Ephesos (, hethitisch vermutlich Apaša, ), in der Landschaft Ionien gelegen, war im Altertum eine der größten und bedeutendsten Städte Kleinasiens und beherbergte mit dem Tempel der Artemis (Artemision) eines der Sieben Weltwunder.

Die Ruinen von Ephesos liegen heute in der Nähe von Selçuk, ungefähr 70 km südlich von Izmir an der türkischen Westküste (Ägäis). Der türkische Name des heutigen Ausgrabungsortes ist Efes.

Im Jahr 2015 wurde Ephesos von der UNESCO in die Liste des Kulturwelterbes aufgenommen.

Geographie mini|Versandung der Kaystros-Mündung und allmähliche Verlagerung des Hafens von Ephesos von der Antike bis zur osmanischen Ära. In Blau sind die Häfen (einschließlich der nicht mehr aktiven) dargestellt, in Rot und Grau der bebaute Raum (Zonen) und die Einfriedung (Linie), die jeweils besetzt bzw. verlassen sind.

In der Antike lag die Stadt direkt am Meer an der Mündung des Kaystros. Durch Sedimentation sowie klimatische und seismische Veränderungen verschob sich die Küstenlinie im Laufe der Zeit nach Westen, so dass sich die Reste der Stadt heute mehrere Kilometer landeinwärts befinden.

Geschichte mini|Historische Topographie von Ephesosmini|Blick vom Theater auf die Hafenstraße in Ephesos mini|Karte des heutigen Geländes von Ephesos

Kupfer- und Bronzezeit Sowohl der Name Ephesos als auch die ursprüngliche Besiedlung stammen vermutlich aus vorgriechischer Zeit. Die ältesten Zeugnisse für die Anwesenheit von Menschen im Bereich der späteren Stadt Ephesos gehen bis in die späte Kupfersteinzeit um 5000 v. Chr. zurück. Diese Funde wurden am Hang des Ayasoluk-Hügels im Bereich der Zitadelle von Selçuk gemacht. Ab der Mitte des 2. Jahrtausend v. Chr. war die aus hethitischen Texten bekannte und wahrscheinlich mit dem späteren Ephesos zu identifizierende Siedlung Apaša (auch Abaša), im Land Arzawa gelegen, ein wichtiges Zentrum im Einflussbereich der hethitischen und mykenischen Kulturen. Apaša war zeitweise die Hauptstadt des Arzawa-Reichs.Alexander Herda, Karkiša-Karien und die sogenannte Ionische Migration, in: Frank Rumscheid (Hrsg.): Die Karer und die Anderen. Internationales Kolloquium an der Freien Universität Berlin 13. bis 15. Oktober 2005 (2009), S. 48 mit Belegen in Anm. 117. Am Süd- und Westhang des Ayasoluk wurden Reste einer Wehrmauer aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. entdeckt.Michael Kerschner: Die Ionische Wanderung im Lichte neuer archäologischer Forschungen in Ephesos. In: Eckart Olshausen, Holger Sonnabend (Hrsg.): „Troianer sind wir gewesen“ – Migrationen in der antiken Welt. Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums, 8, 2002. Franz Steiner, Stuttgart 2006, S. 366 f. Aus der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. stammen unter anderem minoische und mykenische Funde, die in Ephesos entdeckt wurden und intensiven Handel mit Kreta und dem mykenischen Griechenland bezeugen. Gegenüber mykenischer Keramik – die aus Milet und vom griechischen Festland stammt – überwiegen jedoch einheimische, typisch westanatolische Keramikstile, was darauf hinweist, dass auf dem Ayasoluk-Hügel ein bedeutendes einheimisches Herrschaftszentrum lag und was für eine Identifizierung der Siedlung mit der Arzawa-Hauptstadt Apaša spricht.Michael Kerschner: Die Ionische Wanderung im Lichte neuer archäologischer Forschungen in Ephesos. In: Eckart Olshausen, Holger Sonnabend (Hrsg.): „Troianer sind wir gewesen“ – Migrationen in der antiken Welt. Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums, 8, 2002. Franz Steiner, Stuttgart 2006, S. 367–369.

Frühe Eisenzeit bis hellenistische Zeit Der Sage nach hat Androklos, König von Attika, die Vorläufersiedlung der Stadt Ephesos gegründet, doch spiegelt dieser Mythos vermutlich eher die später erhobenen Ansprüche der Athener auf Ionien wider. Die früheste entdeckte eisenzeitliche griechische Keramik stammt bereits aus dem späten 11. Jahrhundert v. Chr. (früh-protogeometrische Keramik). Da sie die gleichzeitige handgemachte indigene Ware zahlenmäßig sehr stark überwiegt, wird davon ausgegangen, dass Ephesos ab dem späten 11. Jahrhundert v. Chr. eine griechische Siedlung war.Michael Kerschner: Die Ionische Wanderung im Lichte neuer archäologischer Forschungen in Ephesos. In: Eckart Olshausen, Holger Sonnabend (Hrsg.): „Troianer sind wir gewesen“ – Migrationen in der antiken Welt. Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums, 8, 2002. Franz Steiner, Stuttgart 2006, S. 367 f., 371.

Einheimische Lyder und Karer lebten nordöstlich des heutigen Stadtgebietes, die zugewanderten Griechen gründeten der Überlieferung nach eine eigene Siedlung namens Koressos. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. wurde Ephesos durch die Kimmerer angegriffen. Antiken Quellen ist nicht eindeutig zu entnehmen, ob die Stadt geplündert und eventuell zerstört wurde oder ob man dem Angriff widerstehen konnte. Pfeilspitzen, die ungefähr aus der Zeit stammen, werden von manchen Forschern den Kimmerern zugeordnet. Verheerend können die Folgen für Ephesos jedenfalls kaum gewesen sein, denn schon wenige Jahre später verleibte sich Ephesos das Territorium des von Kimmerern und/oder Trerern völlig zerstörten Magnesias ein. Nach der Eroberung durch den lydischen König Kroisos im Jahr 560 v. Chr. kam es zu einem Synoikismos, das heißt, mehrere Kleinsiedlungen wurden zusammengelegt und eine neue Siedlung auf einem Gebiet nahe beim Artemistempel errichtet. In der Folgezeit kontrollierten zunächst die Perser, dann die Athener, darauf die Spartaner und schließlich wieder die Perser die Stadt. Das Artemision brannte 356 v. Chr. nieder, wurde aber später neu errichtet.

334 v. Chr. stand Alexander der Große vor der Stadt. Erst 296 v. Chr. wurde Ephesos durch den Diadochen-König Lysimachos von Thrakien an die heutige Stelle verlegt sowie zeitweilig nach seiner Frau Arsinoë II. in Arsinoeia umbenannt. Seit dieser Zeit war Ephesos eine große Hafenstadt von fast 350 ha Fläche, die von 189 bis 133 v. Chr. zum Königreich Pergamon gehörte, nach 133 v. Chr. zum Römischen Reich.

Römische Metropole Ephesos wurde Sitz des Statthalters (Prokonsul) der Provinz Asia. Die ersten Jahrzehnte der römischen Oberhoheit über die Polis Ephesos waren durch wachsende Spannungen gekennzeichnet, die letztlich im Blutbad der Vesper von Ephesos eskalierten, als die griechischen Bürger der Stadt im Jahr 88 v. Chr. zahlreiche Römer und Italiker töteten. In der Kaiserzeit beruhigte sich die Lage, und die römische Herrschaft wurde fortan als weniger drückend empfunden.

Ephesos war eine der bedeutenden und mit vielleicht über 200.000Jean-Claude Golvin: Metropolen der Antike. Theiss, Stuttgart 2005, S. 70. Einwohnern auch eine der großen Städte des Römischen Reiches. Zahlreiche öffentliche Bauten entstanden, die sowohl von der Stadt als auch von reichen Bürgern finanziert wurden. Dazu zählten eine Marktbasilika zu Ehren des Augustus sowie Tempel für die Kaiser Vespasian und Hadrian, die im Rahmen des Kaiserkultes verehrt wurden. Bemerkenswert ist das um 170 errichtete Partherdenkmal für Lucius Verus. 262 wurde Ephesos von einem schweren Erdbeben getroffen, wenig später plünderten gotische Krieger den Ort.

Die Stadt erholte sich jedoch, wenngleich auf bescheidenerem Niveau, und behielt ihre herausragende Stellung bis in die Spätantike hinein bei, einerseits als Wallfahrtsort und Bischofssitz, andererseits als Hauptstadt der (weltlichen) Diözese Asiana.

Christentum in Ephesos

Auch in Zusammenhang mit der Entwicklung des Christentums ist Ephesos von Bedeutung: Nur knapp 20 Jahre nach dem Wirken Jesu war seine Lehre durch Apollos nach Ephesos an der kleinasiatischen Westküste gelangt . Die Gemeinde von Ephesos war damit eine der ältesten christlichen Gemeinden überhaupt. Auf die Verkündigung des Apollos konnte der Apostel Paulus aufbauen, der bereits auf dem Rückweg von seiner 2. Missionsreise (ca. 52 n. Chr.) dort kurz Station gemacht hatte . Er erregte dort unter anderem den Unwillen der Devotionalienhändler, die um ihr gutes Geschäft mit der „Diana der Epheser“ fürchteten. Rechtlich wurde Paulus aber in der Stadt geduldet. Ungefähr ein Jahr später traf er erneut in Ephesos ein und blieb vermutlich drei Jahre, von denen er wohl einige Zeit im Gefängnis verbringen musste. Während dieser Gefangenschaft schrieb er die Briefe an die Philipper und an Philemon. Auch weitere seiner Briefe sind höchstwahrscheinlich in Ephesos entstanden (so der Römerbrief, der erste und zweite Brief an die Korinther sowie der Galaterbrief).Stefan Meißner: Paulus in Ephesus, in: christen-und-juden.de, 2000. Ein wichtiges Schreiben richtete sich an die Epheser selbst. Die christliche Gemeinde in Ephesos ist sodann die Empfängerin des ersten Sendschreibens der Offenbarung des Johannes an die sieben Gemeinden in Kleinasien .

Einer späteren, außerbiblischen Legende nach soll sich Maria nach der Himmelfahrt Jesu mit dem Kreis der Frauen um Jesus und mit dem Apostel Johannes in einem Haus in der Nähe von Ephesos (dem Haus der Mutter Maria) niedergelassen haben und bis zu ihrer eigenen Himmelfahrt viele Menschen in Heilkunde und der Lehre des Christentums unterrichtet haben. Johannes soll demnach in Ephesos gestorben sein. Auch soll hier, wohl um 157, der am Vorbild der platonischen Dialoge orientierte Dialog des Christen Justinus mit dem Juden Tryphon stattgefunden haben, eine der frühesten überlieferten christlichen Auseinandersetzungen mit dem Judentum.

Seit dem 1. Jahrhundert gab es Bischöfe von Ephesos. Der erste Bischof, Timotheus, ein Freund und Gefährte des Paulus, wurde der Legende nach im Jahr 97 von Anhängern der Artemis erschlagen, als er versuchte, eine Prozession zu Ehren der Göttin aufzuhalten. 325 wurde die Metropolie Ephesos gebildet, also das Erzbistum für die größere Region, das nur noch dem Patriarchat von Konstantinopel unterstand. Das Erzbistum bestand bis zur Vertreibung fast aller Christen der Türkei im Jahr 1923.

Im Jahr 431 tagte in Ephesos das von Kaiser Theodosius II. einberufene 3. Ökumenische Konzil, auch Konzil von Ephesos genannt, im Jahr 449 dann die so genannte Räubersynode, deren Beschlüsse bereits 451 verworfen wurden. Die sogenannte Marienkirche wurde mehrfach als Ort des Konzils genannt; dies ist in der Forschung jedoch umstritten. Bis weit ins 6. Jahrhundert hinein blühte in Ephesos das spätantike Leben. Als letzter großer Monumentalbau der Stadt wurde unter Kaiser Justinian über dem vermuteten Grab des Apostels die Johannesbasilika errichtet, eine der größten und bedeutendsten Kirchen des Byzantinischen Reichs.

Byzantinische Provinzstadt Die Justinianische Pest um 542 hat in Ephesos, wie zu jener Zeit auch in der vergleichbaren Stadt Milet, zu einem großen Bevölkerungsrückgang geführt, so dass im 6. Jahrhundert Stadtteile verwaisten und deren antike Bauwerke ohne Gewalteinwirkung verfielen. Doch erst die Einfälle der Sassaniden – möglicherweise wurde die Stadt 615/616 von den Persern erobert, worauf ein Brandhorizont hinweistByzantinische Schankstube in Ephesos, in: Archäologie in Deutschland 2016/1, S. 4. – und die anschließenden Arabereinfälle (siehe Islamische Expansion) beendeten im 7. Jahrhundert die antike Phase der Stadt. Hinzu kam die zunehmende Versandung des Hafens.

867 eroberte ein Heer der Paulikianer unter Johannes Chrysocheir die Stadt. Im Jahr 1090 – kurz vor dem Ersten Kreuzzug – wurde Ephesos dann von den türkischen Seldschuken erobert; in der Nähe entstand der Ort Ayasoluk oder Ayasluğ, der später in Selçuk umbenannt wurde.

Unter den Komnenen und Palaiologen, die das Gebiet noch einmal für Byzanz gewannen, spielte die Stadt bei der Verteidigung des Mäander-Gebiets eine zentrale Rolle. 1295 gelangen Alexios Philanthropenos größere Erfolge gegen die Türken, doch geriet er in Streit mit Konstantinopel. Er rebellierte zunächst erfolgreich gegen den Kaiser und nahm Theodor, den Bruder des Kaisers, gefangen, den er nach Ephesos schickte. Doch brach die Rebellion bald zusammen.