mini|Brian Stableford (2016) Brian Michael Stableford (geboren am 25. Juli 1948 in Shipley, West Yorkshire; gestorben am 24. Februar 2024Nachruf vom 27. Februar 2024 auf locusmag.com (englisch)) war ein britischer Autor, Kritiker, Herausgeber und Übersetzer von Science-Fiction. Er hat Dutzende von Romanen, über 250 Kurzgeschichten, Hunderte von Essays und Rezensionen und eine Reihe von Sachbüchern, Monographien und Lexika zu Science-Fiction und Phantastik veröffentlicht. Seine Werke wurden in 14 Sprachen übersetzt.

Leben Stableford ist der Sohn des Flugzeugkonstrukteurs William Ernest Stableford und der Lehrerin Joyce Stableford, geborene Wilkinson. Nach dem Besuch der Manchester Grammar School studierte er an der University of York, wo er 1969 mit dem Bachelor in Biologie abschloss. 1979 promovierte er dort mit einer Arbeit zur Soziologie der Science-Fiction. Von 1977 bis 1988 war er Soziologiedozent an der University of Reading, von 1988 bis 1995 unterrichtete er dort in Kreativem Schreiben. 1995/1996 war er Dozent an der University of the West of England in Bristol.

Stableford begann schon als Teenager zu schreiben. Seine erste Kurzgeschichte Beyond Time’s Aegis erschien 1965 in dem Magazin Science Fantasy. Er verfasste es zusammen mit seinem Schulkameraden Craig A. Mackintosh unter dem aus den Vornamen der beiden Autoren gebildeten Pseudonym Brian Craig. Das Pseudonym verwendete er später noch einige Male für eigene Arbeiten.

Sein erster Roman The Cradle of the Sun erschien 1969. 1972 erschien dann mit The Halcyon Drift der erste Band eines teils nach dem Protagonisten Star Pilot Grainger, teils nach dessen Raumschiff Hooded Swan benannter Romanzyklus. Bis 1975 erschienen weitere fünf Bände, in denen Grainger sich jeweils mit den Problemen und Gefahren eines fremden Planeten und seiner Ökologie auseinandersetzen muss, wobei Stableford seine Biologiekenntnisse geschickt verarbeitete. Ähnlich strukturiert war der ebenfalls sechsbändige Zyklus um das Raumschiff Daedalus, das bei seinen Missionen verlorene interstellare Kolonien der Menschheit kontaktiert.

Verschiedentlich wurde vermerkt, dass Stablefords Produktivität ihm bei den Kritikern im Wege steht. Für einen Autor auch durchaus ambitionierter Werke ist er geradezu ein Vielschreiber und einige seiner Romane gelten als lediglich routiniert, weshalb anspruchsvollere Arbeiten dann oft unterschätzt wurden. Die mangelhafte Rezeption seiner belletristischen Arbeiten soll der Grund dafür gewesen sein, dass er sich 1981 zurückzog und in den folgenden Jahren auf kritische, philologische und lexikografische Arbeiten zur Science-Fiction konzentrierte.Vgl. Edward James: Stableford, Brian M(ichael). In: Noelle Watson, Paul E. Schellinger: Twentieth-Century Science-Fiction Writers. St. James Press, Chicago 1991, ISBN 1-55862-111-3, S. 760 f.

1982 erschien The Science in Science Fiction, zusammen mit Peter Nicholls und David Langford verfasst, das auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. Darin untersuchte er die vielfältigen und komplexen Beziehungen zwischen Wissenschaft und Science-Fiction. 1985 folgte dann Scientific Romance in Britain 1890–1950, eine gründliche Arbeit über die Scientific Romance, das britische Vorläufergenre der Science-Fiction. 2016 folgte mit New Atlantis: A Narrative History of Scientific Romance eine stark auf vier Bände erweiterter Behandlung des gleichen Themas. Ebenfalls 1985 erschien die auf seine Dissertation zurückgehende Abhandlung The Sociology of Science Fiction. An lexikografischen Arbeiten erschienen 2004 das Historical Dictionary of Science Fiction Literature und 2005 das Historical Dictionary of Fantasy Literature (in erweiterter Neuausgabe 2009 als The A to Z of Fantasy Literature). Das Thema der Beziehung von Science-Fiction und Wissenschaft behandelte er 2006 in 'Science Fact and Science Fiction noch einmal in Form eines Lexikons. Weniger sichtbar waren seine umfangreichen Beiträge zu Referenzwerken und Lexika, namentlich bei der Encyclopedia of Science Fiction, in F. N. Magills Survey of Science Fiction Literature und Neil Barrons Anatomy of Wonder (1987). Seine zahlreichen Essays erschienen inzwischen in einigen Sammelausgaben.

Ab Ende der 1980er trat Stableford dann auch wieder als belletristischer Autor auf, insbesondere mit den Erzählungen der Biotech Revolution, in einer relativ nahen Zukunft angesiedelte Geschichten, in denen Gentechnik und die genetische Modifikation des Menschen das Thema sind. 1991 erschien mit Sexual Chemistry: Sardonic Tales of the Genetic Revolution eine Sammlung solcher Erzählungen, ab 2004 folgten weitere Sammelbände.

In den folgenden Jahren schrieb Stableford weitere Romane und Romanzyklen, bei denen sich drei Schwerpunkte ausmachen lassen, nämlich Alternativgeschichte, fiktive Welten und Elemente aus Horrorliteratur und Fantasy, wobei diese Bestandteile öfters miteinander vermischt werden. Ein Beispiel dafür ist The Empire of Fear (1988), wo in einem alternativen Geschichtsverlauf ab dem Mittelalter eine Welt beschrieben wird, die von unsterblichen Vampiren beherrscht wird, wobei diese Vampire keine übernatürlichen Wesen sind, sondern deren Existenz im Stil einer Scientific Romance erklärt wird. Ähnlich die David-Lydyard Romantrilogie (1990–1994), nun mit Werwölfen im 19. Jahrhundert. Stableford griff aber nicht nur in den allgemeinen Fundus phantastischer Wesen wie Vampire und Werwölfe, sondern nahm auch spezifische fiktive Welten einzelner Autoren auf, wie etwa H. P. Lovecrafts in The Legacy of Erich Zann (2010) oder Clark Ashton Smiths Curse of the Coral Bride (2004).

Einen weiteren Schwerpunkt in den Jahren nach 2005 bildet eine intensive Übersetzertätigkeit Stablefords, die sich auf den französischen roman scientifique konzentrierte, also die Zeitgenossen und Vorläufer von Jules Verne. Zu nennen sind hier insbesondere Übersetzungen der Werke von Paul Féval, Maurice Renard und J.-H. Rosny aîné. Es entstanden in dieser Zeit über 180 Übersetzungen französischer Autoren, das heißt, Stableford hat im Alleingang einen nicht unerheblichen Teil des roman scientifique übersetzt.

In Entsprechung zu Stablefords Beschäftigung mit der Literatur der französischen Dekadenz steht der Mnemosyne-Zyklus, beginnend mit der Sammlung The Wayward Muse (2005), angesiedelt in einer dekadenten Künstlerkolonie in einer Welt, in deren alternativem Geschichtsverlauf das Römische Reich nie unterging.

Stableford heiratete 1973 Vivien Owen, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. 1985 wurde die Ehe geschieden. 1987 heiratete er Roberta Jane Rennie. Stableford lebte in Reading in Berkshire.

Auszeichnungen

1985: Eaton Award für die Monografie Scientific Romance in Britain: 1890–1950 1987: IAFA Award für seine Arbeiten zur SF (Distinguished Scholarship) 1989: Lord Ruthven Award für den Roman The Empire of Fear 1990: Interzone Readers Poll für die Kurzgeschichte The Magic Bullet 1992: Readercon Small Press Award für die Anthologie Tales of the Wandering Jew 1996: British Science Fiction Association Award für die Kurzgeschichte The Hunger and Ecstasy of Vampires 1996: Interzone Readers Poll für die Kurzgeschichte The Hunger and Ecstasy of Vampires 1996: SFRA Award für How Should a Science Fiction Story End? (Pioneer Award) 1999: Pilgrim Award für das Lebenswerk 2011: Science Fiction & Fantasy Translation Award für seine Arbeit als Übersetzer (Special Award) 2016: Prix ActuSF de l’uchronie (Prix d’honneur)

Bibliografie

Serien und Zyklen Die Serien sind nach dem Erscheinungsjahr des ersten Teils geordnet.

Dies Irae Als Brian M. Stableford. 1 The Days of Glory, Ace Books 1971, 2 In the Kingdom of the Beasts, Ace Books 1971, 3 Day of Wrath, Ace Books 1971,

Challenge Chaos Als Brian M. Stableford. To Challenge Chaos, DAW Books 1972, The Sun’s Tears (1974, Kurzgeschichte) An Offer of Oblivion (1974, Kurzgeschichte) Captain Fagan Died Alone (1976, Kurzgeschichte)

Star Pilot Grainger / Hooded Swan 1 The Halcyon Drift, DAW Books 1972, Deutsch: Das Wrack im Halcyon. Übersetzt von Rosemarie Hundertmark. Bastei Lübbe #21101, 1978, ISBN 3-404-00901-0. 2 Rhapsody in Black, DAW Books 1973, Deutsch: Der Schatz des schwarzen Planeten. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #21105, 1978, ISBN 3-404-00954-1. 3 Promised Land, DAW Books 1974, Deutsch: Die Welt der Verheissung. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #21109, 1978, ISBN 3-404-01078-7. 4 The Paradise Game, DAW Books 1974, Deutsch: Das Paradies-Prinzip. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #21118, 1979, ISBN 3-404-01266-6. 5 The Fenris Device, DAW Books 1974, Deutsch: Das Götterdämmerungs-Programm. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #21123, 1979, ISBN 3-404-01451-0. 6 Swan Song, DAW Books 1975, Deutsch: Schwanengesang. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #21126, 1980, . Swan Songs, Big Engine 2002, ISBN 1-903468-04-3 (Sammelausgabe von 1–6) Deutsche Sammelausgabe: Die Saga vom Raumpiloten Grainger. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bastei Lübbe #23062, 1986, ISBN 3-404-23062-0.

Daedalus Mission 1 The Florians, DAW Books 1976, Deutsch: Paradies des Untergangs. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23282, 1979, ISBN 3-442-23282-1. 2 Critical Threshold, DAW Books 1977, ISBN 0-87997-282-3 Deutsch: Schmetterlinge im Paradies. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann-Science-Fiction #23285, 1978, ISBN 3-442-23285-6. 3 Wildeblood’s Empire, DAW Books 1977, ISBN 0-87997-331-5 Deutsch: Die dritte Landung. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23317, 1979, ISBN 3-442-23317-8. 4 The City of the Sun, DAW Books 1978, ISBN 0-87997-377-3 Deutsch: Der Sonnenstaat. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23316, 1979, ISBN 3-442-23316-X. 5 Balance of Power, DAW Books 1979, ISBN 0-87997-437-0 Deutsch: Das Machtgleichgewicht. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23349, 1980, ISBN 3-442-23349-6. 6 The Paradox of the Sets, DAW Books 1979, ISBN 0-87997-493-1 Deutsch: Das Paradox der fremden Wesen. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23371, 1980, ISBN 3-442-23371-2.

The Realms of Tartarus / Das Reich des Tartarus 1 The Face of Heaven, Quartet Books 1976, ISBN 0-7043-1194-1 Deutsch: Die Erde über uns. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23279, 1978, ISBN 3-442-23279-1. 2 A Vision of Hell, DAW Books 1977, ISBN 0-87997-309-9 Deutsch: Die vergessene Hölle unter uns. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-Fiction #23308, 1979, ISBN 3-442-23308-9. 3 A Glimpse of Infinity, DAW Books 1977, ISBN 0-87997-309-9 Deutsch: Zurück ins Licht. Übersetzt von Tony Westermayr. Goldmann Science-fiction #23311, 1979, ISBN 3-442-23311-9. The Realms of Tartarus, DAW Books 1977, ISBN 0-87997-309-9 (Sammelausgabe von 1–3)

Asgard 1 Journey to the Center, Nelson Doubleday / SFBC 1982, (auch als Asgard’s Secret, 2004) Deutsch: Vorstoß in die Hohlwelt. Übersetzt von Marcel Bieger. Knaur Science Fiction & Fantasy #5788, 1984, ISBN 3-426-05788-3. 2 Invaders from the Centre, New English Library 1990, ISBN 0-450-50103-5 (auch als Asgard’s Conquerors, 2004) 3 The Centre Cannot Hold, New English Library 1990, ISBN 0-450-51107-3 (auch als Asgard’s Heart)

Biotech Revolution The Growth of the House of Usher (1988, Kurzgeschichte) Les Fleurs Du Mal (1994, Kurzgeschichte) The Dragon Man: A Novel of the Future, Borgo Press / Wildside Press 2009, ISBN 978-1-4344-0270-7 The Undead, Borgo Press / Wildside Press 2010, ISBN 978-1-4344-1167-9 Xeno’s Paradox, Borgo Press / Wildside Press 2011, ISBN 978-1-4344-1244-7 Zombies Don’t Cry, Borgo Press / Wildside Press 2011, ISBN 978-1-4344-1234-8 Nature’s Shift, Borgo Press / Wildside Press 2011, ISBN 978-1-4344-3531-6

Emortality 1 The Cassandra Complex, Tor 2001, ISBN 0-312-87773-0 2 Inherit the Earth, Tor 1998, ISBN 0-312-86493-0