Die italienisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Italien und Portugal. Bereits seit der Vereinigung Italiens 1861 unterhalten die Länder direkte diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Italien beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019

Die Beziehungen beider Länder reichen bis in die Zeit des Römischen Reichs zurück. Verbindendes Glied ist heute insbesondere die gemeinsame Mitgliedschaft in der EU, dem Schengen-Raum und der Eurozone, aber auch in der NATO, der OECD, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und dem Europarat, der Lateinischen Union, der Welthandelsorganisation, der Weltbank und den verschiedenen UN-Organisationen. Zudem hat Italien seit 2018 Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder. Der bilaterale Handel, die gegenseitigen Einwanderergemeinden und ein intensiver Kulturaustausch sind ebenfalls zu nennen, zudem besteht ein reger gegenseitiger Fremdenverkehr.

Die Länder verbindet auch die verbreitete katholische Religion, mit dem italienischen Rom als Zentrum der katholischen Kirche und dem portugiesischen Fátima als einem ihrer bedeutendsten Wallfahrtsorte. Der in Italien populäre Heilige Antonius von Padua stammte ebenso aus Portugal, wie Papst Johannes XXI.

Geschichte Römisches Reich bis Gründung Italiens 1861 mini|In den römischen Ausgrabungsstätten von Conimbriga Die Iberische Halbinsel war neben Norditalien der bedeutendste Schauplatz des Zweiten Punischen Kriegs zwischen Karthago und Rom. In dem Zusammenhang kamen um 220 v. Chr. zum ersten Mal römische Truppen auf die Halbinsel. Nach dem Friedensschluss 201 v. Chr. wurde die Halbinsel ab 197 v. Chr. Teil des Römischen Reichs.

Mit der schrittweisen Unterwerfung der vermutlich keltischen Lusitaner ab 154 v. Chr. schließlich wurde das Gebiet des heutigen Portugals als Provinz Lusitania endgültig Teil des Römischen Reichs. Die bedeutendsten Städte wurden danach die Gerichtssitze Pax Augusta (heute Beja) und Scallabis (heute Santarém) und die bedeutenden urbanen Zentren Bracara Augusta (heute Braga) und Olissipo (seit 48 v. Chr. Colonia Felicitas Iulia, heute Lissabon). Als am besten erhalten gebliebene römische Stadt in Portugal gilt Conimbriga, heute eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte. In Tróia befanden sich die größten Salzunganlagen und die größte Garum-Herstellung des Römischen Reichs und der damals bekannten Welt. In Rom fand man eine Vielzahl Garum-Amphoren aus Tróia.Garum volta a ser produzido em Tróia 15 séculos depois - „Nach 15 Jahrhunderten wird wieder Garum in Tróia produziert“, Artikel vom 2 Juni 2021 der Wein- und Gastronomiezeitschrift Revista da Vinhos, abgerufen am 18. April 2026Garum volta aos tanques das ruínas romanas de Tróia - „Garum kehrt in die Becken der römischen Ruinen von Tróia zurück“, Artikel vom 29. Oktober 2021 der Wirtschaftszeitung Jornal Económico, abgerufen am 18. April 2026 mini|hochkant|Vertrag zwischen dem portugiesischen König D. Dinis und dem Genueser Manuel Pessanha von 1317 Die römische Kultur und Sprache bestimmte vier Jahrhunderte lang das Leben im Gebiet des heutigen Portugals, bis hin zur Christianisierung im 4. Jahrhundert. Mit dem Einfall germanischer Stämme ab 409 n. Chr. endete die Zugehörigkeit des heutigen Portugals zum Römischen Reich.

Der muslimischen Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die nordafrikanischen Mauren ab 711 folgte die christliche Reconquista, in deren Folge 1143 das unabhängige Königreich Portugal entstand.

D. Afonso Henriques, der erste König des unabhängigen Königreichs Portugal, heiratete 1146 die italienische Mathilde von Savoyen, die damit erste Königin Portugals wurde.

1251 vertrieben die Portugiesen die letzten Araber aus dem Gebiet des heutigen Portugals. Damit war die christliche Reconquista in Portugal abgeschlossen, die zeitweise mit wesentlicher Hilfe von Kreuzrittern durchgeführt wurde, die in Portugal auf ihrem Weg nach Jerusalem Halt machten, darunter auch Kämpfer aus dem heutigen Italien.

Zum Admiral seiner Flotte ernannte Portugals sechster König D. Dinis 1317 den aus Genua stammenden Manuel Pezagno, in Portugal Manuel Pessanha genannt. Der Vertrag verpflichtete Pessanha außerdem, stets 20 erfahrene Seeleute aus Genua in der Armada zu beschäftigen, die damit zur Entwicklung Portugals zur späteren Seefahrernation beitrugen. Antoniotto Usodimare und Alvise Cadamosto zählten zu den wichtigsten italienischen Seefahrern in portugiesischen Diensten.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006, ISBN 972-47-2935-4, S. 826f

Diesem Vertrag folgten eine Vielzahl weiterer Abkommen zwischen portugiesischen Herrschern und Händlern, Kartografen, Bankiers und Reisenden aus Genua, Mailand, Venedig und Florenz, die damit einen anhaltenden italienisch-portugiesischen Austausch von Kenntnissen in allen Bereichen bewirkten. mini|hochkant|Die bekannte Neapolitanerin Eleonora Fonseca Pimentel war Portugiesin Insbesondere im 15. und 16. Jahrhunderten hielten sich viele portugiesische Gelehrte, Geistliche und Künstler in italienischen Städten auf. So lebte und wirkte der 1431 in Portugal geborene Ordensgründer Amadeu da Silva lange Jahre in Italien, bis er 1482 in Mailand starb. Der Humanist Aquiles Estaço (italienisch Achille Stazio) gilt durch sein testamentarisch hinterlassenes Erbe über etwa 1.700 Bücher als wesentlicher Mitbegründer der Biblioteca Vallicelliana in Rom. Der bedeutende portugiesische Arzt Amato Lusitano wirkte ab 1540 lange in Italien, u. a an der Universität Ferrara und in päpstlichen Diensten.

Der italienische Herzog Alessandro Farnese heiratete 1565 in Brüssel Maria von Portugal, die damit Erbprinzessin von Parma und Piacenza wurde.

Portugiesische Botschafter waren am Hofe Savoyens zwischen 1680 und 1682 akkreditiert.

Die adlige Portugiesin Eleonora Fonseca Pimentel wurde 1752 in Rom geboren, bevor sie 1760 mit ihrer Familie nach Neapel kam. Sie wurde dort als Lyrikerin und Autorin bekannt und gilt als erste Journalistin Neapels, nachdem sie 1799 die Zeitung Il Monitore Napoletano gründete. Sie zählte zu den Hauptfiguren der kurzlebigen liberalen Neapolitanischen Republik und wurde nach ihrem Untergang im gleichen Jahr hingerichtet. mini|hochkant|König D. Luís I. und Pia von Savoyen, Heirat in Lissabon 1862 Bis 1860 unterhielt Portugal diplomatische Vertretungen zum Königreich Sardinien in Turin und zum Königreich beider Sizilien in Neapel, zudem war der portugiesische Botschafter am Heiligen Stuhl in Rom seit 1850 im Großherzogtum Toskana doppelakkreditiert. Im März 1861 wurde Viktor Emanuel II. zum König des vereinten Italiens gekrönt, im September des Jahres erkannte Portugal das Königreich an.

Seit 1862 Wie schon die erste war auch die vorletzte Königin Portugals eine Italienerin: 1862 heiratete Maria Pia von Savoyen den portugiesischen König D. Luís I.

Die am 5. Oktober 1910 ausgerufene Portugiesische Republik wurde erstmals im Juli 1911 und de jure am 11. September 1911 vom Königreich Italien anerkannt, ebenso erfolgte am 16. Mai 1918 die italienische Anerkennung der seit Ende 1917 faktischen Diktatur Sidónio Pais in Portugal.

Nachdem Mussolini seit 1922 diktatorischer Regierungschef der Faschistischen Regierung Italiens war, wurde Salazar ab 1928 zum autoritären Diktator Portugals. Spätestens seit der Errichtung seines Estado Novo 1932 nahm Salazar auch Anleihen am Regime Mussolinis, dessen erklärter Bewunderer er war. Der Höhepunkt der politischen Nähe zwischen dem faschistischen Italien und dem semi-klerikalfaschistischen Portugal wurde in der gemeinsamen Unterstützung des klerikalfaschistischen Franco im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) erreicht. Während Mussolini danach jedoch an der Seite Nazideutschlands in den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) zog, blieb das salazaristische Portugal neutral.

Mitte 1946 entschied sich Italien in einer Volksbefragung für die Regierungsform der Republik, deren Verfassung Anfang 1948 in Kraft trat. Portugal erkannte die Republik Italien danach an.

Italien und Portugal gehörten 1949 beide zu den Gründungsmitgliedern des westlichen Militärbündnisses NATO. mini|Portugals Premier Passos Coelho (li.) und Italiens Ministerpräsident Mario Monti (re.) beim EVP-Gipfel 2013 Während das autoritär regierte Portugal ab den 1950er Jahren international zunehmend isoliert blieb, insbesondere auf Grund seiner kolonialen Politik in seinen Überseeprovinzen, war Italien vollständig im westlich-europäischen Verbund integriert. Das Land gehörte 1957 zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, heute EU), während Portugal 1960 Gründungsmitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) war.

Nach der Nelkenrevolution 1974 endete die Diktatur in Portugal, und die internationalen Beziehungen des Landes änderten sich grundlegend, insbesondere nachdem sich 1975 die bürgerlichen Kräfte in der Revolution durchgesetzt hatten und das Land stark westlich eingebunden wurde.

1986 trat Portugal der EWG bei. Seither näherten sich auch Italien und Portugal zunehmend an. So gehören sie beide seit Beginn 1990 dem Schengen-Raum an und übernahmen beide ab Beginn 1999 die Einheitswährung Euro, die in allen teilnehmenden Ländern ab 2002 auch als Bargeld eingeführt wurde.

Auf der 12. Konferenz der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder in Kap Verde am 17. und 18. Juli 2018 erhielt Italien den Status eines Beobachters.CPLP: OBSERVADORES ASSOCIADOS, Webseite der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder CPLP zum Beobachterstatus, abgerufen am 1. September 2019

Diplomatie Portugal unterhält seine Botschaft in der Via Guido d’Arezzo Nr. 5 in Rom. Portugiesische Konsulate bestehen zudem in Bari, Bologna, Florenz, Genua, Livorno, Mailand, Neapel, Palermo, Triest, Turin und Venedig.Liste der Konsulate Portugals in Italien auf www.embaixadas.net, abgerufen am 21. Dezember 2017

Die italienische Vertretung in Portugal residiert in der Rua Joaquim António de Aguiar Nummer 64 in der Lissabonner Stadtgemeinde São Sebastião da Pedreira. Italienische Konsulate sind in Albufeira, Porto, Ponta Delgada auf den Azoren und in Funchal auf der Insel Madeira eingerichtet.Liste der Konsulate Italiens in Portugal auf www.embaixadas.net, abgerufen am 21. Dezember 2017

Städtepartnerschaften Eine Reihe Orte beider Länder sind partnerschaftlich verbunden. Seit 1989 bestehen insgesamt 17 italienisch-portugiesische Städtepartnerschaften und Kooperationsabkommen oder werden angebahnt (Stand 2013).Liste der portugiesisch-italienischen Städtepartnerschaften auf der Website des Verbandes portugiesischer Kreisverwaltung ANMP, abgerufen am 21. Dezember 2017

Migration Schon seit dem Römischen Reich ziehen Menschen aus den heutigen Staaten Italien und Portugal in das jeweils andere Land. Sie stellen dabei keine besonders auffällige Gemeinde im jeweils anderen Land dar, auch auf Grund der ähnlichen kulturellen und wirtschaftlichen Gesellschaftssituationen beider Länder. mini|Italienisches Lokal an der Algarve Portugiesen in Italien Im Jahr 2015 waren 11.673 Menschen in den portugiesischen Konsulaten in Italien registriert, davon sind 6.305 in Portugal geboren. Die anderen sind überwiegend in Italien geborene Kinder portugiesischer Einwanderer und besonders mit Portugal verbundene Bürger. 6.088 Bewohner Italiens werden als portugiesische Staatsbürger bei den Behörden geführt.Webseite zur portugiesischen Migration in Italien beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 22. Mai 2017