mini|hochkant=2|Passatwolken (von West nach Ost) vor El Hierro, La Palma, La Gomera, Teneriffa und Gran Canaria. Die Wasserversorgung von La Palma unterscheidet sich grundsätzlich von denen auf den anderen Kanarischen Inseln, weil hier genügend aus Passatwolken stammendes Wasser anfällt und versickert. Das über den Bergen La Palmas abgegebene Wasser dringt tief in das poröse Lavagestein ein, wird darin gefiltert und gespeichert. Eine Vielzahl in die Berge getriebene Stollen und Tunnel (Galerien) fangen das in hoher Reinheit vorliegende Wasser auf und führen es über ein ausgedehntes Netz von Kanälen, Rohrleitungen und Wasserspeichern den Verbrauchern auf der Insel zu.

Der größte Wasserverbraucher ist mit gut 85 % die Landwirtschaft (insbesondere der Bananenanbau mit seiner intensiven Bewässerung).Rolf Goetz: La Palma. Aktivurlaub auf der grünsten der Kanarischen Inseln. 5. Auflage. Peter Meyer Reiseführer, Frankfurt am Main 2000.Wasser im Überfluss, La Luna Baila. 11 % verbraucht hingegen die einheimische Bevölkerung, und 3,4 % entfallen auf den Tourismussektor.Wird bald das Wasser knapp? (Graja News)

Geologie mini|Tautropfen an Kiefernadeln im Nebel in Puntagorda, La Palma. Dank der Höhenlage der Berge La Palmas treffen die Passatwolken im Nordosten der Insel in Höhenlagen zwischen 600 und 1700 Metern auf die bewaldeten Berghänge von Barlovento, wo die Kiefern mit ihren bis zu 30 cm langen Nadeln die Wolken auskämmen (Nebelkondensation). Durch die Nebelkondensation beträgt die jährliche Niederschlagsmenge 1.000 bis 1.500 Litern pro Quadratmeter und übersteigt die durchschnittliche Regenwassermenge auf La Palma von 325 l/m² im Jahr um etwa das Dreifache. Der große Bestand der Kanarischen Kiefer der Insel trägt damit erheblich zum Gesamtwasserhaushalt La Palmas bei.Klima & Wetter, La Palma Travel.

Das tief in das poröse Lavagestein eindringende Wasser wird auf natürliche Weise gefiltert und gewinnt dadurch eine besondere Reinheit. Das nördliche Bergmassiv La Palmas fungiert als großer natürlicher Wasserspeicher, der zur Wassergewinnung von einer Vielzahl von Galerien (las galerías de agua) durchzogen ist und somit angezapft wird.

Der gesamte Wasserhaushalt auf La Palma ergibt sich aus einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge auf der Insel von 0,516 km³ pro Jahr, wovon 0,219 km³ in das Inselgrundwasser gelangen und davon 0,0623 km³ über die Brunnen, Galerien und Quellen der Insel abfließen.ER – HI1 Evaluación técnico económica de una instalación de microgeneración hidráulica en Santa Cruz de La Palma, Servicio de Consultoría y Asistencia Técnica en materia de Eficiencia Energética, Creara, Januar 2015 (Bewertung der Technik und Ökonomie der Installation hydraulischer Mini-Stromerzeugungsanlagen), abgerufen am 6. Februar 2018.

Auf den Nachbarinseln Teneriffa und Gran Canaria mit entsprechenden Höhenlagen wird diese Art der Wassergewinnung ebenfalls intensiv genutzt. Auf Teneriffa gibt es über tausend Galerien, die zusammen eine Gesamtlänge von 1.700 km haben.

Wegen der geringeren Höhenlagen auf Fuerteventura und Lanzarote findet dort keine natürliche Wasserausbeute aus den Passatwolken statt. Die Inseln sind daher auf eine künstliche Wassergewinnung angewiesen.José Alberto Hernández: Las Galerias De Agua en Canarias, (Die Galerien auf den Kanarischen Inseln), 11. Februar 2017.

Geschichte Schon die vorspanischen Ureinwohner auf La Palma siedelten dort an, wo es Wasser gab. So wurden Wege und kleine Kanäle zu den natürlichen Quellen sowie Speicherbecken angelegt, um bei den wiederkehrenden Dürreperioden auf Insel zu überleben.

Auch die spanischen Eroberer bauten ihre ersten Besiedlungen an den Mündungen der Barrancos, an denen reichlich Wasser aus den Bergen zum Meer abfloss. Es waren die Orte Santa Cruz de La Palma am Barranco del Rio, San Andrés am Barranco del Agua und Tazacorte und Los Llanos am Barranco de Las Angustias.

Mit zunehmendem Anbau von Zuckerrohr und später dem der Bananen stieg der Wasserbedarf erheblich. Um das Grundwasser aus der durchlässigen Struktur der Gebirge zu gewinnen, wurden über Jahrhunderten eine Vielzahl von Stollen und Tunnel in die Berge getrieben. Das noch reichlich abfließende Wasser wurde auch zum Antrieb diverser Zuckerrohr- und Getreidemühlen auf der Insel genutzt.

Mit der Inbesitznahme der kanarischen Inseln durch die Spanier wurde in den königlichen Verordnungen vom 15. November 1496 und in der geänderten Fassung vom 31. August 1505 die Verteilung von Land und Wasser auf La Palma – überwiegend zum Nutzen des Großgrundbesitzes – festgelegt. Es dauerte 300 Jahre, bis mit dem Dekret vom 6. August 1811 das Herrschaftssystem und die Privilegien des Großgrundbesitzes abgeschafft und die Gleichheit der Ansprüche des Einzelnen hergestellt wurden. Das spanische Wassergesetz von 1866 regelte die Rechte für Nutzung der Gewässer neu. Die allgemeine Nutzung und Verteilung des Wassers, die bislang der privaten Initiative überlassen war, wurde ab 1934 durch eine Reihe von Verordnungen neu geregelt und in einem Gesetz vom 24. Dezember 1962 festgeschrieben.

In dem Nationalen Wassergesetz „Ley de Aguas de Canarias“ vom 2. August 1985 wurden die Kompetenzen der autonomen Gemeinschaften der Kanarischen Inseln festgelegt und betrafen die Nutzung des Wassers und der Kanäle sowie Verteilung des Wassers für landwirtschaftliche, städtische und industrielle Zwecke. Die diversen Änderungen im Wasserrecht waren auch immer begleitet von erheblichen politischen Auseinandersetzungen im Staat wie in der Region.Historia - Galerías La Palma, Consejo Insular De Aguas de La Palma, 2016.

Ein großer Teil der Rechte am Wasser aus der Caldera de Taburiente befindet sich noch im Besitz von Erbengemeinschaften der ehemaligen Adelsfamilie Monteverde, die durch den Zuckerrohranbau zu immensem Reichtum gekommen war.Susanne Lipps-Breda: Reiseführer La Palma, DuMont Reise-Taschenbuch, 2017.Francisco Suárez Moreno: Historia y Cultura del Agua en Canarias, (Geschichte des Wassers auf den Kanaren), VII Jornadas de Cultura del Agua, 11. Juli 2012.

In den 1940er und 1950er Jahren gründeten die Wasserbesitzer Aktiengesellschaften, um neues Kapital für die Erschließung neuer Quellen sowie für den Bau und die Erhaltung des ausgedehnten Kanal- und Rohrleitungsnetzes zu gewinnen, indem sogenannte Wasseraktien an die Mitglieder der Genossenschaften ausgegeben wurden. Die Dividende besteht im Bezug von Wasser, das der Eigentümer der Aktie in einer bestimmten Menge erhält. Um das kontinuierlich zufließende Wasser zu steuern, muss der Bezieher sich eigene Wasserspeicher anlegen.Wasser unser kostbarstes Gut, La Palma-Parati.Wasserversorgung Seit den 1960er Jahren wurde in allen Gemeinden der Insel damit begonnen, eine öffentliche Wasserversorgung aufzubauen.

Mit dem Bau weiterer Stollen in das Gebirge zur Erschließung neuer Wasserquellen wurden die sich über Jahrtausende gebildeten Wasserreserven der Insel stark angegriffen. Das einst als unerschöpflich angesehene Quellwasser der Caldera de Taburiente ist bereits Ende des 20. Jahrhunderts extrem rückläufig, ein Drittel der Quellen sind versiegt. Die Folge ist eine dramatische Grundwasserabsenkung in der Umgebung der Stollen, was viele Gemeinden veranlasste, keine neuen Galerien mehr zu genehmigen. Ein weiteres Problem stellt das überalterte und undichte Leitungsnetz dar, bei dem fast 50 % des Wassers auf dem Transport verloren geht.

Wasserrat und Wasserrahmenrichtlinie Mit dem kanarischen Wassergesetz vom 26. Juli 1990 wurde auf La Palma (und auf den anderen kanarischen Inseln) der Consejo Insular de Aguas geschaffen, ein Wasserrat mit eigener Rechtspersönlichkeit und voller funktionaler Autonomie, der im Rahmen eines Systems der Dezentralisierung und Beteiligung die Leitung, Organisation, Planung und einheitliche Bewirtschaftung des Wassers übernimmt. Das Statut dieses Wasserrates der Insel wurde 1993 auf Vorschlag der Inselregierung von der Regierung der Kanaren genehmigt. Die Gemeinden von La Palma sind in diesem Rat, der auch die Wasserpreise festsetzt und für den Wasserschutz sowie die Aufrechterhaltung der Infrastruktur verantwortlich ist, nach ihrem Wasserverbrauch repräsentiert.Institution des Consejo Insular de Aguas

Die Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zielt darauf, eine Verschlechterung zu verhindern, den Zustand der aquatischen Ökosysteme zu verbessern und die nachhaltige Nutzung des Wassers zu fördern. Spanien hat wie die anderen Mitgliedstaaten dafür zu sorgen, dass für jede hydrologische Einheit (z. B. La Palma) ein Bewirtschaftungsplan erstellt wird, der spätestens 2009 zu veröffentlichen ist und ab 2016 jeweils alle sechs Jahre zu überprüfen und zu aktualisieren ist. Als Bewirtschaftungsplan für La Palma gilt der Plan Hidrológico Insular, der für den Sechsjahreszeitraum 2016–2021 die Überarbeitung des Bewirtschaftungsplans umfasst, die auf der Grundlage der vom Wasserrat der Insel erstellten allgemeinen Studie über die Abgrenzung, das Programm, die Zeitplanung, die Konsultation und die Öffentlichkeitsbeteiligung am Planungsprozess erstellt wurde.

Wasserversorgungssystem Quellen mini|Galería Fuente de Caquero an der LP-302 in El Paso mini|Tafel der Galerie

Das System zur Wassergewinnung und -verteilung in La Palma besteht aus unterschiedlich (privat und öffentlich) organisierten Netzwerken von Galerien, Brunnen, offenen Quellen, den verbindenden Kanälen / Rohrleitungen und diversen Wassertanks.

Die Hauptressource der Wasserversorgung stellen die Galerien dar, gefolgt von insgesamt 84 Brunnen, von denen nur noch 23 aktiv genutzt werden. Die Brunnen haben eine durchschnittliche Tiefe von 35 Metern.Aguas de La Palma, La Voz de La Palma, 31. Mai 2010.Mapa de capaciones de La Palma, (Karte der Galerien, Brunnen und Quellen) Consejo Insular De Aguas de La Palma, 2016.

Die ergiebigsten Quellen sind die von Marcos und Cordero im Barranco del Agua, in der Gemeinde San Andrés y Sauces, die etwa 10,1 hm³ Wasser pro Jahr liefern.Nacientes, (Quellen auf La Palma), Cabildo Insular de La Palma.

Von den 187 Galerien, deren Mehrzahl sich im Norden der Insel befindet, werden nur noch 94 aktiv genutzt. Eine Galerie besteht in der Regel aus einer gewölbten Decke, ist 2 Meter hoch, 1–2 Meter breit und hat eine durchschnittliche Länge von 1.100 m. In Richtung zur Öffnung fällt sie leicht ab, damit das Wasser über die Schwerkraft abfließen kann.Solo la mitad de las galerías de agua de La Palma se mantienen activas, (Nur die Hälfte der Wasserstollen auf La Palma sind aktiv.), Diario de Avisos, 13. Juni 2012.

Die Galerien sind über die Gemeinden La Palmas wie folgt verteilt:Galarias, Consejo Insular de Aguas, 19. Januar 2015 (Karte zeigt die Positionen der Galerien auf La Palma).Galerias, Inselrat von Aguas de la Palma, 19. Januar 2015 (Galerien und Brunnen La Palmas).

Gemeinde Anzahl der Galerien El Paso 43 Santa Cruz 32 Breña Alta 25 Garafía 23 Barlovento 20 Puntallana 9 Tijarafe 9 Gemeinde Anzahl der Galerien San Andrés y Sauces 8 Mazo 6 Puntagorda 3 Tazacorte 3 Los Llanos 3 Breña Baja 2 Fuencaliente 1 Insgesamt 187

Pipelines Die Hauptverteilung des Wassers aus dem wasserreichen Norden in die regenarmen südlichen Bereiche der Insel erfolgt über drei große Rohrleitungsstränge, auf der Ostseite der Insel sind es zwei Leitungen (Canal General La Palma I und III) und auf der Westseite ist es eine Leitung (Canal General La Palma II).Mapa de los tres canales de La Palma, (Übersichtskarte der drei Kanäle), Consejo Insular De Aguas de La Palma, 2016.