Lennestadt ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Olpe im Sauerland. Sie wurde am 1. Juli 1969 im Rahmen der kommunalen Neugliederung gegründet und trat damit die Rechtsnachfolge des aufgelösten Amtes Bilstein an. Die zweitbevölkerungsreichste Gemeinde des Kreises umfasst insgesamt 43 Ortsteile.

Erste Besiedlungsspuren der Region reichen bis in die Frühlatènezeit zurück. Nach Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke im Jahre 1861 erfuhr sie einen durchgreifenden Strukturwandel. Das metallverarbeitende Gewerbe konnte sich im Gebiet der heutigen Stadt Lennestadt etablieren und auch der Bergbau profitierte von der Bahnlinie. Im produzierenden Gewerbe arbeiten noch über 50 % der Beschäftigten. Eine große wirtschaftliche Bedeutung hat auch der Tourismus.

Geographie mini|Lenne in Lennestadt-Gleierbrück mini|Blick vom höchsten Berg von Lennestadt, dem Härdler (756 m), nach Norden

Lennestadt liegt inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge und wird von der Lenne, einem Nebenfluss der Ruhr, von Osten nach Nordwesten durchflossen. Neben der Hundem, die im Stadtteil Altenhundem von links in die Lenne mündet, sind Elspebach und Veischede weitere größere Zuflüsse, die in Grevenbrück in die Lenne münden. Während der Nordosten Lennestadts vom Einzugsgebiet des Elspebachs eingenommen wird, wird der Westen vom Einzugsgebiet der Veischede eingenommen. Einsiedelei und Altenhundem sind die einzigen Ortsteile Lennestadts, die zum Einzugsgebiet der Hundem gehören.

Das Gebiet Lennestadts liegt zwischen 51° 03′ und 51° 12′ nördlicher Breite sowie zwischen 7° 58′ und 8° 15′ östlicher Länge. Die größte Ausdehnung in Nordost-Südwestrichtung beträgt etwa 19 km, in Ostwestrichtung etwa 20 km.

Der höchste Punkt ist der Härdler bei Milchenbach mit 756 Meter über NHN, der niedrigste mit 239 Meter die Lenne an der Grenze zur Nachbargemeinde Finnentrop.

Nachbargemeinden Lennestadt grenzt im Norden an die Gemeinden Finnentrop sowie Eslohe (Hochsauerlandkreis), im Osten an die Städte Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) und Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein), im Süden an die Gemeinde Kirchhundem und im Westen an die Städte Olpe und Attendorn.

Flächennutzung mini|Blick auf Altenhundem, den größten Ortsteil von Lennestadt

Das Stadtgebiet von Lennestadt hat Ende 2019 eine Fläche von 135,59 km². Der Anteil des Waldes beträgt 65,3 %. 19,5 % werden landwirtschaftlich genutzt. Der Rest verteilt sich auf Verkehrsflächen (6,5 %), Gebäudeflächen einschließlich der zugehörigen Frei- und Betriebsflächen (5,5 %), Sport- und Erholungsflächen (0,8 %) sowie 2,4 % nicht näher bestimmte Flächen.Kommunalprofil der Stadt Lennestadt, S. 3 (Stand 29. Oktober 2020) auf der Internetseite www.it.nrw.de/Kommunalprofil (abgerufen am 8. Juli 2021) Nicht ungewöhnlich im Sauerland ist der hohe Anteil der Waldfläche im Gebiet der Stadt Lennestadt.

Geologie Das Sauerland und damit auch das Gebiet der Stadt Lennestadt sind Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Die meisten, im Gemeindegebiet anzutreffenden Gesteine entstanden vor 400 bis 335 Millionen Jahren während des Unterdevons bis Unterkarbons, als das ganze Gebiet von einem flachen Meer bedeckt war. Die am häufigsten verbreiteten Gesteine sind Tonschiefer, kalkhaltige Schluffsteine, feinkörnige Sandsteine, Grauwacken und vorwiegend verkieselte Kalk- und Tonsteine. Während der Sedimentation der paläozoischen Gesteine sind hydrothermale Erzlösungen in die Sedimente eingedrungen und führten zur Bildung von schichtgebundenen Blei-Zink-Erzlagerstätten vom SEDEX-Typ,A. G. Mueller: The sedimentary-exhalative Meggen Zn-Pb sulfide and barite deposit, Germany: Geology and plate-tectonic setting. Slide presentation and explantory notes. Society Applied to Mineral Deposits web page, Mineral deposits archive, 2005. wie sie in Meggen und Halberbracht abgebaut wurden. Im Oberkarbon, vor etwa 350 bis 300 Millionen Jahren, wurde das Gebiet von der variszischen Gebirgsbildung erfasst. Dabei wurden die ehemals horizontal abgelagerten Gesteinsschichten gefaltet und zum Teil überschoben. Ein Großteil der Ablagerungen des Gemeindegebietes bildet heute strukturgeologisch betrachtet, die Meggener Mulde.Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:100.000, Blatt C 5114 Siegen, Krefeld 1985, S. 18. In der Folgezeit wurde das variszische Gebirge zunehmend zu einer Rumpffläche eingeebnet. Die Hügel des Sauerlandes entstanden durch die Hebung des Rheinischen Schiefergebirges vor allem in Tertiär und Quartär, dem jüngsten Zeitalter der Erdgeschichte, das vor ca. 2,6 Millionen Jahren begann und bis zur Jetztzeit reicht. Die Bäche der neu entstandenen Landschaft gruben sich tief in das Gebirge ein (siehe auch Sauerland). Beispielhaft kann man dies am Lauf der Lenne erkennen, an deren Hängen sich Terrassenebenen bildeten.

Zahlreiche Höhlen konnten sich im Massenkalk des Oberen Mitteldevon bilden, so etwa im Gebiet der Ortsteile Sporke und Hespecke. In Sporke wird derzeit die Monarchen-Höhle renaturiert.Rainer Ahrweiler: Lage, Geschichte und Renaturierung der Monarchen-Höhle bei Lennestadt-Sporke. In: Südsauerland – Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe. Heft 3/2010, S. 265 ff.

Im Ortsteil Meggen wurde 2011 ein handtellergroßes Fossil einer Muschel entdeckt. Nach Begutachtung durch das LWL-Museum für Naturkunde handelt es sich um einen etwa 400 Millionen Jahre alten sogenannten Skulptursteinkern aus der Devonzeit. Das Fossil wurde am 22. November 2011 aus dem Umgebungsgestein herausgelöst und für weitere Analysen in das LWL-Museum gebracht.400 Millionen Jahre alt – Uralte Muschel in Meggen entdeckt und geborgen. In: Sauerlandkurier für Lennestadt, Kirchhundem und Umgebung. 30. November 2011.

Stadtgliederung mini|Ortsteile von Lennestadt

Die Stadt Lennestadt hat 43 Ortsteile und entstand durch die kommunale Gebietsreform des Kreises Olpe am 1. Juli 1969 aus den bisher selbstständigen Gemeinden Elspe, Grevenbrück, Kirchveischede, Oedingen, Saalhausen sowie Altenhundem aus der Gemeinde Kirchhundem. Durch die Gebietsreform 1975 kam Milchenbach aus der Gemeinde Lenne dazu. Bei beiden Gebietsreformen wurden Gemeindegrenzen geändert und einzelne Orte Nachbargemeinden zugeteilt.

Die Neugliederung war insbesondere deshalb notwendig geworden, weil die Strukturen einzelner Gemeinden nicht mehr mit dem starken Wachstum der Wirtschaft und der Unternehmen in Einklang zu bringen waren. Auch waren durch weitere Besiedlungen einige Orte bereits nahe aneinander gerückt.vgl. Gustav Reuter: Ein Parlamentarier der ersten Stunde erinnert sich. Beitrag in: In Lennestadt, Olpe 1995, S. 105. In schwierigen politischen Prozessen wurde Altenhundem als Zentralort und Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklungsplanung bestimmt.Hubert Nies: Erneuerung auf gewachsenen Strukturen. Beitrag in: In Lennestadt, Olpe 1995, S. 84,85.

Trotz der Zentralisierung von Verwaltungseinrichtungen konnten die alten Orte ihre Eigenständigkeit bewahren, wozu besondere Ortsentwicklungspläne beitrugen.

Zum Stadtgebiet Lennestadt gehören folgende Ortschaften:Stadt Lennestadt: Ortschaften, abgerufen am 29. März 2026.

Klima

Das Gebiet der Stadt Lennestadt liegt in der gemäßigten Klimazone. An einzelnen Tagen werden im Hochsommer jedoch Temperaturen von deutlich über 30 °C gemessen, während sie im Winter gelegentlich bis auf etwa −20 °C sinken können.

Geschichte Siehe auch: Jeweilige Artikel der 43 Ortsteile.

Frühzeit und Mittelalter mini|hochkant|Hügelgrab Elspe Am Maar (Alter ca. 4000 Jahre) mini|Wallanlage auf dem Hofkühl mini|Frühgeschichtliche Wege und Burgen im südlichen Sauerland; der Römerweg ist grün dargestellt

Über einen viel beachteten archäologischen Fund im Bereich der Lenne, nahe dem Ortsteil Trockenbrück berichtet die örtliche Presse im Juli 2016. Es handelt sich um einen Steinkern (wissenschaftliche Bezeichnung Levalloiskern), von dem Steinsplitter zur Herstellung von Werkzeugen (Waffenspitzen u. a.) abgeschlagen wurden. Der Fund wird von Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in die letzte Eiszeit (etwa vor 80 bis 40.000 Jahren) datiert. Da diese Art der Steinbearbeitung von den damals lebenden Neandertalern bekannt ist, dient der Fund als erster Nachweis für den Aufenthalt dieser Urmenschen auch im Raum Lennestadt und darüber hinaus im Kreis Olpe/Südsauerland.vgl. Beitrag Eine archäologische Sensation, in: Sauerlandkurier für Lennestadt, Kirchhundem, Finnentrop und Umgebung, Ausgabe vom 17. Juli 2016

Anhaltspunkte für Niederlassungen von Sammlern und Jägern ergeben sich für die Zeit zwischen Jungsteinzeit und früher Bronzezeit. Im Frühjahr 1972 entdeckte der Schriftsteller und Beauftragte des Landesdenkmalamtes Münster Hannes Tuch im Naturschutzgebiet Melbecke und Rübenkamp ein Hügelgrab, dessen Alter gemäß einer Hinweistafel auf etwa 4000 Jahre geschätzt wird. Weitere Funde dieser Art befinden sich in der Nähe von Hespecke und nahe Elspe (Gebiet Auf dem Maar). Die Gräber sind zwar nicht archäologisch untersucht worden, jedoch wird ihre Eigenschaft als Hügelgräber für sicher gehalten.s. auch Elspe - Bilder, Erzählungen und Geschichte aus einem Dorf im Sauerland, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft für örtliche Belange (Zusammenschluss der Elsper Vereine), Fredeburg 1983, S. 7, 8.

Nachhaltige Spuren einer Besiedlung des heutigen Stadtgebietes in den Wallburgen auf dem Hofkühl bei Kirchveischede und dem Weilenscheid bei Elspe reichen bis ins 5. Jahrhundert v. Chr., in die Frühlatènezeit, zurück.Lennestadt. Ein Platz zum Leben. Herausgeber Stadtmarketing Lennestadt e. V., Lennestadt 2008, S. 132. Die Wallburg auf dem Weilenscheid hat im Oval eine Länge von 225 und eine Breite von 75 Metern. Funde wie Fibeln für Trachten und Armringfragmente lassen sich dem Zeitraum von etwa 480 bis 320 v. Chr. zuordnen. Bei einem seltenen Fund auf dem Bergrücken des Weilenscheid handelt es sich um ein Fragment eines Hohlbuckelringes mit plastischer Verzierung in Spiralform auf dem Buckel.Ausstellungsstücke der Sonderausstellung Die Wallburg auf dem Weilenscheid bei Elspe - Funde und Entdeckungen aus der vorrömischen Eisenzeit im Museum der Stadt Lennestadt vom 13. Mai bis 30. August 2012.

Die Wallanlage Hofkühl ist rund 80 Meter lang und 60 Meter breit. Eine genauere Zeitzuordnung innerhalb der Latènezeit ist nicht möglich.

Hinweise auf eine frühe Besiedlung ergeben sich auch aus neueren Grabungen am Oedingerberg. Funde erhärten die Annahme, dass dort vor der Existenz des Klosters Oedingen eine fränkische Burg stand. Ein gefundener karolingischer Schwertgurtbeschlag datiert in das erste Drittel des 9. Jahrhunderts (800 bis 835).Wolfgang Poguntke, Wichtige Bodenfunde berichten von der mittelalterlichen Besiedlung auf dem Oedingerberg, in: Südsauerland Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, Heft 2/2012 (Folge 247), S. 131, 145.

Für Elspe und Oedingen gibt es die ältesten schriftlichen Belege des Stadtgebiets. Die Orte wurden erstmals im Jahre 1000 in einer Urkunde erwähnt, die Kaiser Otto III. zur Bestätigung der Gründung des Klosters Oedingen ausstellen ließ. Für die folgenden Jahrhunderte gibt es Nachweise vor allem aus Bilstein, Amt Bilstein und der Burg Bilstein.Lennestadt. Ein Platz zum Leben. Herausgeber Stadtmarketing Lennestadt e. V., Lennestadt 2008, S. 132 ff.

Durch das Stadtgebiet führten die frühgeschichtlichen Fernstraßen Römerweg und Heidenstraße. Der Römerweg von Bonn bis zu den Briloner Hochebenen streifte die Ortsteile Bilstein, Grevenbrück, Trockenbrück, Elspe, Oberelspe und Oedingen. Die Heidenstraße erstreckte sich von Leipzig bis Bonn und verlief im Raum Grevenbrück/Elspe auf der gleichen Trasse. Zu den Verläufen siehe auch Streckenverlauf der Heidenstraße. mini|hochkant|Burg Bilstein mini|hochkant|1784 erbautes Hofhaus in Kirchveischede mini|Personenwagen der Veischedetalbahn mini|hochkant|Aussichtsturm auf der Hohen Bracht