Die türkische Militäroffensive auf Afrin () begann offiziell am 20. Januar 2018 unter dem Namen „Operation Olivenzweig“ (, ) auf Befehl des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan."Syria war: Thousands flee Turkish assault on Afrin enclave" BBC vom 23. Januar 2018 Der Name spielt auf das Friedenssymbol des Olivenzweigs an.

Die Operation erfolgte im Rahmen der seit 2016 stattfindenden türkischen Besetzung Nordsyriens während des Syrienkriegs. Sie schloss sich an die türkische Militäroffensive in Nordsyrien 2016/17 und die türkische Militäroffensive im Gouvernement Idlib 2017 an. Ziel war es, die kurdischen Milizen im Norden Syriens zu zerschlagen und insbesondere die Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus dem Grenzgebiet zu vertreiben.Erdoğan droht mit Angriff auf Kurdenmiliz. In: Zeit online, 14. Januar 2018; abgerufen am 20. Januar 2018. Sie endete im März 2018 mit der Besetzung des Distrikts Afrin, der seitdem Teil der türkisch kontrollierten „Sicherheitszone in Nordsyrien“ ist. 2019 folgte eine erneute türkische Offensive in Nordsyrien.

Nach Einschätzung einiger Juristen ist der türkische Angriff als völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu werten. Begleitet wurde der Beginn des Einmarschs durch Festnahmen von Journalisten und anderen Kritikern des Militäreinsatzes in der Türkei. Seit der Besetzung durch die Türkei hat sich die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung verschlechtert und rückkehrende Bewohner können wegen Enteignungen nicht in ihre Häuser.

Hintergrund Afrin ist einer von drei Kantonen, die 2014 von der Partei der Demokratischen Union (PYD) und anderen Gruppierungen in den vorwiegend kurdisch bewohnten Landesteilen im Norden Syriens gegründet wurden. Afrin hat keine direkte Verbindung zum restlichen von der PYD bzw. Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten Gebiet. Nachdem die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die hauptsächlich aus Kämpfern der YPG bestehen, im August 2016 die Stadt Manbidsch erobert hatten und nach Westen Richtung Afrin vorrückten, begann die Türkei die Operation Schutzschild Euphrat und eroberte mit verbündeten Truppen das Gebiet zwischen Afrin und Manbidsch.

Die Offensive war von türkischer Seite schon seit längerem angedroht worden. Die Vereinigten Staaten hatten mit den kurdischen Einheiten in der nordsyrischen Grenzregion bei ihrem Kampf gegen salafistische und radikal-islamische Truppen zusammengearbeitet und Anfang Januar 2018 die Gründung einer 30.000 Mann starken Grenzschutztruppe aus Mitgliedern des Militärbündnisses SDF angekündigt. Die Türkei äußerte die Befürchtung, damit könnte es zu einer Festigung des kurdischen Einflusses an der syrisch-türkischen Grenze und einem kurdischen Korridor kommen.

Die Türkei begründete den Angriff mit akuten Sicherheitsinteressen, insbesondere dem Kampf gegen den Terror, die einen Präventivschlag rechtfertigten. Einige Beobachter sehen jedoch vielmehr die Autonomiebestrebungen der Kurden in Nordsyrien (Rojava) und Nordirak (Autonome Region Kurdistan) als Hintergrund und werfen daher der Türkei vor, dass sie „mutwillig eine relativ ruhige Region des Bürgerkriegslandes destabilisiert“.Neue Zürcher Zeitung - "Sechs Antworten zur türkischen Invasion in Syrien", von Ivo Mijnssen, erschienen am 24. Januar 2018, abgerufen am 23. März 2018

Die türkische Offensive in Afrin hing in erster Linie vom Wohlwollen Russlands ab, das mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad verbündet ist (siehe auch Russischer Militäreinsatz in Syrien) und den Luftraum in der Region kontrolliert. Türkische Kampfflugzeuge und Drohnen konnten folglich nur mit Erlaubnis Russlands zur Unterstützung des türkischen Angriffs am Boden eingesetzt werden. Eine solche Vereinbarung hatte die Türkei nach eigenen Angaben kurz vor der Offensive erreicht. Beobachter folgerten, dass die Zustimmung Russlands auch der Schwächung der NATO dient, deren Mitglieder Türkei und USA mit ihrem gegenteiligen Engagement bezüglich der syrischen Kurden weiter aneinandergeraten könnten.„Wir haben einen Deal mit Russland“. Wiener Zeitung vom 22. Januar 2018. Andere Beobachter werteten die Zustimmung Russlands als Versuch, sich so freie Hand im Rest Syriens zu sichern, wo syrische und russische Truppen in Idlib eine Offensive gestartet hatten.Mark Lander und Carlotta Gall: As Turkey Attacks Kurds in Syria, U.S. Is on the Sideline. The New York Times vom 22. Januar 2018.

Verlauf mini|Türkeitreue FSA-Kämpfer, 25. Januar 2018 mini|Syrische Milizen rücken Ende Februar 2018 nach Afrin ein

Januar 2018 Bereits vor dem offiziellen Start der Operation hatte die Türkei Panzerverbände an die Grenze des Distrikts Afrin verlegt und ab dem 14. Januar Dörfer um die Stadt Afrin mit Artillerie beschossen.Evrensel.net vom 20. Januar 2018.Türkei beschießt kurdische Dörfer. In: Tagesschau.de, 19. Januar 2018.Türkei greift Kurden in Syrien an. In: Der Tagesspiegel, 14. Januar 2018; abgerufen am 20. Januar 2018.Syria: Turkey ground operation in Afrin begins 'de facto'. In: BBC.com, 20. Januar 2018.

Am 20. Januar erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, die angekündigte Bodenoffensive habe „de facto“ begonnen. Danach werde Manbidsch angegriffen. Verteidigungsminister Nurettin Canikli nannte als Grund für den Angriff eine „täglich steigende Bedrohung“ gegen die Türkei.Erdoğan verkündet Bodenoffensive gegen syrische Kurden. In: zeit.de, 20. Januar 2018, abgerufen am 21. Januar 2018. Der türkische Generalstab gab der Militäroffensive den Namen „Operation Olivenzweig“ und behauptete, man wolle mit ihr die Bewohner der nordsyrischen Grenzregion von einer „Unterdrückung durch Terroristen“ befreien. Damit mache die Türkei von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch.„Operation Olivenzweig“ – Türkische Militäroffensive gegen Kurden hat begonnen. In: faz.net, 20. Januar 2018, abgerufen am 21. Januar 2018

Der türkische Premierminister Binali Yıldırım umriss die Ziele der Luftangriffe auf Afrin in einer Rede derart, dass die türkischen Streitkräfte eine Luftoffensive gegen Partei der Demokratischen Union (PYD), Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und den Islamischen Staat in Afrin gestartet hätten, obwohl der Islamische Staat aus der Region vertrieben ist.„AP has deleted two tweets that referred to Turkish airstrikes on Islamic State forces in Afrin, Syria…“. Associated Press auf Twitter vom 20. Januar 2018.Caroline Mortimer: Turkish warplanes bomb Kurds in Syria. Independent vom 20. Januar 2018.

Premierminister Binali Yildirim traf führende türkische Medienverantwortliche am 21. Januar und besprach mit ihnen die Berichterstattung zur Militäroffensive. Die Berichterstattung solle, nach einem Bericht im Tagesspiegel, den Kampf gegen den Terror herausstellen und Berichte über unbestätigte zivile Verluste vermeiden. Einige regierungskritische Journalisten sollen mit Beginn der Bodenoffensive verhaftet worden sein.Markus Bernath: Erdogans Krieg gegen die Kritiker. Tagesspiegel.de vom 22. Januar 2018. Am dritten Tag der Operation waren bereits 24 türkische Kritiker wegen sogenannter Propaganda-Aktivitäten festgenommen worden.Feldzug gegen Kurden: Kein Platz für Kritiker bei Erdoğans Krieg. Der Standard vom 22. Januar 2018

Am 24. Januar gab ein kurdischer Sprecher der SDF bekannt, dass türkische Truppen noch keines der Dörfer in der Region vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Beobachter gaben als Grund für die geringen Erfolge der türkischen Verbände und ihrer Verbündeten in den ersten Tagen der Bodenoffensive kurdische Gegenangriffe und schlechtes Wetter an. Letzteres behindere die türkische Luftwaffe bei der Unterstützung der eigenen Kämpfer am Boden.Bethan McKernan: Turkey-Kurdish conflict: British YPG volunteers head to front line as thousands flee Syrian war. The Independent.co.uk vom 25. Januar 2018.

Am 26. Januar ersuchte die kurdische Verwaltung die syrische Regierung offiziell um Unterstützung. Syrien müsse die hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen und die Grenzen vor den „türkischen Besatzern“ schützen. Am selben Tag kündigte Erdoğan an, die Offensive bis „über Hunderte Kilometer ostwärts“ auszuweiten über „Manbidsch bis zur irakischen Grenze“.

Am 28. Januar besetzten türkische Truppen den strategisch wichtigen Berg Barsaja. Dieser liegt im Grenzgebiet zwischen Afrin und dem türkisch besetzten Aʿzāz.zeit.de: Türkisches Militär nimmt Berg in Afrin ein Türkische Streitkräfte griffen außerdem einen Staudamm an, der Afrin mit Wasser und Elektrizität versorgt. Dabei starben nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) zahlreiche Zivilisten.

Am 29. Januar gab das türkische Innenministerium bekannt, dass man innerhalb der letzten 10 Tage 311 Personen in der Türkei wegen des Vorwurfs der „Verbreitung terroristischer Propaganda“ festgenommen habe. In dem Zusammenhang hatte Staatspräsident Erdoğan kurz zuvor die Ärzte der Türk Tabipleri Birliği (TTB) wegen einer Warnung bezüglich der humanitären Folgen der Offensive als „Agenten des Imperialismus“, „Dreck“ und „Terroristenliebhaber“ beschimpft. Die Organisation ist laut Innenministerium nun Gegenstand einer Untersuchung."Syria war: Turkey arrests hundreds for criticising Afrin offensive" BBC vom 29. Januar 2018

Am 31. Januar meldeten SOHR-Beobachter, dass die türkischen Truppen und ihre Verbündeten in den letzten Tagen erst 11 der 350 Dörfer in Afrin unter ihre Kontrolle gebracht hätten."Despite hundreds of aerial and artillery strikes…the Turkish forces, the factions and the Gray Wolves control during 11 days 3 % of villages of Afrin area" SOHR vom 31. Januar 2018

Februar 2018 Am 3. Februar gaben türkische Stellen den Verlust eines Panzers und den Tod von sieben eigenen Soldaten bekannt. Staatspräsident Erdogan weigerte sich zu bestätigen, eine Panzerabwehrrakete amerikanischer Bauart habe den Panzer zerstört.Kämpfe im Norden Syriens werden härter, derstabndard.at vom 4. Februar 2018

Vom 5. bis 8. Februar gab es keine türkischen Luftangriffe auf die Region."Russland sperrt offenbar Luftraum für türkische Afrin-Offensive" neues Deutschland vom 6. Februar 2018 Dies stand vermutlich in Verbindung mit dem Abschuss eines russischen Flugzeugs über der Region Idlib.

Bis zum 8. Februar hatten die von der Türkei gelenkten Truppen nach SOHR-Angaben 15 kleinere Dörfer und den Ort Bulbula () eingenommen."9 days of wars of ambushes and sudden attacks and the path of battles of Afrin becomes in the interest of the Kurdish forces claims the lives of 75 fighters of the factions and the Turkish forces soldiers" SOHR vom 8. Februar 2018

Am 10. Februar gab Präsident Erdoğan den Verlust eines türkischen Kampfhubschraubers bekannt. Nach kurdischen Angaben wurde er bei Rajo () abgeschossen."Turkish military helicopter shot down in Syria during operation against US-backed Kurdish forces" The Independent.co.uk vom 10. Februar 2018

Am 16. Februar versuchte US-Außenminister Rex Tillerson bei einem Besuch in der Türkei,USA und Türkei wollen Beziehungen normalisieren gemeinsame Interessen mit der türkischen Regierung im Syrienkrieg zu betonen.spiegel.de vom 17. Februar 2018: Beobachter und Kurden werfen Türkei Giftgaseinsatz vor

Zwei Tage später wurde bekannt, dass die YPG und die syrische Regierung offenbar eine Vereinbarung getroffen haben, wonach die syrische Armee in der Region Afrin einmarschieren darf.spiegel.de vom 18. Februar 2018: Kurden verbünden sich mit Assad - gegen die TürkeiFAZ.net vom 19. Februar 2018: Kurden wollen mit Assad-Truppen gegen Türken kämpfen

Am 19. Februar meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana, regierungsnahe syrische Milizen seien dabei, in den kurdischen Kanton Afrîn einzurücken.sueddeutsche.de: Assad steht Kurden gegen Türkei bei

Auf der zu dieser Zeit abgehaltenen Münchner Sicherheitskonferenz wurden die Konflikte in Syrien diskutiert.sueddeutsche.de vom 19. Februar 2018: Jeder gegen jedenspiegel.de vom 18. Februar 2018: Drei Tage maximale Verunsicherung