss von zwei neuen Glocken in den Tönen Cis1 und A1. Diese wurden am 11. März 1928 von Bischof Sigismund Waitz geweiht. Trotz intensiver Bemühungen der Gemeinde, dass die „Große“ Cis1-Glocke im Zweiten Weltkrieg von der Abnahme verschont bliebe, wurden Ende Jänner 1942 alle Glocken zum Einschmelzen abgenommen, nur die „Alte“ blieb im Turm zurück.

Auf Grund glücklicher Umstände überstand die „Große“ den Krieg, und so ließ die „Heimkehrerin“ bereits am Fronleichnamstag 1945 im Verein der „Alten“ ihr klangvolles Geläute zur Freude der Inzinger ertönen.

Am 13. August 1951 wurde die Firma Grassmayr in Innsbruck mit der Lieferung von drei weiteren Glocken beauftragt. Die Kriegergedächtnisglocke, die Versehglocke und die Totenglocke vervollständigen seitdem das Geläut der Pfarrkirche Inzing. +Große GlockeAlte GlockeKriegergedächtnis- glockeVerseh- glockeToten- glockeSchlagtonCis1E1Fis1A1G2Gussjahr19281650195119511951GießerGrassmayrBartholomäus KöttelathGrassmayrGrassmayrGrassmayrGewicht2.100 kg1.100 kg750 kg470 kg77 kg

Literatur Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Tirol 1980. Inzing, Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Petrus, Friedhof, S. 364–365.

Weblinks

Einzelnachweise

Inzing Inzing Inzing Inzing

Inzing Kategorie:Inzing

Inzing Inzing Inzing