mini|309x309px|Ehrentafel der 248 German Security Unit in Berlin-Wilhelmstadt (2014) Die 248 German Security Unit – Royal Military Police (Kurzform: 248 GSU – RMP oder 248 GSU oder GSU) war eine im September 1950 zunächst als reine Wachmannschaft und paramilitärische Einheit errichtete Deutsche Dienstorganisation der Britischen Streitkräfte in Berlin und ab April 1982 die größte und einzige aus vornehmlich deutschen Staatsangehörigen formierte Kompanie der britischen Militärpolizei RMP. Sie führte seit ihrer Aufstellung, abhängig von ihrer jeweiligen Organisationsstruktur, unterschiedliche Bezeichnungen und wurde als Folge der Deutschen Einheit im September 1994 ersatzlos demobilisiert.
Bis zur Eingliederung in die Militärpolizei galt sie als Independent Unit (Unabhängige Einheit) und entsprach während ihrer gesamten Aufstellungszeit einer Motorisierten Infanterieeinheit.
Auftrag Primäre Aufgabe der 248 German Security Unit war der Schutz und die Bewachung der wichtigsten Kasernen und Liegenschaften der Britischen Streitkräfte im ehemaligen West-Berlin, um die in der Stadt eingesetzten Soldaten für deren originäre Aufgaben freizuhalten. In den 1950er Jahren konzentrierten sich die Schutzaufgaben vor allem auf die zahlreichen Kohlelager, da es sich bei Kohle um den am dringendsten benötigten Rohstoff jener Zeit handelte.
Die rechtliche Aufgabenzuweisung ergab sich vor allem durch die Allied Kommandatura Berlin/Order (BK/O) und deren nachgeordneten Dienstvorschriften.
Zu den weiteren Wachobjekten der 248 German Security Unit zählten auch das Britische Hauptquartier am Berliner Olympiastadion, verschiedene Kasernen, Munitionsdepots und Kraftstofflager sowie das Britische Militärkrankenhaus. In den 1970er Jahren, nachdem die bisherige Wachmannschaft einen Statuswechsel zu einer Wachpolizei vollzogen hatte, übernahm die Einheit den Schutz weiterer wichtiger Objekte, so u. a. für die Villa Lemm, Residenz des britischen Stadtkommandanten, für die Residenz des Kommandeurs der Berliner Brigade (Anfang der 1980er Jahre), das NAAFI-Einkaufszentrum Summit House in Berlin-Westend und den Britischen Offiziersclub. Mit der Übernahme der Residenzen der beiden höchsten Kommandeure wurden der 248 German Security Unit auch erstmals mittelbare Personenschutzaufgaben für die Person des jeweiligen Kommandeurs und dessen Familie übertragen.
Seit Ende der 1960er Jahre war die Einheit in jährliche Manöver eingebunden, deren Intensität sich in den 1980er Jahren nach Eingliederung in das 2. Regiment der Britischen Militärpolizei massiv verstärkte. Über den originären Wach- und Schutzdienst hinaus wäre die 248 German Security Unit auch bei zivilen Unruhen zum Einsatz gekommen, was jedoch in der Praxis nie vorkam.
Als ein Pendant der 248 German Security Unit galt, wenn auch ohne Status einer Wachpolizei, das 6941st Guard Battalion der US-amerikanischen Streitkräfte in Berlin.
Der Weg zur Deutschen Dienstorganisation Die historischen Wurzeln der späteren 248 German Security Unit liegen im Jahr 1944, als sich die designierten Hauptsiegermächte mit der Frage auseinandersetzten, in welcher Form in einem besetzten Deutschland Organisationen aus Kriegsgefangenen und Freiwilligen aufgebaut werden könnten, um eigene Soldaten für deren originäre Aufgaben freizuhalten.
Bereits am 13. April 1943 wurde der britische Generalleutnant Sir Frederick E. Morgan Chef der neu eingerichteten Behörde Chief of Staff to the Supreme Allied Commander und somit Stabschef des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Westeuropa. Morgan arbeitete Pläne aus, die sich auf die Situation des vorzeitigen Endes des Zweiten Weltkriegs aufgrund des Zusammenbruchs des deutschen Widerstandes beschäftigten.
Als Optionen legte Morgan eine mögliche Täuschungsaktion, einen klassischen Invasionsplan, aus dem die Operation Overlord hervorging und schließlich die plötzliche Landung auf dem Kontinent nach dem Zusammenbruch des Widerstands vor.
In Anlehnung an die militärische Erfahrung der Geschehnisse während der letzten Kriegsmonate von 1918 ordnete Morgan am 22. Mai 1943 die Operation Rankin an, weil man abermals von einem plötzlichen Kollabieren der deutschen Truppen ausging. Zunächst kamen die Ausarbeitungen nur schleppend voran, weil in gravierenden Bereichen Uneinigkeit zwischen der britischen und der US-amerikanischen Regierung herrschte. Vor allem die Nachkriegsordnung im besiegten Deutschland und das Eingreifen militärischer Stellen in zivile Verwaltungsangelegenheiten bremsten die Pläne immer wieder aus.
Letztlich wurde ein vorläufiges Konzept noch rechtzeitig zur Quadrant-Konferenz im August 1943 in Québec vorgelegt. Vordergründig wurde, von einer bedingungslosen Kapitulation ausgehend, für die britische Seite bereits festgelegt, dass diese den gesamten nördlichen Raum, also die Niederlande, Dänemark, das Ruhrgebiet und Nordwestdeutschland besetzen sollte. Eine Regelung zu Berlin wurde noch nicht getroffen. Gleichzeitig wurde beschlossen, Militärverwaltungen einzusetzen. Schließlich stimmten US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill den Plänen zu.
Dennoch gab es viele ungeklärte Fragen und beide Regierungen standen wegen des nahenden „D-Day“ unter Druck. Diese Punkte wurden schließlich nach der Landung in der Normandie im Juli 1944 in 72 Studien unter dem Decknamen Operation Talisman zusammengefasst.
Operation Eclipse Die Operation Talisman regelte alle wesentlichen Belange, die seitens des Militärs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als vorrangig bewertet wurden. Darunter fiel nicht nur die Entwaffnung der deutschen Streitkräfte und die Kontrolle der Entwaffneten, sondern auch die Übernahme von Kriegsmaterial, die Versorgung von Kriegsgefangenen und vor allem die Umsetzung der Direktiven der Besatzungsmächte.
Nachdem die festgelegten Besatzungszonen sowie weitere Ergänzungen in der Zweiten Québec-Konferenz am 16. September 1944 beschlossen wurden, ist die Operation Talisman schließlich in Kraft getreten. Dieser Tag steht historisch betrachtet somit auch als eine Art Gründungsakt der späteren German Security Unit, weil die dort festgelegten Parameter der Nachkriegsordnung auch den Aufbau alliierter Dienstgruppen vorsahen.
Nach einer Kompromittierung des ursprünglichen Decknamens Talisman, erfolgte im November 1944 die Umbenennung in Operation Eclipse.
Vorgesehen war, dass die Operation Eclipse zunächst nur stufenweise bis zur Besetzung Deutschlands umgesetzt werden sollte. Für die Okkupation waren zwei alliierte Heeresgruppen vorgesehen, die 21st (UK) Army Group sowie die 12th (US) Army Group, welche nunmehr ihre eigenen Pläne ausarbeiteten. Obwohl erst dann vorgesehen, wenn es zur Unterzeichnung einer Gesamtkapitulation gekommen oder der mehrheitliche Teil der deutschen Streitkräfte kapituliert oder in Gefangenschaft genommen wäre, erfolgte die Umsetzung der Operation Eclipse tatsächlich bereits in Teilen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Der ausgeklügelte Plan sah auch vor, die deutschen Streitkräfte zwar zu entwaffnen, jedoch nicht in Gänze aufzulösen. Vielmehr war geplant, ihnen Einrichtungen zuzuweisen und sich selbst zu verwalten. Vor allem Churchill sprach sich gegen eine schnelle Auflösung der Wehrmacht aus, weil er einen kriegerischen Konflikt mit der Sowjetunion nicht ausschloss und somit auf bereitwillige deutsche Soldaten zurückgreifen wollte. Darin begründet ist auch der Umstand, dass die Wehrmacht letztlich erst im August 1946 offiziell aufgelöst wurde.
Bereits im Juli 1945 ließ Churchill im Britischen Sektor Arbeitskompanien aufstellen, bei denen es vordergründig nicht um die Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung, sondern vielmehr um die Wiederherstellung der Sicherung des öffentlichen Lebens und einer intakten Infrastruktur ging. Hierbei wollte man vor allem auf die militärisch geschulten und als diszipliniert bekannten Deutschen zurückgreifen.
Geburtsstunde der German Service Organisation Am 1. Oktober 1945 wurde aus den bestehenden Arbeitskompanien in Hamburg der neu organisierte Labour Service gebildet, dem Anfang 1946 noch etwa 140.000 deutsche Kriegsgefangene angehörten, die in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kamen. So wurden Teilbereiche des Labour Service in den Deutschen Minenräumdienst integriert, dessen Angehörige die zahlreichen Kriegs-Seeminen zu bergen und zu entschärfen hatten.
1947 wurde der Labour Service erneut reformiert und in Alliierte Dienstgruppen, später als Deutsche Dienstorganisation bezeichnet, zusammengefasst, aus denen im Sommer die German Civil Labour Organisation hervorging, die schließlich am 21. Oktober 1950 mit einer Gesamtstärke von 60.000 Mann in German Service Organisation (GSO) umbenannt wurde. In ihr waren deutsche Staatsangehörige in den verschiedensten Berufen und Verwendungen eingesetzt, so auch im klassischen Handwerksbereich, als Kraftfahrer, als Köche oder im Sicherungsdienst.
Einer besonderen historischen Bedeutung wurde sämtlichen Deutschen Dienstorganisationen im Zusammenhang mit der Gründung der Bundeswehr zuteil. Im Blickpunkt standen nicht nur die geordnete Auflösung der Wehrmacht und die Wiederherstellung des öffentlichen Lebens und der Infrastruktur, sondern auch die Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands, denn bereits 1947 vermuteten die westlichen Siegermächte eine stetig wachsende Bedrohung durch die Sowjetunion.
1950 stellten die Deutschen Dienstorganisationen zwar keine eigenen Truppen im militärischen und politischen Sinne dar, jedoch leisteten sie von Beginn an einen erheblichen Beitrag zur Einsatzfähigkeit der alliierten Streitkräfte. Die inzwischen etwa 140.000 Männer der Dienstgruppen sollten demnach auf 200.000 Mann aufgestockt werden, wobei sich alle Beteiligten darüber einig waren, dass nur ein Bruchteil auch „verteidigungstauglich“ war.
Im Unterschied zu den anderen Siegermächten konzentrierten die Briten die Aufgaben der GSO vornehmlich auf die Unterstützung der eigenen Streitkräfte. Insgesamt betrachtete man die Entwicklung der deutschen Dienstgruppen auch politisch sehr skeptisch. Mit Aufbau der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft im Jahre 1951 sah man in den Dienstgruppen eine Art Beitrag für den Verteidigungsfall. Die Bundesregierung drängte auf eine statusrechtliche Lösung, denn im Kriegsfall wären die Dienstgruppen innerhalb der alliierten Streitkräfte eingesetzt worden. Somit drohte auch die Frage der Souveränität der jungen Bundesrepublik nahezu daran zu scheitern, dass die Alliierten selbst „deutsche Streitkräfte“ aufstellen würden, ohne die Bundesregierung mit einzubeziehen. Bundeskanzler Konrad Adenauer, der 1945 durch die Briten als Oberbürgermeister von Köln wegen „Unfähigkeit“ abgesetzt wurde, würdigte zwar das Wirken der USA als Besatzungsmacht, unterließ es aber nicht, den britischen Plänen scharf entgegenzutreten.
Mit dem Beitritt zur NATO erfolgte ab dem 12. November 1955 die Einberufung der ersten Soldaten in die neu aufgestellte Bundeswehr. Ein Vertrag regelte zudem, dass die Deutschen Dienstgruppen bis zum 7. Mai 1957 aufzulösen wären. Verbleiben durften nur wenige ausländische Dienstgruppen oder zivile deutsche Arbeitseinheiten. Die Überlegung, komplette Dienstgruppen in die Bundeswehr zu übernehmen, wurde fallen gelassen.
Independent Unit (1950–1982) Auch in Berlin, das als Sektorenstadt einem besonderen Statut unterlag, stellten die West-Alliierten Deutsche Dienstorganisationen auf. Die USA und Großbritannien entschieden sich zudem, neue Teil-Einheiten aus den bereits bestehenden Strukturen zu bilden, die, uniformiert und bewaffnet, den Schutz ihrer wichtigsten Liegenschaften übernehmen sollten.